»Nachdem ich auf die plötzliche Frage des Ministers Manteuffel,
ob ich die Stelle eines Bundesgesandten annehmen wolle, einfach
mit ja geantwortet hatte, ließ der König mich zu sich bescheiden
und sagte: ›Sie haben viel Mut, daß Sie so ohne weiteres ein
Ihnen fremdes Amt übernehmen.‹ Ich erwiderte: ›Der Mut ist ganz
auf seiten Eurer Majestät, wenn Sie mir eine solche Stellung
anvertrauen, indessen sind Eure Majestät ja nicht gebunden, die
Ernennung aufrechtzuerhalten, sobald sie sich nicht bewährt. Ich
selbst kann keine Gewißheit darüber haben, ob die Aufgabe meine
Fähigkeit übersteigt, ehe ich ihr nähergetreten bin. Wenn ich mich
derselben nicht gewachsen finde, so werde ich der erste sein, meine
Abberufung zu erbitten. Ich habe den Mut zu gehorchen, wenn Eure
Majestät den haben zu befehlen.‹ Worauf der König: ›Dann wollen wir
die Sache versuchen.‹«
»Er wird schön hausen«
Der »Kladderadatsch« begrüßte Herrn von Bismarcks Ernennung mit
den Worten Zwickauers: Also Hörr von Büsmarck würd ßum Bundestag
nach Frankfurt am Mäun geschückt. Ich glaube, sogleuch er würklich
geschückt ist, würd dort Herr von Bismarck schön hausen.
Bismarcks letzte Erkenntnis aus den Frankfurter Jahren lag in dem
Satze: »Ich sehe in unserem Bundesverhältnis ein Gebrechen Preußens,
welches wir früher oder später =ferro et igni= heilen müssen.« Aber er
hat schon früh die Erkenntnis gewonnen, daß die Trennung von Österreich
die letzte Lösung des Rätsels sei. Und noch früher gewann er die
Überzeugung von der ganzen öden Nichtigkeit und Wichtigtuerei dieser
Zopfdiplomaten, die in Frankfurt wie einst auf dem seligen Regensburger
Reichstag sich über Quisquilien stritten. Schon acht Tage nach seinem
Eintreffen in Frankfurt schrieb er an seine Frau die berühmten Worte: