Ich muß ihn vernichten

»Es war meine erste Begegnung mit Fürst Bismarck. Ich war

befreundet mit dem späteren Gesandten in Dresden, Herrn von

Savigny, dessen Wohnung sich dicht neben dem von mir bewohnten Haus

in der Wilhelmstraße befand. Eines Morgens, als ich ihn besuchte,

empfing er mich mit den Worten: ›Ich habe einen Besuch im Hause,

Herrn von Bismarck, von dessen Auftreten auf dem Vereinigten

Landtage Sie gehört haben müssen.‹ Gleich darauf trat Herr von

Bismarck ein, im Schlafrock, mit der langen Pfeife. Das Gespräch

wandte sich sofort der eben eingegangenen Nachricht von der

Erschießung Robert Blums zu, wobei ich die Ansicht äußerte, es sei

dies vom österreichischen Standpunkt ein politischer Fehler. Als

ich diese Äußerung tat, fiel Bismarck sofort mit den Worten ein:

›Ganz falsch, wenn ich einen Feind in der Gewalt habe, muß ich

ihn vernichten.‹ Dieses Ausspruchs habe ich mich mehr als einmal

erinnert.«

So trat Bismarck ein Jahr später, als der Antrag auch in Amnestierung

der Rebellen im Landtag eingebracht war, durchaus folgerichtig gegen

diesen Antrag auf, der ihm ein erneutes Zeichen der Schwächlichkeit

schien. »Die weinerliche Sentimentalität des Jahrhunderts,« so rief

er aus, »die in jedem fanatischen Rebellen, in jedem gedungenen

Barrikadenkämpfer einen Märtyrer findet, werde mehr Blutvergießen

herbeiführen, als eine starre und entschlossene Gerechtigkeit.«

Charakteristisch für die Anschauungen, die der junge Abgeordnete in

jenen Tagen hegte, sind einige Anekdoten, die Temme und von Unruh in

ihren Erinnerungen erzählen:

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 72 / 334 题