Gehängt wird er doch

Die Mitglieder der verschiedenen »Abteilungen« des Landtags

wurden durch das Los bestimmt und saßen nicht nach den Parteien

geschieden beieinander, da dort keine politischen Fragen, sondern

rein geschäftliche des Hauses erledigt wurden. In eine dieser

Sitzungen kam der kleine demokratische Abgeordnete d’Ester, der

sich durch Bismarcks Ausfall gegen die »Tyrannenblut«-Sänger

besonders getroffen fühlen mochte, »biergefrühstückt« an und

wandte sich an den Abgeordneten für Westhavelland mit den Worten:

»Herr von Bismarck, Sie sind gegen uns unter allen Leuten Ihrer

Partei immer artig und höflich gewesen. Wir wollen Ihnen darum ein

Kartell vorschlagen: wenn wir die Oberhand behalten, so schonen

wir Sie, ist’s umgekehrt, so tun Sie das mit uns.« Bismarck aber

lehnte freundlich ab, indem er bemerkte: »Wenn Ihre Partei siegt,

d’Esterchen, so ist es nicht mehr der Mühe wert, zu leben; kriegen

wir dagegen die Oberhand, so wird gehenkt, aber Höflichkeit bis

zur letzten Galgensprosse.« In der Erinnerung an diesen Vorfall

sagte von Unruh zu Bismarck: »Nun, wissen Sie was, wenn Ihre Partei

siegt, so nehmen Sie mich in Schutz, und kommt meine Partei oben,

so werde ich Ihnen denselben Dienst leisten. Schlagen Sie ein.«

»Sehr gern«, erwiderte Bismarck, dessen Achtung für Herrn von Unruh

bedeutend höher stand als für Herrn d’Ester, obwohl er auch den

Sieg der Partei Unruh nicht fürchtete. Acht Jahre später sah sich

Unruh veranlaßt, Bismarck an diese scherzhafte Abrede zu erinnern

und seine Vermittlung in Anspruch zu nehmen, und Bismarck hielt

Wort.

An den Verhandlungen der Idealisten in der Paulskirche hat Bismarck,

wie gesagt, nicht teilgenommen. Er taugte nicht in die Mitte dieser

schwärmerischen, in ihren Hoffnungen zerfließenden Versammlung. Aber

er hat dennoch Stellung genommen zu dem vornehmsten Thema, das dort

beraten wurde, zur deutschen Verfassungsfrage. Und auch hier mußte ihn

die Logik der inneren Entwicklung in die Reihe der Gegner treiben.

[Illustration: ~Der neue Peter von Amiens und die Kreuzfahrer~

Das Bild, das eine der ersten Karikaturen auf Bismarck bildet, zeigt

ihn als Nebenfigur in der Gruppe der Kreuzzeitungspartei, deren

Mittelpunkt die Herren von Gerlach und Stahl bilden, während im

Hintergrunde Wagener und Gödsche als Don Quichotte und Sancho Pansa

figurieren. Auf der rechten Seite Stahls schreitet der Abgeordnete

von Bismarck, dessen Panzer die Form eines Krebses hat, in der Linken

seinen Stammbaum, in der Rechten eine Geißel tragend. Die Verse, die

unterschrieben sind, lauten: »Es hält Sankt Stahl des Esels Zaum, Sankt

Gerlach führt die Truppen, zur Seite steht Herr Bismarck treu, der

Erzschelm in Panzer und Schuppen. Und die sich als Landsknechte mit

ihren Mähren quetschen, das ist Herr Wagener-Don Quichotte mit Sancho

Pansa-Gödschen.« (»Kladderadatsch«, 4. Nov. 1849)]

So geschah es, daß ihm auf jene Rede, in der er das Recht des

Preußentums mit heißer Leidenschaft vertrat, in der er das wundervolle

Bekenntnis ablegte: »Preußen sind wir und Preußen wollen wir bleiben,

und ich hoffe zu Gott, daß wir auch noch lange Preußen bleiben

werden, wenn dieses Stück Papier vergessen sein wird, wie ein dürres

Herbstblatt,« ein Führer der Liberalen, Herr von Beckerath, zurufen

konnte: »Wo viel Licht ist, da muß auch viel Schatten sein; das große

deutsche Vaterhaus muß auch ~einen verlorenen Sohn~ haben.«

Bismarck ist auch Mitglied des Parlaments zu Erfurt gewesen, in das

er als das zweitjüngste Mitglied einzog; hier sollte das »Statut«

zwischen Preußen, Hannover und Sachsen beraten werden. Herr von

Bismarck ist hier Schriftführer geworden. Aus späten Zeiten erzählte

August Reichensperger von dieser Tätigkeit des märkischen Junkers einen

niedlichen Scherz.

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 73 / 334 题