Die Zeit der deutschen Revolution mußte Otto von Bismarck nach
seiner ganzen Entwicklung in schroffem Gegensatz nicht nur zu den
Barrikadenkämpfern, sondern auch zu den Schwärmern finden, die
später in der Paulskirche die Kaiserkrone schmieden wollten. Für ihn
waren wie für Roon die Männer der Revolution nur eine »schwankende,
ordnungslose, offenbar von fremden Meuterern aufgestachelte Menge«,
eine niederträchtige Partei, die gar keine Wurzeln im eigentlichen
Volke hatte. »Zwei- oder dreihundert Böswillige hetzen, tausend
Hungrige und Trunkene lassen sich hetzen, fünf- bis sechstausend sehen
dem Spektakel zu und bezahlen leider nicht selten mit ihrer Haut, was
jene verschuldet.« Für Bismarck wie für Roon ist in jenen Tagen jede
Konzession des Königs ein Zeichen der Schwäche; nur freiwillig dürfen
Preußens Herrscher geben, nicht gezwungen.
Bismarck erhielt die erste Kunde von den Ereignissen des 18. und 19.
März 1848 im Haus eines Gutsnachbarn, zu dem sich Berliner Damen
geflüchtet hatten. Es ist charakteristisch für ihn, daß ihn nicht so
die politische Tragweite der Vorgänge, wie die Erbitterung über die
Ermordung der Soldaten in den Straßen in tiefster Seele packte. Bald
aber schlugen die Wellen der Revolution auch bis nach Schönhausen
hinüber. Er erzählt darüber: