»Am 20. meldeten mir die Bauern in Schönhausen, es seien Deputierte
aus dem dreiviertel Meilen entfernten Tangermünde angekommen, mit
der Aufforderung, wie in der genannten Stadt geschehen war, auf
dem Turme die schwarzrotgoldene Fahne aufzuziehen, und mit der
Drohung, im Weigerungsfalle mit Verstärkung wiederzukommen. Ich
fragte die Bauern, ob sie sich wehren wollten; sie antworteten
mit einem einstimmigen und lebhaften ›Ja‹, und ich empfahl
ihnen, die Städter aus dem Dorfe zu treiben, was unter eifriger
Beteiligung der Weiber besorgt wurde. Ich ließ dann eine in der
Kirche vorhandene weiße Fahne mit schwarzem Kreuz, in Form des
eisernen, auf dem Turm aufziehen und ermittelte, was an Gewehren
und Schießbedarf im Dorfe vorhanden war, wobei etwa fünfzig
bäuerliche Jagdgewehre zum Vorschein kamen. Ich selbst besaß mit
Einrechnung der altertümlichen einige zwanzig und ließ Pulver durch
Boten von Jerichow nach Rathenow holen. Dann fuhr ich mit meiner
Frau auf umliegende Dörfer und fand die Bauern eifrig bereit, dem
Könige nach Berlin zu Hilfe zu ziehen, besonders begeistert einen
alten Deichschulzen Krause in Neuermark, der in meines Vaters
Regiment ›Karabiniers‹ Wachtmeister gewesen war. Nur mein nächster
Nachbar sympathisierte mit der Berliner Bewegung, warf mir vor,
eine Brandfackel in das Land zu schleudern, und erklärte, wenn die
Bauern sich wirklich zum Abmarsch anschicken sollten, so werde er
auftreten und abwiegeln. Ich erwiderte: ›Sie kennen mich als einen
ruhigen Mann, aber wenn Sie das tun, so schieße ich Sie nieder.‹
— ›Das werden Sie nicht‹, meinte er. — ›Ich gebe mein Ehrenwort
darauf,‹ versetzte ich, ›und Sie wissen, daß ich das halte, also
lassen Sie das.‹«