»Bei den Hoffestlichkeiten,« erzählte nach langen Jahren Fürst
Bismarck, »die während des Vereinigten Landtages stattfanden,
wurde ich von dem König und der Prinzessin von Preußen in
augenfälliger Weise gemieden, jedoch aus verschiedenen Gründen, von
der letzteren, weil ich weder liberal noch populär war, von dem
ersteren aus einem Grunde, der mir erst später klar wurde. Wenn
er bei Empfang der Mitglieder vermied, mit mir zu sprechen, wenn
er im Cercle, nachdem er der Reihe nach jeden angeredet hatte,
abbrach, sobald er an mich kam, umkehrte oder quer durch den Saal
abschwenkte: so glaubte ich annehmen zu müssen, daß meine Haltung
als royalistischer Heißsporn die Grenzen überschritt, die er sich
gesteckt hatte. Daß diese Auslegung unrichtig, erkannte ich erst
einige Monate später, als ich auf meiner Hochzeitsreise Venedig
berührte. Der König, der mich im Theater erkannt hatte, befahl
mich folgenden Tags zur Audienz und zur Tafel, mir so unerwartet,
daß mein leichtes Reisegepäck und die Unfähigkeit der Schneider
des Ortes mir nicht die Möglichkeit gewährten, in korrektem
Anzuge zu erscheinen. Mein Empfang war ein so wohlwollender und
die Unterhaltung auch auf politischem Gebiete derart, daß ich
eine aufmunternde Billigung meiner Haltung im Landtage daraus
entnehmen konnte. Der König befahl mir, mich im Laufe des Winters
bei ihm zu melden, was geschah. Bei dieser Gelegenheit und bei
kleineren Diners im Schloß überzeugte ich mich, daß ich bei beiden
allerhöchsten Herrschaften in voller Gnade stand, und daß der
König, wenn er zur Zeit der Landtagssitzungen vermieden hatte,
öffentlich mit mir zu reden, damit nicht eine Kritik meines
politischen Verhaltens geben, sondern nur seine Billigung den
anderen zurzeit nicht zeigen wollte.«
Am 28. Juli hat Bismarck die Braut heimgeführt. Die Hochzeitsreise
führte die Neuvermählten über Dresden, Prag, Wien und Salzburg nach
Italien und auf der Heimreise durch die Schweiz und das Rheinland.
Friedlich im jungen Eheglück floß dem Paare die nächste Zeit dahin.
Dann aber schäumten die Wellen der Revolution auch hinüber bis in ihr
Heim, und aus dem idyllischen Leben von Schönhausen wurde Bismarck
zum zweitenmal hinausgerissen in die Stürme, die damals die Welt
durchtobten.
[Illustration: Karikatur aus dem Jahre 1848 (Flugblatt)]