Die Verlobungsanzeige

»Malinka! Ich zeige Dir nunmehr alles Ernstes meine Verlobung an,

die kein Geheimnis mehr ist. Ich erhielt in der vorigen Woche einen

Brief von hier, der mir freistellte, herzukommen und die Antwort

zu hören. Am Montag kam ich früh durch Angermünde, fuhr spurlos

durch Naugard, und Dienstag, den 12., um Mittag war ich verlobt.

Alles nähere, das maßlose Erstaunen der Kassuben, von denen die,

welche nicht gleich rundum überschlugen, noch immer haufenweise

auf dem Rücken liegen, den Verdruß der alten Damen, daß auch keine

sagen kann: ich habe eine Silbe davon geahnt usw., will ich Dir

mündlich erzählen. Einstweilen bitte ich nur Dich und Oskar, Euch

in wohlwollende Verfassung für meine zukünftige Frau zu setzen,

die Dir selbst noch schreiben wird. Reinfeld liegt hier dicht bei

Polen, Bütow ist die nächste Stadt, man hört die Wölfe und die

Kassuben allnächtlich heulen, und in diesem und den sechs nächsten

Kreisen wohnen achthundert Menschen auf der Quadratmeile; =polish

spoken here=. Ein sehr freundliches Ländchen. Herzliche Grüße an O.

Dein treuer Bruder.«

Bismarck hatte die Frau, die ihn durch ein langes großes Leben geleiten

sollte, bei der Hochzeit des ihm befreundeten jungen Ehepaares von

Blankenburg kennen und auf einer gemeinsamen Reise in den Harz lieben

gelernt. Von hier waren sie bereits als stillverlobtes Paar in die

Heimat zurückgekehrt. Aber es hatte noch eine Zeitlang gedauert, ehe

sie an das Ziel ihrer Wünsche gelangten. Denn der Ruf, den der tolle

Junker genoß, machte die Zustimmung der frommen christlichen Eltern

höchst unwahrscheinlich. Als Bismarck brieflich frank und frei um die

Hand der Tochter anhielt, äußerte sich der Vater so wenig erfreulich,

daß er später den Eindruck dieser Stunde in den Ausruf zusammenfaßte:

»Ich war wie mit der Axt vor den Kopf geschlagen.« Die Mutter aber

jammerte, daß der Wolf immer die frömmsten Schafe fresse; sie

protestierte und weinte, bis schließlich Bismarck selbst auf dem Plan

erschien. Mit den Worten »=all right=« zeigte er dann der Schwester den

Sieg an.

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 63 / 334 题