Die Fuchsjagd

»Nächstdem«, so schreibt er im Dezember 1844 aus Schönhausen an

die Schwester, »lebe ich hier mit dem Vater lesend, rauchend,

spazierengehend, helfe ihm Neunaugen essen und spiele zuweilen

eine Komödie mit ihm, die es ihm gefällt, Fuchsjagd zu nennen; wir

gehen nämlich bei starkem Regen, oder jetzt sechs Grad Frost, mit

Ihle, Bellin und Karl hinaus, umstellen mit aller jägermäßigen

Vorsicht, lautlos unter sorgfältiger Beachtung des Windes einen

Kieferbusch, von dem wir alle, und vielleicht auch der Vater,

unumstößlich überzeugt sind, daß, außer einigen Holz suchenden

Weibern, kein lebendes Geschöpf darin ist. Darauf gehen Ihle, Karl

und zwei Hunde unter Ausstoßung der seltsamsten und schrecklichsten

Töne, besonders von seiten Ihles, durch den Busch; der Vater steht

regungslos und aufmerksam mit schußfertigem Gewehr, genau als wenn

er wirklich ein Tier erwarte, bis Ihle dicht vor ihm schreit: ›hu,

la, la, he, he, faßt, häh, häh!‹ in den sonderbarsten Kehllauten.

Dann fragt mich der Vater ganz unbefangen, ob ich nichts gesehen

habe, und ich sage mit einem möglichst natürlich gegebenen Anflug

von Verwunderung im Tone: nein, nicht das mindeste. Dann gehen

wir, auf das Wetter schimpfend, zu einem anderen Busch, dessen

vermutliche Ergiebigkeit an Wild Ihle mit einer recht natürlich

gespielten Zuversicht zu rühmen pflegt, und spielen =dal segno=.

So geht es drei bis vier Stunden lang, ohne daß in Vater, Ihle und

Fingal die Passion einen Augenblick zu erkalten scheint. Außerdem

besehen wir täglich zweimal das Orangeriehaus und einmal die

Schäferei, vergleichen stündlich die vier Thermometer in der Stube,

rücken die Zeiger des Wetterglases und haben, seit das Wetter klar

ist, die Uhren nach der Sonne in solche Übereinstimmung gebracht,

daß nur die an der Bibliothek noch einen einzigen Schlag nachtut,

wenn die anderen =a tempo= ausgeschlagen haben. Karl =V.= war ein

dummer Kerl!«

Noch nicht ein Jahr später eilte Bismarck an das Sterbelager seines

Vaters, und wenige Stunden nach seiner Ankunft, am 22. August 1845,

drückte er ihm die Augen zu. Aber auf den schweren Verlust ist mit der

Verlobung bald das glücklichste Ereignis in Bismarcks Leben gefolgt.

Er war nach dem Tode des Vaters nach Schönhausen übergesiedelt, das

er fortan neben Kniephof übernahm. Vorher war er vom Kreise Jericho

zum Deichhauptmann ernannt. Schon vorher hatte er jene Tat vollbracht,

deren Lohn sein erster Orden wurde, die Rettungsmedaille.

In der Stadtchronik von Lippehne befindet sich, von dem Ortspfarrer

Stöhr niedergeschrieben, folgende Stelle:

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 61 / 334 题