Liebe Mutter! Ich bin hier glücklich angekommen; es sind die
Zensuren ausgefüllt, und ich hoffe, daß Du Dich freuen wirst. Es
sind kürzlich neue Springer angekommen, die sehr schöne Kunststücke
zu Pferde und zu Fuß machen können. Grüße alles vielmals und bleibe
so gesund wie wir Dich verlassen hatten.
Ich bin Dein Dich liebender Sohn Otto.
War aber Otto immer ein Musterknabe? Erhalten blieb die Tatsache, daß
er, als ihn der altdeutsch gescheitelte, langlockige Zeichenlehrer eine
Zierpuppe schalt, ihm blitzschnell die Antwort gab: »Selbst eine!« Und
auch in den Zeugnissen ist zu lesen, daß er im Arbeiten und Denken
zu Übereilung, in allen Handtätigkeiten zur Flüchtigkeit neigte, und
daß er allzu lebhaft und lange beinahe zerstreut war. »Er hat wohl
über sich zu wachen, daß sein natürlicher Frohsinn nicht ausarte und
daß jedes seine rechte Stelle habe, der Ernst bei der Arbeit und die
Fröhlichkeit im geselligen Leben.«
Im September 1827 ging der junge Bismarck in das Gymnasium über.
Gleichzeitig zogen die Eltern für einen großen Teil des Jahres nach
Berlin und nahmen ihn auch in ihre in der Behrenstraße gelegene Wohnung
mit. Während des Winters lebten Otto und sein Bruder Bernhard mit
den Eltern zusammen, im Sommer zogen Vater und Mutter nach Kniephof,
während die beiden Jungen, von einem Hauslehrer überwacht und von der
getreuen Trine Neumann verpflegt, allein in der Hauptstadt wirtschaften
durften.