begab sich damit auf den Weg. Als er ein Ende gegangen war, begegnete
ihm ein Mann mit einem Pferd, das wollte Halvor ihm gern abkaufen und
accordirte mit dem Manne. »Es war freilich nicht meine Absicht, es zu
verkaufen,« sagte der Mann: »aber wenn wir des Handels einig werden
können, mag es drum sein.« Halvor fragte ihn, Was er denn für das Pferd
haben wolle. »Viel habe ich nicht dafür gegeben, und Viel ist es auch
nicht werth,« sagte der Mann: »es ist aber ein braves Pferd zum Reiten,
obwohl es zum Ziehen eigentlich nicht taugt; doch so Viel vermag es
immer, daß es Euern Eßranzen trägt und Euch dazu, wenn Ihr mitunter
mal wieder ein Ende geht.« Sie wurden nun um den Preis einig, und als
Halvor das Pferd bekommen hatte, legte er seinen Ranzen darauf und ging
und ritt abwechselnd. Gegen Abend kam er zu einem grünen Hügel, worauf
ein großer Baum stand. Da nahm er seinen Eßranzen vom Pferde, ließ diesem
die Zügel und legte sich unter dem Baum schlafen. Sobald es Tag wurde,
machte er sich wieder auf den Weg; denn er hatte durchaus keine Ruhe. Er
ging und ritt den ganzen Tag durch einen großen Wald, worin viele grüne
Plätze waren, die herrlich zwischen die Bäume hindurchschimmerten. Halvor
wußte nicht mehr, wo er war, und wohin der Weg führte; aber er ließ sich
keine Zeit, auszuruhen, außer wenn er dem Pferd Etwas zu essen gab und
er selber auf einem der grünen Plätze seinen Ranzen aufschnürte. Er ging
und ritt immerfort, und der Wald schien niemals ein Ende nehmen zu
wollen.
Aber am andern Morgen, als es dämmerte, sah er, daß es zwischen den
Bäumen lichter ward. »Ich wollte, ich käme jetzt zu Leuten, wo ich mich
ein wenig wärmen und Etwas zu essen bekommen könnte!« dachte Halvor; und
als er noch einige Schritte gegangen war, kam er zu einer armseligen
Hütte und sah drinnen durch die Fensterscheiben ein Paar alte Leute; sie
waren schon sehr alt und hatten einen ganz grauen Kopf, so grau, wie
Tauben, und die Frau hatte eine Nase, die war so lang, daß sie sie statt
Feuergabel auf dem Herd gebrauchte. »Guten Abend!« sagte Halvor, als er
eintrat. »Guten Abend!« sagte die Frau: »Was führt Euch denn hieher?
Über hundert Jahre sind es jetzt, daß keine Menschenseele hier gewesen
ist.« Halvor erzählte ihnen, daß er nach Soria-Moria-Schloß wolle, und
fragte, ob sie nicht den Weg dahin wüßten. »Nein,« sagte die Frau: »den
weiß ich nicht; aber nun kommt gleich der Mond, den will ich fragen;
denn der scheint auf Alles und sieht Alles, der mag es wohl wissen.«
Als nun der Mond hell und klar über den Bäumen stand, ging die Frau
hinaus und rief: »Du Mond, Du Mond! kannst Du mir nicht den Weg nach
Soria-Moria-Schloß sagen?« -- »Nein,« sagte der Mond: »das kann ich
nicht; denn als ich in der Gegend schien, stand eine Wolke davor.«
-- »Warte nur ein wenig,« sagte die Frau zu Halvor: »nun kommt bald der
Westwind, der weiß es gewiß; denn der weh't und bläs't in jeden Winkel.«
»Ei! hast Du auch ein Pferd?« rief sie darauf, als sie Halvors Pferd
erblickte: »laß doch das arme Thier ein wenig in die Koppel hinaus, und
hier nicht bei der Thür stehen und hungern!« »Aber willst Du es mir
nicht vertauschen?« sagte sie: »Ich habe hier ein Paar alte Stiefeln
stehen, womit Du sieben Meilen in _einem_ Schritt machen kannst; die
will ich Dir für Dein Pferd geben; dann kannst Du um so viel eher nach
Soria-Moria-Schloß kommen.« Das war Halvor schon recht, und die Alte
freu'te sich so sehr über das Pferd, daß sie tanzte und sprang. »Nun
kann ich doch, wenn ich will, zur Kirche _reiten!_« sagte sie. Halvor,
der keine Ruhe hatte, wollte sogleich mit den Stiefeln fort; aber die
Alte sagte: »Es hat nicht so große Eile; lege Dich nur erst ein wenig
auf die Bank hin und schlafe, denn ein Bett habe ich Dir nicht
anzubieten; indeß will ich aufpassen, wenn der Westwind kommt.«
Als nun Halvor ein wenig geschlafen hatte, kam der Westwind dahergesaus't,
daß die alte Hütte krachte. Die Alte hinaus: »Du Westwind! Du Westwind!«
rief sie: »weißt Du nicht den Weg nach Soria-Moria-Schloß? Hier ist
Einer, der will gern hin.« -- »Ja, den weiß ich sehr gut,« sagte der
Westwind: »ich soll eben jetzt dahin und die Kleider zur Hochzeit
trocknen. Ist er rasch zu Fuß, so kann er mit mir reisen.« Halvor
hinaus. »Du musst schnell sein, wenn Du mit willst,« sagte der Westwind,
und fort ging's über Rusch und Busch, über Hügel und Thal, so daß Halvor
Genug zu thun hatte, um Schritt zu halten. Endlich sagte der Westwind:
»Jetzt kann ich nicht weiter mit Dir reisen; denn ich muß dort noch erst
ein Stück Tannenwald umreißen, eh' ich zur Bleiche komme und die Kleider
trockne; wenn Du aber längs der Bergseite fortgehst, so kommst Du zu
einigen Dirnen, die dort stehen und Zeug waschen, und von da ist es
nicht mehr weit nach Soria-Moria-Schloß.«
Um eine Weile kam Halvor zu den Dirnen, die da stunden und wuschen; sie
fragten ihn, ob er nicht den Westwind gesehen hätte, der sollte kommen
und das Zeug zur Hochzeit trocknen. »Ja,« sagte Halvor: »er ist nur hin
und reißt ein Stück Tannenwald um; es wird aber nicht lange dauern, so
ist er da,« und nun befragte er sie um den Weg nach Soria-Moria-Schloß.
Sie zeigten ihn darauf zurecht, und als er ans Schloß kam, war es da so
voll von Menschen und Pferden, daß es wimmelte. Halvor aber war so
zerlumpt und zerrissen, weil er dem Westwind über Rusch und Busch und
Stock und Stein gefolgt war, daß er sich gar nicht sehen lassen mochte,
sondern sich abseits hielt; erst den letzten Tag trat er hervor, da eben
die Gäste sich zur Tafel setzten. Als sie nun, wie es Sitte und Gebrauch
ist, die Gesundheit des Bräutigams und der Braut tranken und ihnen Glück
wünschten, und der Mundschenk Allen, sowohl Rittern, als Knappen, zutrank,
da kam der Becher auch zu Halvor. Er brachte nun ebenfalls die Gesundheit
des Brautpaars aus, darnach ließ er den Ring, den die Prinzessinn ihm an
den Finger gesteckt hatte, als er an dem Wasser eingeschlafen war, in
den Becher fallen und sagte zu dem Mundschenken, er solle die Braut von
ihm grüßen und ihr den Becher reichen. Wie nun die Prinzessinn ihren
Ring erblickte, stand sie sogleich vom Tische auf und sprach: »Wer hat
es wohl am ersten verdient, Eine von uns zur Gemahlinn zu haben. Der,
welcher uns befrei't hat, oder Der, welcher hier als Bräutigam sitzt?«
Natürlich der Erste, sagten Alle, darüber könnten durchaus nicht zwei
Meinungen sein. Und als Halvor das hörte, säumte er nicht, seine Lumpen
abzuwerfen und sich als Bräutigam zu schmücken. »Ja, Das ist der
Rechte!« rief die Prinzessinn, als sie ihn erblickte, ließ den Andern
mit einer langen Nase abziehen und hielt Hochzeit mit Halvor.
28.
Der Herr Peter.
Es waren einmal ein Paar arme Eheleute, die hatten drei Söhne. Wie die
beiden ältesten hießen, weiß ich nicht; aber der jüngste hieß _Peter_.
Als die Ältern gestorben waren, und die Kinder sich in die Erbschaft
theilen wollten, war Nichts da, als ein Grapen, eine Brodplatte und eine
Katze. Der älteste, welcher das Beste haben sollte, nahm den Grapen.
»Wenn ich den ausleihe, bleibt doch immer Etwas für mich auszuschrapen
drin,« sagte er. Der zweite nahm die Brodplatte: »Wenn ich die ausleihe,
bleibt doch immer Etwas für mich abzukratzen dran,« sagte er. Für
den jüngsten blieb nichts Anders übrig, als die Katze. »Wenn ich die
ausleihe, bekomm' ich Nichts dafür,« sagte er: »giebt man ihr auch ein
wenig Milch, so schleckt sie sie selbst.« Gleichwohl nahm er doch die
Katze; denn es jammerte ihn, sie umkommen zu lassen.
Hierauf wanderten die Brüder fort in die Welt, um ihr Glück zu versuchen,
und jeder zog seine Straße. Als der jüngste eine Weile fortgegangen war,
sagte die Katze: »Es soll Dir nicht leid sein, daß Du mich nicht in der
alten Hütte hast umkommen lassen, sondern mich mit Dir genommen. Ich
werde in den Wald gehen und allerlei Gethier greifen, das sollst Du zu dem
König auf das Schloß tragen, das Du dort siehst, und sagen, Du brächtest
ihm ein kleines Geschenk. Wenn er Dich dann fragt, von Wem das ist,
sollst Du sagen: 'Das ist von dem _Herrn Peter_.'« Hierauf lief die
Katze in den Wald, und kam bald mit einem lebendigen Rennthier zurück;
dem war sie auf den Kopf gesprungen, hatte sich zwischen die Hörner
gesetzt und gesagt: »Gehst Du nicht gradesweges zu des Königs Schloß,
so kratze ich Dir die Augen aus,« darum wagte das Rennthier auch nicht,
anders zu thun, als die Katze ihm gesagt hatte. Wie Halvor nun zum
Schloß kam, ging er mit seinem Thier in die Küche und sagte: »Ich komme,
um dem König ein kleines Geschenk zu überbringen, wenn er es nicht
verschmähen wollte.« Als man dem König das anmeldete, kam er sogleich
in die Küche, und wie er das große schöne Rennthier erblickte, war er
darüber außerordentlich erfreu't. »Mein lieber Freund,« sagte er zu
Halvor: »Wer ist es, der mir ein so schönes Geschenk sendet?« -- »O, das
ist der Herr Peter,« sagte der Bursch. »Der Herr Peter?« sagte der
König: »wo wohnt er doch noch, dieser Herr Peter?« denn es däuchte ihm
eine Schande, daß er einen solchen Mann nicht kennen sollte. Aber der
Bursch wollt' es ihm nicht sagen; er dürfe es nicht wegen seines Herrn,
sagte er. Darauf gab der König ihm ein gutes Trinkgeld und bat ihn,
seinen Herrn von ihm zu grüßen, und er ließe sich auch vielmal bedanken.
Den andern Tag lief die Katze wieder in den Wald, sprang einem Hirsch
auf den Kopf, setzte sich ihm zwischen die Augen und nöthigte ihn
ebenfalls durch Drohungen, nach des Königs Schloß zu gehen. Als Peter in
die Küche eintrat, sagte er wieder, er käme, um dem König ein kleines
Geschenk zu überbringen, wenn er es nicht verschmähen wolle. Der König
freu'te sich über den Hirsch noch mehr, als über das Rennthier, und
fragte, Wer es denn wäre, der ihm ein so schönes Geschenk sende. »Das
ist der Herr Peter,« sagte der Bursch. Als aber der König wissen wollte,
wo der Herr Peter wohne, bekam er wieder dieselbe Antwort, wie den
vorigen Tag, und diesmal gab er Petern ein noch größeres Trinkgeld.
Den dritten Tag kam die Katze mit einem Elenthier an. Als Peter in die
Küche auf dem Schloß trat und sagte, er brächte dem König ein kleines
Geschenk, ward es dem König sogleich angesagt. Wie dieser nun herauskam
und das große schöne Elenthier erblickte, war er darüber so voller
Freude, daß er nicht wußte, »auf welchem Bein er stehen wollte,« und das
Mal gab er Petern ein noch weit größeres Trinkgeld, es waren gewiß
hundert Thaler. Nun wollte aber der König durchaus wissen, wo der Herr
Peter wohnte, und forschte und fragte auf alle mögliche Weise; aber
Peter sagte, er dürfe es nicht sagen von wegen seines Herrn, denn der
hätte es ihm so strenge verboten. »So sage denn dem Herrn Peter, ich
ließe ihn bitten, mich zu besuchen,« sagte der König. Ja, sagte der
Bursch, er wollt's wohl bestellen. Als Peter darauf zu der Katze kam,
sagte er: »Na, Du hast mich in eine schöne Patsche gebracht! Nun will
der König, ich soll ihn besuchen, und ich habe ja nichts Anders auf
den Leib zu ziehen, als die Lumpen, worin ich gehe und stehe.« -- »O,
sei deßwegen nicht bekümmert!« sagte die Katze: »um drei Tage sollst
Du Pferde und Wagen und so schöne Kleider bekommen, daß das Gold
heruntertröpfelt; dann kannst Du den König besuchen. Aber Was Du auch
beim König siehst, so musst Du immer sagen, Du hättest es noch weit
schöner und prächtiger zu Hause; das musst Du nicht vergessen.« Nein,
Peter wollt's nicht vergessen. -- Als nun die drei Tage um waren, kam
die Katze mit Wagen und Pferden und Kleidern und Allem, was Peter
gebrauchte. Das Alles aber war so prächtig, wie Niemand Dergleichen
noch gesehen hatte. Nun fuhr Peter nach dem Schloß, und die Katze lief
hinterher. Der König empfing den Burschen sehr freundlich; aber Was er
ihm auch zeigen und anbieten mochte, so sagte Peter immer, ja, das wäre
Alles recht gut, aber er hätt's doch noch weit schöner und prächtiger zu
Hause. Das wollte nun dem König gar nicht anstehen, aber Peter blieb
immer beim Alten. Zuletzt ward der König so verdrießlich, daß er sich
nicht länger halten konnte. »Nun will ich mit Dir reisen,« sagte er:
»und sehen, ob es wahr ist, daß Du Alles so viel besser und schöner
hast, als ich. Aber Gnade Dir Gott, wenn Du lügst! Ich sage nicht mehr.«
-- »Ja, nun hast Du mich schön in die Tinte gebracht!« sagte Peter zu
der Katze: »nun will der König mit mir reisen nach meinem Hause, aber
das ist wohl nicht gut zu finden.« -- »Laß Dich das nicht kümmern!«
sagte die Katze: »ich werde voranlaufen, und folge Du mir dann nur immer
nach.« Darauf reis'ten sie fort: die Katze voran, darnach Peter, welcher
hinter ihr her fuhr, und dann der König mit seinem ganzen Hofstaat.
Als sie nun ein gutes Ende gefahren waren, kamen sie zu einer großen
Heerde Schafe, die hatte Wolle, so lang, daß sie an der Erde schleppte.
»Willst Du sagen, daß diese Schafheerde dem Herrn Peter gehört, so gebe
ich Dir diesen silbernen Löffel,« sagte die Katze zum Hirten -- den
Löffel aber hatte sie mit aus dem Königsschloß genommen --. Ja, das
wollte der Hirte wohl sagen. Als nun der König gefahren kam, rief er:
»Ei! ei! hab' ich doch nie eine so große schöne Schafheerde gesehen! Wem
gehört die, mein kleiner Bursch?« -- »Die gehört dem Herrn Peter,« sagte
der Bursch.
Nach einer Weile kamen sie zu einer schönen großen Heerde scheckiger
Kühe, die waren so fett, daß sie glänzten. »Willst Du sagen, daß diese
Heerde dem Herrn Peter gehört, wenn der König Dich fragt, so gebe ich Dir
diesen silbernen Handzuber,« sagte die Katze zu der Dirn, die das Vieh
trieb -- den Zuber aber hatte sie auch aus dem Schloß mitgenommen --. »Ja,
recht gern!« sagte die Dirn. Als nun der König gefahren kam, wunderte
er sich sehr über die große schöne Heerde; eine so schöne Viehheerde,
meinte er, hätte er noch nie gesehen; und als er die Dirn fragte, Wem
das Vieh gehöre, sagte sie: »O, das gehört alles dem Herrn Peter.«
Ein Ende weiter hin trafen sie eine große schöne Koppel Pferde an, es
waren die schönsten Pferde, die man sehen konnte; alle waren sie groß und
fett, und von jeder Farbe waren sechs: rothe, fahle und blaue. »Willst
Du sagen, daß diese Pferdetrift dem Herrn Peter gehört, wenn der König
Dich fragt, so geb' ich Dir diesen silbernen Abguß,« sagte die Katze zum
Hirten -- den Abguß hatte sie auch aus dem Schloß mitgenommen --. Ja,
der Bursch wollt's wohl sagen. Als nun der König ankam, war er ganz
verwundert über die große schöne Pferdetrift; denn solche Pferde hätte
er noch nie gesehen, sagte er, und als er den Burschen fragte, Wem alle
die rothen und fahlen und blauen Pferde gehörten, sagte der: »Die
gehören alle dem Herrn Peter.«
Als sie nun ein gutes Ende weiter gereis't waren, kamen sie zu einem
Schloß. Die erste Pforte war von Messing, die zweite von Silber, und die
dritte von Gold. Das Schloß selbst war von Silber und so blank, daß es
Einem in den Augen weh that, wenn man es ansah; denn es schien grade die
Sonne darauf, wie sie ankamen. Die Katze hatte die Gelegenheit ersehen,
dem Burschen unbemerkt ins Ohr zu flüstern, er solle sagen, das wäre
_sein_ Schloß. Drinnen im Schloß aber war's noch viel prächtiger, als
außen: Alles war hier von Gold, sowohl die Stühle, als die Tische und
die Bänke. Als nun der König rings umhergegangen war und Alles genau
betrachtet hatte, von unten und von oben, da ward er ganz beschämt.
»Ja, der Herr Peter hat Alles weit prächtiger, als ich,« sagte er: »es
hilft nicht, daß man es leugnet,« und damit wollte er wieder fortreisen.
Aber Peter bat ihn, er möchte doch bleiben und bei ihm zu Abend essen.
Na, das that denn der König auch; aber sauer sah er die ganze Zeit.
-- Während sie nun bei Tische saßen, kam der Troll gegangen, dem das
Schloß gehörte, und klopfte an die Pforte. »_Wer ist es, der mein Essen
verzehrt und meinen Meth trinkt, als wären Schweine drinnen?_« rief er.
Als die Katze das hörte, lief sie sogleich hinaus, trat an die Pforte
und sprach: »Wart einmal! ich will Dir erzählen, wie der Bauer es mit
dem Winterkorn macht,« und darauf erzählte sie dem Trollen sehr weitläufig
vom Winterkorn: wie zuerst der Bauer seinen Acker pflüge, darnach ihn
dünge, und dann wieder pflüge u. s. w., bis plötzlich die Sonne
aufging[7]. »Sieh Dich mal um, dann wirst Du hinter Dir die schöne
herrliche Jungfrau erblicken!« sagte die Katze zum Trollen. Da sah
dieser sich um, erblickte die Sonne und barst mitten von einander[8].
»Nun gehört Alles Dir,« sagte darauf die Katze zu Petern: »Jetzt aber
sollst Du mir den Kopf abschlagen, das ist der einzige Lohn, den ich
für die Dienste verlange, die ich Dir gethan habe.« Das wollte aber
Peter durchaus nicht. »Wenn Du es nicht thust,« sagte die Katze: »so
kratze ich Dir die Augen aus.« Da konnte Peter nicht anders, sondern
mußte thun, wie die Katze wollte, so sauer es ihm auch ankam: mit
_einem_ Streich hatte er ihr den Kopf vom Rumpf abgehau't. Da stand
aber plötzlich vor ihm die schönste Prinzessinn, die man je gesehen
hat, und Peter wurde augenblicklich ganz in sie verliebt. »Alle diese
Herrlichkeit gehörte früher mir,« sagte die Prinzessinn: »aber der Troll
hatte mich verzaubert, so daß ich als Katze in dem Hause Deiner Ältern
sein mußte. Nun kannst Du thun, Was Du willst, mich zu Deiner Gemahlinn
nehmen, oder nicht; denn nun bist Du König über das ganze Reich.« -- Der
nicht nein sagte, das war Peter, und es ward eine Hochzeit gehalten und
ein Gastmahl, das dauerte ganze acht Tage lang. Nun war ich aber nicht
länger bei dem Herrn Peter und der jungen Königinn.
29.
Aase[9], das kleine Gänsemädchen.
Es war einmal ein König, der hatte so viele Gänse, daß er eigens eine
Dirn halten mußte, sie zu hüten; diese Dirn hieß Aase, und darum nannten
die Leute sie _Aase, das Gänsemädchen_. Nun traf es sich, daß der
Königssohn von England aufs Freien ausreis'te, dem setzte Aase sich in
den Weg. »Was sitzest Du da, Du kleine Aase?« sagte der Königssohn. »Ich
sitze hier und flicke das Zeug und setze Lappen auf Lappen,« sagte Aase:
»denn ich warte auf den Königssohn von England.« -- »Den kannst Du nicht
bekommen,« sagte der Prinz. »Wenn ich ihn haben soll, dann werd' ich ihn
wohl kriegen,« sagte die kleine Aase. -- Es wurden nun Maler ausgesandt
nach allen Ländern und Reichen, die sollten die schönsten Prinzessinnen
abmalen, und dann wollte der Königssohn sich eine zur Gemahlinn aussuchen.
Eine von ihnen gefiel ihm auch so gut, daß er sogleich zu ihr reis'te
und um sie frei'te; sie sagte auch Ja und ward seine Braut, und darüber
war der Prinz außerordentlich vergnügt. Nun hatte aber der Prinz einen
Stein, und wenn er den vor sein Bett hinlegte, sagte der ihm Alles,
worüber er ihn befragte. Als daher die Prinzessinn angereis't kam, sagte
Aase, das Gänsemädchen, zu ihr, wenn sie schon früher einen Liebsten
gehabt hätte, oder sich wegen einer gewissen Sache, wovon der Prinz
Nichts wissen solle, etwa nicht frei fühle, so müsse sie sich in Acht
nehmen, daß sie nicht über den Stein trete, den der Prinz vor sein Bett
hingelegt hätte, denn der sage ihm Alles. Als die Prinzessinn das hörte,
ward sie sehr angst und bat die kleine Aase, daß sie sich am Abend an
ihrer Stelle zu dem Prinzen ins Bett legen möchte, und wenn er dann
eingeschlafen sei, wollten sie wieder umtauschen, so daß er am Morgen,
wenn es hell würde, die Rechte bei sich hätte. Das thaten sie denn auch.
Als Aase, das Gänsemädchen, über den Stein trat, fragte der Prinz: »Wer
ist es, der in mein Bett steigt?« -- »Reine und keusche Jungfrau,« sagte
der Stein, und darauf legten sie sich schlafen. In der Nacht aber kam
die Prinzessinn und legte sich an Aase's Stelle. Als sie aber am andern
Morgen aufstanden, fragte der Prinz den Stein wieder: »Wer ist es, der
aus meinem Bett steigt?« -- »Eine, die schon drei Kinder gehabt hat,«
sagte der Stein. Wie der Prinz das hörte, wollte er sie nicht haben,
sondern schickte sie wieder nach Hause und nahm sich eine andre Braut.
Als er nun die neue Braut besuchen wollte, hatte Aase, das kleine
Gänsemädchen, sich wieder vor ihm in den Weg hingesetzt. »Was sitzest
Du hier, Du kleine Aase?« sagte der Prinz. »Ich sitze hier und flicke
das Zeug und setze Lappen auf Lappen, denn ich warte auf den Königssohn
von England,« sagte Aase. »Den kannst Du nicht bekommen,« sagte der
Königssohn. »Wenn ich ihn haben soll, dann werd' ich ihn wohl kriegen,«
sagte Aase.
Mit dieser Prinzessinn ging es nun eben so, wie mit der vorigen, nur mit
dem Unterschied, daß der Stein, als sie am Morgen aufstand, sagte, sie
hätte schon sechs Kinder gehabt. Nun wollte der Prinz auch sie nicht
haben, sondern jagte sie wieder aus dem Hause; aber einmal, meinte er,
wollt' er's noch versuchen, ob er nicht Eine finden könne, die noch eine
reine und keusche Jungfrau sei. Er reis'te nun weit umher durch viele
Länder, bis er endlich Eine fand, die er leiden mochte. Als er sie darauf
einmal besuchte, hatte Aase, das Gänsemädchen, sich wieder in den Weg
hingesetzt. »Was sitzest Du hier, Du kleine Aase?« fragte der Prinz.
»Ich sitze hier und flicke das Zeug und setze Lappen auf Lappen, denn
ich warte auf den Königssohn von England,« sagte Aase. »Den kannst Du
nicht bekommen,« sagte der Prinz. »Wenn ich ihn haben soll, dann werd'
ich ihn wohl kriegen,« versetzte die kleine Aase.
Als die Prinzessinn ankam, sagte Aase, das Gänsemädchen, zu ihr eben so,
wie zu den beiden ersten, wenn sie schon einen Liebsten gehabt hätte,
oder sonst Etwas im Wege wäre, das der Prinz nicht wissen solle, so
müsse sie nicht über den Stein treten, den der Prinz vor sein Bett
hingelegt hätte, denn der sage ihm Alles. Wie die Prinzessinn das hörte,
ward sie sehr ängstlich; aber sie war eben so verschlagen, wie die
beiden andern, und bat Aase, daß sie sich am Abend an ihrer Stelle zu
dem Prinzen ins Bett legen möchte, und wenn er eingeschlafen sei,
wollten sie wieder umtauschen, so daß er am Morgen, wenn's hell würde,
die Rechte bei sich hätte. Das thaten sie denn auch. Als Aase, das
Gänsemädchen, über den Stein trat, fragte der Prinz wieder: »Wer ist es,
der in mein Bett steigt?« -- »Reine und keusche Jungfrau,» sagte der
Stein, und darauf legten sie sich schlafen. In der Nacht aber steckte
der Prinz einen Ring an Aase's Finger, der war aber so drange, daß sie
ihn nicht wieder abkriegen konnte; denn der Prinz hatte nachgerade wohl
gemerkt, daß es nicht ganz richtig zuging, und darum wollt' er ein
Zeichen haben, woran er die Rechte wieder erkennen könnte. Als der Prinz
eingeschlafen war, kam die Prinzessinn und jagte Aase in den Gänsestall
und legte sich selbst an ihre Stelle ins Bett. Wie sie nun am Morgen
aufstanden, und der Prinz fragte: »Wer ist es, der aus meinem Bett
steigt?« sagte der Stein wieder: »Eine, die schon drei Kinder gehabt
hat;« und als der Prinz das hörte, ward er so böse, daß er sie
augenblicklich aus dem Hause jagte. Darauf fragte er den Stein, wie es
denn mit diesen drei Prinzessinnen zusammenhinge, die über ihn gestiegen
wären. Da erzählte ihm der Stein, wie die Sache sich verhielt, und daß
die Prinzessinnen ihn betrogen und Aase, das kleine Gänsemädchen, an
ihre Stelle gelegt hätten. Das wollte der Prinz erst nicht glauben und
ging daher aufs Feld, wo Aase saß und die Gänse hütete; denn er wollte
sehen, ob sie wohl den Ring hätte. »Hat sie den, so ist es wohl am
besten, daß ich _sie_ zur Gemahlinn nehme,« dachte er. Als er nun zu ihr
auf's Feld kam, sah er, daß sie einen Lappen um ihren Finger gebunden
hatte. Er fragte sie, warum sie das gethan hätte. »Ach,« sagte sie: »ich
habe mich so arg geschnitten.« Der Prinz wollte nun durchaus den Finger
sehen; aber Aase wollte den Lappen nicht abnehmen. Da ergriff er ihren
Finger und hielt ihn fest, und wie Aase ihn zurückziehen wollte, ging
der Lappen ab, und nun erkannte der Prinz sogleich seinen Ring. Da nahm
er sie mit sich auf's Schloß und gab ihr viele schöne Kleider und
herrlichen Schmuck; und darauf hielten sie Hochzeit. So bekam nun Aase,
das kleine Gänsemädchen, den Königssohn von England, bloß weil es so
bestimmt war, daß sie ihn haben sollte.
30.
Der Bursch und der Teufel.
Es war einmal ein Bursch, der ging auf einem Wege und knackte Nüsse; da
fand er eine, die war wurmstichig, und im selben Augenblick begegnete
ihm der Teufel. »Ist es wahr,« sagte der Bursch: »was man sagt, daß
der Teufel sich so klein machen kann, als er will, und sich durch ein
Nadelöhr zwängen?« -- »Ja,« antwortete der Teufel. »Oh! laß mich einmal
sehen und kriech in diese Nuß!« sagte der Bursch wieder; und das that
der Teufel. Als er durch das Loch gekrochen war, schlug der Bursch einen
Pflock hinein. »Nun hab' ich Dich!« sagte er und steckte die Nuß in die
Tasche. Wie er nun ein Ende gegangen war, kam er zu einer Schmiede, da
ging er hinein und bat den Schmied, er möchte ihm doch die Nuß entzwei
schlagen. »Ja, das soll leicht gethan sein,« antwortete der Schmied und
nahm seinen kleinsten Hammer, legte die Nuß auf den Amboß und schlug zu;
aber sie wollte nicht entzwei. Da nahm er einen etwas größeren Hammer,
aber der war auch noch nicht schwer genug; er nahm nun einen noch
größeren, aber der that's auch noch nicht. Da wurde der Schmied
verdrießlich und nahm den großen Hammer: »Ich werde dich gleichwohl
entzwei kriegen,« sagte er und schlug zu, all was er konnte. Da zerplatzte
die Nuß, daß das ganze Schmiededach abflog, und es krachte, als ob die
Hütte umstürzen wollte. »Ich glaube, der Teufel war in der Nuß!« sagte
der Schmied. »Ja, er war drin,« sagte der Bursch.
* * * * *