Volksmährchen, welche hier dem Publicum in zwei Bänden vorliegen,
erschienen in der Originalsprache in einzeln Heften, wovon das 4te (das
letzte bis jetzt erschienene Heft) als »des zweiten Bandes erstes Heft«
bezeichnet ist; die Sammlung ist also noch nicht als abgeschlossen
anzusehen, ungeachtet seit dem Erscheinen des letzten Heftes bereits
drei Jahre verflossen sind, wogegen die drei ersten Hefte im Verlauf
eines einzigen Jahrs erschienen. Möge es den geehrten Herausgebern
dieser Mährchen nicht an Aufmunterung fehlen, ihre schätzenswerthe
Sammlung fortzusetzen, in der das nordische Element so frisch und
kräftig bewahrt, und der Volkston so gut gehalten ist, so daß diese
Sammlung sich, nach dem Urtheile gründlicher Kritiker, als eine der
würdigsten an die der Brüder _Grimm_ anschließt.
Daß alle diese Mährchen aus dem Munde des norwegischen Volkes selbst
gesammelt, und nicht etwa neuere Dichtungen sind, bemerkt ausdrücklich
einer der Herausgeber, der Herr _P. Asbjörnsen_, in der Einleitung zu
seinen »_Huldre-Eventyr_,« eine Sammlung norwegischer Volksmährchen,
worin die neckischen Huldregeister, wie in den vorliegenden die
ungeschlachten Trollen, die wichtigste Rolle spielen, welche Mährchen
jedoch im Ganzen mehr den Charakter örtlicher Sagen an sich tragen.
Sobald diese Sammlung zu einem Bändchen herangewachsen ist, werden wir
nicht unterlassen, auch diese dem deutschen Publicum mitzutheilen.
Was die Übersetzung der vorliegenden Mährchen betrifft, so habe ich mich,
so weit es der Genius der Sprache nur erlaubte, genau an den Originaltext
gehalten. Einzelne unbedeutende Abänderungen wurden jedoch nothwendig,
wenn ich nicht zu schleppenden und allzu ermüdenden Umschreibungen meine
Zuflucht nehmen wollte. So ist z. B. in dem Mährchen: »Der Gertrudsvogel«
der Ausdruck _Levse_ auf deutsch bloß durch _Brod_ wiedergegeben,
obgleich das nordische _Levse_ sonst eine Art weiches mit einem runden
Holze flach gerolltes Gebäck bezeichnet. -- Die sehr oft vorkommende
Redensart bei den Trollen: »_Her lugter saa christen Mands Been_« habe
ich durch die in deutschen Mährchen sehr übliche Redensart im Munde
der Riesen: »_Es riecht hier so nach Menschenfleisch_« wiedergegeben;
vielleicht wäre es jedoch in diesem Falle richtiger gewesen, dem
nordischen Charakter getreu, zu sagen: »_Es riecht hier so nach
Christenfleisch_,« weil eben dadurch der unversöhnliche Haß der Trollen
gegen das Christenthum sich ausspricht, obwohl sie überdies auch oft als
Menschenfresser erscheinen. Diese Bemerkung drängte sich mir jedoch erst
auf, nachdem meine Übersetzung schon gedruckt war, und es bleibt mir
daher nur übrig, falls ich hiedurch einen wirklichen Fehler begangen
haben sollte, um gütige Nachsicht zu bitten. -- Einzelne nordische
Ausdrücke, die sich durchaus nicht übersetzen ließen, wenn nicht das
nordische Element gänzlich verwischt werden sollte, habe ich unverändert
beibehalten und in einer unten beigefügten Note die Erklärung davon
gegeben.
Schließlich noch meinen innigsten Dank den in _Kopenhagen_ lebenden
Normännern, welche mir über die so häufig in dem Originaltexte
vorkommenden norwegischen Provinzialismen die nöthige Aufklärung gegeben
haben. Den größten Theil dieser Provinzialismen habe ich durch deutsche
Provinzialismen wiederzugeben gesucht, weil eben dadurch das Naive in
der Volkserzählung so charakteristisch hervortritt.
F. BRESEMANN.
BERLIN im October. 1846.
FUSSNOTEN -- FOOTNOTES
1. Ein auf Stollen oder Pfosten über der Erde aufgeführtes Gebäude, das
als Speisegewölbe oder Vorrathskammer dient. Anm. d. Übers.
2. Siehe die Note Seite 18.
3. Im Norwegischen ist das Wortspiel: _Ringerige_ und _Himmerige_.
_Ringerige_ heißt übrigens eine alte Provinz in Norwegen.
4. d. i. Holzrock.
5. Bei diesem Mährchen kommt Alles auf die Betonung an, indem man
nämlich die Stimme des Hahns und der Henne nachzuahmen sucht.
_Anm. d. Verf._
6. _Lille_ bedeutet: klein; _kort_: kurz.
7. Bekanntlich sind in Norwegen die Nächte um die Mitte des Sommers nur
sehr kurz, so daß die Sonne fast beständig am Himmel steht.
Anm. d. Übers.
8. In der nordischen Mythologie heißt es sonst von den _Schwarzelfen_,
daß sie in Stein verwandelt werden, sobald die Sonne sie bescheint.
Anm. d. Übers.
9. Sprich: Oße.
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TRANSCRIBER'S NOTE ---- ZUR KENNTNISNAHME
Contemporary spellings have generally been retained even when
inconsistent. A small number of obvious typographical errors have been
corrected and some names regularised; missing punctuation has been
silently added.
Zeitgenössische Schreibungen wurden generell beibehalten, auch wenn
gelegentlich mehrere Variaten auftauchen. Einige wenige orthografische
Fehler wurden korrigiert und Namen vereinheitlicht; fehlende
Zeichensetzung wurde ergänzt.
The following additional changes have been made:
Die folgenden zusätzlichen Änderungen wurden vorgenommen:
ein kleineres Stuck ein kleineres _Stück_
einenen Schluck _einen_ Schluck
Tollprinz Trollprinz
aber er er dachte aber _er_ dachte
an dem Taschentuch, den an dem Taschentuch, _das_
das Eimer _den_ Eimer
zum Zutragen hagen zum Zutragen _haben_
bis ich ihn wieder bis ich _ihm_ wieder
aufzustehen erlaube aufzustehen erlaube