Wie sie nun etwas weiter gegangen waren, kamen sie zu einem Bach, der

durch ein grünes Feld floß. Da sagte der jüngste: »Hier wollen wir

einander einen Namen geben, da man uns zu Hause doch nicht getauft hat,

weil wir so schnell ausgewandert sind.« -- »Wie willst Du denn heißen?«

fragte der älteste. »Ich will _Lillekort_ heißen,« erwiederte der andre:

»und Du?« -- »Ich will _König Lavring_ heißen,« sagte der älteste. Nun

tauften sie einander und gingen dann weiter. Endlich kamen sie zu einem

Kreuzweg, und nun wurden sie darüber einig, daß jeder seine eigne Straße

ziehen sollte. Sie trennten sich daher; aber sie waren noch nicht sehr

weit gegangen, so trafen sie wieder zusammen. Sie trennten sich darauf

abermals, und jeder zog seine Straße; aber ehe sie sich's versahen,

waren sie wieder beisammen, und so geschah es auch zum dritten Mal. Da

verabredeten sie, daß jeder nach einer besondern Richtung, nämlich der

eine nach Osten, und der andre nach Westen, gehen solle. »Kommst Du aber

einmal in Noth und große Gefahr,« sagte der älteste: »dann rufe mich nur

dreimal laut bei Namen, alsdann werde ich Dir zu Hülfe kommen; aber Du

musst mich ja nicht rufen, eh' Du nicht in der äußersten Noth bist.« --

»Dann wird's wohl lange dauern, eh' wir uns wiedersehen,« versetzte

Lillekort. Darauf sagten sie einander Lebewohl, und jeder zog seines

Weges, Lillekort nach Osten, und König Lavring nach Westen.

Als nun Lillekort eine gute Weile gewandert hatte, begegnete ihm

ein altes, krummpuckliges Weib, das nur _ein_ Auge hatte; das stahl

Lillekort ihr. »Au! au!« rief das Weib: »wo ist mein Auge geblieben?«

-- »Was giebst Du mir, wenn ich's Dir wiedergebe?« sagte Lillekort.

»Ich gebe Dir ein Schwert, womit Du eine ganze Kriegsmacht niedermetzeln

kannst, und wenn sie auch noch so groß wäre,« antwortete das Weib. »Ja,

gieb her!« sagte Lillekort. Das Weib gab ihm darauf das Schwert und

erhielt dafür ihr Auge zurück. Nun ging Lillekort weiter, und nach einer

Weile begegnete ihm wieder ein altes krummpuckliges Weib mit _einem_

Auge, das stahl Lillekort ihr, eh' sie wußte, wie ihr geschah. »Au! au!

wo ist mein Auge geblieben?« rief sie. »Was giebst Du mir, wenn ich's

Dir wiedergebe?« sagte Lillekort. »Ein Schiff, das über Süß- und

Salzwasser, über Berg' und tiefe Thäler geht,« antwortete das Weib. »Ja,

gieb her!« sagte Lillekort. Das Weib gab ihm darauf ein ganz kleines

Schiff, so klein, daß man's in die Tasche stecken konnte, und dafür

erhielt sie ihr Auge zurück, und jeder ging seines Weges. Als Lillekort

nun wieder eine gute Strecke gewandert war, begegnete ihm zum dritten

Mal ein altes krummpuckliges Weib mit _einem_ Auge; das stahl Lillekort

ebenfalls, und als das Weib schrie und sich geberdete und fragte, wo ihr

Auge geblieben sei, sagte Lillekort: »Was giebst Du mir, wenn ich's Dir

wiedergebe?« -- »Ich lehre Dir die Kunst, hundert Lasten Malz auf einmal

zu verbrauen,« sagte sie. Für diese Kunst erhielt nun das Weib ihr Auge

zurück, und jeder zog seines Weges.

Als nun Lillekort ein kleines Ende gegangen war, wollte er einmal das

Schiff probiren. Er nahm es daher aus der Tasche und steckte den einen

Fuß hinein; da ward das Schiff weit größer; und als er nun auch den

andern Fuß nachzog, ward es so groß, wie die Schiffe, die in der See

gehen. Da sprach Lillekort: »Fahr hin über Salzwasser und Süßwasser,

über Berg' und tiefe Thäler, bis daß du kommst zu des Königs Schloß!«

-- und fort saus'te das Schiff, wie ein Vogel durch die Luft, bis daß es

zum Königsschloß kam; da stand es still. Drinnen im Schloß aber hatten

die Leute von den Fenstern aus gesehen, wie Lillekort dahergesegelt kam.

Darüber waren nun Alle sehr verwundert und liefen hinunter, um zu sehen,

was Das für Einer wäre, der so auf einem Schiff durch die Luft gefahren

kam. Während sie aber hinunterliefen, war Lillekort schon aus seinem

Schiff herausgestiegen und hatte es wieder in die Tasche gesteckt; denn

sowie er nur mit den Füßen hinaustrat, ward es wieder so klein, als es

war, da er es von der Alten bekommen hatte. Die Leute vom Königsschloß

sahen nun nichts Anders, als einen kleinen in Lumpen gehüllten Knaben,

der da am Ufer stand. Der König fragte ihn, wo er her wäre. Der Knabe

aber sagte, das wüßte er nicht, und eben so wenig wußte er zu sagen, auf

welche Weise er hergekommen sei, bat aber inständig um einen Dienst auf

dem Schloß und sagte, wenn sie nichts Anders für ihn zu thun hätten, so

könne er ja der Köchinn Holz und Wasser zutragen. Diese Bitte ward ihm

denn auch gewährt. Als Lillekort aber auf das Schloß kam, sah er, daß

Alles, sowohl inwendig, als auswendig, selbst die Wände und das Dach,

mit Schwarz bezogen war. Er fragte deßhalb die Köchinn, Was das zu

bedeuten hätte. »Das will ich Dir sagen,« antwortete die Köchinn: »Die

Königstochter ist schon vor langer Zeit an drei Trollen versprochen

worden, und am nächsten Donnerstag-Abend wird der eine kommen und sie

abholen. Der Ritter _Röd_ hat sich zwar verbürgt, sie zu befreien; aber

Gott mag wissen, ob er's kann, und darum ist hier Alles so voll Sorge

und Betrübniß, wie Du wohl denken kannst.«

Als es nun am Donnerstag-Abend um die Zeit war, führte der Ritter _Röd_

die Prinzessinn hinaus ans Meerufer -- denn da war es, wo der Troll sie

abholen wollte -- und da sollte nun der Ritter _Röd_ sie in Schutz

nehmen; aber er that dem Trollen eben keinen großen Schaden, will ich

glauben; denn kaum hatte die Prinzessinn sich am Ufer niedergesetzt, so

kroch der Ritter auf einen großen Baum, welcher da stand, und verbarg

sich zwischen die Zweige, so gut er konnte. Die Prinzessinn weinte und

bat ihn so flehentlich, er möchte sie doch nicht verlassen; aber der

Ritter _Röd_ achtete nicht auf ihr Bitten, sondern sagte: »Es ist besser,

daß Einer das Leben verliert, als daß Zwei umkommen.«

Inzwischen bat Lillekort die Köchinn um Erlaubniß, ein wenig an den

Strand zu gehen. »O, Was willst Du da?« sagte die Köchinn: »Du hast da

Nichts zu thun.« -- »Ach ja, liebe Köchinn, laß mich nur hingehen,«

sagte Lillekort: »ich wollte so gern mit den andern Kindern ein wenig

spielen.« -- »Na, geh denn!« sagte die Köchinn: »aber daß Du nur nicht

länger ausbleibst, als bis der Kessel zum Abendessen über's Feuer

gehängt, und der Braten an den Spieß gesteckt wird! und bring' dann

einen tüchtigen Armvoll Holz mit in die Küche!« Ja, das wollte Lillekort

nicht vergessen, und damit lief er fort ans Ufer.

Als er eben dort ankam, wo die Königstochter saß, kam auch schon der

Troll dahergesaus't, er war so groß und so dick, daß es ganz abscheulich

aussah, und fünf Köpfe hatte er. »_Feuer!_« schrie der Troll. »Feuer

gleichfalls!« sagte Lillekort. »_Kannst Du fechten?_« rief der Troll.

»Kann ich's nicht, so kann ich's lernen,« sagte Lillekort. Darauf schlug

der Troll mit einer dicken eisernen Stange, die er in der Faust hielt,

nach ihm, so daß die Erde ihm fünf Ellen hoch über den Kopf flog.

»Twi!« sagte Lillekort: »Das war auch was Rechtes! Nun sollst Du aber

einen Schlag von mir sehen!« und damit ergriff er sein Schwert, das er

von dem alten krummpuckligen Weib bekommen hatte, und hieb damit nach

dem Trollen, so daß alle fünf Köpfe über den Sand hinflogen. Als die

Prinzessinn sich nun befrei't sah, war sie so froh, daß sie sich vor

Freude gar nicht zu lassen wußte. »Schlaf nun ein Stündchen auf meinem

Schoß!« sagte sie zu Lillekort, und während er nun auf ihrem Schoß lag

und schlief, zog sie ihm ein goldnes Kleid an.

Nun dauerte es nicht lange, so kroch der Ritter _Röd_ wieder vom Baum

herunter, weil er sah, daß jetzt keine Gefahr mehr für ihn vorhanden war.

Er brachte die Prinzessinn durch Drohungen dahin, daß sie sagen mußte,

_er_ sei es, der sie befrei't habe, und wenn sie das nicht sagte, wollte

er ihr das Leben nehmen. Darauf schnitt er dem Trollen die Lungen aus

dem Leib und die Zungen aus den Köpfen, und führte dann die Prinzessinn

wieder zurück nach dem Königsschloß. Und hatte man dem Ritter zuvor

keine Ehre angethan, so that man es jetzt; der König wußte gar nicht,

Was er alles ersinnen sollte, um ihn zu ehren, und immer mußte der

Ritter _Röd_ bei Tafel ihm zur Seite sitzen. Lillekort aber begab sich

auf das Trollschiff, nahm eine ganze Menge goldne und silberne Faßreifen,

und damit kehrte er zurück nach dem Schloß. Als die Köchinn all das Gold

und Silber sah, das er brachte, war sie ganz erstaunt darüber und sagte:

»Mein lieber kleiner Lillekort, wo hast Du denn all die schönen Sachen

herbekommen?« denn sie befürchtete, er möchte nicht auf eine ehrliche

Weise dazu gekommen sein. »O,« antwortete Lillekort: »ich bin zu Hause

gewesen, und da waren diese Reifen von einem Eimer abgefallen, und da

hab' ich sie für Dich mitgenommen.« Als die Köchinn hörte, daß sie die

Reifen haben solle, fragte sie nicht weiter, sondern bedankte sich bei

Lillekort, und damit war Alles gut.

Den andern Donnerstag-Abend ging es wieder eben so: Alle waren voll Sorge

und Betrübniß; allein der Ritter _Röd_ sagte, hätte er die Königstochter

von dem einen Trollen befrei't, so würde er sie jetzt auch wohl von dem

zweiten befreien, und damit geleitete er sie noch so kecklich wieder

hinaus ans Meerufer. Aber er that auch diesmal dem Trollen eben keinen

großen Schaden; denn als es um die Zeit war, daß man den Trollen

erwartete, sagte er wieder, wie das vorige Mal: »Es ist besser, daß

Einer das Leben verliert, als daß Zwei umkommen,« und damit kroch er

wieder auf den Baum.

Lillekort aber bat die Köchinn wieder um Erlaubniß, ein wenig an den

Strand zu gehen. »O, Was willst Du da?« sagte die Köchinn. »Ja, liebe

Köchinn, laß mich nur gehen,« sagte Lillekort: »ich wollte gern mit den

andern Kindern ein wenig spielen.« Da gab sie ihm denn auch diesmal

Erlaubniß; aber das mußte er ihr versprechen, daß er zurück sein wollte,

wenn der Braten gewendet werden sollte, und dann müßte er einen guten

Armvoll Holz mitbringen.

Kaum war Lillekort am Ufer angelangt, so kam auch schon der Troll daher,

daß es nur so saus'te; er war noch einmal so groß, als der vorige, und

hatte zehn Köpfe. »_Feuer!_« schrie der Troll. »Feuer gleichfalls!«

sagte Lillekort. »_Kannst Du fechten?_« rief der Troll. »Kann ich's

nicht, so kann ich's lernen,« sagte Lillekort. Darauf schlug der Troll

mit seiner eisernen Stange nach ihm -- die war noch einmal so groß, als

die des ersten Trollen -- so daß die Erde ihm zehn Ellen hoch über den

Kopf flog. »Twi!« sagte Lillekort: »das war auch was Rechtes! Nun sollst

Du einen Schlag von mir sehen!« und damit ergriff er sein Schwert und

hieb nach dem Trollen, so daß alle zehn Köpfe über den Sand hintanzten.

Darauf sagte die Königstochter wieder zu ihm: »Schlaf jetzt ein

Stündchen auf meinem Schoß!« und während Lillekort nun auf ihrem Schoß

lag und schlief, zog sie ihm ein silbernes Kleid an. Sobald der Ritter

_Röd_ merkte, daß keine Gefahr mehr vorhanden war, kroch er wieder vom

Baum herunter und zwang die Prinzessinn abermals durch Drohungen, zu

sagen, daß er es sei, der sie befrei't habe. Darauf nahm er die Zungen

und die Lungen des Trollen, knüpfte sie in sein Taschentuch und

geleitete die Königstochter wieder zurück nach dem Schloß. Hier war nun

lauter Freude und Jubel, wie man sich wohl denken kann, und der König

wußte gar nicht, Was er alles angeben sollte, um dem Ritter _Röd_

genugsam Ehre und Achtung zu erweisen.

Lillekort aber ging auf das Trollschiff und nahm einen ganzen Armvoll

Gold- und Silberreifen mit sich. Als er zurück auf das Schloß kam,

schlug die Köchinn die Hände über dem Kopf zusammen und konnte sich

nicht genug wundern über all das Gold und Silber, das er mitbrachte.

Aber Lillekort sagte, er wäre zu Hause bei seiner Mutter gewesen, und da

hätte er die Reifen gesammelt, die von den Eimern abgefallen wären, um

sie der Köchinn zu bringen.

Als nun der dritte Donnerstag-Abend kam, ging es wieder eben so, wie die

beiden vorigen Male: Das ganze Schloß war aus- und inwendig mit Schwarz

behängt, und Alle waren voll Sorge und Betrübniß. Aber der Ritter _Röd_

sagte, sie hätten eben nicht nöthig, in Furcht zu sein; denn hätte er

die Prinzessinn von zwei Trollen befrei't, so könnte er sie auch wohl

von dem dritten befreien. Darauf führte er die Prinzessinn hinaus ans

Ufer. Als es aber um die Zeit war, daß der Troll kommen sollte, kroch

der Ritter _Röd_ wieder auf den Baum und verbarg sich. Die Prinzessinn

weinte und bat; aber es half Alles nichts; er blieb bei dem Alten: es

sei besser, daß Einer das Leben verlöre, als daß Zwei umkämen.

Lillekort bat wieder um Erlaubniß, an den Strand hinauszugehen. »Ach,

was willst Du da?« sagte die Köchinn; aber er bat so lange, bis sie es

ihm denn zuletzt erlaubte; doch mußte er versprechen, daß er wieder zu

Hause sein wollte, wenn der Braten gewendet werden sollte. Kaum aber war

er darauf ans Ufer gekommen, so kam auch schon der Troll angesaus't;

er war noch weit größer, als der vorige, und hatte funfzehn Köpfe.

»_Feuer!_« schrie der Troll. »Feuer gleichfalls!« sagte Lillekort.

»_Kannst Du fechten?_« rief der Troll. »Kann ich's nicht, so kann ich's

lernen,« sagte Lillekort. »_Ich will Dich belernen!_« rief der Troll und

holte mit seiner eisernen Stange aus, daß die Erde funfzehn Ellen hoch

in die Luft fuhr. »Twi!« sagte Lillekort: »das war auch was Rechtes!

Nun sollst Du aber einen Schlag von mir sehen!« und damit ergriff er

sein Schwert und hieb nach dem Trollen, daß alle funfzehn Köpfe über den

Sand hintanzten.

Da war nun die Prinzessinn erlös't; sie dankte Lillekort für ihre

Rettung und sagte dann wieder: »Schlaf jetzt ein Stündchen auf meinem

Schoß!« und während Lillekort nun da lag und schlief, zog ihm die

Prinzessinn ein Kleid von Messing an. Als er aufwachte, fragte sie ihn:

»Wie soll es aber jetzt an den Tag kommen, daß Du es bist, der mich

erlös't hat?« -- »Das will ich Dir sagen,« versetzte Lillekort: »Wenn

nun der Ritter _Röd_ Dich wieder nach Hause geleitet und sich für Den

ausgiebt, der Dich erlös't hat, dann weißt Du wohl, soll er Dich und das

halbe Reich haben. Wenn man Dich aber dann am Hochzeitstage fragt, Wen

Du zum Mundschenken haben willst, dann sollst Du sagen: »Ich will den

kleinen Buben haben, der in der Küche ist und der Köchinn Holz und Wasser

zuträgt.« Wenn ich Dir dann den Wein einschenke, werde ich einen Tropfen

auf dem Ritter seinen Teller verschütten, aber nicht auf Deinen; dann

wird er wohl böse werden und mich schlagen, und das wiederholt sich

dreimal. Das dritte Mal aber sollst Du sagen: »Schande über Dich, daß Du

meinen Herzgeliebten schlägst! denn _er_ hat mich befrei't und _ihn_

will ich haben.«« Nachdem Lillekort mit der Prinzessinn diese Verabredung

getroffen, begab er sich wieder aufs Schloß; zuvor aber nahm er

aus dem Trollschiff noch eine ganze Menge Gold und Silber und andre

Kostbarkeiten mit, und der Köchinn brachte er wieder einen ganzen

Armvoll Gold- und Silberreifen.

Kaum sah der Ritter _Röd_, daß alle Gefahr vorbei war, als er von dem

Baum herunterkroch und die Königstochter wieder durch Drohungen dahin

vermochte, zu sagen, _er_ sei es, der sie befrei't habe. Darauf geleitete

er sie zurück nach dem Schloß; und hatte man ihm zuvor noch nicht Ehre

genug angethan, so that man es jetzt. Der König sann und dachte auf

nichts Anders, als wie er ihn gebührend dafür belohnen sollte, daß er

seine Tochter von den drei Trollen befrei't hatte, und es däuchte ihm

jetzt das Allergeringste, wenn er ihm die Prinzessinn und das halbe

Reich gäbe. Am Hochzeitstage aber bat die Prinzessinn, daß man ihr den

kleinen Buben, der in der Küche sei und der Köchinn Holz und Wasser

zutrüge, zum Mundschenken bei der Hochzeitstafel geben möchte. »Ach,

was willst Du mit dem schmutzigen Lumpenjungen?« sagte der Ritter _Röd_.

Aber die Prinzessinn sagte, daß sie _ihn_ zum Mundschenken haben wolle,

und keinen Andern; und da mußte man ihr denn nachgeben.

Hierauf ging Alles so, wie es zwischen Lillekort und der Königstochter

verabredet war. Lillekort verschüttete dreimal einen Tropfen Wein auf den

Teller des Ritters _Röd_, und jedesmal ward der Ritter zornig und schlug

ihn. Beim ersten Schlag fiel dem Knaben das Lumpenkleid ab, das er in

der Küche trug; beim zweiten Schlag fiel ihm das Kleid von Messing ab,

und beim dritten Schlag das silberne Kleid, so daß er nun da stand in

seinem goldnen Kleide, so blank und prächtig, daß es nur so glitzerte. Da

sagte die Königstochter: »Schande über Dich, daß Du meinen Herzgeliebten

schlägst; denn _er_ hat mich befrei't, und _ihn_ will ich haben!« Der

Ritter _Röd_ schwur und fluchte, daß _er_ es sei, der sie befrei't

hätte, und kein Andrer. Da sprach der König: »Wer meine Tochter befrei't

hat, der kann auch wohl die Wahrzeichen aufweisen.« Da lief der Ritter

_Röd_ hin und holte sein Tuch mit den Lungen und Zungen; Lillekort aber

holte das Gold und Silber und alle die Kostbarkeiten, die er aus dem

Trollschiff mitgenommen hatte, und jeder legte das seinige vor den König

hin. Da sprach der König: »Wer solche kostbare Sachen von Gold und

Silber und Diamanten aufzuweisen hat, der muß auch wohl die Trollen

getödtet haben; denn Dergleichen findet man nicht bei Andern.« Und

darauf wurde der Ritter _Röd_ in die Schlangengrube geworfen, und

Lillekort sollte jetzt die Prinzessinn und das halbe Reich haben.

Als nun der König eines Tages mit Lillekort spazieren ging, fragte

dieser ihn, ob er nicht noch mehr Kinder hätte. »Ja,« sagte der König:

»ich habe noch eine Tochter gehabt; aber die hat mir ein Troll genommen,

weil hier Niemand war, der sie befreien konnte. Kannst Du sie aber

befreien, so sollst Du auch sie und das andre halbe Reich dazu haben.«

-- »Ich will's versuchen,« sagte Lillekort: »dann muß ich aber eine

eiserne Kette haben, fünfhundert Ellen lang, und fünfhundert Mann muß

ich mit haben und Proviant für sie auf funfzehn Wochen; denn ich muß

weit zur See fort.« Ja, das sollte er alles bekommen; nur befürchtete

der König, er möchte kein Schiff haben, welches groß genug wäre, alles

das zu tragen. »Ich habe selbst ein Schiff,« sagte Lillekort und nahm

aus seiner Tasche das Schiff hervor, welches das alte Weib ihm gegeben

hatte. Der König lachte und meinte, es wäre bloß sein Scherz; aber

Lillekort sagte, man solle ihm nur Alles geben, was er verlangt hätte,

dann solle der König nachher schon sehen. Man brachte hierauf alle die

Sachen zusammen, und nun wollte Lillekort, daß man zuerst die eiserne

Kette ins Schiff legen sollte; aber da war kein Einziger, der sie

aufzuheben vermochte, und Viele konnten nicht auf einmal Platz um das

kleine Schiff bekommen. Da nahm Lillekort selbst die Kette an dem einen

Ende und legte einige Ringe davon ins Schiff, und wie er sie nach und

nach weiter hineinbrachte, ward das Schiff immer größer, und zuletzt

ward es so groß, daß sowohl die Kette, als die fünfhundert Mann nebst

dem Proviant, und Lillekort sehr gut Platz darin hatten. Da sprach

Lillekort: »Fahr hin über Süßwasser und Salzwasser, über Berg' und tiefe

Thäler, bis daß du kommst, wo des Königs Tochter ist!« und sogleich

fuhr das Schiff davon, daß es zischte und braus'te, über Land und über

Wasser. -- Als sie nun eine lange, lange Zeit gesegelt hatten, stand

das Schiff eines Tages plötzlich auf der See still. »Ja, nun sind wir

glücklich an Ort und Stelle gekommen,« sagte Lillekort: »wie wir aber

wieder fortkommen werden, das steht noch dahin.« Darauf nahm er die

eiserne Kette und band sich das eine Ende um den Leib. »Jetzt muß ich zu

Boden,« sagte er: »Wenn ich aber nachher wieder herauf will und einen

starken Ruck an die Kette thu', dann müsst Ihr alle auf einmal anziehen

für _einen_ Mann, sonst kostet es mir und Euch das Leben,« und damit

sprang er ins Wasser, daß die Wellen über ihn zusammenschlugen. Er sank

tiefer und immer tiefer, und endlich kam er auf den Grund. Dort sah er

einen Berg, worin eine Thür war, und da ging er hinein. In dem Berge nun

fand er die Prinzessinn, welche eben mit ihrem Nähzeug beschäftigt war.

»Ach, Gott sei Lob!« rief sie, als sie Lillekort erblickte, und klatschte

in die Hände: »noch habe ich keine Menschenseele gesehen, so lange ich

hier bin.« Lillekort sagte ihr, daß er gekommen sei, um sie wieder zu

ihrem Vater zurückzubringen. »Ach, mich bekommst Du nicht mit,« sagte

sie: »das wird Dir nicht gelingen; denn bekommt der Troll Dich zu sehen,

kostet es Dir das Leben.« -- »Gut, daß Du von ihm sprichst!« sagte

Lillekort: »Wo ist er? Es könnte spaßhaft sein, ihn zu sehen.« Die

Königstochter erzählte ihm darauf, daß der Troll ausgegangen wäre und

Jemanden suchte, der hundert Lasten Malz auf einmal zu Bier brauen

könne; denn der Troll wollte ein Gastmahl geben, und dabei verschlug

keine geringere Quantität. »Das kann =ich=,« sagte Lillekort. »Wenn nur

der Troll nicht so jachzornig wäre, daß ich es ihm sagen könnte, eh' er

Dich erblickt,« versetzte die Prinzessinn: »aber er ist so wüthend, daß

er Dich den Augenblick in Stücke zerreißt, wenn er Dich gewahr wird.

Indessen verbirg Dich nur hier so lange in den Bettverschlag, dann will

ich sehen, Was zu thun ist.« Das that denn Lillekort, und kaum war er in

seinem Versteck, so kam auch schon der Troll an. »_Houf! es riecht hier

so nach Menschenfleisch!_« rief er. »Ja, es flog hier ein Vogel über's

Dach mit einem Menschenknochen im Schnabel, den ließ er durch den

Schornstein fallen,« versetzte die Königstochter: »ich habe mich zwar

beeilt, ihn hinwegzuschaffen, aber es muß wohl noch der Geruch davon

zurückgeblieben sein.« -- »_Ja, das ist's wohl!_« sagte der Troll.

Darauf fragte die Prinzessinn ihn, ob er Jemanden gefunden habe, der

hundert Lasten Malz auf einmal zu Bier brauen könne. »_Nein, da ist

Keiner, der das kann_,« sagte der Troll. »Vor einer Weile war Einer

hier, der sagte, er könnte es,« versetzte die Königstochter. »_Du bist

nun immer so klug_,« sagte der Troll: »_warum ließest Du ihn denn gehen?

Du wußtest doch, daß ich eben einen Solchen suche._« -- »Ich hab' ihn

auch nicht gehen lassen,« versetzte die Königstochter: »aber Du bist

nun gleich immer so jachmüthig; darum verbarg ich ihn derweil in den

Bettverschlag. Wenn Du also noch keinen tüchtigen Brauer gefunden hast,

so kannst Du's ja mit ihm versuchen.« -- »_Ja, laß ihn kommen!_« sagte

der Troll. Als Lillekort nun hervorkam, fragte der Troll ihn, ob es

wahr sei, daß er hundert Lasten Malz auf einmal zu Bier brauen könne.

»Ja, das ist wahr,« antwortete Lillekort. »_So ist's gut, daß ich Dich

bekam_,« sagte der Troll: »_mach Dich nur gleich an die Arbeit! Aber

Gnade Dir Gott, wenn Du das Bier nicht stark genug brau'st._« -- »Es

soll schon Geschmack kriegen,« sagte Lillekort und stellte sogleich das

Geschirr zurecht. »Ich muß aber mehr Männer zum Zutragen haben,« sagte

er: »denn die paar, die ich bekommen habe, können nicht Viel ausrichten.«

Er erhielt nun noch mehr Leute, so viele, daß es von ihnen wimmelte, und

darauf ging das Brauen los. Als nun die Würze fertig war, wollten Alle

sie kosten, zuerst der Troll selbst, und nachher die Andern. Aber

Lillekort hatte die Würze so stark gebrau't, daß sie todt umfielen, wie

die Fliegen, sowie sie davon tranken. Zuletzt war Niemand mehr übrig,

als ein altes kümmerliches Weib, das hinter dem Ofen lag. »Ach, Du

Arme!« sagte Lillekort: »Du musst doch auch meine Würze kosten,« und

damit ging er hin und füllte mit der Bütte auf, Was noch am Boden übrig

geblieben, und gab es ihr. Da war er sie alle insgesammt quitt.

Als er nun da stand und sich umsah, ward er eine große Kiste gewahr, die

nahm Lillekort und packte sie voll Gold und Silber, umschlang dann sich

und die Prinzessinn und die Kiste mit der eisernen Kette und that einen

Ruck daran aus allen Kräften. Da zogen die Leute auf dem Schiff alle auf

einmal an und brachten sie gesund und behalten wieder herauf. Nun sprach

Lillekort: »Fahr hin über Süßwasser und Salzwasser, über Berg' und tiefe

Thäler, bis daß du kommst zu des Königs Schloß!« -- und sogleich fuhr

das Schiff davon, daß der Schaum zu beiden Seiten stand. Als Die, welche

auf dem Schloß waren, das Schiff ankommen sahen, zogen sie alsbald

hinaus mit Gesang und Spiel und empfingen Lillekort mit großer Freude.

Am frohesten von Allen aber war der König, der jetzt seine Tochter

wieder bekommen hatte.

Norwegische Volksmährchen vol. 1 gesammelt von P. Asbjörnsen und Jörgen Moe · 第 9 / 12 段