Prinz reis'te nun wieder weit umher und fragte nach dem Handtuchlande;
aber es konnte ihm Keiner sagen, wo es lag, und er mußte unverrichteter
Sache wieder heimkehren.
Am nächsten Sonntag sollte Einer einen Kamm zu dem Prinzen hinaufbringen.
Kari bat wieder um Erlaubniß, damit hinaufzugehen; aber die Andern
erinnerten sie daran, wie es ihr das letzte Mal gegangen war, und
schalten sie, daß sie sich vor dem Prinzen wollte sehen lassen, so
schwarz und häßlich, wie sie aussähe in ihrem hölzernen Rock. Aber sie
hörte nicht auf, zu bitten, bis man sie endlich gehen ließ. Als sie die
Treppe hinaufrasselte, kam schnell der Prinz heraus, riß ihr den Kamm
aus der Hand und warf ihn ihr an den Kopf, indem er sagte, sie solle
sich sogleich packen. Darnach begab der Prinz sich in die Kirche, und
Kari bat um Erlaubniß, auch dahin zu gehen. Sie fragten sie wieder, Was
sie da wolle, da sie ja so schwarz und häßlich wäre, und nicht einmal
Kleider hätte, sich vor den Leuten sehen zu lassen. »Wenn der Prinz,
oder sonst Jemand Dich bemerkt,« sagten sie: »dann wird es sowohl Dir,
als uns schlecht gehen.« Aber Kari meinte, sie hätten wohl nach etwas
ganz Anderm zu sehen, als nach ihr, und hörte nicht auf, zu bitten, bis
man sie zuletzt gehen ließ.
Nun ging es wieder eben so, wie die beiden vorigen Male; Kari ging zu
dem Berg und klopfte daran mit dem Stock. Da kam wieder der Mann heraus
und gab ihr ein Kleid, das war noch weit prächtiger, als das vorige;
denn es war von purem Golde und mit vielen Diamanten besetzt; und ein
Pferd mit golddurchwirkter Decke und goldenem Gebiß erhielt sie auch.
Als die Königstochter zur Kirche kam, standen der Prediger und die
Kirchleute noch vor der Thür und warteten auf sie. Der Prinz wollte ihr
das Pferd halten; aber sie sprang schnell herunter und sagte: »Es ist
nicht nöthig; denn mein Pferd ist so gut abgerichtet, daß es von selber
still steht, wenn ich es befehle.« Hierauf gingen Alle in die Kirche,
und der Prediger stieg auf die Kanzel. Aber Keiner hörte auf Das, was
er sagte, weil Alle nur sie betrachteten und sich den Kopf darum
zerbrachen, wo sie doch wohl her sein möchte. Der Prinz aber entbrannte
jetzt noch mehr von Liebe, als das vorige Mal; er hörte und sah nichts
Anders, als nur sie.
Wie der Gottesdienst beendigt war, und die Königstochter aus der Kirche
gehen wollte, hatte der Prinz eine Bütte voll Theer in der Vorhalle
hingegossen, damit er ihr behülflich sein könne, wenn sie hinüber
wollte; aber sie bekümmerte sich nicht darum, sondern setzte den Fuß
mitten in den Theer und sprang hinüber; aber da blieb der eine von ihren
goldnen Schuhen am Boden sitzen. Als sie ihr Pferd bestiegen hatte, trat
der Prinz wieder auf sie zu und fragte sie, wo sie her wäre. »Ich bin
aus dem Kammlande,« sagte Kari. Als ihr aber der Prinz den goldnen
Schuh reichen wollte, sprach sie:
»Hinter mir dunkel, und vor mir hell!
Auf daß der junge Prinz nicht sieht,
Wohin mich trägt mein Roß so schnell!«
Der Prinz wußte nun wieder nicht, wo sie geblieben war, und reis'te eine
lange Zeit in der Welt herum und fragte nach dem Kammlande; da ihm aber
Niemand sagen konnte, wo es lag, ließ er bekannt machen, daß Diejenige,
welcher der goldne Schuh passe, seine Gemahlinn werden solle. Es fanden
sich nun Schöne und Häßliche ein von allen Enden der Welt; aber Keine
hatte einen so kleinen Fuß, daß ihr der goldne Schuh paßte. Endlich kam
auch die böse Stiefmutter der Kari Trästak mit ihrer Tochter an, und
der letztern paßte der Schuh. Aber sie war so häßlich und sah so recht
vergrätzt aus, daß der Prinz nur ungern sein Wort hielt. Es wurde jedoch
zur Hochzeit angerichtet, und die Tochter ward aufgeputzt wie eine
Braut. Als aber der Prinz mit ihr zur Kirche ritt, saß da ein kleiner
Vogel in einem Baum, der sang:
»Ein Stück von der Ferse,
Ein Stück von der Zeh!
Kari's Schuh ist voll Blut,
Das thut der Braut so weh.«
Und als sie zusahen, da hatte der Vogel recht gesungen; denn das Blut
sickerte aus dem Schuh heraus. Nun mußten alle Dienstdirnen und alle
Frauensleute, die auf dem Schloß waren, den Schuh anprobiren; aber es
war keine einzige darunter, die ihn anbekommen konnte. »Wo ist denn
aber Kari Trästak?« fragte endlich der Prinz, da alle Andern den Schuh
anprobirt hatten; denn er verstand sich gut auf Vogelgesang, und wußte
wohl, wie's geklungen hatte. »Ach, die!« sagten die Andern: »mit ihr
kann's nichts nützen; denn sie hat Beine, so groß wie Pferdefüße.« --
»Kann sein!« sagte der Prinz: »aber da alle Andern den Schuh anprobirt
haben, so soll sie ihn auch anprobiren. Kari!« rief er zur Thür hinaus,
und Kari die Treppe herauf in ihrem hölzernen Rock, daß es nur so
rasselte. »Nun sollst Du auch den Schuh anprobiren und Prinzessinn
werden!« sagten die andern Dirnen und lachten und hatten sie zum besten.
Kari aber nahm den Schuh, steckte den Fuß hinein wie gar Nichts, warf
ihren Holzrock ab und stand nun da in ihrem goldnen Kleid, daß es nur so
glitzerte; und an dem andern Fuß trug sie den andern goldnen Schuh. Als
der Prinz sie nun wieder erkannte, war er über alle Maßen froh, lief
auf sie zu, umarmte und küßte sie. Und als er nun erfuhr, daß sie eine
Königstochter war, da freu'te er sich noch mehr, und darauf wurde die
Hochzeit gehalten.
Un ßnipp, ßnapp, ßnuut!
So is dat Leuschen uut.
20.
Der Fuchs als Hirte.
Es war einmal eine Frau, die ging aus und wollte sich einen Hirten
miethen. Da begegnete ihr der Bär. »Wo willst Du hin?« fragte der Bär
sie. »O, ich wollte mir nur einen Hirten miethen,« antwortete die Frau.
»Willst Du mich zum Hirten haben?« fragte der Bär. »Ja, wenn Du bloß
hübsch locken kannst,« sagte die Frau. »_Hö_--i!« sagte der Bär. »Nein,
Dich will ich nicht haben,« sagte die Frau, als sie das hörte, und ging
weiter.
Da begegnete ihr der Wolf. »Wo willst Du hin?« fragte der Wolf. »O, ich
wollte mir nur einen Hirten miethen,« antwortete die Frau. »Willst Du
mich zum Hirten haben?« fragte der Wolf. »Ja, kannst Du auch hübsch
locken?« sagte die Frau. »_Uh_--_uh!_« sagte der Wolf. »Nein, Dich will
ich nicht haben,« sagte die Frau.
Ein Ende weiter hin begegnete ihr der Fuchs. »Wo willst Du hin?« fragte
der Fuchs. »O, ich wollte mir nur einen Hirten miethen,« antwortete die
Frau. »Willst Du mich zum Hirten haben?« fragte der Fuchs. »Ja, wenn Du
bloß hübsch locken kannst,« sagte die Frau. »_Dil_ -- _dal_ -- _holom!_«
sagte der Fuchs noch so hübsch und artig. »Ja, Dich will ich haben,«
sagte die Frau und nahm den Fuchs zum Hirten bei ihrem Vieh an.
Am ersten Tage, wie der Fuchs das Vieh auf die Weide trieb, fraß er alle
Ziegen auf, den zweiten Tag ließ er sich die Schafe schmecken, und den
dritten Tag mußten die Kühe daran. Als er darauf am Abend nach Hause
kam, fragte die Frau ihn, wo er das Vieh gelassen hätte. »Der Kopf ist
im Bach, und der Rumpf im Busch,« sagte der Fuchs. Die Frau stand eben
bei ihrem Butterfaß und butterte; aber sie wollte doch selbst zusehen;
während sie nun zusah, steckte der Fuchs den Kopf ins Butterfaß und fraß
allen Rahm auf. Als die Frau zurückkam und das gewahr ward, da wurde sie
so erbittert, daß sie einen Rahmklumpen nahm, der noch im Butterfaß saß,
und damit nach dem Fuchs warf, so daß er einen Klatsch am Schwanz bekam.
Davon kommt es, daß der Fuchs einen weißen Schwanzzipfel hat.
21.
Vom Schmied, den der Teufel nicht in die Hölle lassen durfte.
In jenen Tagen, da unser Herr Christus und St. Petrus noch auf Erden
einherwandelten, kamen beide einmal zu einem Schmied; dieser hatte
mit dem Teufel den Contract gemacht, daß er nach sieben Jahren ihm
gehören solle, wogegen er in der Zeit ein Meister aller Meister in der
Schmiedekunst sein sollte, und den Contract hatte sowohl der Schmied,
als der Teufel, jeder mit seinem Namen, unterschrieben. Darum hatte der
Schmied auch mit großen Buchstaben über die Thür seiner Schmiede die
Worte setzen lassen: »Hier wohnt der Meister aller Meister.« Als nun der
Herr Christus kam und die Schrift sah, ging er hinein. »Wer bist Du?«
fragte er den Schmied. »Lies, Was über der Thür steht,« antwortete
dieser: »kannst Du aber nicht Geschriebenes lesen, so musst Du warten,
bis Einer kommt, der es Dir lies't.« Ehe der Herr ihm noch darauf
geantwortet hatte, kam ein Mann mit einem Pferd in die Schmiede und bat
den Schmied, es ihm zu beschlagen. »Willst Du mir erlauben, daß ich es
beschlage?« sagte der Herr Christus. »Du magst es versuchen,« sagte der
Schmied: »schlimmer kannst Du's nicht machen, als daß ich's nicht wieder
sollte gut machen können.« Der Herr ging nun zu und nahm dem Pferd das
eine Vorderbein ab, legte es in die Esse und machte das Hufeisen glühend;
darauf nahm er Nägel und einen Hammer und beschlug es, und setzte es
dann wieder unbeschädigt dem Pferd an. Als das geschehen war, nahm er
das andre Vorderbein ab und machte es damit eben so. Und als er auch
das wieder angesetzt hatte, nahm er die beiden Hinterbeine, erst den
rechten, und nachher den linken, legte sie in die Esse, machte das
Hufeisen glühend, nahm Nägel und den Hammer und beschlug sie, und setzte
sie dann dem Pferd wieder an. Der Schmied stand inzwischen da und sah
das mit an. »Du bist aber kein so schlechter Schmied!« sagte er. »Meinst
Du?« sagte der Herr Christus.
Ein wenig darnach kam die Mutter des Meisters in die Schmiede und bat
den Schmied, er möchte zu Hause kommen und sein Mittag essen; sie war
schon sehr alt, hatte einen krummen Rücken und Runzeln im Gesicht und
konnte nur mit genauer Noth noch gehen. »Gieb jetzt Acht, Was Du
siehst!« sagte der Herr, nahm die Frau, legte sie in die Esse und
schmiedete eine junge schöne Jungfrau aus ihr. »Ich sage, wie ich gesagt
habe. Du bist gar kein so schlechter Schmied,« sagte der Schmied: »Es
steht zwar über meiner Thür: »Hier wohnt der Meister aller Meister,«
aber gleichwohl sag' ich, man lernt so lange man lebt,« und damit ging
er in's Haus und aß sein Mittag.
Als er wieder zurück in die Schmiede gekommen war, kam ein Mann
geritten, der wollte sein Pferd beschlagen lassen. »Das soll bald
gemacht sein!« sagte der Schmied: »ich habe jetzt eben eine neue Methode
zu beschlagen gelernt, die ist gut, wenn die Tage kurz sind,« und damit
fing er an, dem Pferd die Beine abzubrechen und schnitt und brach so
lange, bis er sie alle ab hatte; »denn,« sagte er: »ich weiß nicht, wozu
es soll, immer mit einem und einem zu bruddeln.« Die Beine legte er in
die Esse, so wie er gesehen hatte, daß der Andre es gemacht, legte dann
brav Kohlen zu und ließ die Schmiedejungen frisch den Blasebalg ziehen.
Aber es ging, wie man sich's wohl denken kann: die Beine verbrannten,
und der Schmied mußte das Pferd bezahlen. Das wollte ihm nun gar nicht
gefallen. Als aber ein altes armes Weib vorüberging, dachte er: »Gelingt
nicht das Eine, so gelingt wohl das Andre,« nahm das Weib und legte es
in die Esse, und wie sehr sie auch weinen und um ihr Leben bitten
mochte, es half ihr nichts. »Du siehst gar nicht Deinen eignen Vortheil
ein,« sagte der Schmied: »nun sollst Du im Augenblick wieder eine schöne
Jungfrau werden, und will doch für meine Mühe keinen Schilling von Dir
nehmen.« Es ging aber mit dem armen Weibe nicht besser, als mit dem
Pferd. »Das war nicht gut gemacht!« sagte der Herr Christus. »O, es
wird wohl nicht viel von ihr die Rede sein,« sagte der Schmied: »aber
schändlich ist es von dem Teufel, daß er nicht besser sein Wort hält,
wie's über der Thür steht!« -- »Wenn ich Dir nun drei Wünsche gewährte,«
sagte der Herr: »Was wolltest Du Dir dann wohl wünschen?« -- »Versuch
es,« sagte der Schmied: »dann wirst Du's erfahren.« Da gab der Herr
Christus ihm drei Wünsche; und nun sagte der Schmied: »Zu allererst
wünsche ich, daß Der, welchen ich auf jenen Birnbaum klettern heiße,
so lange drauf sitzen bleibe, bis es mir gefällt, ihn wieder herunter
zu lassen; für's zweite wünsche ich, daß Der, welchen ich in meinen
Lehnstuhl sich niedersetzen heiße, so lange drin sitzen bleibe, bis
ich ihm wieder aufzustehen erlaube; und endlich wünsche ich, daß Der,
welcher in den stählernen Geldbeutel kriecht, den ich in meiner
Tasche habe, so lange drin bleibe, bis ich ihm Erlaubniß gebe, wieder
herauszukriechen.« -- »Du hast gewünscht wie ein thörichter Mann,« sagte
St. Petrus: »zuerst und vornehmlich hättest Du Dir Gottes Gnade und
Freundschaft wünschen sollen.« -- »Ich durfte nicht so hoch hinaus,«
sagte der Schmied. Hierauf nahmen unser Herr Christus und St. Petrus
Abschied von ihm und gingen weiter.
Die Zeit verstrich allmählich, und endlich war die Frist um, und der
Teufel kam und wollte den Schmied holen, so wie im Contracte stand.
»Bist Du fertig?« fragte der Teufel und steckte den Kopf zur Thür
hinein. »Ach,« sagte der Schmied: »ich muß nothwendig noch erst einen
Kopf an diesem Nagel schlagen; steige Du indessen auf den Birnbaum und
pflücke Dir eine Birne; denn Du bist wohl hungrig und durstig von der
Reise.« Der Teufel dankte für gutes Anerbieten und kletterte auf den
Birnbaum. »Ja, wenn ich's recht bedenke,« sagte der Schmied: »so krieg
ich in den ersten vier Jahren den Kopf noch gar nicht an dem Nagel
zurecht geschlagen; denn das Eisen ist so verteufelt hart. Herunter
darfst Du aber in dieser Zeit nicht, sondern kannst so lange da sitzen
bleiben und Dich ausruhen.« Der Teufel bat und bettelte, »so dünn wie
ein Blechpfennig,« der Schmied möchte ihn doch wieder herunterlassen;
aber all sein Bitten und Betteln half ihm nichts. Zuletzt mußte er dem
Schmied versprechen, er wolle nicht eher wiederkommen, als bis die vier
Jahre um wären; und da durfte er denn wieder herunter.
Als nun die Zeit verstrichen war, kam der Teufel abermals, um den
Schmied zu holen. »Nun hast Du wohl endlich den Kopf an dem Nagel
fertig,« sagte er. »Ja, den Kopf hab' ich fertig,« versetzte der
Schmied: »aber dennoch kommst Du mir ein ganz klein wenig zu früh, denn
ich habe noch die Spitze nicht geschärft; so verdammt hartes Eisen hab'
ich noch nie zuvor geschmiedet. Während ich nun die Spitze an dem Nagel
schärfe, kannst Du Dich ein wenig in meinen Lehnstuhl niederlassen und
Dich ausruhen; denn Du bist wohl müde von der Reise, kann ich mir
denken.« -- »Ich danke für gutes Anerbieten,« sagte der Teufel und
setzte sich in den Lehnstuhl. Kaum aber hatte er sich niedergesetzt,
so sagte der Schmied: »Wenn ich's nun recht bedenke, so krieg' ich die
Spitze in den ersten vier Jahren noch gar nicht geschärft.« Der Teufel
bat anfangs sehr höflich, der Schmied möchte ihn doch wieder frei lassen,
und da alles Bitten nichts half, fing er an zu drohen. Aber der Schmied
entschuldigte sich und sagte, das Eisen wäre an Allem schuld, denn es
wäre so verdammt hart. Übrigens tröstete er den Teufel und sagte, er
säße in seinem Stuhl ja bequem und gemächlich, er solle sich die Zeit
nicht lang werden lassen, denn um vier Jahre solle er auf die Minute
wieder frei werden. Es war nun kein andrer Rath: der Teufel mußte ihm
versprechen, ihn nicht eher holen zu wollen, als bis die vier Jahre um
wären. Als er ihm das versprochen hatte, sagte der Schmied: »So magst Du
denn wieder aufstehen.« Der Teufel -- hast Du mich nicht gesehen! auf
und davon.
Nach vier Jahren kam der Teufel abermals, um den Schmied zu holen. »Nun
bist Du wohl endlich fertig,« sagte er, indem er den Kopf zur Thür
hereinsteckte. »Fix und fertig!« antwortete der Schmied: »und jetzt kann's
losgehen, wann Du willst.« »Aber,« sagte er: »da ist Eins, worüber ich
mir oft den Kopf zerbrochen habe; sage mir doch, ist es wahr, Was die
Leute sagen, daß der Teufel sich so klein machen kann, als er will?«
-- »Freilich ist es wahr!« versetzte der Teufel. »O, dann könntest Du mir
wohl den Gefallen thun und in diesen stählernen Beutel hineinkriechen
und zusehen, ob im Boden kein Loch ist,« sagte der Schmied: »ich bin so
bange, daß ich mein Reisegeld daraus verliere.« -- »Recht gern,« sagte
der Teufel, machte sich ganz klein und kroch in den Beutel. Kaum aber
war er hinein, so machte der Schmied den Beutel zu. »Er ist überall
ganz und dicht,« sagte der Teufel drinnen. »Na, das ist nur gut,« sagte
der Schmied: »aber besser ist's, vorbedacht, als klug nachher; darum
will ich Sicherheits halber den Beutel lieber ein wenig schweißen,« und
damit legte er den Beutel in die Esse und machte ihn glühend. »Au! au!
bist Du denn toll?« rief der Teufel: »weißt Du nicht, daß ich drinnen
bin?« -- »Ich kann Dir nicht helfen,« sagte der Schmied: »ein altes
Sprichwort sagt: »Man muß das Eisen schmieden, während es warm ist,«
und damit nahm er seinen großen Hammer, legte den Beutel auf den Amboß
und schlug zu all was er konnte. »Au! au!« schrie der Teufel im Beutel:
»laß mich bloß hinaus, ich will auch nun und nimmermehr wiederkommen.«
-- »Ja, ich glaube, jetzt ist er gut geschweißt,« sagte der Schmied: »so
magst Du denn wieder herauskriechen.« Damit machte er den Beutel auf,
und der Teufel heraus und auf und davon in solcher Hast, daß er sich
auch nicht einmal umsah.
Als aber eine Zeit vergangen war, dachte der Schmied, er hätte doch wohl
unrecht gethan, sich den Teufel zum Unfreund zu machen; »denn,« dachte
er: »sollte ich nicht in den Himmel kommen, so könnte ich riskiren,
keine Herberge zu finden, weil ich mich mit Dem, der das Regiment in der
Hölle hat, überworfen habe; darum ist's besser, ich versuche, je eher,
je lieber, entweder in die Hölle, oder in den Himmel zu kommen, damit
ich doch weiß, woran ich bin,« und damit nahm er seinen Hammer auf den
Nacken und machte sich auf den Weg. Als er ein gutes Ende gegangen war,
kam er zu einem Kreuzweg, wo die Straße zum Himmel und die Straße zur
Hölle sich theilen. Da traf er mit einem Schneidergesellen zusammen, der
mit seinem Bügeleisen in der Hand dahin trippelte. »Guten Tag!« sagte
der Schmied: »wo geht die Reise hin?« -- »Nach dem Himmel,« sagte der
Schneider: »wenn ich bloß hineinschlüpfen könnte -- und Du?« -- »Wir
gehen dann wohl nicht zusammen,« sagte der Schmied: »ich habe gedacht,
es erst in der Hölle zu versuchen; denn ich habe ein wenig Bekanntschaft
mit dem Teufel von früherher.« Darauf nahmen sie von einander Abschied,
und jeder zog seine Straße. Aber der Schmied war ein starker, kräftiger
Mann und ging weit schneller, als der Schneider, und da dauerte es nicht
lange, so stand er vor der Höllenpforte. Er ließ sich von der Wache
anmelden und sagen, es stände Jemand draußen vor der Hölle, der wolle
gern ein Wort mit dem Teufel sprechen. »Geh hinaus und frage, Wer es
ist,« sagte der Teufel zu der Wache, und die Wache ging hinaus. »Grüße
nur den Teufel von mir,« war die Antwort: »und sage ihm, es sei der
Schmied, der den Beutel hätte -- er wüßte wohl, und dann bitt' ihn, daß
er mich nur gleich hineinlasse; denn erstlich hab' ich heut den ganzen
Vormittag geschmiedet, und dann hab' ich einen langen Weg gemacht.« Als
der Teufel diesen Bescheid erhielt, befahl er der Wache, alle neun
Schlösser an der Höllenpforte zuzumachen und noch ein großes Hängeschloß
vorzulegen; »denn,« sagte er: »kommt er herein, so richtet er lauter
Unfug in der Hölle an.« -- »Hier ist also kein Quartier für dich!«
sagte der Schmied bei sich selbst, als er hörte, wie man drinnen die
Pforte verrammte: »ich muß es darum wohl im Himmel versuchen,« und damit
machte er Kehrum, ging zurück nach dem Kreuzweg und schlug die Straße
ein, die der Schneider gegangen war. Weil es ihn nun verdroß, daß er den
langen Weg hin und zurück hatte gehen müssen ohne Nutzen, holte er aus,
was er nur konnte, und kam eben bei der Himmelspforte an, als St. Petrus
sie ein wenig öffnete, um den Schneider hineinzulassen. Der Schmied war
wohl noch sechs bis sieben Schritte davon. »Jetzt ist es am besten, daß
ich mich spute,« dachte er, griff nach seinem Hammer und warf ihn in die
Thürritze, als eben der Schneider hineinschlüpfte. Kam der Schmied aber
nicht durch die Öffnung hinein, so weiß ich nicht, wo er geblieben ist.
22.
Der Hahn und die Henne[5].
_Die Henne._ Du versprichst mir Schuh Jahr aus, Jahr ein, und ich krieg'
nimmer keine Schuh nicht.
_Der Hahn._ Kannst Du warten, so kriegst Du wohl Schuh.
_Die Henne._ Ich lege Eier und thu', Was ich kann, und doch geh' ich
barfuß allezeit.
_Der Hahn._ So nimm Deine Eier und reise nach der Stadt und kauf Dir
Schuh und geh nicht länger barfuß!
23.
Der Hahn, der Kukuk und der Auerhahn.
Der Hahn, der Kukuk und der Auerhahn hatten einmal eine Kuh zusammen
gekauft. Da es nun nicht anging, sie zu theilen, und sie sich auch nicht
um die Ausbezahlung vergleichen konnten, kamen sie dahin überein, daß
Der, welcher am Morgen zuerst erwachte, die Kuh haben solle. Darauf
erwachte der Hahn zuerst:
»Mein ist die Kuh!
Mein ist die Kuh!«
rief der Hahn. Während der Hahn noch kräh'te, erwachte der Kukuk:
»Halb Kuh!
Halb Kuh!«
rief der Kukuk. Während der Kukuk noch rief, erwachte der Auerhahn:
»Theilt, meine Brüder,
Wie recht und billig --
Recht und billig!
Tschio! tschi!«
rief der Auerhahn. Kannst Du mir nun sagen, Wer jetzt die Kuh haben
sollte?
24.
Lillekort.[6]
Es waren einmal ein Paar Eheleute, die wohnten in einer elenden Hütte,
worin Nichts war, als die liebe Armuth; denn sie hatten weder zu beißen,
noch zu brocken. Hatten sie aber sonst Nichts, so hatten sie doch einen
Gottessegen an Kindern, und jedes Jahr bekamen sie noch mehr. Nun war es
eben um die Zeit, daß sie wieder eins erwarteten. Darüber war der Mann
sehr verdrießlich und murrte und brummte den ganzen Tag und sagte,
nachgerade könne es doch wohl einmal Genug sein von diesen Gaben Gottes.
Und als die Zeit kam, da die Frau gebären sollte, ging er fort ins Holz,
weil er, wie er sagte, den neuen Schreihals nicht hören wollte; denn er
bekäme ihn doch noch früh genug zu hören, sagte er: wenn er nachher nach
Essen grölte.
Als der Mann gegangen war, gebar die Frau einen allerliebsten Knaben,
der sah sich in der Stube rings um, that den Mund auf und sprach: »Liebe
Mutter, gieb mir nur ein paar alte Kleider von meinen Brüdern und einen
Schnappsack mit Essen auf ein paar Tage; dann will ich hinauswandern in
die Welt und mein Glück versuchen; denn Du hast, wie ich wohl sehe, doch
noch Kinder genug zu ernähren.« -- »Ach, Gott helfe mir, mein Sohn!«
sagte die Mutter: »Du bist ja noch viel zu klein, um schon in die Welt
auszuwandern; das kann ich nimmermehr zugeben.« Aber der Knabe bat so
lange, bis die Mutter ihm zuletzt einige alte Lappen zusammensuchte
und ihm etwas Essen in ein Tuch knüpfte, und damit schritt er froh und
fröhlich hinaus in die Welt. Kaum aber war er gegangen, so gebar die
Frau noch einen Knaben, der sah auch um sich her und sagte darauf: »Ach,
liebe Mutter, gieb mir nur ein paar alte Kleider von meinen Brüdern und
auf ein paar Tage zu essen, dann will ich hinauswandern in die Welt und
meinen Zwillingsbruder aufsuchen; denn Du hast, wie ich wohl sehe, doch
noch Kinder genug zu ernähren.« -- »Ach, Gott helf mir! Du bist ja noch
viel zu klein, Du armer Wicht!« sagte die Frau: »das kann ich nimmermehr
zugeben.« Aber der Knabe bat so lange, bis sie ihm denn einige alte
Lappen zusammensuchte und ihm etwas Essen in ein Tuch knüpfte, und damit
wanderte er noch so mannhaft in die Welt hinaus, um seinen Zwillingsbruder
aufzusuchen. Als er nun eine Zeitlang fortgewandert war, wurde er seinen
Bruder ansichtig. »Holla, heda!« rief er ihm zu: »Du legst ja los, als
ob's für Geld ginge. Du hättest doch erst ein wenig warten und Dich
nach Deinem jüngern Bruder umsehen sollen, eh' Du so patzig in die Welt
hinausmarschirtest.« Der älteste Bruder stand still und sah sich nach
ihm um, und als nun der jüngste zu ihm gekommen war und ihm erzählt
hatte, wie die Sache zusammenhing, und daß er sein Bruder sei, sagte er:
»Aber jetzt wollen wir uns hier niedersetzen und mal zusehen, Was unsre
Mutter uns zum Mundschmack mitgegeben hat,« und darauf setzten sie sich
nieder und erfrischten sich.