Krämer_, weil er ehedem mit Kram im Lande umhergefahren und viel Geld
verdient hatte, so daß er nun ein reicher Mann geworden war. Dieser
reiche Peter Krämer hatte eine Tochter, die hielt er so kostbar, daß er
alle Freier, die sich um sie bewarben, abwies; denn es schien ihm kein
Einziger gut genug für sie. Weil es nun so mit allen ging, kamen endlich
gar keine mehr, und da nun die Jahre herankamen, befürchtete Peter, das
Mädchen möchte zuletzt sitzen bleiben. »Es wundert mich,« sprach er zu
seiner Frau: »daß gar keine Freier mehr zu unsrer Tochter kommen, die
doch so reich ist. Das müßte sonderbar zugehen, wenn sich nicht Einer
finden sollte, der sie haben wollte; denn Geld hat sie, und noch mehr
bekommt sie. Ich glaube, ich muß mal zu den Sternguckern reisen und die
fragen, Wen sie haben soll; denn es kommt hier ja Niemand.« -- »Wie
können die Sterngucker Dir das sagen?« fragte die Frau. »O, das lesen
sie alles in den Sternen,« sagte der reiche Peter. Er steckte nun viel
Geld zu sich und reis'te damit zu den Sternguckern und bat sie, ihm doch
den Gefallen zu thun und nach den Sternen zu gucken, und ihm dann zu
sagen, was seine Tochter für einen Mann haben solle. Die Sterngucker
sahen nach den Sternen, aber sie sagten, daß sie Nichts sehen könnten.
Peter bat sie, noch besser zuzusehen und es ihm ja zu sagen; er wolle
ihnen auch viel Geld geben, sagte er. Die Sterngucker sahen nun besser
zu, und darauf sagten sie, seine Tochter solle das Müllerkind heirathen,
das eben jetzt in der Mühle, die gleich unten bei des reichen Peters
Gehöft läge, zur Welt gekommen sei. Peter meinte, es wäre gar zu
ungereimt, daß seine Tochter Einen zum Mann haben solle, der eben erst
zur Welt gekommen sei, und noch dazu einen so geringen Mann. Das sagte
er auch zu seiner Frau und fügte hinzu: »Es müßte sonderbar zugehen,
wenn sie mir den Buben nicht verkaufen wollten; alsdann aber wollen wir
ihn schon quitt werden.« -- »Ja, das mein' ich auch,« sagte die Frau:
»es sind ja nur arme Leute.« Peter Krämer ging nun zur Mühle und fragte
die Müllerfrau, ob sie ihm nicht ihren Sohn verkaufen wolle, sie sollte
viel Geld dafür haben. Nein, das wollte sie durchaus nicht. »Ich weiß
nicht, warum Du das nicht willst,« sagte Peter Krämer: »es ist ja nur
die liebe Armuth bei Euch zu Hause, und der Bube, denk' ich, wird sie
Euch nicht leichter machen.« Aber sie hielt so viel von dem Jungen, daß
sie ihn nicht missen wollte. Als darauf der Müller eintrat, sagte Peter
zu ihm dasselbe und versprach ihm sechshundert Thaler für den Buben;
dafür könnten sie sich ein Gehöft kaufen, sagte er, und hätten dann
nicht mehr nöthig, für die Leute zu mahlen und zu hungern, wenn sie kein
Mahlwasser hätten. Das däuchte dem Müller nicht übel, und er sprach mit
seiner Frau darüber, und endlich bekam denn der reiche Peter den Buben.
Die Mutter weinte zwar und geberdete sich übel; aber Peter tröstete sie
und sagte, daß er gut für den Burschen sorgen würde; nur mußten sie ihm
versprechen, daß sie niemals nach ihm fragen wollten; denn er wollte ihn
weit weg in andre Länder schicken, damit er fremde Sprachen lerne, sagte
er. -- Als Peter mit dem Buben nach Hause kam, ließ er einen Kasten
verfertigen, den verklebte er inwendig mit Pech, legte den Müllerbuben
hinein, dreh'te den Schlüssel einmal herum und schob dann den Kasten
hinaus in den Fluß, so daß er mit dem Strom davon trieb. Nun bin ich
ihn quitt, dachte Peter Krämer. Als aber der Kasten auf dem Fluß weit
weggetrieben war, kam er zuletzt zu dem Wasser einer andern Mühle und
gerieth ins Mühlrad, so daß die Mühle davon stehen blieb. Der Müller
ging hin und wollte zusehen, Was die Ursache davon war, und da fand er
denn den Kasten und trug ihn ins Haus. »Ich bin doch neugierig, Was wohl
in diesem Kasten sein mag,« sagte er zu seiner Frau: »der ist ins
Mühlrad gerathen und hat mir die Mühle gestopft.« -- »Nun, das können
wir bald erfahren,« sagte die Frau: »der Schlüssel steckt ja drin; mach
nur das Schloß auf.« Als sie nun den Kasten öffneten, lag darin das
schönste Kind, das man nur sehen kann, und sie waren beide so erfreu't
darüber und wollten den Buben als ihr eigenes Kind behalten; denn
selbst hatten sie keine Kinder und waren auch schon in den Jahren, daß
sie keine mehr bekommen konnten. -- Als nun eine Zeit vergangen war,
wunderte Peter Krämer sich wieder, daß sich gar keine Freier zu seiner
Tochter einfinden wollten, die doch so reich wäre und so viel Geld
hätte. Aber es zeigte sich keiner; und Peter reis'te darum wieder zu
den Sternguckern und bot ihnen Geld über Geld, wenn sie ihm bloß sagen
wollten, Wen seine Tochter zum Mann haben solle. »Wir haben es Dir ja
gesagt, daß sie den Müllerbuben haben soll,« antworteten die Sterngucker.
»Ja, das ist recht gut,« sagte Peter Krämer: »aber der ist nun gestorben,
und wenn Ihr mir darum sagen wolltet, Wen meine Tochter jetzt zum Mann
haben soll, dann wollt' ich Euch gern zweihundert Thaler geben.« Die
Sterngucker sahen nun wieder nach den Sternen; aber da wurden sie ganz
zornig und sprachen: »Sie soll gleichwohl den Müllerbuben haben, den
Du in den Fluß ausgesetzt hast, um ihn zu tödten; denn er lebt noch
und ist in der Mühle da und da.« Peter Krämer gab ihnen die zweihundert
Thaler und dachte jetzt nur darauf, wie er es anfangen solle, um den
Müllerbuben los zu werden. Das Erste, was er that, als er nach Hause
kam, war, daß er zur Mühle ging. Da war der Bube schon so groß, daß er
eingesegnet war und in der Mühle mithalf, und ein schmucker Bursch war
er geworden. »Könntest Du mir nicht den Burschen überlassen, Du?« sagte
Peter Krämer zu dem Müller. »Nein,« antwortete der Müller: »ich habe ihn
als mein eignes Kind erzogen, und er ist so gut in die Art geschlagen,
daß ich nun Hülfe und Nutzen von ihm in der Mühle haben kann; denn
selbst werd' ich nach gerade schon alt und hinfällig.« -- »Ja, so geht's
mir auch,« sagte Peter Krämer: »und darum wollt' ich gern Einen haben,
den ich zum Handel anlehren könnte. Wenn Du ihn mir daher überlassen
willst, so will ich Dir gern sechshundert Thaler geben; dann kannst Du
Dir ein Gehöft kaufen und in Deinen alten Tagen ruhig und in Frieden
leben.« Ja, als der Müller das hörte, gab er dem Peter Krämer gleich den
Burschen. Nun reis'ten beide weit umher mit Kram und handelten, bis sie
einst zu einem Gehöft kamen, das dicht an einem Walde lag. Von hier aus
schickte Peter den Burschen nach Hause mit einem Brief an seine Frau --
denn wenn man den Richtweg durch den Wald ging, war es nicht so gar weit
-- und sagte zu ihm, er solle seine Frau von ihm grüßen und ihr sagen,
sie solle so bald als möglich thun, Was in dem Brief stände. In dem
Brief aber stand, sie solle augenblicklich einen Holzstoß errichten und
den Müllerburschen darauf verbrennen, und wenn sie das nicht thäte, so
solle sie selbst lebendig verbrannt werden. Mit diesem Brief ging der
Bursch fort durch den Wald. Gegen Abend kam er zu einem Hause tief im
Dickicht, und da ging er hinein; doch in dem Hause war kein Mensch zu
sehen noch zu hören. In einem der Zimmer aber fand der Bursch ein
aufgemachtes Bett, und auf das legte er sich quer hin. Den Brief hatte
er an seinen Hut befestigt, und der Hut lag auf seinem Gesicht. Als die
Räuber nach Hause kamen -- denn das Haus gehörte zwölf Räubern -- und
den Burschen auf dem Bett liegen sahen, waren sie neugierig, was das für
Einer wäre, und einer von ihnen nahm den Brief, brach ihn auf und las
ihn. »Ha! ha!« sagte er: »der ist von dem Peter Krämer; aber nun wollen
wir ihm einen Streich spielen; denn es wäre doch Jammer und Schade, wenn
das alte Weibsstück einen so jungen wackern Burschen ums Leben bringen
sollte.« Sie schrieben nun einen andern Brief an Peter Krämers Frau und
befestigten ihn an den Hut, während der Bursch schlief, und in dem
Brief hatten sie geschrieben, die Frau solle den Müllerburschen mit der
Tochter verheirathen, und es solle augenblicklich die Hochzeit gehalten
werden, und dann solle sie ihnen Pferde und Vieh und Hausgeräth geben
und sie völlig auf dem Gehöft einrichten, das unten am Berg läge, und
sofern das nicht alles geschehen sei, wenn Peter Krämer nach Hause käme,
sollt's ihr schlecht gehen. Den andern Tag reis'te der Bursch weiter,
und als er auf Peters Gehöft ankam, übergab er der Frau den Brief und
sagte, er solle grüßen von Peter Krämer, ihrem Mann, und sagen, sie
möchte doch so bald als möglich thun, Was in dem Brief stände. Als die
Frau den Brief gelesen hatte, sagte sie zu dem Burschen: »Du musst Dich
gut aufgeführt haben, daß Peter mir einen solchen Brief schreibt; denn
als er abreis'te, war er so böse auf Dich, daß er nicht wußte, wie er
Dich ums Leben bringen wollte.« Sie machte nun sogleich Anstalten
zur Hochzeit und gab den jungen Leuten Pferde und Vieh und allerlei
Hausgeräth und richtete sie vollständig ein auf dem Gehöft unten am
Berge.
Nicht lange darnach kam Peter Krämer zu Hause, und das Erste, wonach er
sich bei seiner Frau erkundigte, war, ob sie gethan hätte, wie er in
dem Brief geschrieben. »Ja, das, däucht mir, war auch nett!« sagte sie:
»aber ich durfte ja nicht anders.« Nun fragte Peter, wo denn die Tochter
sei. »Ih nun, das kannst Du Dir ja wohl denken,« sagte die Frau: »sie
ist bei ihm auf dem Gehöft unten am Berg, so wie in dem Brief stand.«
Als Peter nun die ganze Geschichte erfuhr und den Brief sah, ward er so
zornig, daß er aus der Haut fahren wollte, und lief sogleich auf das
Gehöft zu den jungen Leuten. »Meine Tochter hast Du zwar bekommen,«
sagte er zu dem Müllerburschen: »aber wenn Du denkst, sie zu behalten,
so musst Du erst zu dem Drachen von Dübenfahrt und mir drei Federn aus
seinem Schwanz holen;« -- denn Wer die hatte, konnte Alles bekommen,
was er sich wünschte. -- »Wo soll ich aber den Drachen von Dübenfahrt
finden?« fragte der Schwiegersohn. »Das weiß ich nicht,« sagte Peter
Krämer: »das mag Deine Sorge sein.«
Der Bursch begab sich nun getrost auf den Weg, und als er eine Zeitlang
gewandert hatte, kam er zu einem Königsschloß. »Hier will ich einkehren
und vorfragen,« dachte er: »denn solche Leute wissen besser in der Welt
Bescheid, als Unsereiner, vielleicht daß ich hier den Weg erfahre.«
Gedacht, gethan. Der König fragte ihn, wo er her sei, und in welchem
Geschäft er reise. »O, ich soll zu dem Drachen von Dübenfahrt und drei
Federn aus seinem Schwanz holen,« sagte der Bursch: »wenn ich ihn bloß
finden könnte.« -- »Dazu will viel Glück,« sagte der König: »denn ich
habe noch nie gehört, daß Einer von solcher Reise zurückgekehrt ist.
Wenn Du ihn aber antriffst, so kannst Du ihn von mir grüßen und ihn
fragen, woher es kommt, daß ich niemals reines Wasser in meinem Brunnen
habe; ich hab' ihn schon so oft säubern und ausmuddern lassen, aber nie
kann ich reines Wasser bekommen.« -- »Ja, ich will ihn wohl fragen,«
sagte der Bursch. Auf dem Schloß ließ er's sich wohl sein und bekam noch
dazu Lebensmittel und Geld auf den Weg.
Gegen Abend kam der Bursch zu einem andern Königsschloß. Als er in die
Küche eintrat, kam der König heraus und fragte ihn, wo er her sei, und
in welchem Geschäft er reise. »O, ich soll zu dem Drachen von Dübenfahrt
und drei Federn aus seinem Schwanz holen,« sagte der Bursch. »Dazu will
viel Glück,« sagte der König: »denn ich habe noch nie gehört, daß Einer
von daher zurückgekehrt ist. Wenn Du aber zu ihm kommst, so kannst Du
ihn von mir grüßen und ihn fragen, wo wohl meine Tochter wäre, die vor
vielen Jahren verschwunden ist; ich habe nach ihr suchen und forschen
lassen überall, aber ich habe nie das Geringste von ihr erfahren können.«
-- »Ich will ihn wohl fragen,« sagte der Bursch. Auf dem Königsschloß
lebte er gut und wohl, und als er den andern Tag fortging, bekam er
sowohl Essen, als Geld mit auf den Weg. Gegen Abend kam er wieder zu
einem Königsschloß.
Hier kam die Königinn heraus in die Küche und fragte ihn, wo er her
sei, und in welchem Geschäft er reise. »Ich soll zu dem Drachen von
Dübenfahrt und drei Federn aus seinem Schwanz holen,« sagte der Bursch.
»Dazu will viel Glück,« sagte die Königinn: »denn ich habe noch nie
gehört, daß Einer des Weges zurückgekehrt ist. Aber solltest Du ihn
antreffen, so kannst Du ihn von mir grüßen und ihn fragen, wo ich wohl
meine goldnen Schlüssel wiederfinden soll, die ich verloren habe.«
-- »Ich will ihn wohl fragen,« sagte der Bursch. Am andern Morgen
wanderte er weiter, und als er ein Ende gegangen war, kam er zu einem
großen breiten Fluß. Während er nun da stand und nicht wußte, wie er
hinüber kommen sollte, kam ein alter krummgebückter Mann auf ihn zu und
fragte ihn, wo er hin wolle. »Ich soll zu dem Drachen von Dübenfahrt,«
sagte der Bursch: »wenn ich bloß wüßte, wo er zu finden ist.« -- »Das
kann ich Dir sagen,« sprach der Mann: »denn ich setze hier Alle über,
die zu ihm wollen. Er wohnt hier grade gegenüber; wenn Du dort oben auf
dem Hügel bist, kannst Du schon sein Schloß sehen; -- und wenn Du ihn
dann zu sprechen bekommst, so kannst Du ihn von meinetwegen fragen, wie
lange ich hier noch übersetzen soll.« -- »Ich will ihn wohl fragen,«
sagte der Bursch. Der Mann nahm ihn nun auf den Rücken und trug ihn
über den Fluß; und als der Bursch auf den Hügel gekommen war, sah er
das Schloß grade vor sich und ging hinein. Als die Prinzessinn, die nur
allein zu Hause war, ihn erblickte, rief sie: »Ist es möglich! darf
denn eine Christenseele hieherkommen? Das ist noch nicht geschehen, so
lange ich hier bin. Für Dich ist es aber am besten,« sagte sie: »Du
siehst zu, daß Du wieder fortkommst so schnell wie möglich; denn kommt
der Drache zu Hause, so riecht er Dich und frisst Dich sogleich auf, und
mich machst Du dann dazu unglücklich.« -- »Nein,« sagte der Bursch: »ich
kann nicht eher fort, als bis ich drei Federn aus seinem Schwanz habe.«
-- »Die bekommst Du nun und nimmermehr,« sagte die Prinzessinn.
Aber der Bursch wollte nicht fort; er wollte warten, bis der Drache nach
Hause käme und wollte die Federn aus seinem Schwanz und Antwort auf seine
Fragen haben. »Ja, wenn Du denn durchaus darauf bestehst, so will ich
zusehen, ob ich Dir helfen kann,« sagte die Prinzessinn: »Versuche aber,
ob Du das Schwert aufheben kannst, das dort an der Wand hangt.« Nein,
der Bursch konnt's nicht vom Fleck rühren. »So musst Du einen Trunk aus
dieser Flasche thun,« sagte die Prinzessinn. Als nun der Bursch einen
Trunk aus der Flasche gethan hatte, konnte er das Schwert ein wenig
bewegen. »Du musst noch einen Trunk thun,« sagte die Prinzessinn: »und
dann erzähle mir ausführlich Deinen Auftrag.« Der Bursch that nun noch
einen Trunk, und darauf erzählte er der Prinzessinn: ein König hätte ihn
gebeten, den Drachen zu fragen, woher es käme, daß er kein reines Wasser
in seinen Brunnen bekommen könne; für einen andern solle er fragen, wo
seine Tochter geblieben sei, die vor vielen Jahren verschwunden wäre;
und für eine Königinn solle er den Drachen fragen, wo ihre goldnen
Schlüssel geblieben wären; und endlich solle er für den Fährmann fragen,
wie lange der noch die Leute über den Fluß setzen müsse. -- Als der
Bursch nun das Schwert anfaßte, konnte er es aufheben; und als er endlich
noch einen Trunk gethan hatte, konnte er es schwingen. Gegen Abend sagte
die Prinzessinn: »Nun kommt der Drache bald nach Hause, und damit er
Dich nicht sogleich umbringt, musst Du unter das Bett kriechen, und da
musst Du ganz still liegen, daß er Dich nicht bemerkt. Wenn wir uns dann
niedergelegt haben, werde ich ihn ausfragen. Du musst aber gut zuhören
und genau darauf Acht geben, Was er antwortet; und unter dem Bett musst
Du liegen bleiben, bis Alles still ist, und der Drache eingeschlafen;
alsdann aber kriech leise hervor und nimm das Schwert zu Dir. Und wenn
er darnach aufsteht, musst Du mit _einem_ Hieb ihm den Kopf abschlagen
und im selben Augenblick die drei Federn aus seinem Schwanz rupfen; denn
sonst reißt er sie sich selbst aus, damit sie keinem Andern zu gute
kommen sollen.«
Als nun der Bursch unters Bett gekrochen war, kam auch schon der Drache
an. »_Es riecht hier so nach Menschenfleisch!_« rief er, als er eintrat
»O, es kam ein Rabe geflogen mit einem Menschenknochen im Schnabel und
setzte sich auf das Dach,« sagte die Prinzessinn: »das muß es sein, was
Du riechst.« -- »_Na so!_« sagte der Drache. Nun trug die Prinzessinn
das Essen auf, und als sie gegessen hatten, legten sie sich zu Bett.
Aber als sie eine Weile gelegen hatten, schlief die Prinzessinn so
unruhig, und plötzlich wachte sie auf. »Au! au!« schrie sie. »_Was
fehlt Dir?_« fragte der Drache. »O, ich schlafe so unruhig,« sagte die
Prinzessinn: »und dann hatte ich einen so wunderlichen Traum.« -- »_Was
träumte Dir denn?_« fragte der Drache. »O, mir träumte, es käme ein
König hieher und fragte Dich, wie er es anfangen solle, um reines Wasser
in seinen Brunnen zu bekommen,« sagte die Prinzessinn. »_Ach, das könnte
er wohl von selbst wissen_,« sagte der Drache: »_wenn er bloß den
Brunnen umgräbt und den alten verfaulten Stock herausnimmt, der auf dem
Boden liegt, dann wird er schon reines Wasser bekommen. Aber liege jetzt
ruhig und träume nicht wieder!_«
Als die Prinzessinn eine Weile still gelegen hatte, ward sie wieder
unruhig, warf sich im Bette hin und her und wachte endlich wieder auf.
»_Au! au!_« -- »_Was ist denn nun wieder los?_« rief der Drache. »O,
ich schlafe so unruhig, und dann hatte ich einen so wunderlichen
Traum,« sagte die Prinzessinn. »_Das ist doch auch gewaltig mit Deiner
Träumerei!_« sagte der Drache: »_Was hat Dir denn jetzt geträumt?_«
-- »O, mir träumte, es käme ein König hieher und fragte Dich, wo seine
Tochter geblieben wäre, die vor vielen Jahren verschwunden sei,« sagte
die Prinzessinn. »_Das bist Du_,« sagte der Drache: »_aber Dich bekommt
er in seinem Leben nicht mehr zu sehen. Laß mich aber jetzt in Ruhe,
bitt' ich Dich, und träume nicht wieder, sonst brech ich Dir die Rippen
entzwei._«
Die Prinzessinn hatte nicht lange geschlafen, als sie wieder anfing,
unruhig zu werden, und dann aufwachte. »_Au! au!_« rief sie. »_Nun,
schon wieder? Was ist denn jetzt wieder los?_« rief der Drache und war
so wild, daß er beinahe aus der Haut fahren wollte. »O, Du musst nicht
böse werden,« sagte die Prinzessinn: »aber ich hatte einen so
wunderlichen Traum.« -- »_Das ist doch auch zum Kukuk mit Deiner
Träumerei! Was träumte Dir denn jetzt?_« -- »O, mir träumte, es käme
eine Königinn hieher, die fragte Dich, ob Du ihr nicht sagen könntest,
wo sie ihre goldnen Schlüssel wiederfinden solle, die sie verloren
hätte.« -- »_O, sie kann nur zusehen zwischen den Büschen, wo sie lag,
damals, wie sie wohl weiß, dann wird sie sie wohl finden_,« sagte der
Drache: »_Aber laß mich nun endlich in Ruhe mit Deinen Träumen!_«
Beide schliefen nun eine Weile; aber darnach begann die Prinzessinn
wieder unruhig zu werden, und plötzlich wachte sie auf. _»Au! au!_«
-- »_Ich merke wohl, Du wirst nicht eher ruhig, als bis ich Dir das
Genick zerbreche_,« sagte der Drache und war so wüthend, daß ihm die
Funken aus den Augen sprüh'ten: »_Was hast Du denn nun wieder?_« -- »O,
Du musst nicht böse auf mich sein,« sagte die Prinzessinn: »ich kann
ja nicht dafür; aber ich hatte einen so wunderlichen Traum.« -- »_Eine
solche Träumerei ist mir doch noch nicht vorgekommen_,« sagte der Drache:
»_aber Was träumte Dir denn jetzt?_« -- »Mir träumte, der Fährmann hier
unten am Sund sei gekommen und fragte Dich, wie lange er noch die Leute
über den Fluß setzen müsse.« -- »_Das dumme Vieh! davon könnte er bald
befrei't werden_,« sagte der Drache: »_Wenn Jemand kommt, der hinüber
will, so braucht er ihn nur mitten in den Fluß zu werfen und zu sagen:
»Setz' nun Du über, bis Du abgelös't wirst!« dann wird er frei. Aber laß
mich jetzt in Ruhe mit Deinen Träumen, sonst wird es ein andrer Tanz!_«
Die Prinzessinn ließ ihn nun in Frieden schlafen. Aber sobald es still
ward, und der Müllerbursch hörte, daß der Drache schnarchte, kroch er
hervor und nahm das Schwert von der Wand. Ehe es noch Tag geworden war,
stand der Drache auf; aber kaum war er mit beiden Füßen aus dem Bett
gekommen, als der Bursch ihm den Kopf abhieb und die drei Federn aus
seinem Schwanz riß. Das war eine große Freude. Und der Bursch und
die Prinzessinn nahmen so viel Gold und Silber und Geld und andre
Kostbarkeiten mit, als sie nur fortschaffen konnten, und als sie zu
dem Sund kamen, setzten sie den Fährmann durch Alles, was er für sie
hinübertragen mußte, so in Erstaunen und Verwirrung, daß er ganz und gar
vergaß, zu fragen, Was der Drache gesagt hätte, bis alles Gepäck und der
Bursch und die Prinzessinn dazu hinüber waren. »Es ist wahr,« sagte er,
als sie eben fortgehen wollten: »fragtest Du den Drachen, wie ich Dir
sagte?« -- »Ja,« antwortete der Bursch: »er sagte, wenn Jemand käme
und hinüber wolle, so solltest Du ihn nur mitten in den Fluß werfen und
sagen: »Setz' nun Du über, bis Du abgelös't wirst!« so würdest Du frei.«
-- »O, twi!« sagte der Sundmann: »hättest Du mir das früher gesagt, dann
hättest =Du= mich ablösen sollen.«
Als sie zu dem ersten Königsschloß kamen, fragte ihn die Königinn, ob er
den Drachen nach ihren goldnen Schlüsseln gefragt hätte. »Ja,« sagte der
Bursch und flüsterte ihr ins Ohr: »Er sagte, Du solltest nur zusehen
zwischen den Büschen, wo Du lagst, damals, wie Du wohl weißt.« -- »Still!
still! sag' ja Nichts!« sagte die Königinn und gab dem Burschen hundert
Thaler. -- Als er zu dem zweiten Königsschloß kam, fragte der König ihn,
ob er sich bei dem Drachen nach seiner Tochter erkundigt hätte. »Ja,«
sagte der Bursch: »das hab' ich, und hier ist Deine Tochter!« Darüber
ward der König so froh, daß er dem Müllerburschen gern die Prinzessinn
und das halbe Reich gegeben hätte. Aber da dieser schon eine Frau hatte,
gab er ihm zweihundert Thaler und Pferde und Wagen und so viel Gold und
Silber, als er nur fortschaffen konnte. -- Wie er nun zu dem dritten
Königsschloß kam, fragte ihn der König, ob er seinen Auftrag bei dem
Drachen ausgerichtet hätte. »Ja,« versetzte der Bursch: »er sagte,
Du solltest nur den Brunnen umgraben und den alten verfaulten Stock
herausnehmen, der auf dem Boden liegt, dann würdest Du schon reines
Wasser bekommen.« Da gab der König ihm dreihundert Thaler. Von hier
reis'te der Bursch gradesweges nach Hause, und er war so ausstaffirt mit
Gold und mit Silber und so prächtig gekleidet, daß es nur so glitzerte.
Als nun der reiche Peter die Federn aus dem Drachenschwanz erhielt,
hatte er Nichts weiter gegen die Heirath einzuwenden. Da er aber all den
Reichthum sah, den sein Schwiegersohn mitgebracht hatte, fragte er ihn,
ob noch mehr da wäre. »Ja,« sagte der: »es sind noch ganze Wagen voll
da, und wenn Du nur hinreisen willst, so wirst Du wohl so Viel finden,
als Du gebrauchst.« Ja, Peter Krämer wollte gleich hinreisen. Nun sagte
ihm sein Schwiegersohn den Weg so genau, daß er nicht nöthig hatte,
weiter darnach zu fragen; »aber die Pferde,« sagte er: »lässt Du am
besten an dieser Seite des Flusses; denn der Sundmann hilft Dir schon
wieder herüber.« Peter reis'te nun fort und nahm einen guten Schnappsack
voll Eßwaaren mit und viele Pferde, die ließ er aber an dieser Seite
zurück, wie der Bursch ihm gesagt hatte. Als er nun zu dem Fluß kam,
nahm ihn der Sundmann auf den Rücken und trug ihn fort bis in die Mitte,
da warf er ihn ins Wasser und sprach: »Nun kannst Du hier übersetzen,
bis Du abgelös't wirst!« Und wenn Keiner ihn abgelös't hat, so geht der
reiche Peter Krämer noch den heutigen Tag da und setzt die Leute über.
6.
Aschenbrödel, der mit dem Trollen um die Wette aß.
Es war einmal ein Bauer, der hatte drei Söhne; es ging ihm aber nur
dürftig, und er war schon alt und schwach, und die Söhne wollten nicht
recht an die Arbeit. Zu dem Gehöft gehörte ein großer schöner Wald, und
in dem, wollte der Vater, sollten die Burschen Holz hauen, damit sie
Etwas von der Schuld abbezahlten.
Endlich brachte er sie denn auch auf den Trab, und der älteste Sohn
sollte zuerst ins Holz. Als er nun in den Wald gekommen war und anfing,
eine alte borkige Tanne umzuhauen, trat plötzlich ein ungeheurer Troll
auf ihn zu. »_Wenn Du in meinem Wald hauest, so tödte ich Dich_,« sagte
der Troll. Als der Bursch das hörte, warf er die Axt weg und lief, was
er nur konnte, wieder nach Hause. Er kam ganz athemlos an und erzählte,
Was ihm begegnet war. Aber der Vater sagte, er wäre ein Hasenherz; die
Trollen hätten ihn niemals am Hauen gehindert, als ER noch jung gewesen,
meinte er.
Den andern Tag sollte der zweite Sohn in den Wald; aber dem gings
justement eben so. Als er ein paar Hiebe gethan hatte, trat der Troll
auf ihn zu und sprach; »_Wenn Du in meinem Wald hauest, so tödte ich
Dich._« Der Bursch wagte kaum, ihn anzusehen, warf die Axt weg und
machte sich auf die Beine, eben so, wie der Bruder. Als er nach Hause
kam, meinte der Vater wieder, da ER noch jung gewesen, hätten die
Trollen ihn niemals gehindert.
Den dritten Tag wollte Aschenbrödel sich aufmachen. »Ja, Du,« sagten die
beiden ältesten; »Du sollst wohl Was ausrichten, der Du nie hinter dem
Ofen hervorgekommen bist.« Aschenbrödel antwortete Nichts, sondern bat
nur um einen guten Sack voll Lebensmittel. Die Mutter hatte kein Fleisch
und hängte daher den Kessel über's Feuer, um einiges Gemüse für ihn zu
kochen; das that er in seinen Schnappsack, und damit machte er sich auf.
Als er in den Wald gekommen war und eine Zeitlang gehauen hatte, kam
ebenfalls der Troll auf ihn zu und sprach: »_Wenn Du in meinem Wald
hauest, so tödte ich Dich._« Der Bursch aber, nicht faul, nahm sogleich
einen Käse aus seinem Schnappsack und drückte ihn, daß der Saft
herausspritzte. »Hältst Du nicht gleich Dein großes Maul,« sagte er zu
dem Trollen: »so werd' ich Dich drücken, wie ich das Wasser aus diesem
Stein drücke.« -- »Nein, Freund, verschone mich!« sagte der Troll: »ich
will Dir auch hauen helfen.« Ja, wenn's so gemeint sei, wollte ihm denn
der Bursch auch Nichts thun; und der Troll hau'te darauf brav zu, so
daß sie an dem Tage viele Klafter umhau'ten. Gegen Abend sagte der
Troll: »Nun kannst Du mit mir nach meiner Wohnung kommen, denn das ist
näher, als nach Deinem Hause.« Ja, dem Burschen war das recht. Als sie
nun in dem Hause des Trollen ankamen, wollte dieser Feuer auf dem Herd
anmachen, und der Bursch sollte Wasser zum Grützkessel holen. Aber da
standen zwei eiserne Zuber, so groß und so schwer, daß der Bursch sie
nicht einmal von der Stelle bewegen konnte; er sagte aber: »Es ist nicht
werth, mit diesen kleinen Bütten zu plirren; ich will lieber hingehen
und den ganzen Brunnen holen.« -- »Nein, Freund,« sagte der Troll: »ich
kann meinen Brunnen nicht entbehren. Mach Du lieber Feuer an, dann will
ich hingehen und Wasser holen.«
Als der Troll mit dem Wasser zurückkam, kochten sie einen tüchtigen
Kessel voll Grütze. »Willst Du, wie ich,« sagte der Bursch: »so wollen
wir um die Wette essen.« -- »Ja, laß uns das!« sagte der Troll; denn er
dachte, hierin würde er es wohl mit dem Burschen aufnehmen können. Als
sie sich aber zu Tische setzten, nahm der Bursch seinen Schnappsack und
band ihn sich, ohne daß der Troll es bemerkte, vorn um den Leib, und nun
schüttete er mehr in den Schnappsack, als er aufaß. Als der Sack voll
war, zog er sein Taschenmesser hervor und machte einen Schlitz in seinen
Bauch, es war aber der Schnappsack, in den er schnitt. Der Troll sah ihn
an, aber sagte Nichts. Als sie eine gute Zeit gegessen hatten, legte der
Troll den Löffel nieder. »Nein, nun kann ich nicht mehr!« sagte er. »Du
musst essen,« sagte der Bursch: »ich bin noch nicht einmal halb satt.
Mach es, wie ich, und schneide ein Loch in Deinen Bauch, dann kannst Du
so Viel essen, als Du willst.« -- »Ja, aber das thut wohl gewaltig weh,«
sagte der Troll. »O, es ist nicht der Rede werth,« versetzte der Bursch.
Da nahm der Troll sein Messer und schnitt sich ein großes Loch in den
Bauch, und als er das gethan hatte, fiel er todt zur Erde nieder. Der
Bursch aber nahm nun all das Gold und Silber, das er im Berge vorfand,
und damit ging er nach Hause; und nun konnte er wohl Etwas von der
Schuld abbezahlen.
7.
Von dem Burschen,
der zu dem Nordwind ging und das Mehl zurückforderte.