welcher jetzt nur noch die Gruben im Mineral von Anganguco betreibt,

und alle die kostspieligen, gemeinschaftlichen Unternehmungen mit

Revilla -- worauf Hunderttausende verwandt worden -- als Verlust

bringend, aufgegeben hat. Aber auch Anganguco würde, da die

hauptsächlichsten Gruben, Purissima und Valenciana, nur arme Erze

liefern, nicht fortgebaut werden können, wenn nicht, durch einen

äußerst geschickten und wissenschaftlich gebildeten, deutschen

Schmelzer, einen Herrn Franz Schmitz aus Stift Keppel bei Siegen,

eine so vervollkommte Schmelzmethode auf den Werken des D. A.

Bergwerks-Vereins zu Anganguco eingeführt worden wäre, daß jetzt aus

diesen armen Erzen die Mark Silber zu 3¼ Pesos extrahirt wird, während

sich früher die Kosten des Schmelzens auf 10 bis 12 Pesos pr. Mark,

also auf mehr als den Werth des Silbers, beliefen, die Erze somit gar

nicht benutzt werden konnten. Die Amalgamation kam aber durch den

enormen Silber-Verlust von 60 pCt. (bei so armen Erzen) noch höher zu

stehen.

Man kann also gewissermaßen dieser vervollkommten Schmelzmethode des

besagten Herrn Schmitz die Rettung des Unternehmens zuschreiben,

wenn, wie zu hoffen steht, diese durch die zweckmäßigen Einrichtungen

des Herrn Bevollmächtigten Schleiden nunmehr überhaupt bewirkt ist.

Ohne eine solche, verbesserte und verwohlfeilte Schmelzmethode, würde

die große Erz-Ergiebigkeit der Grube Purissima dem Verein von keinem

Werth seyn, und auch dieses letzte Werk desselben hätte aufgegeben

werden müssen, während nunmehr Aussicht vorhanden ist, daß, bei der

stattfindenden Vermehrung der Schmelz-Oefen nach der Schmitzschen

Methode, ein hinlängliches Quantum von Silber +mit Nutzen+ gewonnen

werden wird, um dem Verein endlich eine nachhaltige Ausbeute zu

verschaffen.

Die mehrerwähnte vortreffliche Schmelzmethode, welche Herr Schmitz

im April-Heft 1832 im ~Registro Trimestre~ in Mexico bekannt gemacht

und genau beschrieben hat, zog denn auch bereits die Aufmerksamkeit

anderer Bergwerks-Besitzer in Mexico auf sich, und dürfte leicht

eine bedeutende Revolution in der Silber-Production von Mexico zur

Folge haben, indem eines Theils der große, Niemanden zu Gute kommende

Silber-Verlust bei der Amalgamation dadurch vermindert und mithin

für die Production im Allgemeinen gewonnen werden würde, und andern

Theils die jetzt gänzlich werthlos erachteten und mithin, weder durch

Amalgamation, noch auf dem Wege der Schmelzung benutzten Erze mit in

die Silber-Production hinein gezogen und diese also sehr vermehrt

werden könnte.

Ein vortheilhafteres, gewinngebenderes Unternehmen als ein

Schmelz-Etablissement nach der Schmitz’schen Manier, in einem

Mineral, wo viele arme Erze zu Tage gefördert werden, welche die

Mexicaner nicht zu Gute zu machen verstehen, dürfte es denn auch

nicht leicht geben, und es würde den unberechenbaren Vortheil über

jede Bergwerks-Unternehmung haben, daß dabei von keiner Ungewißheit

+unter+ der Erde, von keinen illusorischen Hoffnungen, von keinem

+Glückauf+! die Rede wäre. Ein solches Schmelz-Geschäft würde ein rein

mercantilisches Unternehmen seyn; die Erze würden dabei nicht aus dem

Schooß der Erde geholt, sondern erst wenn sie bereits über derselben

liegen, gekauft, geschmolzen und mit dem darauf gemachten Gewinn in der

Münze realisirt werden, und zwar, wo nicht wöchentlich, doch monatlich.

Angenommen, daß die Schmelz-Vorrichtung in einem der zahlreichen, mit

Kohlen und Wasser hinreichend versehenen, Reviere angelegt würde, in

welchen von den vielen eingebornen kleinern Bergleuten stets arme Erze,

von 7 ~à~ 9 Unzen Silber in der Carga von 300 ℔, genug gewonnen werden,

welche sie jetzt gerne zu 1 Peso die Carga verkaufen, so wäre folgendes

die Berechnung:

Die Schmelz-Oefen und Vorrichtung für einen Betrieb von +nur+ 150

Cargas die Woche veranschlagt, erfordert ein Capital von 10 ~à~ 12000

Pesos.

Ankauf von 150 Cargas Erze ~à~ $ 1, oder möglicherweise

bei vermehrter Nachfrage 1¼ ~à~ 1½ $, sind

pr. Woche ~à~ 1½ $ $ 225

Das Schmelzen, nach den vorliegenden Erfahrungen,

3¼ $ pr. Carga „ 487½

----------

$ 712½

Jene 150 Cargas Erze liefern 150 Mark Silber,

~à~ 8¼ $, als Preis in der Münze „ 1237½

-------------

wöchentlicher Ueberschuß $ 525

monatlich zu realisiren mit $ 2100, oder jährlich mit $ 25,200.

Da in den Schmelzkosten von 3¼ $ pr. Carga alle Kosten und Löhne

mit einbegriffen sind, so wäre von diesem +großen Gewinn+ nur das

Gehalt des dirigirenden Schmelzers abzuziehen, der jedoch zugleich

Bevollmächtigter und Betheiligter bei der Sache seyn müßte. Einem

solchen Unternehmen könnte natürlich eine noch weit größere Ausdehnung

gegeben werden, und eine hierauf sich bildende Actien-Gesellschaft

dürfte gewiß seyn, bessere Geschäfte zu machen, als die bisherigen

Bergwerks-Vereine.

+Aehnliches+ besteht übrigens bereits schon in Mexico, unter der dort

sehr bekannten Benennung von Rescate-Geschäft; die Rescadores kaufen

in den verschiedenen Revieren den Bergleuten die Erze so wohlfeil ab,

wie sie können, und machen sie, theils durch Amalgamation, theils

durch Schmelzung zu Gute, und finden dabei zwar ihre Rechnung, jedoch

nur spärlich, da sie bei ihrer unvollkommenen Verfahrungsweise nur

die +reicheren+ und mithin theureren Erze gebrauchen können, und auch

diesen nicht so viel Silber abgewinnen, als die deutsche Methode aus

den +armen+ Erzen zieht.

* * * * *

Trotz aller Unvollkommenheiten des mexicanischen Bergbaus, fördert

derselbe dennoch alljährlich mehr als 15 Millionen Pesos in Silber und

Gold zu Tage, und Mexico führt diese auch aus! -- hauptsächlich durch

die Packetfahrt nach England, wohin in der Regel auch Deutschland

und Frankreich ihre Retouren in Geld gehen lassen, weil directe

Verschiffungen +für Comptanten+ nach deutschen und französischen Häfen

selten sind; nächstdem wird viel Geld nach Nordamerika versandt,

sowohl von Vera-Cruz nach New-York, wie insbesondere von Tampico

nach New-Orleans; endlich wird dann auch noch viel Silber, Gold und

Goldstaub (letzteres aus den reichen Minen von Sonora) über die Häfen

von St. Blas und Acapulco an der Westküste ausgeführt, dergestalt,

daß die genannte Summe der Gesammt-Ausfuhr an edlen Metallen aus der

Republik Mexico nicht zu hoch erscheint; auf die englischen Packete

allein fallen davon bekanntlich circa 8 ~à~ 10 Millionen Pesos im Jahr.

Von allen Häfen der Republik führt anjetzo Tampico das meiste Silber

aus. Dorthin dirigiren sich nämlich die reichen Conducten von

Guanaxuato, Zaccatecas, St. Luis Potosi u. s. w., und es sammelt sich

häufig mehr Geld im Hafen, als das englische Packet, welches gesetzlich

auf eine Million Pesos beschränkt ist, auf einmal einnehmen kann.

Vera-Cruz erhält die Comptanten, zur Verschiffung ins Ausland,

hauptsächlich durch die Conducten von Mexico, Puebla, Oaxaca u. s. w.,

zusammengenommen aber weniger als Tampico.

Die Gesetze über die Silber- und Gold-Ausfuhr aus Mexico haben oft

darin geschwankt, daß die Ausfuhr in Barren, d. h. im ungemünzten

Zustande, bald erlaubt bald verboten war. Geprägte Dollars zahlen 3½

pCt. Ausgangsrechte; Silberbarren dagegen 7 pCt., und man glaubte

in diesen additionellen 3½ pCt. eine hinlängliche Entschädigung für

die Nichtbenutzung der Münz-Anstalten im Lande zu erhalten. Das

Gouvernement fand aber bald, daß die Münz-Etablissements hierunter

allzusehr litten, und fast ganz unbeschäftigt blieben; die Ausfuhr von

Silber, in anderer als gemünzter Gestalt, ward daher wieder verboten.

Jetzt scheint man aber einen Mittelweg einschlagen und ausnahmsweise

denen Minen-Districten, welche allzuweit von einem Münz-Etablissement

entfernt liegen, die Silber-Ausfuhr in Barren gestatten zu wollen.

* * * * *

+Die Münze in der Hauptstadt Mexico+ ist ein schönes, großartiges und

gut administrirtes, von dem Gouvernement in finanzieller Hinsicht

gänzlich unabhängiges Etablissement, und diese Unabhängigkeit ist

unter andern, während der Revolution von 1832, von allen Parteien,

selbst unter den größten Geld-Verlegenheiten, respectirt worden! Die

an der Spitze stehenden Männer sind in ihrem Fache wissenschaftlich

gebildete Leute, und es herrscht in allen Zweigen der Münze die größte

Ordnung und Pünktlichkeit. Man prägt in derselben nicht allein Gold

und Silber, sondern auch viele Kupfer-Münzen, letztere fast alle für

Rechnung der Regierung, die ein Gesetz erlassen hat, daß in allen

Zahlungen ein Drittheil in Kupfergeld angenommen werden solle, da dies

nun in Wechsel-Geschäften nicht wohl ausführbar ist, so verliert das

Kupfergeld im Groß-Handel oft 2 bis 3 pCt.

In Guanaxuato hat, mit Genehmigung des Staats, eine englische

Gesellschaft ein Münz-Etablissement errichtet, welches gut rendiren

soll, und dem Minen-Besitzer den Vortheil und die Annehmlichkeit

bietet, daß ihm gleich bei Einlieferung des Silbers der genaue

Gegensatz in gemünzten Dollars ausbezahlt wird, während man in der

Münze zu Mexico, zwei, drei, ja oft vier Wochen warten muß, ehe

man das gemünzte Geld gegen die eingelieferten Silberbarren wieder

erhält; sind nun gar die Barren goldhaltig, so dauert es oft Monate,

ehe die Münze den Gegensatz dafür wieder giebt, da man für diese

Ausscheidungs-Operation stets erst ein gewisses Quantum abwartet.

Diesem Uebelstande in der Münze ist es wohl zuzuschreiben, daß ein

Franzose ein Privat-Etablissement für die Gold- und Silber-Scheidung

durch chemische Procedur errichtet hat, was guten Fortgang haben soll.

Banco de Avio.

(Industrie-Belebungs-Bank.)

Mag es immer wahr seyn, daß Mexico in seiner Cultur noch weit zurück

ist, und in der fortschreitenden Entwickelung seiner Civilisation durch

die, leider nur allzuhäufigen, innern Unruhen sehr gehemmt wird, so

kann es doch dem Auge des vorurtheilsfreien Beobachters nicht entgehen,

daß, seit der Emancipation des Landes vom spanischen Joche, ungeheure

Fortschritte in der Aufklärung gemacht worden sind, und daß sich

überall ein Streben kund thut, die Nation auf eine höhere Stufe der

Ausbildung zu führen. Die mitunter zum Erstaunen ausführlichen Berichte

der verschiedenen Ministerien des Innern, der Finanz, Justiz u. s. w.,

welche gesetzlich jedes Jahr den Kammern vorgelegt und dann durch den

Druck veröffentlicht werden, liefern schöne Beweise von dem bereits

Geschehenen und von dem guten Willen mehr zu thun! Ich habe jene

Berichte vom Jahre 1832 vor mir liegen, und finde darin vieles was kein

europäisches Gouvernement zu adoptiren Anstand nehmen würde. Besonders

erfreulich sind aber dabei die Unterstützungen, welche, obgleich

freilich noch nicht in hinlänglichem Maße, den Civil-Institutionen und

Unternehmungen zugewandt werden; denn wenn auch, wie nicht zu läugnen,

dabei hier und da Mißgriffe stattfinden, so tragen solche Bestrebungen

doch stets dazu bei, Licht zu verbreiten, Ideen zu wecken und zu

berichtigen, kurz das Ganze vorwärts zu bringen.

Hierher gehört besonders die vielbesprochene ~Banco de Avio~

(Industrie-Belebungs-Bank), eine Schöpfung des Ministers Alaman, welche

von seinen zahlreichen Widersachern häufig scharf getadelt worden ist,

die ich aber in ihrer Theorie vollkommen billige und mithin auch den

gemachten großartigen Versuch in Schutz nehme, ohne darum gerade jede

einzelne Verhandlung der Bank gutheißen zu wollen.

Die Idee im Allgemeinen spricht mich aber sehr an! Alaman dachte, und

wie mich dünkt mit Recht, da bereits aus mehreren Punkten der Republik

ein gewisser Grad von Fabrik-Industrie existire, so würde die Anlage

+von Normal-Anstalten+ dazu beitragen, die Zahl z. B. der Spinnereien

und Webereien u. s. w. zu vermehren, und Kenntnisse des Auslandes

heranziehen, welche die Verarbeitung derjenigen rohen Producte,

die Mexico nicht mit Vortheil ausführen kann, wie z. B. Wolle und

Baumwolle, im Lande selbst befördern müßten. Er dachte ferner, und wie

ich glaube, mit gleichem Rechte, daß in einem Lande wie Mexico, wo der

Zinsfuß so hoch ist, daß selbst das Gouvernement oft 3-4 ja 5 pCt. pr.

+Monat+ bezahlt, Fabrik-Unternehmungen und neue Ackerbau-Anlagen einer

wohlfeileren Capital-Unterstützung bedürften, und setzte es daher bei

den Kammern durch, daß von den Zöllen auf Baumwollen-Waaren, ein Theil

zurückgelegt würde, um daraus für die besagte ~Banco de Avio~, den Fond

von einer Million Dollars zu bilden, der alsdann, unter der Leitung

einer besonderen Administration, zu den oben angedeuteten Zwecken

verwandt werden sollte. Dieser Fond war nun zwar noch nicht completirt,

die Bank aber doch schon seit 14 Monaten in Wirksamkeit getreten, und

die Direction, an deren Spitze der Minister Alaman steht, hat in diesem

Jahre einen Bericht darüber erstattet, von dem ich hier einiges aushebe:

“Die Aufmerksamkeit des Etablissements richtete sich vor allen Dingen

auf die Schaafzucht, auf die Bienenzucht für die Gewinnung des Wachses,

und auf die Baumwollenstaude, in der Absicht, diesen wichtigen Zweigen

im ganzen Lande nach Maaßgabe der verschiedenen climatischen und andern

Verhältnisse, die möglichste Nachhülfe zu leisten. Die aus allen

Theilen der Republik eingelaufenen Berichte haben leider ergeben, daß

der jetzige Stand der Landes-Industrie keinesweges ein günstiger ist.

Bedeutende Strecken Landes, welche Wasser und Wiesengrund genug haben,

um große Heerden +Schaafe+ zu unterhalten, liegen brach und bleiben,

theils aus Mangel an Capitalien zur Anschaffung der Heerden, theils aus

Trägheit des Volkes, unbenutzt. Die wenige Wolle welche man sammelt,

wird zu den gröberen Geweben verwandt, weil man die Kunst der Veredlung

des rohen Materials nicht kennt, das feste und dauerhafte Färben

nicht versteht und noch keine Begriffe von den Mitteln hat, wodurch

die fremden Nationen die feinern und bessern Arbeiten dieser Art

hervorbringen.”

“Die Zucht der +Seidenwürmer+ ist durchaus nicht allgemein; in den

Staaten von Oaxaca und Jalisco beschäftigen sich zwar einige Personen

damit zu ihrem Vergnügen, aber nirgends besteht ein förmliches

Etablissement, welches versuchte, aus diesem Insekt einen einträglichen

Handelszweig zu bilden, und im Allgemeinen kennt man die rechte

Methode noch nicht den Wurm zu tödten und die Seide abzuwickeln; an

vielen Orten ist ein Ueberfluß an Maulbeerbäumen, welche wild wachsen,

aber niemand hat noch daran gedacht, sie methodisch zu ziehen und zu

pflegen, und man scheint oft gar nicht zu wissen, daß die Blätter

dieses Baums die alleinige Nahrung des Seidenwurms sind.”

“Die +Bienenzucht+ beschränkt sich gleichfalls auf wenige Orte und

Personen, welche in ihren Gärten oder Feldern eine kleine Anzahl

Bienenschwärme halten, jedoch mehr um des Honigs, als um des Handels

mit Wachs willen. An mehreren Orten der Sierra-madre aber und in andern

Gebirgsgegenden, in deren Nähe sich Gesträuche und Blumen befinden,

giebt es eine solche Menge wilder Bienen, daß sich die dortigen

Eingebornen keines andern Lichtes bedienen, als was sie aus dem Wachs

anfertigen, welches sie so, ohne Mühe und Sorgfalt um die Bienen, in

Felsenklüften und hohlen Bäumen finden. Dies Wachs ist gelb, weil sie

es nicht zu bleichen verstehen, und der Honig ist dunkel; aber es geht

doch hieraus zur Genüge hervor, daß die Elemente zur Gewinnung des

Wachses im eignen Lande vorhanden sind, und daß es mithin zu beklagen

ist, daß aus bloßem Mangel an Thätigkeit im Volke, jährlich so viel

Geld dafür aus dem Lande geht. Nach genauen Berechnungen der Einfuhr

in Vera-Cruz und andern Häfen, und Veranschlagung dessen, was der

Wahrscheinlichkeit nach eingeschmuggelt wird, darf man den jährlichen

Consum von Wachs in unserer Republik zu 28,000 Arroben annehmen,

welches zum Mittel-Preis von 25 Pesos die Arroba geschätzt, die enorme

Summe von 700,000 $ macht, welche alljährlich dem Auslande für eine

Sache bezahlt wird, die wir in der Heimath gewinnen können.”[25]

“Der Anbau der +Baumwolle+, dieses köstlichen Productes aller heißen

Länder, und so besonders passend für die Südküste der Republik, wo vor

dem Jahre 1810 so viel, und selbst im Jahre 1825 noch 50,000 Arroben

(1,250,000 ℔) gezogen wurden, ist so in Verfall gerathen, daß das Jahr

1830 nicht mehr als 5000 Arroben producirte. Hieran ist nun theils

Mangel an Capital, theils der beklagenswerte Bürgerkrieg in jener

Gegend, Schuld.”

“Um nun allen diesen, für das öffentliche Wohl so wichtigen

Industrie-Zweigen aufzuhelfen, fordert die Direction dieser Bank die

Staaten der Republik auf, Actien-Gesellschaften zu bilden, durch welche

die Sachkenntniß mehrerer Personen in Ausübung gebracht werden würde,

und welchen alsdann die ~Banco de Avio~ mit Capital-Zuschuß, so viel es

ihre Kräfte erlaubten, nachhelfen wollte.”

Der Bericht fährt nun fort, zu sagen, wie sich, in Folge dieses

Aufrufs, in den verschiedenen Theilen der Republik 14 Gesellschaften

für die Belebung der Industrie auf Actien gebildet hätten, die

jedoch noch zu sehr in ihrer Kindheit wären, um Resultate vorlegen

zu können. Für mehrere derselben wären Maschinen in Nordamerika und

Europa bestellt worden, wovon einige bereits angekommen, andere

unterweges wären; auch hätte man Werkmeister und Mechanici vom

Auslande kommen lassen, um die Kenntnisse der Fabrication von Wollen-

und Baumwollen-Waaren im Lande zu verbreiten. In der +Seiden-Zucht+

waren große Fortschritte gemacht, ein Etablissement in Coyoacan

(Staat von Mexico) hatte Ende 1831 bereits schöne Resultate geliefert

und ein anderes in Celaya berechtigte zu großen Erwartungen und man

dachte schon an die Fabrication von seidnen Bändern. Saamen der

Seidenwürmer war nach allen Richtungen ausgetheilt worden, besonders

in die Gegenden, wo bereits Ueberfluß an Maulbeerbäumen ist. Für die

Beförderung der +Bienenzucht+ hatte man auf dem Lande Bienenkörbe

vertheilt und junge Schwärme anzuschaffen getrachtet, wovon man zwar

noch keine Resultate nachweisen konnte, aber schöne Hoffnungen daran

knüpfte. Aus Frankreich hatte man Merino-Schaafe zur Veredlung der Race

kommen lassen, so wie auch Tibet-Ziegen. In Peru waren Vigoña-Schaafe

und Lamas bestellt, und man hoffte beide Gattungen in der Republik

Mexico einheimisch zu machen. Sogar auf die Einfuhr von +Kameelen+ war

man bedacht, und versprach sich davon die wohlthätigsten Resultate

für den Waaren-Transport im Lande, falls es, wie man hoffte, gelingen

sollte, diese nützlichen Thiere in Mexico zu nationalisiren. Nach

manchen schwierigen und vergeblichen Unterhandlungen war die ~Banco

de Avio~ mit einem Hause in Marseille übereingekommen, 20 Kameele, 6

männliche und 14 weibliche, direct von Alexandrien nach Vera-Cruz zu

senden, und berechnete die Kosten, einschließlich der Fracht, für ein

Schiff von 200 Tonnen, der nöthigen Fourage u. s. w., auf nicht mehr

als 7000 $.

Endlich hatte man denn auch noch eine Anzahl Bücher über Gegenstände

der Fabrication und des Ackerbaues angeschafft, und diese in den

verschiedenen Staaten, wo sich Anregung für dergleichen Industrie

zeigte, gratis vertheilt.

+So weit+ der amtliche Bericht des Ministers Alaman über diese von

ihm gegründete Favorit-Anstalt. Seine Feinde werfen ihm vor, daß er

darin der Zeit vorgegriffen, und Geld für bis jetzt noch unausführbare

Projecte verschwendet habe, welches zu nützlicheren Zwecken hätte

verwandt werden können und sollen. Kann seyn, -- aber trotz alle

dem ist doch nicht zu läugnen, daß der Sache eine großartige und

patriotische Idee zum Grunde lag, die gewiß alle Anerkennung verdient.

Es ist daher auch zu bedauern, daß die bürgerlichen Unruhen des Landes

und der Sturz des Ministeriums, die Entwickelung dieses Instituts

unterbrochen, ja gleichsam in der Geburt erstickt haben! Ganz

untergehen wird man es übrigens wohl nicht lassen, indem es bereits

zu sehr im Lande verzweigt ist und an mehrere Anstalten zu starke

Forderungen hat, wie z. B. 40,000 $ an die Eisen-Schmelzerei auf dem

Sitio in der Nähe des Popocatepetl, von welcher ich in meinen Briefen

geredet habe, und über welche ich hier noch einige Notizen hinzufüge.

[25] In dieser Veranschlagung irrt sich Herr Alaman sehr bedeutend,

denn wenn er auch in der Schätzung der Quantität Recht haben sollte,

was ich bezweifle, so ist doch der Mittel-Preis viel zu hoch gegriffen,

und das was das +Ausland+ für das eingeführte Wachs erhält, dürfte,

+nach Abzug der hohen Eingangs-Rechte, Frachten und Spesen+, den

Durchschnitt von 10 $ die Arroba, gewiß nicht übersteigen.

Die Eisen-Schmelzerei

auf dem Sitio.

(Siehe Anhang zum Briefe vom 31. Mai, ~pag.~ 91.)

Die Eisenerz-Gruben liefern wöchentlich bei sehr langsamer Bearbeitung

300 Ctr. Erz.

Die Schaffungskosten eines Ctr. Erzes und Fuhrlohn bis aufs Werk kommen

2 Rl.

Ein Ct. Holzkohlen stellt sich auf 6 Rl.

26 Arroben Eisenerz }

5 „ Zuschlag } sollen 12 Arroben frisch Eisen in 24

44 „ Kohlen } Stunden liefern.

Das Gebläse ist das bekannte Wasser- oder Trommel-Gebläse. Die Erze

sind so leicht flüssig und von so verschiedenem Gehalt (von 30 bis 70

pCt. eisenhaltig), daß die Mischung dergestalt bereitet werden kann,

daß wenig oder gar kein Zuschlag nöthig ist.

Das ganze Gefälle ist 100 Fuß; das halbe Gefälle reicht aber schon zum

vollständigen Betrieb hin.

Bevölkerung von Mexico.

+Die Bevölkerung der vereinigten Staaten von Mexico+ wird sehr

verschiedentlich angegeben, dürfte sich aber doch wohl im großen

Ganzen auf +acht Millionen+ Seelen belaufen, was noch immer eine sehr

dünne Population ist, für einen Flächenraum von circa 10000 ☐ Leguas

von 20 auf den Grad, die man der Republik in ihrer ganzen Ausdehnung

beimißt. Nach dem Maaßstabe europäischer Bevölkerung könnte sich die

mexicanische auf ihrem jetzigen Raume ganz bequem verzehnfachen.

Die außerordentliche Schwierigkeit einer genauen Volkszählung, in einem

so weitläufigen Gebiete wie dem mexicanischen, leuchtet ein, denn nur

wenige seiner Staaten sind für einen solchen Zweck so gut organisirt,

wie z. B. der von Vera-Cruz; unbegreiflich bleibt es jedoch immer, wie

in ein und demselben Jahre zwei so verschiedene Angaben der Volkszahl

gemacht werden konnten, wie die, welche der Minister Alaman im Anfange

des Jahrs 1832 dem Congreß vorlegte, und jene, welche in dem Almanach

von Galvan fürs Jahr 1833 Ende 1832 erschien.

Nach untenstehender Tabelle schätzt der Minister die Population auf

6,382,264; Galvan dagegen auf 7,734,292, welche letztere Angabe aber

der Wahrheit gewiß näher kommt als erstere, indem der Minister selbst

in seinem amtlichen Bericht eingesteht, daß seine Veranschlagung auf

alten Daten beruhe, der Wahrscheinlichkeit nach zu niedrig sei, und die

Volkszahl als 7 Millionen +übersteigend+ angenommen werden dürfe. Er

drückt sich dabei wörtlich folgendermaßen aus:

“Wenn man die Schwierigkeiten bedenkt, eine Bevölkerung genau zu

zählen, welche über ein so ungeheuer weitläufiges Territorium,

begränzt von Regionen, wo Nomaden-Stämme in fruchtbaren Landstrichen

und günstigen Climaten umher wandern, zerstreut ist, so wird es nicht

übertrieben erscheinen, die Volkszahl der Republik, obgleich die

vorliegende Tabelle nur 6,382,264 ausweise, als Sieben Millionen Seelen

übersteigend anzunehmen, zumal da die Listen des Census, welche der

Tabelle zur Basis gedient haben, mitunter 4, 6 ja 8 Jahre alt sind,

und doch anzunehmen ist, daß trotz aller gelegentlichen Verluste, die

Bevölkerung binnen einer solchen Zeit gradatim zugenommen hat. Ein

ausgedehntes Land mit einem fruchtbaren Boden und einem den Menschen

befreundeten Clima, begünstigt natürlich das Fortschreiten des

Menschen-Geschlechts, und die Wohlthaten, welche diesem dann zu Theil

werden, wenn freie Institutionen ihren heilsamen Einfluß über alle

verbreiten, welche die unschätzbaren Vortheile einer volksthümlichen

Regierung zu erkennen wissen, sind unberechenbar.”

Mexico in den ereignißvollen Jahren 1832 und 1833 · 第 18 / 19 段