über diese wird ein Kalbfell festgenäht und geschnürt. Ein solches
Colli nennt man Serron oder (spanisch) Sebernali, und es enthält in der
Regel 8 Arroben oder 200 ℔ Cochenille. In Oaxaca wird die Cochenille
nach dem Pfund verkauft, in dem Seehafen von Vera-Cruz aber, wo
sich gleichfalls ein Markt für den Artikel gebildet hat, kauft und
verkauft man sie nach Arroben von 25 ℔ und so wird sie auch ins Ausland
facturirt. Vera-Cruz ist übrigens der für die Verschiffung dieses
Productes nach Europa am zweckmäßigsten gelegene Hafen. In Tampico
kommt es gar nicht vor und nach Acapulco an der Südsee verirren sich
nur selten einige Serronen. Das größte Quantum Cochenille, was seit
dem Jahre 1758, also seit mehr als 70 Jahren, ausgeführt worden ist,
war 1,558,125 ℔, im Jahre 1774! Der Durchschnitt von 1770 bis 1780 kann
zu 1,000,000 ℔ jährlich angenommen werden. Der Preis variirte aber in
derselben Epoche sehr, und während derselbe im Jahre 1770 bei einer
Ausfuhr von 1,000,000 ℔, auf 25 Rl. und im Jahr 1771 sogar auf 32 Rl.
pr. ℔ gestiegen war, fiel er 1774 bei 1,500,000 ℔ Ausfuhr, auf 17 Rl.,
und in 1779, bei nur 800,000 ℔ Ausfuhr auf 15 Rl. pr. ℔. Die Ausfuhr
nahm nunmehr bedeutend ab und fiel im Jahr 1793 bis auf 334,250 ℔. Der
Durchschnittspreis jenes Jahres war dennoch nur 13½ Realen, und als das
Jahr darauf die Ausfuhr wieder auf 655,550 ℔ stieg, sank der Preis auf
10½ Rl. pr. ℔. Auf dieser niedern Stufe sollte aber damals der Artikel
nicht lange bleiben, und schon in 1800 stand er wieder auf 19 Rl., in
1803 auf 21 Rl. und in 1809 sogar auf 33 Rl.! Der Preis hielt sich bis
zur mexicanischen Revolution (1820/21) ungefähr auf jener Höhe, mit der
alleinigen Ausnahme des Jahrs 1813, wo seltsam genug die Ausfuhr +nur+
178,875 ℔ betrug (der geringsten seit 1758) und der Preis auf 15 Rl.
sank; das darauf folgende Jahr war er wieder 25 Rl.
Das seltsamste bei dieser Preis-Fluctuation ist, daß sie während einer
Zeit Statt fand, wo die Spanier das Monopol dieses Handels hatten, und
diesen, in Europa damals den edlen Metallen an Stabilität fast gleich
geachteten, Artikel in Cadiz, dem Stapelplatze desselben, immer auf
einer bedeutenden Höhe zu erhalten wußten.
Seit der Befreiung des mexicanischen Verkehrs mit Europa war der Gang
des Handels mit Cochenille der folgende:
+Ausfuhr+ aus dem Staat von Durchschnitts-
+Oaxaca+ fast ausschließlich preis pr. ℔ +Werth+
nach Vera-Cruz in Oaxaca
Pfund Seronen Reales Pesos
in 1823 408,150 oder 2041 16½ 841,809. 3
„ 1824 377,412 „ 1887 16¾ 790,207.--
„ 1825 394,037 „ 1970 19.-- 935,839.--
„ 1826 357,612 „ 1788 18.-- 804,628.--
„ 1827 610,187 „ 3051 18.-- 1,395,470.--
„ 1828 398,187 „ 1991 14. 6 741,714.--
„ 1829 498,862 „ 2494 13.-- 810,651.--
„ 1830 400,438 „ 2002 12. 6 625,683.--
„ 1831 350,000 „ 1750 11.-- 481,250.--
„ 1832 635,075 „ 3175 9. 6 754,151.--
Da nun der Werth der Waare durch Einkaufs-Provision, Ausgangszoll
aus dem Staat von Oaxaca und Fracht nach Vera-Cruz, so wie ferner
durch Provision und Spesen in dem Hafen bis am Bord, an 2¼ à 2½ Rl.
pr. ℔ gesteigert wird, so kann der Durchschnittswert der Ausfuhr der
Cochenille nach Europa, für diese 10 Jahre nach der Eröffnung des
mexicanischen Handels, auf circa $ 1,000,000 im Jahr angenommen werden,
das Quantum aber zu 443,000 ℔.
Der jährliche Durchschnitt von 1760 à 69 war 870,000 ℔
„ 1770 à 79 „ 1,000,000 „
„ 1780 à 89 „ 680,000 „
„ 1790 à 99 „ 468,000 „
„ 1800 à 9 „ 360,000 „
„ 1810 à 19 „ 342,000 „
„ 1821 à 32 „ 443,000 „
Die Production dieses interessanten Artikels hat also durch die
Revolution nicht nur nicht ab-, sondern im Vergleich mit den
vorangegangenen zwei Jahrzehnten zugenommen.
+Cochenille.+
Quantität der Exportation aus dem Staat Oaxaca, Durchschnittspreise pr.
Jahr und Total-Werth von 1758 bis 1830.
(Aus der Exposicion des Gouvernements des Staats von Oaxaca von 1831.)
Jahr Pfunde Seronen Preis Total-Werth
Rl. $
1758 675,562 3378 16. 6 1,393,346. 5
1759 686,812 3434 16. 6 1,416,549. 6
1760 1,067,625 5338 16.-- 2,135,250.--
1761 788,625 3943 15.-- 1,478,671. 7
1762 832,500 4162 14. 9 1,534,921. 7
1763 599,625 2998 15. 6 1,161,848. 3
1764 898,875 4494 19. 6 2,191,007. 6
1765 1,082,250 5411 18. 6 2,502,703. 1
1766 932,625 4663 19. 6 2,273,273. 3
1767 849,375 4247 19. 6 2,070,351. 4
1768 621,000 3105 22. 6 1,746,562. 4
1769 1,024,312 5122 24. 6 3,136,957.--
1770 1,043,437 5217 25.-- 3,260,742. 2
1771 1,050,187 5251 32.-- 4,200,748.--
1772 839,678 4198 30.-- 3,148,790. 5
1773 782,438 3912 25. 6 2,494,020.--
1774 1,558,125 7791 17. 6 3,408,398. 2
1775 837,000 4185 16.-- 1,674,000.--
1776 808,550 4043 17.-- 1,718,168. 6
1777 1,244,812 6224 15.-- 2,334,023. 4
1778 1,057,800 5289 16.-- 2,115,600.--
1779 842,625 4213 15.-- 1,579,921. 7
1780 1,385,437 6927 17.-- 2,944,054. 6
1781 464,625 2323 17.-- 987,328. 1
1782 1,035,675 5178 17.-- 2,200,809. 3
1783 990,000 4950 18.-- 2,247,750.--
1784 535,900 2679 16.-- 1,071,800.--
1785 537,750 2689 17.-- 1,142,718. 6
1786 610,875 3054 16. 6 1,259,929. 6
1787 451,125 2256 16.-- 902,250.--
1788 317,662 1588 16.-- 635,324.--
1789 478,125 2391 15. 6 926,367. 2
1790 471,150 2356 16.-- 942,300.--
1791 538,650 2693 16. 6 1,109,715. 5
1792 433,125 2166 15.-- 812,109. 3
1793 334,250 1671 13. 6 564,046. 7
1794 655,550 3278 10. 6 860,409. 3
1795 584,125 2921 12.-- 876,187. 4
1796 207,450 1037 17. 6 453,796. 7
1797 493,425 2467 15. 6 956,010. 7
1798 512,325 2562 18.-- 1,152,731. 2
1799 452,675 2263 19. 6 1,103,395. 3
1800 374,400 1872 19.-- 889,200.--
1801 406,012 2030 18.-- 913,528. 1
1802 433,550 2168 19.-- 1,029,681. 2
1803 559,350 2797 21.-- 1,468,293. 6
1804 346,500 1732 28. 6 1,234,406. 2
1805 191,250 956 23.-- 549,843. 6
1806 251,550 1258 27.-- 848,981. 2
1807 341,550 1708 29.-- 1,238,118. 6
1808 358,200 1791 29.-- 1,298,488. 6
1809 343,350 1717 33.-- 1,416,318. 6
1810 545,727 2729 29.-- 1,978,262. 2
1811 478,912 2395 28. 6 1,706,125. 6
1812 199,800 999 20.-- 499,500.--
1813 178,875 894 15.-- 335,390. 5
1814 327,937 1640 25.-- 1,024,804. 6
1815 283,275 1416 24.-- 849,825.--
1816 352,687 1763 32.-- 1,410,748.--
1817 315,000 1575 29.-- 1,141,875.--
1818 250,412 1252 28. 6 892,092. 6
1819 493,200 2466 27. 6 1,695,375. 5
1820 -- -- -- --
1821 311,787 1559 23.-- 896,387. 5
1822 433,063 2165 18. 6 1,001,457.--
1823 408,150 2041 16. 6 841,809. 3
1824 377,412 1887 16. 9 790,207. 3
1825 394,037 1970 19.-- 935,837. 7
1826 357,612 1788 18.-- 804,628. 1
1827 610,187 3051 18.-- 1,395,420. 6
1828 398,187 1991 14. 6 721,714. 7
1829 498,862 2494 13.-- 810,651. 4
1830 400,438 2002 12. 6 625,683. 5
1831 350,000 1750 11.-- 481,250.--
1832 635,075 3175 9. 6 754,151. 4
~Ao.~ 1820 fehlt aus Mangel an Daten.
+Calculation+
des in Bordeaux einstehenden Werths der +Cochenille+, wenn in Oaxaca zu
10 Rl. pr. ℔ eingekauft.
10 Seronen zu 8 Arroben oder 200 ℔ ~netto
jede~, sind 2000 ℔ à 10 Rl. $ 2500.--
Ausfuhrzoll aus dem Staat von Oaxaca à $ 3. „ 300.--
Einschreibe-Gebühren „ 10. 6
Wägen und reinigen ~à~ 6 Rl. „ 7. 4
Packen in Säcke und Häute ~à~ $ 4 „ 40.--
Courtage und Lagermiethe 1 pCt „ 25.--
Einkaufs-Provision 5 pCt. „ 125.--
-----------
$ 3008.--
Fracht von Oaxaca nach Vera-Cruz ~à~ $ 15
pr. Carga (2 Seronen) „ 75.--
Verschiffungs-Kosten in Vera-Cruz ~à~ 12 Rl „ 15.--
Provision im Hafen 2½ pCt. auf $ 3200 „ 80.--
-----------
$ 3178.--
===========
Diese $ 3178 -- 60 Tage Sicht auf Frankreich
gezogen zu 5 Fr. macht Fr. 15891.25
Fracht von Vera-Cruz nach Bordeaux zu $ 6
mit 10 pCt. pr. Serone „ 330.--
Assecuranz auf 17000 Fr. zu 2 pCt „ 340.--
Kosten im Hafen von Bordeaux „ 90.--
-------------
Fr. 16651.25
2000 ℔ ~netto~ in Oaxaca ergeben 1800 ½ Kilogr. in Bordeaux; diese
dividirt in Fr. 16651.25 -- macht 9 Fr. 25 Cent. pr. ½ Kilogr.
Ausfuhr von Mexico im Allgemeinen
und Taback und Kaffee insbesondere.
Das Haupt-Tauschmittel Mexico’s in seinem Verkehr mit Europa, Nord- und
Süd-Amerika ist +Silber+ und etwas +Gold+. -- Man kann die +jährliche+
Ausfuhr von beiden edlen Metallen aus allen Häfen der Republik in
gemünztem und ungemünztem Zustande zu circa fünfzehn Mill. Dollars
annehmen. -- Die Ausfuhr in ungemünztem Zustande, d. h. in Barren (wenn
erlaubt, was nicht immer der Fall) ist vortheilhafter als in gemünztem,
ungeachtet die Ausgangs-Rechte aus Barren 7 pCt. sind, während
gemünztes Silber nur 3½ pCt. und gemünztes Gold nur 2 pCt. zahlt.
* * * * *
Die nächstwichtige Ausfuhr von Mexico ist sodann Cochenille, deren
Werth, wie die vorangehende Uebersicht ausweis’t, auf Eine Million
Dollars im Jahr veranschlagt werden darf.
* * * * *
Die sonstige +Waaren+-Ausfuhr ist, besonders an der Ostküste, bis
jetzt noch sehr geringe. Von den Häfen an der Westküste wird nicht
unbedeutend Zucker nach Chili ausgeführt, und Californien liefert
ein beträchtliches Quantum von gesalzenen Ochsenhäuten und schönes
Pelzwerk, wie Bären-, See-Otter- und andere Felle, aber die Häfen
an der Ostküste haben bis jetzt, Cochenille ausgenommen, keine
andere Waaren-Ausfuhr als etwas Xalapa, Sassaparilla, Vanille
und Tabasco-Pfeffer, deren Gesammt-Werth einige hundert tausend
Dollars im Jahr wohl nicht übersteigen dürfte. Dennoch theile ich
die Ansicht nicht, daß Mexico zur Ausfuhr tropischer Erzeugnisse
(Colonial-Producte) sich deshalb nicht eigne, weil z. B. die
Weg-Verbindungs-Mittel im Lande zu schwierig und der Transport nach der
Küste mithin zu theuer wäre, sondern bin der Meinung, daß dies nur auf
einige, von den Häfen sehr entlegene Theile der Republik anwendbar sei,
und daß die nach dem Meere hin gelegenen Staaten, insbesondere jener
von Vera-Cruz, bei zunehmender Bevölkerung und dadurch vermehrten Anbau
des so überaus fruchtbaren Bodens, dereinst eine große Rolle in der
Ausfuhr von Colonial-Waaren spielen werden; namentlich in +Taback+ und
+Kaffee+.
+Taback+, welcher hauptsächlich in der Gegend von Orizaba und Cordova
gezogen wird, war bisher ein Monopol der Regierung, welche den
ausschließlichen Aufkauf und Debit des Artikels in der ganzen Republik
an eine Actien-Gesellschaft verpachtete und bedeutende Revenüen davon
zog, die freie Entwickelung der Cultur dieser Pflanze aber auch, wie
natürlich, dadurch hemmte. Die Gesellschaft lös’t sich aber nun auf und
der Anbau des Tabacks soll freigegeben werden. -- Geschieht dies, so
wird eine bedeutende Concurrenz eintreten und der Preis des Artikels
wird hinlänglich fallen, um eine Nutzen gebende Ausfuhr möglich zu
machen. Die Qualität dieses +Blätter-Tabacks+ ist mitunter sehr schön
und dem besten Havanna völlig gleichkommend. Die Fracht von Orizaba
nach dem Hafen von Vera-Cruz ist nur ein Dollar pr. Centner, und
Ausgangs-Zoll haftet auf keinem der Ackerbau-Producte des Staats.
+Kaffee+ wächst meistens in der Nähe von Cordova; die Qualität ist
gut; die Bohne ist klein, grünlich von Farbe und rein von Geschmack;
-- auch die kleine runde Mocca-Bohne hat man hierher verpflanzt, doch
kommt davon wenig an den Markt. -- Obwohl nun an Kaffee nicht mehr
producirt als im Lande consumirt wird, so sind doch von Zeit zu Zeit
kleine Partheien davon von Vera-Cruz ausgeführt worden, meistens nach
New-York, wo man die Qualität liebt. Der Preis war im Jahr 1832 10
~à~ 11 $ der Centner ab Vera-Cruz, wobei der Pflanzer, wenn er eine
ergiebige Plantage im Gange hat, wie die nachstehende Aufstellung
zeigt, sehr schön verdient.
Ich verdanke diese Berechnung einem unserer Landsleute, der vor 6
Jahren zwischen Jalapa und Cordova, mit anfänglich sehr beschränkten
Mitteln eine Kaffee-und Zucker-Plantage angelegt hat, und sich jetzt
außerordentlich gut dabei steht. -- An der Richtigkeit der Preise und
Werth-Angaben dieser Calculation dürfte also wohl nicht zu zweifeln
seyn.
Berechnung des einstehenden Preises von Kaffee bei freier Arbeit.
Ausgesuchtes Land für 100,000 Kaffee-Bäume,
500 Tareas ~à~ 900 ☐ Varas jede, würde ungefähr
kosten $ 1000.--
Kosten der Bearbeitung:
500 Tareas Unterholz zu fällen ~à~ 3 Rl. $ 187. 4
„ „ Hochwald „ ~à~ 1 $ „ 500.--
„ „ aufzuräumen ~à~ 6 Rl. „ 375.--
---------
„ 1062. 4
Das +erste+ Jahr braucht dieses Land sechs Reinigungen,
jede Tarea ~à~ 3 Rl. sind
500 Tareas ~à~ 18 Rl. $ 1125
Pflanzen und nachpflanzen „ 100
Aufseher ~à~ 4 Rl. pr. Tag „ 200
Mais-Saamen „ 50
--------
Im ersten Jahr wird producirt $ 1475
als Mittelschlag, 300 Cargas
+Mais+ ~à~ $ 3 $ 900
Ab Erndte, Einbringen etc. „ 150
------- „ 750
------- „ 725.--
Im +zweiten+ Jahr sind abermals sechs
Reinigungen erforderlich, wie oben $ 1125
Pflanzen und nachpflanzen „ 100
Aufseher ~à~ 4 Rl. täglich „ 200
+Frijolen+-Saamen „ 50
--------
Producirt dieses Jahr: 125 Cargas $ 1475
+Frijolen+ ~à~ 8 $ $ 1000
Ab Erndte, Einbringen etc. „ 150
------ „ 850
-------- „ 625.--
Das +dritte+ Jahr hat dieselben Ausgaben und
Einnahmen wie das zweite, also Ueberschuß der
Kosten „ 625.--
Das +vierte+ Jahr producirt nun schon +Kaffee+ und zwar
wenigstens 100,000 ℔, und erfordert folgende Ausgaben:
Fürs Abpflücken 2 Rl. pr. Arroba (25 ℔)
„ Reinigen 1 „ „
„ Umwenden 1 „ „
------
4 Rl. pr. Arroba sind für 1000 Ctr. „ 2000.--
Die sechs Reinigungen bleiben dieselben wie in
den frühern Jahren „ 1125.--
Aufseher ~à~ 4 Rl. pr. Tag „ 200.--
Eine Kaffee-Reinigungs-Maschine wird nun nothwendig
und kostet, von Nordamerika bezogen „ 400.--
-----------
Total $ 7762. 4
Hierfür besitzt nun der Pflanzer im vierten Jahr 100,000 ℔ Kaffee, und
will er mit diesen seine Anlage +ganz frei+ machen, so muß er dafür
in Vera-Cruz, bis wohin ihn der Ctr. 1 $ Fracht und 1 $ Emballage und
sonstige Spesen kostet, -- 10 $ pr. Ctr. erhalten.
Das +fünfte+ Jahr producirt ihm aber seine Plantage wenigstens das
Doppelte, sage 2000 Ctr. +Kaffee+.
Diese kosten ihn fürs Einsammeln u. s. w. nach
obigem Ansatz von 4 Rl. pr. Arroba $ 4000.--
Die mehrerwähnten jährlichen Reinigungen „ 1125.--
Fracht, Emballage und Spesen bis Vera-Cruz wie
oben, ~à~ $ 2 pr. Ctr. für 200 Ctr. „ 4000.--
-----------
$ 9125.--
macht den Ctr. 4½ $ ab Vera-Cruz!
Die darauf folgenden Jahre versprechen alsdann noch vortheilhafter zu
werden. -- Die Kosten sind hier aufs höchste und die Production aufs
niedrigste veranschlagt!
Münz-Sorten.
Die in Mexico gangbaren Münz-Sorten sind:
~a.~ +Gold in Unzen+, (~onzas~) vom Gewicht von 17 ~dwt.~ und 8 ~gr.~
1000 Stück wiegen mithin 866 Unzen.
Der Silber-Werth einer Unze ist ~al pari~ 16 Pesos. Da nun ein +Peso+
einer +Unze+ im Gewicht ganz gleich ist, so constatirt dies das
relative Verhältniß von Gold zu Silber in Mexico wie 1 zu 16.
Wenn Gold gesucht wird, was in Mexico wie anderwärts häufig der Fall
ist, so steigen die +Unzen+, und ich habe sie auf 17 $ 2 ~à~ 4 Rl.
Silber gekannt.
Es werden sodann auch ½, ¼, ⅛ und ¹⁄₁₆ Unzen geprägt; von letzteren
sind aber nur wenige im Umlauf.
~b.~ +Silber.+ Pesos (Dollars) gleichfalls 17 ~dwt.~ und 8 ~gr.~
wiegend, oder 1000 Stück auf 866 Unzen Gewicht.
Die Unterabtheilung eines Peso ist 8 Reales. Halbe Pesos giebt es
nicht, dagegen viele viertel Pesosstücke, Pesados genannt, sodann
Reales und Medios, oder halbe Reales, so wie Cuardillos oder viertel
Reales, von letztern aber nur wenige.
~c.~ +Kupfer+ sollte nur als Scheide-Münze im Lande coursiren, ist aber
in der letzten Zeit während den Geld-Verlegenheiten des Gouvernements
in so großer Menge geprägt worden, daß es in den Großhandel
eingedrungen und darin so lästig geworden ist, daß man es oft mit 2
bis 3 pCt. Verlust los zu werden versucht hat. Kupfer-Geld wird im
Großhandel nie gezählt, sondern in Säcken von 100 $ Werth, nur dann und
wann gewogen. Auch die Silber-Zahlungen werden in Säcken von der runden
Summe von 1000 $ gemacht; diese heißen dann Talegas, doch werden sie in
der Regel nachgezählt, und nur allenfalls bei ganz großen Verhandlungen
und bei genauer Bekanntschaft der Partheien, bloß nachgewogen.
+Papier-Geld+ existirt bis jetzt noch keins in Mexico; es ist jedoch
schon mehrmal die Rede von einer National-Bank gewesen, und es dürfte
wohl ein solches Institut in nicht gar langer Zeit ins Leben treten und
durch Ausgabe eines gut fundirten Papier-Geldes dazu beitragen, den
hier so sehr hohen Zinsfuß zu ermäßigen. Jetzt wird oft von den ersten
und solidesten Häusern Geld zu 2 bis 3 pCt. pr. Monat aufgenommen, und
das Gouvernement hat, unter Sanction des National-Congresses, Anleihen
zu dem enormen Zinsfuß von 5 pCt. pr. Monat abgeschlossen.
Maass und Gewicht.
Das Gewicht in Mexico ist das Castilianische, den +Quintal+ oder
Centner zu 100 ℔ oder 4 Arrobas, jede zu 25 ℔, gerechnet.
An der Douane werden 104 ℔ englisch und 45½ Kilogr. französisch Gewicht
für 100 ℔ mexicanisch angenommen, was jedoch nicht ganz richtig ist,
indem es heißen müßte, 100 ℔ englisch sind = 96 ℔ mexicanisch u. s. w.
+Carga+ ist die von einem Esel (~burro~), Maulthier (~Mula~), oder
Pferd (~Caballo~) getragene Last, und bezeichnet ein Gewicht, nach dem
mehreres ge- und verkauft wird, und nach welchem auch insbesondere
die Frachten bestimmt werden, aber es existirt keine feste Norm
dafür und wechselt nach Maaßgabe der Thierart, Stärke der Thiere und
Beschaffenheit der Wege. Man kann das Minimum des Gewichts einer Carga
auf 300 ℔ und das Maximum auf 400 ℔ anschlagen.
* * * * *
Das allgemein eingeführte Längen-Maas ist die castilianische Vara,
welche am Zoll im folgenden Verhältniß zu den fremden Messungen
angenommen und verrechnet wird:
100 englische Yards = 108 Varas
100 französische Aunes = 140 „
100 brabanter Ellen = 81 „
100 jetzige ~aunes des pays bas~ oder
französische Metres = 116 „
100 Bremer Legge oder doppelte Ellen = 140 „
100 Wiener Ellen = 92 „
100 Berliner Ellen = 78½ „
100 Breslauer Ellen = 69½ „
100 Hamburger Ellen = 67½ „
100 Leipziger Ellen = 66⅔ „
* * * * *
Das Maas der Flüssigkeiten wird am mexicanischen Zoll nach dem Gewicht
berechnet und ist nach diesem besteuert. Der Inhalt von 12 gewöhnlichen
Flaschen Wein wird dabei auf ¾ Arrobas veranschlagt; das sogenannte
Baril Branntewein auf 5 Arrobas, das Baril Wein oder Essig auf 5½
Arrobas, mit einem Nachlaß von 10 pCt. für Leckage.
Der mexicanische Tarif.
Der Grundsatz nach welchem die Besteuerung der zur Einfuhr in Mexico
erlaubten Waaren stattfindet, ist 40 pCt. vom dortigen Werth und es
heißt deshalb auch in den Bestimmungen des Tarifs, daß alle darin
nicht benannten Waaren im Hafen geschätzt und hierauf 40 pCt. erlegt
werden sollen. Der Tarif ist indessen sehr ausführlich, und bezeichnet
fast alle Einfuhr-Artikel bei Namen, mit genauer Bestimmung des darauf
fallenden Zolls.
Hieraus entsteht nun eine große Ungleichheit in der Besteurung, viele
Artikel bezahlen weit weniger als 40 pCt. von ihrem Werthe, andere
bedeutend mehr.
Der Tarif ist für alle Theile der Republik derselbe, mit Ausnahme
des Staates von Yucatan und der beiden Californien, welche der
Eigenthümlichkeit ihrer Lage wegen nur ⅗ der eingehenden Rechte
entrichten; wenn jedoch von da aus Waaren nach den andern Theilen der
Republik versandt werden, so müssen die fehlenden ⅖ der vollen Rechte
schon bei der Verschiffung im Hafen nachbezahlt werden.
Niederlagen für die Wiederausfuhr, oder Rückzölle bei derselben,
gestattet das mexikanische Zollsystem keine. -- Alle eingeführten
Waaren müssen den vollen Zoll erlegen, und man bekommt davon bei
der Wiederausfuhr nichts zurück. Die mexicanischen Häfen erhalten
mithin auch keine andere Zufuhren, als die für den Consum des Landes
berechneten.
+Verboten+ für die Einfuhr sind:
Zucker, Kaffee, Chocolade (Cacao ist erlaubt), Reis, Getreide, Mehl
(letzteres ist zur Einfuhr nach Yucatan erlaubt), geräuchertes und
gesalzenes Fleisch, Salz, Taback und Cigarren; Brantewein der nicht ans
Trauben gewonnen wird, mit Ausnahme von Genever, dessen Einfuhr erlaubt
ist; verarbeitetes Wachs, Seife und Talg, Blei und Kupfer, Stiefel
und Schuhe und Sattelwerk, so wie alles was aus Leder gearbeitet ist;
-- fertige Kleidungsstücke, Nähgarn unter No. 20, wollene Decken;
ordinaires Tuch, gemeines Theegeschirr, Schnüre und Tressen u. dgl. m.
Diese Verbote rechtfertigt man dadurch, daß die enumerirten Artikel im
Lande selbst erzeugt und angefertigt würden.
+Frei von allen Abgaben+ bei der Einfuhr sind:
Gedruckte Bücher, geographische Charten, Maschinen und Instrumente
für Künste und Wissenschaften, Ackerbau und Bergbau; gedruckte oder
geschriebene Musik und Schieferschreibtafeln mit hölzernen Rahmen
für Schulen, Quecksilber, Häuser von Holz, Schiffe und Fahrzeuge zur
Nationalisirung und Verkauf, ausländische Pflanzen und deren Sämereien,
ausländische Thiere und endlich englisches Wundpflaster.
+Ausfuhr-Verbote+ enthält der mexicanische Tarif, mit Ausnahme
des Samens oder der Brut der Cochenille, keine, denn das Verbot der
Ausfuhr der edlen Metalle im ungemünzten Zustande, ist schwankend, und
wird häufig suspendirt und aufgehoben. Alle Landesproducte gehen ganz
frei aus und nur die edlen Metalle bezahlen an ausgehenden Rechten das
Folgende:
+Gold+, in gemünztem oder verarbeitetem Zustande 2 pCt.
+Silber+, in demselben Zustande 3½ „
„ in ungemünztem Zustande, d.h. in Barren 7 „
Außerdem werden aber auch noch 2 pCt. Circulations-Rechte bei der
Versendung von Comptanten aus dem Innern nach der Küste erhoben,
dergestalt, daß der mexicanische Dollar oder Peso gar viele Abzüge
erleidet ehe er in Europa zur Realisation kommt, nemlich:
1) 1 pCt. mehr oder weniger, Spesen der Conducta bis in den Hafen
2) 2 „ Circulations-Rechte
3) ¾ „ Provision und Spesen im Hafen
4) 3½ „ Ausgangs-Rechte
5) 1¼ „ Seefracht und Spesen bis in die Bank von England
6) 1⅜ „ Assecuranz und Stempel
7) ¾ „ Provision, Courtage und Spesen beim Verkauf
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10⅝ pCt.
Der Brutto-Werth des Dollars in England ist
beim Preis von 57 ~d.~ pr. Unze 49¼ ~à~ ⅜ ~d.~
Hiervon ab 10⅝ pCt. Kosten 5¼ ~d.~
Bringt die Parität des +Wechsel+-Courses mit der
+Baarsendung+ von Mexico auf London, auf 44-- ~à~ ⅛ ~d.~
und von Vera-Cruz, wo 1, 2, 3 der Spesen
wegfallen, auf 45¾ ~à~ ⅞ ~d.~
Berg-Bau und Silber-Gewinnung
in Mexico.
Es ist notorisch, daß der Boden Mexico’s unerschöpfliche Massen der
edlen Metalle, namentlich des +Silbers+, enthält. Minder bekannt
dürfte seyn, daß eine große Verschiedenheit in dem Gehalt der Erze,
welche man aus der Erde gräbt, obwaltet, und daß, während man z. B.
in der Provinz Sonora Gruben hat, in welchen man fast gediegenes
Silber findet, es in anderen Gegenden Bergwerke giebt, die zwar an
Erzen sehr ergiebig sind, welche in Europa, wo man durch vollendete
Schmelzproceduren auch den kleinsten Silber-Gehalt aus dem Erze zu
ziehen versteht, für reich gelten würden, die aber in Mexico, der
unvollkommenen Zugutemachungs-Anstalten wegen, völlig werthlos sind
und mithin unbenutzt bleiben; denn wenn die im Erz enthaltene Mark
Silber mehr zu extrahiren kostet, als sie in der Münze werth ist,
so setzt man natürlich eine solche Operation auf die Dauer nicht
fort, man vernachlässigt mithin alle Werke, deren Erze nicht genug
reichhaltig sind, die kostspielige Extrahirung durch die Amalgamation
mit Quecksilber zu ertragen, und selbst dann noch einen Ueberschuß zu
liefern, wenn durch diese Procedur, wie stets der Fall, 40 bis 50 pCt.
Silber verloren gegangen sind.
Bittere Erfahrungen sind in dieser und anderer Beziehung von den
europäischen und nordamerikanischen Minen-Spekulanten gemacht worden,
man hat theils die Verhältnisse des mexicanischen Bergbaues nicht
gehörig erkannt, theils Mißgriffe in der Wahl der Bergwerke und
ihrer Dirigenten gemacht, und ist in keinem einzigen Fall mit der
nöthigen Oeconomie zu Werke gegangen. Ganz besonders aber hat man es
darin versehen, daß man sich durch glänzende Namen, früher freilich
ergiebiger, aber nun ins Stocken gerathener und zum Theil ersoffener
Gruben, täuschen ließ, und enorme Summen Geldes für die Erlaubniß,
sie zu bearbeiten, an die Eigner, welche sie bereits als verloren
betrachteten, bezahlte, statt in andern Revieren jungfräuliche Gruben
aufzusuchen, die man umsonst hätte haben können. Viele Unternehmungen
sind daher auch nach vergeblich verausgabten +Millionen+ gänzlich
aufgegeben, andere von ihrem ursprünglich über die Maaßen ausgedehnten
Umfange auf einen engen Kreis zurückgeführt worden.
Zu diesen letzteren gehört der uns am nächsten stehende
Deutsch-Amerikanische Bergwerks-Verein,