Wenn du also, Wandersmann, nach einem guten Imbiß und einer köstlichen
Nacht in einem kühlen, frischen Bett deinen Rucksack in irgendeinem
sicheren Verlies aufgehoben weißt, dann schlendere unbeschwert durch
die Straßen, schließe immer nur wenige, aber tiefe Freundschaften mit
dem Schönsten, was dir von schönen Häusern und feinen Bildnissen,
himmelhohen Domen und trotzigen Burgen dein Herz gefangennimmt. Es
ist dabei einerlei, ob deine Liebe der geistvoll und fast frivol
lächelnden »Fraue Welt« gilt, die am Münster von Basel hoch über dem
Rhein ihr Busentuch lüftet, oder dem treuherzig dummen Ritter Georg
am Dom von Bamberg, der, steif im hölzernen Sattel sitzend, mit der
Unerschütterlichkeit eines Parsivals den Drachen absticht, wie wenn es
sich um ein Ferkel handelte; oder ob dir die Madonna von Nürnberg in
der wellenhaft aufsteigenden Andacht ihres Gewandes und der beglückt
dankenden Reinheit ihrer gefalteten Hände dein Herz erbeben ließ, oder
ob du die Augen nicht wenden konntest von dem zierlichen Gitterwerk des
Meisters, der aus roten Quadern in der kühnen Pyramide des Freiburger
Münsters einen wunderbar lichten Dank für alle Herrlichkeit der Erde
dem Himmel entgegenbaute.
[Illustration: Zur Verfügung gestellt vom Touristenverein Hannover.