Herbst im Dreisamtal (Schwarzwald).]

Dem richtigen Wanderer geht es immer, wie Hans Thoma, dem großen

Schwarzwälder Sinnierer und Maler, es ging, als er nach seiner

ersten italienischen Reise zum erstenmal wieder in Sachsenhausen

beim Apfelwein saß und die Zwetschgenbäume im Garten der Wirtschaft

aber auch gar nicht mehr schön finden konnte. Dieser Mißmut über

den Verlust des Paradieses hielt an, bis die untergehende Sonne ein

Goldnetz in die Bäume hing. Da erst entdeckte er wieder von neuem

die Schönheit der Sachsenhäuser Zwetschgenbäume. Im Heimatwald ist

es jedesmal ebenso wie mit den Zwetschgenbäumen in Sachsenhausen --

unbeschadet deren unbestrittener Vorzüge! In der Heimat sind wir selber

und können es sein. Draußen in der kalten Welt sind wir Hotelnummern

oder mißtrauisch betrachtete Fremde. Ich will versuchen, deutlicher

zu werden. Nicht nur die Sonne spinnt Goldnetze in die Sachsenhäuser

Zwetschgenbäume, in die Feldbergtannen oder die schlesischen

Birkenalleen oder was sonst noch sein mag. Wir selber tun es auch. Die

Schönheit der Natur ist nicht nur etwas Objektives, allen Menschen

gleich Sichtbares und Zugängliches; sie ist stark subjektiver Färbung

unterworfen. Aber noch mehr. Wir verlegen in unsre Umgebung und in

die Natur auch eigne Gemütswerte und empfangen sie wieder zurück von

ihr. Ein altes Möbel, das von den Zweckmäßigkeitslinien des modernen

Kunstgewerbes nichts an sich hat, kann uns lieber und teurer sein als

das schönste von einem modernen Raumkünstler geschaffene Stück. Wir

haben mit ersterem etwas zusammen _erlebt_, und besonders, wenn dies

etwas Schönes war, so ruht unser Auge mit Wohlgefallen auf ihm. So

beseelen wir auch die Natur, die uns vertraut ist, und verweben ihr

Äußeres mit unseren inneren Erlebnissen und Stimmungen. Das, was man

Heimatgefühl nennt, beruht ganz auf diesem Beseelen der Natur durch

den Menschen. Hier sind wir daheim, und selbst wenn wir Fremdlinge

sind, können wir uns doch daheim fühlen. Es sind keine das Nervenleben

stark in Bewegung setzenden Eindrücke, denen wir hier begegnen,

keine geräuschvolle Fremdenindustrie, keine die Seele erschütternde

Landschaft. Kraftvolle _Ruhe_ und stille _Sicherheit_ ist's, was der

Wald und das Feld der Heimat uns bieten.

[Illustration: Phot. J. Magirus, Ulm.

Der Wanderer · 第 63 / 110 题