Am Rand des Kiefernwaldes.]

Eine praktische Möglichkeit, ganz unauffällig für Heimatschutz zu

wirken, wird von unseren »Fahrenden« viel zu wenig benutzt. Wenn

sie mit einem nicht offensichtlich zur Schau getragenen, aber mit

wenigen Worten harmlos ausgesprochenen Beifall oder Tadel beim

Vorüberwandern an einem kleinen alten Bauernhaus, dessen Fenster mit

einem Flor blühender Geranien herausgeputzt sind, ihrer Empfindung

Ausdruck geben, aber auch am Hof eines sogenannten Herrenbauern, der

die Anfangsbuchstaben seines Namens mit Ziegeln meterhoch auf seinem

Dach anbringen läßt, ihrem Mißfallen freien Lauf lassen, dann nutzt

dies, wenn es häufig in einem Sommer geschieht, besser als Reden für

Heimatschutz. Die Bauern sind in dieser Richtung viel feinfühliger, als

junge Leute in der Stadt es sich träumen lassen, und alles auffällige

Gebaren, besonders aber wohlwollend herablassende Vorträge haben die

entgegengesetzte Wirkung. Die Bauern besitzen eine starke Empfindung

für alles Gemachte. Ein Heimatschutz im positivsten Sinn des Wortes ist

aber der stille Respekt, den die Wanderer vor dem einzelnen Menschen

und vor dem ganzen Leben des Bauern auf ihren Fahrten an den Tag legen;

der Respekt, der eigentlich nichts andres ist als das stetig wache

Bewußtsein, hier zwischen den Äckern und Wäldern einer nicht standes-

und vielleicht auch nicht stammesverwandten Bevölkerung _Gastrecht

zu genießen_. Rechtlich liegt natürlich die Situation so, daß kein

Wanderer den Bauern seiner Gegend, die er durchstreift, irgendwie zu

Dank verpflichtet ist, selbst nicht, wenn es sich um Straßen handelt,

die aus Gemeinmitteln gebaut sind. Aber die wirkliche Bedeutung des

Bauernstandes als der Wurzel der Volkskraft (wohlverstanden nur als

Wurzel, die ohne die Krone einer hochentwickelten Kultur in sich selbst

nicht überschätzt werden darf!) liegt jenseits aller Sentimentalität,

wie denn überhaupt alle _Bauernschwärmerei_ das sichere Zeichen von

geistiger Mittelmäßigkeit und von Dilettantismus des nur nach »Kraft«

sehnsüchtigen Dekadenten ist. Das schließt aber die sachliche Ehrung

der Landbevölkerung und den ökonomischen Sinn für die Bedeutung des oft

mit viel Schweiß und Gefahr eroberten Kulturbodens nicht aus. Man denke

nur an den erbitterten Krieg, den die Bewohner der Vierlande mit der

Schilf- und Rohrwildnis der Unterelbe zu führen hatten, bis jener Boden

ihnen das tägliche Brot gab.

[Illustration: Phot. R. Hilbert, Rathenow.

Der Wanderer · 第 54 / 110 题