Dieses Stück vom Hängen am Engen ist eine der starken Wurzeln, ohne
die der _Mensch_ nicht werden kann. Die _Bodenständigkeit_ ist aber
kein Hindernis dafür, daß die Krone des Baums sich ausbreite, weit
über den Wurzelgrund hinaus. Das Weltbürgertum ist für lange noch nur
eine Sache der Seele, und auch die _echte_ Demokratie ist vorerst nur
im Reich des Geistes möglich. In dieser Welt der Erscheinungen hat
alles Internationale seine Grenzen schon in der einfachen Tatsache
der Stammes- und Rassenverschiedenheit der Menschen. Deshalb sind wir
außer Alemannen, Schwaben, Märkern, Friesen usw. _zunächst Deutsche_.
Und die Entdeckung _Deutschlands_ ist -- obwohl sogar die beiden Pole
keine »weißen Stellen« auf der Weltkarte mehr sind -- für die weitaus
meisten Wanderer noch eine Tat der Zukunft. Wir kennen es nicht, unser
Vaterland. So viele Dichter auch schon gesungen haben von der Schönheit
der deutschen Lande, man hat im besten Falle gefühlvoll mitgesungen,
alle die Lieder: »Von Frankreich bis zum Böhmerwald« und »Von dem
Nordmeer bis zur Etsch«, aber _gesehen_, sehen _wollen_ haben es
wenige, auch die nicht, die es vermocht hätten. »Dann lieber schon was
Richtiges!« hieß es. Die Schweiz, Italien oder neuerdings auch Indien
und Japan.
[Illustration: Hofphot. C. Eberth, Cassel.