Es war ein heller Nachmittag und ein Gewitter hatte die Luft abgekühlt.
Ich sagte, daß ich den amerikanischen Gesandten besuchen müsse, da
ich sein Landsmann sei, und Zwirner erwiderte darauf, daß er sich
erkundigen wolle, ob der amerikanische Gesandte Abendempfang habe. Er
begab sich nach dem Gemeindepalaste und kam bald mit der Nachricht
zurück, der amerikanische Gesandte habe sich für den Abend beim Fürsten
Hochberg zum Besuche angesagt und er werde sich übrigens freuen, mit
seinen Mitbürgern Mssrs. West und Forest dort zusammenzutreffen.
Zwirner habe nun beim Fürsten Hochberg, wo übrigens seine Schwester
Hausgenossin sei, angefragt, ob es angenehm wäre, wenn er mit den
Herren West und Forest aus Boston dort den Abend zubringen würde,
hauptsächlich in der Absicht, den amerikanischen Gesandten dort zu
begrüßen. Der Fürst habe zustimmend geantwortet.
Zwirner bemerkte, daß wir nicht begriffen, was ein Fürst in einem
communistischen Staate zu suchen habe und wie sich diese geselligen
Verhältnisse erklären ließen, und sagte: »Die Stellung des Adels
werde ich euch ein andermal erklären, aber es ist ganz natürlich, daß
wir den amerikanischen Gesandten aufsuchen, wo er eben seinen Abend
zubringt, und daß wir uns beim Fürsten Hochberg zu diesem Zwecke
einladen. Hat man nicht eben geschäftliche oder, wie wir sagen,
dienstliche Besprechungen mit jemand zu pflegen, so sucht man sich
abends zu treffen, weil der Abend im ganzen Reiche für gesellige
Zusammenkünfte bestimmt ist. Die Last, Empfangsabende zu halten, fällt
überall dem Verwaltungsbeamten zu, aber in Wien empfängt der Kaiser
oder sein Vertreter täglich und ebenso empfangen die Minister, einige
Volkstribunen und der Adel. Wir haben 200 adelige Familien, deren
Oberhäupter diese Repräsentationspflichten erfüllen müssen und so
gewissermaßen kleine Succursalen des kaiserlichen Hofes vorstellen.
Es hat zwar jedes städtische Quartier seinen Palast, wo jedermann
seinen Abend angenehm verbringen kann, aber in Wien strömen berühmte
Menschen aus aller Herren Länder zu vielen Tausenden zusammen, und
will man Berühmtheiten treffen, so ist es am besten, man geht zu Hofe
oder in diese kleineren adeligen Cirkel. Bei Hofe ist das Gewühl der
Besucher betäubend und man geht gerne einmal, aber sehr ungern zweimal
hin. Dagegen sind die Empfänge des Adels außerordentlich angenehm. In
dem Palaste eines solchen Magnaten können sich nur etwa zweihundert
Personen versammeln. Man verliert sich nicht, jedermann kann beachtet
werden, sich aber auch, wenn es ihm beliebt, der Beschaulichkeit
hingeben, man findet die schönsten Frauen, deren wir jetzt eine Legion
haben, und die interessantesten Männer, viele Künstler und Gelehrte
und niemand beklagt sich, er habe je dort einen Abend verloren. Ich
muß beim Fürsten Hochberg ebenso aufgenommen werden, wie jeder andere
Bewohner des Reiches oder Fremde, aber man sagt sich immer vorher an,
weil die Räume nicht besonders groß sind und man dort ungemüthliches
Gedränge vermeiden will. Das Haus des Fürsten Hochberg ist übrigens
auch mein Haus, die Erfrischungen, die in seinem Hause herumgereicht
werden, bestreitet das gesammte Volk und ich bin bei Hochberg ebenso zu
Hause, wie in Tulln oder sonstwo im weiten Reiche. Unter der Anfrage,
ob mein Besuch angenehm wäre, ist nichts anderes zu verstehen, als
eine Erkundigung, ob die Zahl der angemeldeten Besucher eine bestimmte
Grenze nicht schon überschritten hat. In früheren Zeiten allerdings
konnte eine abschlägige Antwort auch aus anderen Gründen erfolgen.
Als die neue Gesellschaftsordnung begründet wurde und man mit der
degradirten Bevölkerung aus dem 19. Jahrhunderte zu rechnen hatte,
besaß der Adel das heute kaum je mehr ausgeübte Recht, allen jenen den
Zutritt zu verwehren, welche einer solchen Gesellschaft nicht hätten
zur Zierde gereichen können. In drei Generationen seit 1930 ist aber
der Charakter des Volkes so verändert worden, daß der Adel wohl jeden
Einheimischen in seinen Cirkeln zulassen kann.«
»Wie hält man es aber mit den Fremden?«
»Wenn ein verdächtiger Fremde sich bei Hochberg zu Besuch melden würde,
so würde der Fürst sich beim Quartierbeamten vorher Belehrung einholen
und man würde den Mann etwa mit einer Ausrede und einem Theaterbillete
auf andere Gedanken bringen. Für uns hat sich längst ein natürliches
Gefühl der Schicklichkeit herausgebildet, welches uns lehrt, Störungen
aus dem Wege zu gehen und Empfindlichkeiten zu schonen. So gibt es
Leute, welche wegen zwischen ihnen bestehender Abneigung nirgends
zusammentreffen dürfen, da sie nur zu leicht in Streit gerathen oder
doch mindestens nebeneinander des geselligen Abends nicht froh werden
könnten. Dem Zusammentreffen solcher Personen wird immer geschickt
ausgewichen und ist der Fernsprecher für uns eine wahre Wohlthat, weil
sich die verantwortlichen Beamten jederzeit davon unterrichtet halten,
welche Gefahren etwa zu besorgen sind.«
Eben fuhr ein schmucker Junge eine Kutsche, mit zwei Pferden bespannt,
vor und wir stiegen ein, um uns zu Hochberg zu begeben. Der junge
Pferdelenker hatte sich die Begünstigung ausgebeten, so oft als möglich
mit der Lenkung der Pferde betraut zu werden, weil ihm das besonderes
Vergnügen bereite. Er war der Sohn des Arztes und man sagte uns, daß er
mit den Pferden, die diese Tage nicht waren eingespannt worden, nachdem
er uns zu Hochberg gebracht haben würde, spazieren fahren wolle und
dann werde er uns wieder abholen, da der Empfang um 11 Uhr zu Ende sei.
Die Fahrt ging nicht nach dem Stadtpalast der Hochbergs, da der Hof und
der Adel bereits seit anfangs Mai die Landhäuser und Schlösser bezogen
hatten, und der Fürst Hochberg hatte auf Wunsch des kaiserlichen
Obersthofmeisteramtes die Repräsentation im kaiserlichen Lustschlosse
zu Königstetten übernommen, wo auch einige Künstler und Gelehrte,
gewesene Minister und einige Berühmtheiten aus dem deutschen Reiche
Gäste des Kaisers waren. Es ging dort lustig zu und abends versammelte
sich eine täglich wechselnde Gesellschaft von Fremden, die von Wien auf
Besuch herauskamen, und von Beamten und Aerzten aus der Nachbarschaft,
die sich gerade einen Abend frei machen konnten. Daher fuhren auf
derselben Straße auch mehrere Wagen, die beinahe zugleich mit uns gegen
7 Uhr in der Einfahrtshalle des Schlosses hielten.
Das Schloß war im 19. Jahrhunderte Eigenthum eines Grafen Bray und
dann von der Civilliste übernommen und neu aufgebaut worden. Es war
damals ein jämmerliches Haus, zwischen Hütten eingekeilt. Jetzt steht
es prächtig und frei da und der Blumenteppich an dessen Vorderseite
ist ebenso herrlich, als der weitausgedehnte Park, der sich rückwärts
zum Theile den Berg hinan zieht. Auch das Dorf war im 19. Jahrhunderte
armselig und die kaum 1200 Seelen zählende Gemeinde in mehr als
zweihundert elenden Hütten vertheilt, zwischen welchen schmutzige
Straßen liefen.
Im ersten Empfangssaale eilte der Fürst Hochberg auf uns zu, uns zu
begrüßen und willkommen zu heißen, nachdem ein Student, der die Ferien
im Schlosse zubringt und eine Art von Secretariat führt, um dem Fürsten
die Repräsentationspflichten etwas zu erleichtern, ihm unsere Namen
genannt und den Zweck unseres Besuches in Oesterreich, wie auch den
Hauptzweck unseres Erscheinens bei diesem Empfangsabende gemeldet
hatte. »__Very glad to see you here; the Embassador will be here this
moment. In the mean while my daughter will keep you company and I shall
have a talk with you afterwards.__« Damit enteilte der Fürst anderen
gemeldeten Besuchern entgegen. Die Tochter des Fürsten, Lori Hochberg,
lud uns zu sich in eine Fensternische, wo wir Platz nahmen, und nachdem
die junge Dame einige Worte englisch mit uns gesprochen, streifte ihr
Blick unseren Freund Zwirner und sie richtete an ihn die Frage: »Werden
wir englisch conversiren?« Darauf sagte Zwirner, daß er nicht englisch
verstehe, daß wir uns aber ganz gut in deutscher Sprache verständlich
machen könnten. Darauf sagte die Prinzessin, sich der deutschen
Sprache bedienend: »Ihr müßt wissen, daß wir in Oesterreich in einem
wahren Babel leben. Als unser Land die neue Gesellschaftsordnung
annahm, waren vier Hauptsprachstämme im Reiche vertreten, und acht
Sprachen wurden gesprochen. Man einigte sich unter Franz Josef dem
Standhaften, die deutsche Sprache als allgemeines Verständigungsmittel
mindestens für die Gebildeten gelten zu lassen, was übrigens damals
viel bestritten wurde. Seither hat sich ganz Oesterreich mit Vorliebe
auf Sprachstudien geworfen und ist niemand im Lande, der nicht
wenigstens zwei Sprachen geläufig spräche, viele sprechen aber an fünf
und sechs lebende Sprachen, wie uns auch die Geschichte überliefert,
daß Franz Josef der Standhafte mit jedem Bürger seines Reiches in der
Sprache verkehrte, die diesem geläufig war, und als er einmal bei einem
officiellen Anlasse eine croatische Ansprache mit einer deutschen Rede
beantwortete, soll es einen Sturm im Wasserglase gegeben haben und der
damalige Ministerpräsident für die Länder der ungarischen Krone mußte
Rede stehen.«
Diese jetzt zu einer Nationaltugend gewordene Polyglottie sei der
Hauptgrund, weshalb seit 40 Jahren die Fremden aus allen Welttheilen
Oesterreich und gerade Wien mit Vorliebe aufsuchten und die 30
Hochschulen in Wien, worunter auch an mehreren Vorlesungen in fremden
Sprachen gehalten würden, von Studierenden aus Australien ebenso, wie
aus China, Japan und Persien, Süd- und Nord-Amerika und sogar aus den
Colonien in Ostafrika besucht würden.
Wir waren noch nicht zu Worte gekommen, was uns recht lieb war, denn
wir wurden überall überschüttet mit Aufklärungen und Freundlichkeiten
und fürchteten, recht ungeschickte Dinge zu sagen, aber jetzt erlaubte
ich mir doch, einzuwerfen, daß wir verwundert gewesen seien, daß
Zwirner nicht englisch verstehe, da er uns doch in englischer Sprache
geschrieben habe. -- Das erkläre sich wohl leicht, sagte Zwirner.
Er habe gewiß ebensoviel Sprachentalent als irgend ein anderer
Oesterreicher, aber, da sein Beruf der eines landwirthschaftlichen
Arbeiters sei, habe er sich die englische Sprache nicht für seine
Berufsausbildung eigen machen müssen, sondern seine Privatstudien
hätten ihn darauf geführt. Der Volksunterricht führe jeden in alle
Zweige menschlichen Wissens so weit ein, daß er auf autodidactischem
Wege sein Wissen bereichern könne, wie es ihm gutdünkt. Da er sich
nun mit dem Studium des Standes der socialen Frage im neunzehnten
Jahrhunderte zu seinem Vergnügen befasse, habe er die Nothwendigkeit
empfunden, die Zeitungen, Pamphlete und socialpolitischen Werke
Englands und Amerikas aus jener Zeit zu durchforschen, und dazu sei
ihm die Kenntnis der englischen Sprache, aber nur insofern nothwendig
gewesen, daß er fließend lesen und schreiben lernen mußte, was ihm nach
jahrelangen Bemühungen auch gelungen sei.
Mit dem romanischen Sprachenstamme sei er vertraut, da er sich als
zweite Landessprache die italienische Sprache gewählt habe, und nachdem
die englische Sprache eine Mischung von deutschen und romanischen
Wörtern und Formen sei, habe er sich mit Hülfe der Grammatiken und
Wörterbücher in der Gemeindebibliothek von Tulln und durch jahrelanges
Lesen von englischen Büchern eine vollkommene Vertrautheit mit dieser
Sprache erworben. Da er aber niemals jemand habe englisch sprechen
hören, verstehe er kaum ein einziges englisches Wort, das man zu ihm
spricht.
»Das ist erstaunlich Prinzessin!« wendete ich mich an diese, die darauf
bemerkte: »Ihr dürft mich nicht Prinzessin heißen, denn die Töchter
der adeligen Geschlechter gehören nicht dem Adel an und vermählen sich
auch niemals mit Adeligen.« Dabei streifte sie wieder unseren Freund
Zwirner mit einem temperamentvollen Blicke, der mir schon mehrmals
aufgefallen war. »Nennt mich also Lori Hochberg,« schloß das schöne
Mädchen. Lori war eine imposante Erscheinung; lange kastanienbraune
Flechten hingen über den Rücken herab, die funkelnden Augen und der
schwellende Mund verriethen das zur Liebe geschaffene Weib und als
ich jetzt meine Augen auch mit Wohlgefallen auf Zwirner ruhen ließ,
ward es mir klar, daß das ein prächtiges Paar geben würde. Zwirner
war ein schöner Mann von wahrer Hünengestalt und edler Haltung und
nichts deutete auf seinen Beruf, als etwas starke und große Hände, die
übrigens heute in Stulphandschuhen staken. Seine Tracht erinnerte an
altdeutsche Bilder und war aus kurzgeschorenem Sammt von verschiedenen
Farben zusammengesetzt; die Beine waren bis zu den Knieen mit Gamaschen
aus feinem Leder bekleidet und den breitkrämpigen Hut zierten Federn
von verschiedenem Wildgeflügel.
Auch Zwirner schien seine Augen gerne über die schöne Gestalt Loris
gleiten zu lassen, die er zum erstenmale sah. Aber er war durch Loris
Benehmen nicht beunruhigt; im Gegentheile schwebte auf seinen Lippen
immer ein Anflug von ganz leiser Ironie, die aber nichts verletzendes
hatte.
»Ich hatte noch nicht Zeit,« sagte er, »unsere amerikanischen Freunde
über die Stellung unseres Adels, die Umgangsformen in Oesterreich und
über unsere Auffassung von der Gleichheit der Menschen vollständig
aufzuklären. Das will ich besorgen und deine Bemerkungen ergänzen. Doch
bitte ich dich, liebe Freundin, den Gästen Aufschluß zu geben, welche
Besuche heute erwartet werden, die ihnen interessant sein könnten.«
Wir wurden wieder in's Gespräch gezogen und da wir Lori unseren
Beifall zu erkennen gaben, daß man in Oesterreich so verschiedenartige
und geschmackvolle Trachten zu Gesicht bekomme, was sie wieder mit
einem lächelnden Blicke auf Zwirners Prachtgestalt beantwortete, nahm
sie eine Mappe von dem Tischchen, neben welchem sie Platz genommen
hatte, und sagte: »Vergleicht nur einmal diese Trachten aus dem 19.
Jahrhunderte und das verkrüppelte Menschengeschlecht jener Tage mit
unseren heutigen Volkstypen.« -- Zwirner war damit vollkommen vertraut,
da ihn seine Studien längst darauf geführt hatten, und er erzählte
übrigens, daß man sich damals selbst über die zeitgenössische Tracht
lustig machte und daß man die ungeschlachten cylinderförmigen Hüte
»Ofenröhren« nannte und die lächerlich verschnittenen Röcke »Frack«. --
Mittlerweile waren viele Besucher vorgefahren und obwohl alle durch
unseren Saal verkehrten, hatte man uns nicht gestört, weil Lori
niemand ermunterte, sich uns zu nähern, und die Besucher suchten
daher den Fürsten in den nächsten Sälen auf, wo sich lautes Gespräch
vernehmen ließ. Als aber der amerikanische Gesandte, ein verdrießlich
aussehender Diplomat in lächerlicher Uniform, mit Miß Flower, seiner
bleichsüchtigen Tochter, am Arme eintrat, erhob sich Lori, um uns
bekannt zu machen. Die Begegnung war nur eine flüchtige und endete nach
einigen Worten damit, daß die Flowers weiter pilgerten und wir unsere
früheren Sitze wieder einnahmen.
Die Fenster waren geöffnet und eine balsamische Luft strömte von den
weitläufigen Gärten herein, über die sich Dämmerung zu verbreiten
anfing. Jetzt erklangen die Geigen im Tanzsaale und mit den Worten:
»Die Zigeuner«, erhob sich Lori, was Zwirner nicht anders verstehen
konnte, als daß er sie zum Tanze führen könne. Während sie seinen Arm
nahm, rief sie uns freundlich zu: »Werft einen Blick in den Tanzsaal
oder streift durch die Gärten, wir werden nur zum Schein zum Tanze
antreten, der an einem Sommerabende nicht ernst genommen werden kann.«
Wir folgten dem schönen Paare und bewunderten den Tanzsaal, der, mit
weißem Stuck ausgelegt und ohne Aufdringlichkeit mit Vergoldungen
verziert, im elektrischen Lichte strahlte und nicht übermäßig heiß war,
weil alle Fenster nach dem Parke offen standen. Wir entzogen uns bald
dem Gewühle, um Loris Rathe zu folgen und uns in den Gärten zu ergehen,
in welchen Glühlichter in den Bäumen und Gesträuchen funkelten,
Cascaden und Springbrunnen plätscherten und einzelne Gruppen von
Besuchern plaudernd lustwandelten.
Da wir uns nach dem Schlosse zurückwandten und unter den
säulengetragenen Vorbau traten, dessen Boden mit schönem Mosaik, --
man nennt das in Oesterreich Terazzo -- bekleidet war, kamen uns Lori
und Zwirner entgegen, die, ein wenig vom Tanze erhitzt, sich noch
etwas näher gekommen schienen. Ein vorübergehender junger Freund der
Familie wurde gebeten, nachzusehen, ob unser Wagen schon vorgefahren
sei, und als er mit der Nachricht zurückkam, der junge Stirner, -- so
der Name unseres Rosselenkers --, erwarte uns mit Ungeduld, weil die
Pferde nicht stillestehen wollten, verabschiedeten wir uns von Lori mit
der Bitte, uns dem Fürsten zu empfehlen, dessen Gastfreundschaft wir
genossen. »So ist es wohl nicht«, entgegnete Lori lachend, »Herr in
diesem Hause sind die Völker Oesterreichs, aber ich werde den Vater in
eurem Namen grüßen.« Zwirner schüttelte sie herzlich die Hand, nicht
ohne ihm lächelnd in's Auge zu blicken, uns winkte sie freundlich zu
und schon war sie nach dem Garten verschwunden. Wir stiegen in den
Wagen und auf der Heimfahrt in einer köstlichen Sommernacht stellten
wir Zwirner zur Rede über sein Verhältniß zu Lori. Er sagte, er habe
Lori heute zum erstenmale gesehen, und, da beide unvermählt seien
und heirathen könnten, wäre eine Vermählung nur davon abhängig, daß
sie sich liebgewännen. »Lori zeigte mir soviel Wohlgefallen, als
schicklicherweise geschehen konnte, und ohne solche Aufmunterung würde
kein junger Mann es wagen, einem Mädchen seine Liebe zu gestehen. Aber
so entzückend ich auch Lori finde, so ist es doch allgemeine Sitte nur
langsam sich zu nähern und sich nicht vom ersten Anblicke ganz gefangen
nehmen zu lassen. Die Ehe wird bei uns ernst genommen, soviel man auch
unverheiratheten und verwittweten Leuten durch die Finger sieht. Davon
aber ein andermal, denn das Thema können wir heute nicht erschöpfen.«
Eben fuhren wir vor unserem Wohnhause vor und da es schon Mitternacht
war und wir statt des Abendbrotes bei Hochberg mit etwas Thee und
Aufschnitt waren versorgt worden, gingen wir zu Bette, ohne noch in den
Speisesaal zu gehen, wo wir noch Licht sahen.