ihr das Rad und die Jahrszahl 1526. Hoch 9 Zoll, breit 7 Zoll 3 Linien.
7. Ein Dampfbad voll Frauen und Kinder, unter welchen sich eine sehr
dicke alte sitzende Frau sowohl durch ihre Häßlichkeit als einen
wunderbaren runden Aufsatz des Kopfes auszeichnet.
Diese merkwürdige Federzeichnung, welche die Jahrszahl 1496 und noch die
Buchstaben AD neben einander stehen hat, ist auffallend in ihren
Beziehungen zu dem Holzschnitte des Bades, B. Nr. 128, und bestätigt
meine Ansicht, daß dieser Holzschnitt zu den früheren unsers Meisters
gezählt werden muß. Die Zeichnung ist mit besonders schwarzer Dinte
gearbeitet und nicht ganz so fein, wie Dürer’s spätere Federzeichnungen,
jedoch keineswegs roh. Sie mißt in der Höhe 8 Zoll 7 Linien, in der
Breite 8 Zoll 5 Linien.
8. Ein nackter Mann und eine nackte Frau werden von dem Teufel umfaßt,
am Boden liegt ein Kind. Der Mann ist dem Beschauer zugewendet und durch
ein in der Hand haltendes Schild mit Spitze darunter (vgl. B. Nr. 66)
als Krieger gekennzeichnet. Rechts an der Ecke sieht man einen
Schweinskopf mit der Glocke unter dem Halse, -- hoch 10 Zoll 9 Linien,
breit 7 Zoll.
9. Ein Soldat, das Schwert an der Seite, die Lanze in der Hand.
Federzeichnung, hoch 11 Zoll 8 Linien, breit 6 Zoll.
10. Eine Frau, welche vor einem Steinsockel kniet, Federzeichnung, hoch
6 Zoll, breit 4 Zoll.
11. Weiß gehöhete Kreidezeichnung auf roth grundirtem Papier, hoch 8
Zoll 6 Linien, breit 6 Zoll 11 Linien, aus den Sammlungen Greffier Fagel
und Roscoe. Sie stellt einen jugendlichen weiblichen Kopf, von vorn
gesehen, dar.
12. Die berühmte kleine leicht colorirte Zeichnung, früher in den
Sammlungen Greffier Fagel, Roscoe und Esdale, welche in England für die
letzte Zeichnung Dürer’s gehalten wurde.[77]
Sie ist nur 4 Zoll 5 Linien hoch und 4 Zoll breit, und stellt unsern
Meister in ganzer Figur, nackt bis auf die Schamtheile, dar. Man sieht
an der linken Seite des Unterleibes einen runden gelben Fleck, auf
welchen er hinweist. Darüber steht mit Dürer’s Hand geschrieben:
»Do der gelb Fleck ist, und mit dem Finger darauff deut Do ist mie
weh.«
Auf der Rückseite dieses Blättchens befindet sich eine alte holländische
Inschrift mit einer englischen Uebersetzung darunter, welche besagt, daß
da Dürer an der Pest gestorben sei, dieses wahrscheinlich die letzte
Zeichnung von ihm wäre. Beides ist unbegründet, doch schreibt Dürer in
seinem Tagebuche von der Reise nach den Niederlanden,[78] daß ihm zu
Antwerpen in der dritten Woche nach Ostern 1521 »eine wunderliche
Krankheit überkam, von deren ich nie von keinem Man gehört, und diese
Krankheit hob ich noch.«
Da er sich hier mit langem Haar und Bart abgebildet hat, wie er solche
auf jener Reise getragen, so wird sich diese Zeichnung wahrscheinlich
auf die erwähnte Krankheit beziehen und möchte er sie wohl angefertigt
haben, um einen entfernten Arzt in Rath zu nehmen.
=ad 8.= Die Königlich Sächsische =Bibliothek= im Japanischen Palais zu
=Dresden= bewahrt einen Schatz Dürer’scher Zeichnungen, welcher bisher
fast ganz unbekannt geblieben ist.[79] Sie sind dem dort befindlichen
Manuscripte Dürer’s von dem ersten Buche seiner »vier Bücher von
menschlicher Proportion« nebst den dazu gehörigen Federzeichnungen,
angebunden. Dieses Manuscript befindet sich in einem Foliobande in
braunem Leder, der früher dem Grafen Brühl gehörte und Anno 1730 von dem
Magister Nägelein in Nürnberg gekauft war.[80]
Vor den angebundenen Zeichnungen steht der geschriebene Titel:
»Varj Skizzi di manu propria di Alberto Durero Pittore Allemanno«
und das Dürer’sche Monogramm darunter.
Es sind 94 Blatt, fast lauter Federzeichnungen und Studien, welche den
Eindruck machen, als wären sie ohne Auswahl aus dem Nachlaß unsers
fleißigen Künstlers zusammen gerafft. --
Die einzelnen, häufig auf beiden Seiten bezeichneten, Blätter haben eine
Höhe von 11 Zoll und eine Breite von 7½ Zoll, oder sind zu jener Höhe
zusammen geklebt. Ein großer Theil sind Vorarbeiten zu Dürer’s Werk »der
menschlichen Proportionen«, welche die Jahrszahlen 1512, 1513 und 1519
tragen, theils Köpfe im Profil von allerlei Form, theils ganze Figuren,
wovon einige röthlich angetuscht sind und grüne Schraffirungen zum
Hintergrunde haben. Ausserdem sind eine Menge anderer Gegenstände,
theils auf besonderen, theils auf denselben Blättern, worauf sich die
vorerwähnten Darstellungen befinden, mit der Feder entworfen. Nicht alle
haben das Monogramm des Meisters, doch tragen sie sämmtlich den
unverkennbaren Stempel der Originalität. Der Reihenfolge nach sind auf
Blatt 1. Drei Köpfe mit der Unterschrift »Weib« und der Jahrszahl 1512,
darunter das Monogramm.
Unten ist der Vorgrund einer Landschaft, auf der Rückseite verschiedene
Gesichter.
2. Männerköpfe, auf der Rückseite dieselben Köpfe durchgezeichnet.
3. Vier Köpfe, auf der Rückseite dieselben.
4. Fünfzehn verschiedene Profilköpfe, auf der Rückseite dieselben
durchgezeichnet.
5. Zwei Hände. Oben eine kleinere, unten eine größere, dazwischen das
Monogramm.
6. Eine Hand.
7. Zwei Füße.
8. Zwei Oberbeine, mit einem Fuß und zwei Füße, welche auf der Rückseite
durchgezeichnet sind.
9. Ein dreifacher Zirkel, darüber eine Gewandstudie.
10. Sehr schön ausgeführte Studie einer lebensgroßen Hand. Das Blatt ist
bezeichnet 9.
11. Sechs karikirte Profilköpfe, auf der Rückseite vier solche Köpfe,
zwei in eckige Figuren eingetheilte Köpfe, links die Figur eines
heiligen Petrus. Bezeichnet 10.
12. Männliche Figur von drei Seiten, oben die Jahrszahl 1513, unten das
Monogramm. Auf der Rückseite ein Bein. Bez. 11.
13. Eine große und eine kleine männliche Figur, von vorn gesehen. Auf
der Rückseite dieselben Figuren von hinten gesehen und meisterlich
schraffirt. Bez. 12.
14. Männliche Gestalt, von vorn gesehen. Auf der Rückseite zwei ähnliche
Gestalten, wovon die eine mit ausgestrecktem Arm. Bez. 13.
15. Männliche Gestalt, von vorn gesehen, ohne Arme, in Zirkel
eingetheilt. Bez. 14. Auf der Rückseite dieselbe durchgezeichnet.
16 und 17. Männliche Gestalten, von zwei Seiten gesehen. Bez. 15 und 16.
Die zweite durchgezeichnet, beide schraffirt.
18. Eine männliche Figur mit ausgestrecktem Arm. Unten das Brustbild
eines alten Mannes mit Hut und Mantel.
19. Männliche Figur von zwei Seiten. Auf der Rückseite dieselbe
durchgezeichnet und schraffirt, mit der Jahrszahl 1519. Bez. 28.
20 bis 23. Vier Blatt mit verschiedenen männlichen Figuren.
24 bis 26. Drei Blatt mit ähnlichen Figuren, das eine trägt die
Jahrszahl 1519.
27 bis 30. Vier Blatt mit ähnlichen Figuren, von denen das eine mit der
Jahrszahl 1513.
31 und 32. Zwei Blatt mit männlichen Figuren, röthlich angetuscht auf
grün schattirtem Hintergrunde.
33 bis 36. Vier Blatt männliche Figuren, auf den Rückseiten meist
durchgezeichnet und schraffirt.
37. Anlage einer männlichen Figur, links oben Christus, der vor den
hohen Priester geführt wird, Federskizze in der Weise der kleinen
Holzschnitt-Passion. Bez. 29.
38 und 39. Zwei Blatt mit männlichen Figuren, auf dem einen ist die
Jahrszahl 1513.
40. Figur eines Mannes, unten ein Gewandstudium.
41. Zwei männliche Figuren, auf der Rückseite eine jugendliche männliche
Figur im Umrisse, umzeichnet mit eleganter durch Bandschleifen
verzierter Kleidung.
42. Hände, Beine und ein einzelner Finger im Skelett.
43. Beine.
44. Eine Figur, welche einen Stein in der Hand hält, mit dem Monogramm
und der Jahrszahl 1513 darüber. Auf der Rückseite ist dieselbe Figur
schraffirt auf schwarzem Hintergrunde.
45. Eine karikirte Figur mit ausgebreiteten Armen, aus lauter Quadraten
zusammen gesetzt, darunter steht von Dürer’s Hand
»Niklas am Roßmargt.«
46 und 47. Zwei Blatt Figuren.
48 bis 51. Vier Blatt menschliche Figuren, in eckige mathematische
Formen eingetheilt.
52. Eine dicke weibliche Figur im Umriß, zur Seite eine sitzende Figur,
welche etwas, das sie in der Hand hält, aufmerksam betrachtet. Das
Monogramm steht unten.
53. Eine sehr dicke weibliche Figur mit der Jahrszahl 1508 und dem
Monogramm.
54 bis 62. Neun Blatt weibliche Figuren in Umrissen.
63. Weibliche Figur mit einem wunderlich gewundenen Leuchter, auf
welchem sich ein brennendes Licht befindet.
64 und 65. Zwei Kinder in Umrissen.
67. Figur eines sehr dicken Weibes im Profil. Zur Seite rechts Maria mit
dem Kinde und einem Engel darüber in Wolken. Leichte Federskizze, unten
Studie eines alten Kopfes.
68. Gewandstudie.
69. Säulenstudien. Ein Capital mit ausgeführter Blattverzierung, bez.
65. Auf der Rückseite leichte Studie zu dem Triumphwagen des Kaisers
Maximilian mit einem Pferde.
70. Schraffirte Kopfstudie, bez. 66.
71. Schraffirte Figurenstudie, bez. 67.
72. Figurenstudie, darunter zwei karikirte männliche Köpfe im Profil.
Auf der Rückseite eine Mutter mit ihrem Kinde in leichten Umrissen.
73. Zirkelstudien, unten eine Gewandstudie, bez. 69. Auf der Rückseite
Gewandstudie und Abbildung von Zirkeln mit Stellschrauben.
74. Sieben verschiedene Gewandstudien, bez. 70.
75. Ein schraffirtes Bein. Skizze der Figur eines Königs. Zeichnung des
Mannes im Talar und Mütze zu dem Holzschnitt 61 des Werkes der
»Underweysung der messung, mit dem zirckel etc.«, 4. Buch Q. (Erste
Edition von 1525.) Ein aufblickender Kopf. Ein mit Linien eingeteilter
Kopf, von vorn gesehen. Bez. 71.
76. Ein König auf dem Thron, mit verschiedenen Figuren umher. Zwei
Figuren bringen große Vasen, wie zum Geschenk, herbei. Bez. 72.
77. Studien von Säulen-Capitälen. Eine Gewandstudie. Bez. 73. Auf der
Rückseite ein galoppirendes Pferd und andere Pferdestudien.
78. Zwei Krüge, darunter ein colorirter Lindwurm, mit dem Monogramm und
der Zahl 7 daneben. Auf der Rückseite mathematische Figuren und eine
Felsenlandschaft mit Bäumen. Bez. 74.
79. Ein galoppirendes wildes Schwein mit dem Monogramm darüber. Unten 16
Zirkelschläge, einer über dem andern. Auf der Rückseite die Vorrichtung
zum Zeichnen einer Vase. (Dürer’s Werk der »Underweysung der meßung, mit
dem zirckel u.s.w.«) 2. Ausgabe, Blatt Qiij.
80. Ein kleineres Blatt mit zwei Studien zu obigem Zeichnen der Vase,
bez. 1514.
Ein großes Blatt, welches ebenfalls zu diesem bei Bartsch unter Nr. 148
aufgeführten Holzschnitt gehört.
Merkwürdig ist: daß Dürer diese schon 1514 entworfene Zeichnung bei der
von ihm im Jahre 1525 veranstalteten ersten Ausgabe des betreffenden
Werkes nicht benutzt hat und daß solche erst bei der 1538 veranstalteten
2. Ausgabe im Holzschnitt zur Geltung gekommen ist.
Unten auf diesem Blatte ist noch die Studie einer Hand.
81 und 82. Zwei kleine Blätter mit verschiedenen mathematischen
Figuren.
83. Studien zu einem Thurm, bez. 77.
84. Architectonische Studien zu Säulen-Capitälen.
85 bis 91. Sieben Blatt mit verschiedenen Krügen und Vasen in Umrissen.
92. Sechs verschiedene verzierte Kelche mit Deckeln -- ohne Zweifel
Modelle für Goldschmiede -- in sehr sauberen Federumrissen.
93. Eine verzierte Deckelschale.
94. Eine flache Schale mit Deckel.
=ad 9.= In der reichen Königlichen =Bibliothek= zu =München= befindet
sich das köstliche Gebetbuch auf Pergament, welches Dürer im Jahre 1515
mit 43 Randzeichnungen verziert hat. -- Die Randzeichnungen sind durch
die lithographischen Nachbildungen von N. Strixner allgemeiner bekannt
geworden; so gelungen diese Nachbildungen auch im Allgemeinen sind, so
erreichen sie doch bei weitem nicht die Feinheit der meisterlichen
Federführung Dürer’s, welche in der mannichfaltigsten Anwendung die
höchste Bewunderung erregt.
=ad 10.= Die =Stadtbibliothek= zu =Nürnberg= ist seit dem Jahre 1835 im
Besitz einer Sammlung von Bruchstücken Dürer’scher Manuscripte und
Federskizzen, über welche der Herr Inspector Becker in seinem Aufsatz in
dem Archiv für die zeichnenden Künste von Naumann, 4. Jahrgang, 1. Heft,
pag. 20 und folgende, Näheres mitgetheilt hat. --
Eine bedeutende Zahl schöner und feiner Federstudien, welche zum größten
Theil wie jene Bruchstücke sowohl zu den drei letzten Büchern »von
menschlicher Proportion« wie zu »der Underweysung der meßung, mit dem
zirckel etc.« gehören, sind den Manuscriptblättern angebunden. Die
Zeichnungen zu dem 2. bis 4. Buch »von menschlicher Proportion« sind
aber höchst lückenhaft und es wird dadurch erklärlich: daß so manche
Federzeichnung, zu den in diesem Werke befindlichen Holzschnitten, in
den verschiedensten Sammlungen angetroffen wird.
=ad 11.= Die Zeichnungen der =Ambraser-Sammlung= sind von Heller, pag.
95 bis 97 näher beschrieben, sie zeichnen sich durch die vortrefflichste
Erhaltung aus.
Ausser den hier beschriebenen ist noch eine colorirte Zeichnung
vorhanden, welche 5 Zoll 8 Linien hoch und 8 Zoll 9 Linien breit den
Arion mit der Harfe auf einem Delphin darstellt und die Ueberschrift hat
PISCE SVPER CVRVO VECTVS CANTABAT ARION.
Die höchst interessanten drei Zeichnungen, welche der 1822 verstorbene
Rentmeister Pfaundler in Inspruck der Ambraser-Sammlung vermacht hat
und von Heller pag. 44 und 45 unter 1, 2 und 4 erwähnt werden, sind
ebenfalls dem »Kunstbuche« eingefügt und hat die letzte vom Jahre 1525,
den Traum darstellend, noch die Merkwürdigkeit, daß der ganze
Papierbogen derselben unbeschnitten erhalten ist. Er mißt 16 Zoll 6
Linien in der Höhe und 11 Zoll 3 Linien in der Breite und hat das
Wasserzeichen des gekrönten Schildes mit Lilien, Nr. 11.
=ad 12.= In der Sammlung des =Städel’schen Instituts= in =Frankfurt
a.M.= verdienen unter den Dürer’schen Handzeichnungen eine besondere
Beachtung:
Das sehr fein mit der Feder gezeichnete Portrait des Blankfeld, Dürer’s
Wirth zu Antwerpen, welches der verdienstvolle Inspector Passavant für
seine Anstalt in Rom zu erwerben das Glück gehabt hat.
Zwei mit ausserordentlicher Feinheit gezeichnete Studien von Figuren aus
Sir Thomas Lawrence’s Sammlung.
Die bereits pag. 67 erwähnte Zeichnung, Christus im Oelgarten betend;
mit ausgebreiteten Armen in Kreuzesform, auf dem Boden niederliegend,
dargestellt. Es ist eine eben so schöne als vortrefflich erhaltene
Federzeichnung vom Jahre 1521.
=ad 13.= Das Königliche =Kupferstich-Cabinet= in =München= hat mehrere
Zeichnungen Dürer’s, namentlich
1. Die Federzeichnung zu dem Holzschnitt, B. 2, Simson mit dem Löwen, 10
Zoll hoch, 8 Zoll 9 Linien breit.
Der Löwe ist sehr schön, die Zeichnung, ein Bruchstück, nicht frei von
Einzeichnung fremder Hand.
2. Ein schöner männlicher Portraitkopf in Kreide, hoch 12 Zoll 6 Linien,
breit 10 Zoll 6 Linien.
3. Ein von vorn gesehener Engelskopf auf grün grundirtem Papier, weiß
gehöhet, mit dem Monogramm und der Jahrszahl 1508, hoch 9 Zoll 9 Linien,
breit 7 Zoll 2 Linien.
=ad 14.= Das =Kupferstich-Cabinet= zu =Dresden= bewahrt an Zeichnungen
unsere Meisters, welche besondere Berücksichtigung verdienen:
1. Die Jungfrau mit dem Kinde in einer Landschaft vor Gebäuden sitzend,
vier spielende Engel vor ihr, auf braunem Grunde mit der Feder
gezeichnet und auf das Sauberste mit Gold gehöhet, vom Jahre 1509, etwa
in der Größe der von Egidius Sadeler gestochenen Maria mit der Eule.
Diese Zeichnung wurde, von Alters her, auf Holz geklebt, unter Glas und
Rahmen aufbewahrt; doch ist, da der in dem Holze entstandene Wurmfraß
dieses kostbare Kunstwerk zu zerstören anfing, durch die Vorsorge des
Directors Professor Grüner das Holz dahinter entfernt, und die Zeichnung
gegenwärtig in dem Schaukasten des Handzeichnungs-Cabinets ausgelegt.
Einige scharfe Kenner wollen zwar neuerdings an der Originalität dieser
-- der Ueberlieferung nach -- von Dürer für einen der Herzöge von
Sachsen besonders gearbeiteten Zeichnung zweifeln, doch kann ich diese
Ansicht nicht theilen, möchte vielmehr den dafür angeführten Mangel an
einer gewissen Freiheit der Behandlung, im Vergleich mit mancher anderen
flüchtigen Federzeichnung des Meisters, durch die ungemein sorgfältige
Ausführung begründet finden, da man Aehnliches manchmal bei den
besonders ausgeführten Zeichnungen und Gemälden Dürer’s wahrnimmt.
2. Eine sehr schöne Federzeichnung auf weißem Papier vom Jahre 1510.
Links ist Christus am Kreuze, in der Mitte Christus als Schmerzensmann
stehend, und rechts ein knieender Ritter in voller Rüstung dargestellt,
dessen Helm vor ihm am Boden liegt.
3. Die eben so geistreiche als ausdrucksvolle Studie einer schlafenden
Frau mit wenigen Strichen der Rohrfeder auf Papier gebracht.
4. Ein sehr eigenthümlicher männlicher Portraitkopf mit Kohle, auf die
gewohnte Weise gezeichnet.
Der aufblickende Mannskopf auf sehr blau grundirtem Papier, mit der
Feder gezeichnet und weiß gehöhet, scheint mir eine Wiederholung
ähnlicher Zeichnungen in den Sammlungen des Erzherzogs Albrecht in Wien
und des British Museums von nicht zweifelloser Autorschaft zu sein.
=ad 15.= In dem den Fremden nicht immer zugänglichen Sitzungszimmer der
=Academia alla Carita= zu =Venedig=, in welchem die köstlichen
Zeichnungen aus Raphaels Skizzenbuche aufbewahrt werden, wird man durch
zwei schöne Federzeichnungen von Albrecht Dürer überrascht.
Beides sind frei behandelte Entwürfe von dem Jahre 1514, welche die
Jungfrau mit dem Kinde darstellen. Auf dem einen sitzt die Jungfrau in
einer Landschaft auf einer Rasenbank, auf dem andern auf einem Stuhl.
=ad 16.= Die herrliche Sammlung der =Ambrosianischen Bibliothek= in
=Mailand= bewahrt, neben den köstlichsten Zeichnungen von Lionardo,
Luini u.s.w. auch 14 Zeichnungen von Albrecht Dürer, wovon der größere
Theil mit der Feder gezeichnet ist, als
1. Die Himmelfahrt Maria, Entwurf zu dem Holzschnitt aus »unser
Frauenleben«, B. 94, jedoch mit Abweichungen.
2. Die Dreifaltigkeit, herrliche Zeichnung vom Jahre 1515, kleiner als
der Holzschnitt B. 122, in der Composition aber ihm ähnlich.
3. Eine Verspottung Christi.
4. Eine Geisselung Christi.
5. Christus betet am Oelberge. -- Diese drei letzteren Darstellungen
weichen von den bekannten ähnlichen in Dürer’s Passionen ab.
6. Saul, welcher die Philister mit dem Eselskinnbacken erschlägt, vom
Jahre 1510.
7. Eine Landschaft mit einem Schloß auf einem Berge, bezeichnet 1516.
8. Ein Reuter mit Pfeil und Bogen, colorirte Zeichnung vom Jahre 1517.
9. Ein Sarazene zu Pferde mit Pfeil und Bogen.
10. Eine Nürnberger Hausfrau.
11. Ein junges artiges vom Markt kommendes Mädchen mit einem Korb voll
Eier, welches sich lächelnd von einem alten Mann umfassen läßt.
12. Ein Papagei in Farben, bezeichnet mit der Jahrszahl 1515.
13. Eine kahlere Landschaft, links mit schroffen Felsen. Diese Zeichnung
ist nicht bedeutend und möchte vielleicht zweifelhaft sein.
14. Ein großer aufblickender Engelskopf auf blau grundirtem Papier vom
Jahre 1521 in Kreide gezeichnet und schraffirt. Er erinnert im Ausdruck
sehr an den einen von Sadler in Kupfer gestochenen aufblickenden
Engelskopf. --
=ad 17.= In dem neu eingerichteten =Kupferstich-Cabinet= auf der Festung
von =Coburg= ist die hervorragend schöne Kreidezeichnung der Anna
Kehlingerinn im Brustbilde. Sie ist leider etwas angegriffen, gehört
sonst unbedingt zu den vorzüglichsten Portraitzeichnungen Dürer’s.
=ad 18.= Das Herzogliche =Museum= in =Braunschweig= hat eine große
Sammlung alter Handzeichnungen, welche, nur während der Sommermonate
zugänglich, den Kunstfreunden fast gänzlich unbekannt sind.
Unter den altdeutschen befinden sich mehrere dem Albrecht Dürer
zugeschriebene Blätter. Schön ist davon der Portraitkopf eines alten
Mannes in Kreide, sowie eine ausserordentlich feine Federzeichnung zu
dem Werke »von menschlicher Proportion«, eine männliche Figur von vorn
und von der Seite gesehen darstellend, auf schraffirtem Grunde und mit
der Jahrszahl 1512 bezeichnet, welche beide der berüchtigte Denon seiner
Zeit der Entführung nach Paris werth hielt, von wo sie erst im Jahre
1815 zurückgekommen sind.
=ad 19.= Auf der =Bibliothek= der Universität =Erlangen= ist erst seit
Kurzem durch die Sorgfalt des gegenwärtigen Bibliothekars Professor
Rössler ein bis dahin ganz unbekannt gewesener eben so zahlreicher als
kostbarer Schatz von Handzeichnungen der berühmtesten altdeutschen
Meister, welche seit 1679 in dem Cabinet der Markgrafen von Anspach
gewesen, hervorgezogen und den Kunstfreunden zugänglich geworden. Unter
diesen befinden sich auch 22 Zeichnungen Albrecht Dürer’s[81], nämlich:
1. Das Bildniß des Kaisers Maximilian[82] in Wasserfarben, hoch 7 Zoll 9
Linien, breit 5 Zoll 8 Linien.
2. Das Brustbild eines bärtigen Mannes, Federzeichnung auf blauem
Grunde, hoch 7 Zoll 1 Linie, breit 5 Zoll 9 Linien.
3. Die Gefangennehmung Christi, sehr feine und sorgfältige
Federzeichnung, hoch 6 Zoll 6 Linien, breit 5 Zoll 7 Linien.
4. Die Liebes-Anerbietung, Federzeichnung auf rothem Grunde mit der
Jahrszahl 1503, ähnlich dem Kupferstiche Dürer’s, B. 93, hoch 5 Zoll 9
Linien, breit 5 Zoll 6 Linien.
5. Der sitzende Ecce homo in Wasserfarben, hoch 8 Zoll, breit 5 Zoll 9
Linien.
(Der von Heller, pag. 843, Nr. 25, beschriebene Stich des Theodor Krüger
vom Jahre 1614 scheint nach dieser Zeichnung gearbeitet.)
6. Brustbild eines jungen Mannes, weiß gehöhete Zeichnung in bläulich
grauer Wasserfarbe, hoch 12 Zoll 7 Linien, breit 9 Zoll 7 Linien.
Das Monogramm Dürer’s steht links unten und nach einer alten
schriftlichen Bemerkung auf der Rückseite, ist es eine von unserm
Meister gezeichnete Copie nach Titian.
7. Ein weiblicher nach links gewandter Kopf mit halb geschlossenen Augen
in bläulich grauer Wasserfarbe, wie die vorhergehende Zeichnung, hoch 5
Zoll 10 Linien, breit 5 Zoll 4 Linien.
8. Christus am Oelberge, weiß gehöhete Federzeichnung auf braunem
Grunde, vom Jahre 1508, hoch 7 Zoll 7 Linien, breit 4 Zoll 10 Linien.
9. Maria mit dem Kinde an der Brust, auf einem Tische rechts liegt ein
Nagel. Zeichnung mit Kreide und Feder auf gelblichem Papier, hoch 14
Zoll 2 Linien, breit 11 Zoll 4 Linien.
10. Die Jungfrau sitzend, das gewickelte Kind an den Mund drückend.
Federzeichnung, fast nur in Umrissen, hoch 11 Zoll 3 Linien, breit 7
Zoll 8 Linien.
11. Die Geburt Christi. Links die Hirten, rechts tritt Joseph mit einer
Laterne durch die Thür einer verfallenen Mauer, ausgeführte
Federzeichnung, hoch 7 Zoll, breit 6 Zoll 2 Linien.
12. Die Geisselung Christi, leichte Federzeichnung vom Jahre 1523, hoch
10 Zoll 7 Linien, breit 5 Zoll 10 Linien.
13. Die Verspottung Christi, Gegenstück der vorigen, von gleicher Größe
und gleicher Behandlung, vom Jahre 1524.
14. Die Marter einer Heiligen, fleißige Federzeichnung vom Jahre 1503,
hoch 7 Zoll 4 Linien, breit 5 Zoll 10 Linien.
15. Die Marter derselben Heiligen, Gegenstück der vorigen, und gleich in
Größe und Behandlung, vom Jahre 1503.
16. Die heilige Catharina sitzend, hoch 10 Zoll 3 Linien, breit 6 Zoll 2
Linien.
Auf der Rückseite des Blattes ist eine Kreidezeichnung, welche eine
sitzende Heilige mit einem Einhorn darstellt.
17. Der heilige Christoph mit dem Christkinde, leichte Federzeichnung,
hoch 7 Zoll, breit 4 Zoll 2 Linien, auf der Rückseite befindet sich die
Jahrszahl 1508.
18. Der heilige Hieronymus im bischöflichen Ornat sitzt am Pulte vor
einem mit aufgeschlagenen Büchern belegten Tische. Leicht getuschte
Federzeichnung von geschweifter ovaler Form, hoch 12 Zoll 4 Linien,
breit 11 Zoll 6 Linien. Der Rand ist mit abentheuerlichen Thier- und
Pflanzengestalten verziert.
19. Ein Bischof mit einem Stabe, Gürtelbild, von Säulen umschlossen.
Rechts eine nackte Frau mit einer Geige, links ein gehörnter Mann mit
einer Sackpfeife. Sorgfältig ausgeführte Federzeichnung, hoch 6 Zoll 7
Linien, breit 7 Zoll 9 Linien.
20. St. Georg zu Pferde, in voller Rüstung mit entblöstem Schwerte dem
Drachen entgegenspringend. Federzeichnung vom Jahre 1513, hoch 3 Zoll 10
Linien, breit 5 Zoll 9 Linien.
21. Männliche Figur zu dem Werke »von menschlicher Proportion«, auf
beiden Seiten des Blattes gezeichnet, mit Maßen und Zahlen,
Federzeichnung, hoch 8 Zoll 11 Linien, breit 3 Zoll 5 Linien.