Linien, breit 4 Zoll 8 Linien.
* * * * *
Was nun das Material betrifft, dessen Dürer sich zu seinen Zeichnungen
bediente, so ist solches von der verschiedensten Beschaffenheit und der
großen Mannichfaltigkeit der Behandlung entsprechend, welche derselbe
bei seinen Entwürfen, Studien oder ausgeführten Zeichnungen in Anwendung
brachte.
Einzelne mit höchster Sorgfalt beendigte Zeichnungen, namentlich die in
Farben ausgeführten köstlichen Abbildungen von Pflanzen, Blumen und
Thieren, sind auf einem feinen Pergament.
Zu den mit einem Metallstift (in Dürer’s Tagebuch Stefft genannt)
gearbeiteten, oft besonders schönen und feinen Zeichnungen, verwandte er
ein starkes präparirtes Papier (nicht, wie Heller erwähnt, Pergament),
welches etwas ins röthliche scheint und dessen Drathstriche gewöhnlich
einen Abstand von 12¾ Linien haben.
Der größere Theil der auf uns gekommenen Zeichnungen dieser Art, deren
Striche häufig eine grünliche Farbe haben, rührt augenscheinlich aus
einem Skizzenbuche in Querformat von mäßiger Größe her, welches unser
Meister auf seiner Reise nach den Niederlanden benutzte: um das ihm
besonders merkwürdige von Gegenden, Gebäuden, Thieren und sonstigen
Gegenständen, auch einzelne kleine Bildnisse, hinein zu zeichnen. Manche
Blätter sind auf beiden Seiten zu Zeichnungen benutzt, diese nicht immer
mit dem Monogramm versehen, doch ist die Hand Dürer’s unverkennbar.
Die sonstigen leichten Entwürfe und Federzeichnungen findet man häufig
auf einem weißen, sehr festen, fast rauhen Papier, dessen Dürer sich
auch zu seinen Handschriften bediente. Das Format desselben ist klein
Folio und der zusammen geschlagene Bogen mißt in der Höhe 10¼ bis 11, in
der Breite 7½ Zoll. Man sieht darin die Wasserzeichen eines Cardinalhuts
und eines Einhorns, wie solche bei Sotheby[83] auf Platte U, Nr. 74, und
Platte Y, Nr. 82, abgebildet sind, oder einer dreizackigen Gabel, Nr.
32^a. Letzteres kommt sehr häufig vor und schon in den Jahren 1507 und
1508.
Sonst verwandte Dürer zu seinen Federzeichnungen manche der bei dessen
Kupferstichen oder Holzschnitten vorkommenden Papiere, namentlich
diejenigen mit den Wasserzeichen
des Ochsenkopfes Nr. 1 und 2,
des gothischen ~P~ Nr. 3, dieses noch 1521,
der hohen Krone Nr. 4 und 21,
des Ankers im Kreise Nr. 7,
der Wage im Kreise Nr. 22,
des Kruges mit Henkel Nr. 10,
des Wappens mit den Lilien Nr. 11, dieses jedoch erst in den
letzten Lebensjahren 1525, 1526 und 1528,
des stehenden Hundes Nr. 13,
der kleinen hohen Krone Nr. 36, letzteres nicht vor 1523.
Einzeln trifft man auch sonst ungewöhnliche Wasserzeichen, als: eine
Krone mit Strich und dreieckter Spitze darunter, ein Rad mit gekrümmten
Zacken, eine gekrönte Schlange; ein einziges Mal habe ich auch das
Wappen von Augsburg, Nr. 18, angetroffen.
Bei den zahlreichen größeren Portrait-Skizzen in Kohle und Kreide,
welche von Dürer’s niederländischer Reise herstammen, findet man in den
Papieren vorzugsweise das Wasserzeichen der hohen Krone, Nr. 4, jedoch
auch des Ankers im Kreise, Nr. 7, und des stehenden Hundes, Nr. 13.
Zu den ausgeführten, oft angetuschten und weiß gehöheten Studien und
Zeichnungen verwandte Dürer Papier mit farbigem Grunde.
Während seines Aufenthaltes in Venedig in den Jahren 1506 und 1507
gebrauchte er dazu ausschließlich ein blau _geschöpftes_ Papier, welches
als Wasserzeichen den Anker im Kreise hat und auch von gleichzeitigen
italienischen Künstlern benutzt zu werden pflegte[84]. Es ist dasselbe,
auf welchem später Antonio da Trento seine Holzschnitte in Clair obscur
abdruckte.
Dieses Papier trifft man bei Dürer vor oder nach der italienischen Reise
niemals, und er gebrauchte sonst zu solchen Zeichnungen ein besonders
starkes weißes Papier, in dem man oft das Wasserzeichen der hohen Krone
sieht, und welches er auf einer Seite mit einem grauen, bläulichen,
grünlichen oder schwarzen, zuweilen auch mit einem rothen oder
bräunlichen Farbengrunde überzog. --
Abbildungen
[Illustration]
[Illustration]
[Illustration]
[Illustration]
[Illustration]
[Illustration]
[Illustration]
[Illustration]
FUSSNOTEN:
[68] S. The Lawrence Gallerie eight Exhibition, London 1836.
[69] S. Heller, Leben u.s.w. von Albrecht Dürer, 2. Theil, pag. 48.
[70] S. Passavant’s Kunstreise durch England, pag. 232.
[71] S. Dr. Nagler’s Monogrammisten, 3. Heft, pag. 103.
[72] S. Campe’s Reliquien.
[73] Heller, pag. 82, Nr. 46.
[74] John Jackson sucht in seinem »Treatise of wood engraving,« London
1839, pag. 285, durch dieses Portrait zu beweisen, wie verbreitet damals
die Kunst des Holzschneidens gewesen.
[75] S.w.u. die Dürer’schen Federstudien auf der Königlichen Bibliothek
zu Dresden.
[76] Der zuletzt verzeichnete »Maister Hans Voltz Parbierer.«
[77] Siehe »The Lawrence Gallerie eight Exhibition. London 1836, pag. 8.
[78] Siehe Campens Reliquien. Nürnberg 1828, pag. 124.
[79] Neuerdings hat der Herr Inspector Becker zu Würzburg im
Naumann’schen Archiv für die zeichnenden Künste, 4. Jahrgang, 1. Heft,
pag. 21, auf diese Zeichnungen aufmerksam gemacht.
[80] Albrecht Dürer und seine Kunst, von Dr. G.C. Nagler, München 1837,
pag. 57.
[81] Diese Notizen verdanke ich der besonderen Gefälligkeit des Herrn
Professors Rössler, da ich durch ungünstige Zufälligkeiten bisher
verhindert gewesen bin, den kostbaren Schatz von Zeichnungen selbst
kennen zu lernen.
[82] Vgl. Dr. A. von Eye, Leben und Wirken Albrecht Dürer’s, pag. 387.
[83] The Typography of the fifteenth Century. London 1845.
[84] Dürer’sche Zeichnungen auf diesem Papier sind namentlich:
In der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien; Heller, pag. 98, Nr.
86, 93, 94, 100, 101 und 107 vom Jahre 1506; Nr. 59 vom Jahre 1507.
In der Kunsthalle zu Bremen; Heller, pag. 122; Nr. 8 und 11 vom Jahre
1506.
In der Sammlung des Verfassers; drei vom Jahre 1506, wovon 2 früher in
der Sammlung des Sir Thomas Lawrence in London, eine in der des
Professors Böhm in Wien waren.
* * * * *
Anmerkungen zur Transkription
Das Inhaltsverzeichnis und die Überschrift »Abbildungen« vor den
Wasserzeichenillustrationen wurden dem Originaltext hinzugefügt.
Auf Seite 39 sind die Buchstaben HN über M. ohne Trennzeile gedruckt.
Die Zeile »2. „ Et vidi alteꝝ angelum.« auf Seite 55 beinhaltet die
Schriftsetzerabkürzung »rum«.
Folgendes ist im Text uneinheitlich benutzt:
semi-gothischen und semigothischen
Printroom und Print-room
Carità und Carita
Irrthümer und Irthümer
brieffmaler und Brieffmaler
zirkel, zirckel und Zirckel
Folgende Fehler in Orthografie und Zeichensetzung wurden geändert:
S. 9 »funfzehnten Jahrhunderts« geändert zu »fünfzehnten Jahrhunderts«
S. 12 Komma geändert zu Punkt (»Jahre 1509, B. 9,«)
S. 13 »im Besize« geändert zu »im Besitze«
S. 16 »weis und fest« geändert zu »weiss und fest«
S. 26 »wenig adgedruckt« geändert zu »wenig abgedruckt«
S. 28 »kräfigsten« geändert zu »kräftigsten«
S. 28 »13 Linen Entfernung« geändert zu »13 Linien Entfernung«
S. 29 Komma geändert zu Punkt (»die Zeit vor 1500.«)
S. 37 »5straligem« geändert zu »5strahligem«
S. 37 »Glockendon« geändert zu »Glockendom«
S. 40 »Augenhölen« geändert zu »Augenhöhlen«
S. 51 Punkt zum Text hinzugefügt (»Holzstocks ohne Schrift.«)
S. 51 »Ungleicheit der Fläche« geändert zu »Ungleichheit der Fläche«
S. 65 »Christus wird von Pilatus geführt« geändert zu »Christus wird vor
Pilatus geführt«
S. 69 »B. 101 Die Jungfrau« geändert zu »B. 101. Die Jungfrau«
S. 72 Punkt zum Text hinzugefügt (»von Heller, pag. 830«)
S. 77 Punkt zum Text hinzugefügt (»Nagler hat auf pag 203«)
S. 77 (Fußnote) Komma zum Text hinzugefügt (»Dr. v. Eye,«)
S. 82 (Fußnote) »Vergleiche pag 89.« geändert zu »Vergleiche pag. 89.«
S. 86 Komma geändert zu Punkt (»des Güldenmund vollkommen.«)
S. 87 Punkt zum Text hinzugefügt »ausserordentlich selten.«
S. 116 »8 Linien mit dem Menogramm« geändert zu »8 Linien mit dem
Monogramm«
S. 117 »andern Seite lies’t« geändert zu »andern Seite liest«
S. 122 »2. Augabe, Blatt Qiij.« geändert zu »2. Ausgabe, Blatt Qiij.«
S. 127 (Fußnote) Komma zum Text hinzugefügt (»Dr. A. von Eye,«)
S. 129 »Nr. 4 und 21« geändert zu »N. 4 und 21«