16 bis 52, bei weitem das verbreitetste. Es kömmt in sehr verschiedenen
Zuständen vor.
Von dem Ersten Etat, vor der Edition mit Text vom Jahre 1511, giebt es
einzelne Abdrücke von einer bewundernswürdigen Schärfe und Reinheit,
welche auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit doppeltem
Strich, Kreuz und Blume, Nr. 20, oder der hohen Krone, Nr. 21, abgezogen
sind. Bei den frühesten dieser Drucke hat auf der Vertreibung aus dem
Paradiese, B. 18, der Rückgrat der Eva 10 kleine Quer-Schraffirungen,
welche späterhin weggeschnitten sind, bei welcher Gelegenheit auch dem
Strich des Rückgrats bei einer geringen Verkürzung ein besserer Schwung
gegeben ist.[32] Diese Aenderung wurde von Dürer jedenfalls vor der
Herausgabe mit Text bewerkstelligt, indem die Querstriche auf Abdrücken
mit dem Text niemals vorkommen und es auch Drucke des Ersten Etats
giebt, auf denen diese Correktur bereits eingetreten ist.
Von diesem Ersten Etat vor dem Text giebt es einzelne ganze Folgen,
welche ich auf Papier mit der hohen Krone sowohl als auf solchem mit dem
kleinen Reichsapfel mit Stern, Nr. 24^a, angetroffen habe, bei denen
aber immer der Titel, B. 16, fehlt, welcher ohne Text nicht in den
Handel gekommen ist. Dieser eben so tief empfundene als vortrefflich
geschnittene Holzstock, von welchem mir nur _ein einziger Probedruck_ in
dem Musaeo zu Amsterdam bekannt geworden ist, wird daher nur für die
Ausgabe mit Text gearbeitet und nach Beendigung des Drucks derselben
abhanden gekommen sein, während die übrigen Holzstöcke sich zum größten
Theile bis auf die Gegenwart erhalten haben.
Ein merkwürdiges Exemplar dieses ersten Etats befindet sich in dem
Musaeo zu Amsterdam, wo die 36 Holzstöcke zu vier auf einem Papierbogen
gedruckt, noch unzerschnitten erhalten sind. Der Rückgrat der Eva auf B.
18 hat bei diesen Abdrücken noch die Quer-Schraffirungen. Von den 9
Bogen dieses Exemplars haben 2 das Wasserzeichen der hohen Krone, Nr.
21, im Papier, 7 aber dasjenige eines Ankers, Nr. 29, wie er mir sonst
nie vorgekommen ist.
Der Zweite Etat ist die von Dürer im Jahre 1511 mit dem Text des
Chelidonius veranstaltete, sehr verbreitete Ausgabe, welche in
Bibliotheken und einzelnen Sammlungen noch ab und an als gebundenes Buch
mit vollem Rande vorkommt.
Sie ist auf sehr festem, schönem Papier, mit dem Wasserzeichen der hohen
Krone, Nr. 21, und einer Entfernung der Drathrippen von 15 Linien
gedruckt und die Blätter haben unbeschnitten eine Höhe von reichlich 7
und eine Breite von 5¼ Zoll.
Die vollständigen Folgen mit dem echten Titel sind übrigens
ausserordentlich selten, wie denn von den reichen Wiener Sammlungen
diejenige des Erzherzogs Albrecht allein eine solche besitzt und keine
der Münchener Dürer-Sammlungen einen echten Titel aufweisen kann. Man
findet die Abdrücke in Beziehung auf Klarheit merklich verschieden, je
nachdem die Drucker mehr oder weniger Sorgfalt auf die Schwärzung der
Holzstöcke verwendet haben. Heller[33] erwähnt nach Heinecke einer
ersten Ausgabe mit Text, auf deren Titel über dem Holzschnitt die Worte:
Figurae Passionis Domini nostri Jesu Christi
und am Ende:
finit impressum Noribergae 1511
stehen sollen. Ich habe einen solchen Schluß nie zu Gesicht bekommen, er
kann aber nicht echt sein, da bei allen Dürer’schen Werken mit
lateinischem Text steht
»impressum Nurnberge«
niemals
»impressum _Nori_bergae«.
Die obige Ueberschrift, Figurae Passionis etc., findet sich aber auf dem
Titel der ebenfalls von Heller, pag. 605, angeführten sogenannten
Mommard’schen Copien dieser kleinen Passion, der sehr verbreitet ist und
in vielen Sammlungen den echten Titel vertritt. Seine Ueberschrift
lautet genau:
Figurae Pas
sionis domini
nostri Jesu Christi,
und das Papier hat das Wasserzeichen des Wappens von Augsburg.
Diese, überhaupt nicht seltenen Copien kommen auch als Buch gebunden vor
und werden manchmal selbst in öffentlichen Bibliotheken für Originale
ausgegeben.
Bei Bartsch haben sich ebenfalls mancherlei Irrthümer und
Verwechselungen bei den Anmerkungen zu diesem Dürer’schen Werke
eingeschlichen, auch stimmt die von ihm beobachtete Folge der
Holzschnitte nicht mit dem Inhalte des Textes zu denselben überein,
indem nach diesem auf B. 20 die Blätter 22 und 23, und dann 21 und 24
folgen.
Der Titel der Ausgabe mit Text vom Jahr 1511 ist übrigens bei Heller,
pag. 602, wo dieser von der zweiten Ausgabe spricht, richtig angegeben.
Abdrücke eines dritten Etats ohne Text aber später als der Druck des
Textes sind häufig. Die besseren davon haben ein festes stark geripptes
Papier, mit 14 Linien Abstand der Drathstriche. Es giebt auch
vollständige Folgen aller 36 Blätter von B. 17 bis 52, auf einem weichen
Papier, welches das Wasserzeichen der kleinen hohen Krone, Nr. 36, hat,
die aber sowohl dieses Papiers wegen, das zuerst 1527 bei Drucken
Dürer’scher Werke und bei dem Holzschnitt, B. 137, vorkommt, als auch
wegen Mangel an durchgängiger Schärfe und Reinheit des Drucks, erst nach
Dürer’s Tode abgezogen sein werden.[34] Andere geringere Abdrücke haben
ein gelbliches sehr weiches Papier, dessen Drathstriche sich schwer
wahrnehmen lassen.
Ueberhaupt ist eine Classification der verschiedenen Abdrucks-Gattungen
dieser späteren Etats viel schwieriger als bei dem Leben der Jungfrau,
da bei diesen kleineren Blättern nur ausnahmsweise Spuren von
Wasserzeichen zu entdecken sind.
Die lange beisammen gebliebenen 36 Holzstöcke sind bekanntlich später
nach Venedig gewandert, wo Daniel Bissuccio im Jahre 1612 davon eine
Ausgabe mit italienischen Gedichten des Mauritio Mero veranstaltete. Der
Titel dieser höchst seltenen Ausgabe[35] ist bei Heller, pag. 604,
richtig angegeben, das auf demselben befindliche Brustbild Dürer’s ist
eine mittelmäßige verkleinerte Copie des Portraits von Peter Myriginus,
Heller Nr. 73. Es ist rund, 1½ Zoll im Durchmesser und hat die
Umschrift:
Imago Alberti Dureri 1553
Aetatis suae LVI.
Das Buch, dessen auf besonders festen stark gerippten, mit dem
Wasserzeichen des Ankers im Kreise versehenen Papier, gedruckte Blätter
7¼ Zoll hoch und 5¼ Zoll breit sind, enthält complet -- nicht wie Heller
anführt -- 40 sondern 42 Blätter mit den Custoden A bis L.
Die Holzschnitte folgen wie bei der Ausgabe mit lateinischem Text, doch
kommt der Holzschnitt B. 31, Christus wird vor Pilatus geführt, zweimal
vor, das zweitemal zwischen B. 32 und 33.
Die Holzstöcke sind bei dieser Italienischen Ausgabe von den Druckern,
in Beziehung auf das Schwärzen, höchst nachlässig behandelt, daher ist
sie sehr ungleich von Druck, jedoch zeigen die Stöcke im Allgemeinen
noch eine sehr gute Erhaltung.[36] Der größte Theil derselben ist
späterhin nach England gekommen und befindet sich im British Museum,
wodurch die neueste Ausgabe dieser Passion durch Henry Cole,
London 1844, veranlaßt ist, bei welcher der Abdruck mit, von den
Originalholzschnitten genommenen galvanoplastischen Abformungen, und
Ergänzung der fehlenden, namentlich des Titels B. 16, gemacht wurde.
Die übrigen Holzschnitte Dürer’s.
Bei den folgenden Bemerkungen über die einzelnen Holzschnitte unsers
Meisters habe ich, wie bei den Kupferstichen, die von Bartsch
beobachtete Reihenfolge beibehalten, ohne auf die wahrscheinliche oder
durch die Jahrszahlen dargethane Priorität ihrer Vollendung weitere
Rücksicht zu nehmen.
B. 1. Der Tod Abels 1511.
Dieses Blatt gehört zu den großen Seltenheiten. Man findet es zwar in
den meisten öffentlichen, doch nur in sehr wenigen Privat-Sammlungen,
besonders in unversehrtem Zustande. Der Druck ist gewöhnlich scharf und
schön, das Papier sehr fest mit Drathstrichen in einer Entfernung von 13
auch 13¾ Linien. Als Wasserzeichen findet man zwei verbundene Thürme,
Nr. 23.
B. 2. Simson tödtet den Löwen.
Von diesem häufig vorkommenden Holzschnitte sind Abdrücke auf
Papiersorten, welche erweislich von Dürer gebraucht wurden,
ausserordentlich selten.
Zu den besseren der späteren gehören diejenigen auf sehr starkem Papier
ohne kenntliche Drathstriche, mit dem Wasserzeichen des Wappens von
Augsburg. Neuere Abdrücke trifft man oft und soll der Holzstock noch
gegenwärtig in Paris vorhanden sein.
In der Königlichen Kupferstich-Sammlung in Stuttgart befindet sich ein
leider stark beschädigter Probe-Abdruck dieses Holzschnitts von großer
Schärfe, auf welchem das Monogramm Dürer’s noch nicht eingeschnitten
ist.
B. 3. Die Anbetung der Könige. 1511.
Die ersten Abdrücke dieses schönen Holzschnittes haben Papier mit dem
Wasserzeichen der großen hohen Krone, Nr. 21, oder des Ochsenkopfes mit
Kreuz und Blume, Nr. 20. Sie sind ausserdem daran kenntlich, daß
in der Mitte des das Dach tragenden großen Querbalkens, in den
Kreuzschraffirungen nur eine kleine weiße Fehlstelle sichtbar ist,
welche bei den späteren Drucken in einen weißen bis an den Rand des
Holzstocks hinauf reichenden Sprung ausgeht.
Diese späteren Drucke kommen auf den bei dem 3. und 4. Etat des Lebens
der Jungfrau bemerkten Papieren mit den Wasserzeichen Nr. 42 und 45 vor.
B. 53. Das Abendmahl. 1523.
Nicht sehr häufig sind die ersten Drucke mit vier Strichlein in der
Schüssel am Boden. Man findet sie auf Papieren mit dem Wasserzeichen der
hohen Krone, Nr. 21, des Ankers im Kreise, Nr. 30, auch des Ochsenkopfes
mit dem Caducaeus, Nr. 31. Die sogenannten zweiten Drucke mit fünf
Strichlein halte ich für Copien, sie kommen auf Papier mit dem
verzierten ~P~, Nr. 48, vor, die Abdrücke haben häufig Fehlstellen, auch
in der Mitte den Ansatz zu einem Sprunge.
B. 54. Christus im Oelgarten.
Es scheint ein Versuch für die kleine Passion zu sein, welcher unsern
Meister nicht befriedigt hat und durch den Holzschnitt B. 26 so schön
ersetzt ist. Die hier ausgeführte Idee, unsern Heiland im Gebet auf dem
Erdboden ausgestreckt so darzustellen, daß er wie im Vorgefühl seines
Leidens mit seinem Körper und den ausgebreiteten Armen die Form des
Kreuzes beschreibt, ist späterhin von Dürer in einer ausserordentlich
schönen Federzeichnung vom Jahr 1521, welche sich in der Sammlung des
Städel’schen Instituts in Frankfurt a.M. befindet, auf das glücklichste
zur Lösung gekommen.[37]
Der Holzschnitt ist in ganz scharfen reinen Abdrücken sehr selten,
gewöhnlich ist er roh im Druck. Die alten haben ein festes Papier mit
Entfernung der Drathstriche von 13¼ Linien.
B. 55. Christus am Kreuz. 1510.
Von diesem durch Einfachheit des Schnitts ausgezeichneten Blatte,
welches, als fliegendes Blatt, auf den alten Abdrücken mit einer
zweizeiligen Ueberschrift und einem Gedicht in acht Absätzen von je zehn
Zeilen versehen ist, giebt es zwei Abdrucks-Gattungen.
Die erste, welche in Ueberschrift und Versen genau mit der Angabe
Hellers, 2. Bd., pag. 613 bis 616, übereinstimmt, hat Papier mit dem
Wasserzeichen der hohen Krone, Nr. 21.
Die zweiten Abdrücke haben im Papier das Wasserzeichen der liegenden
Urne, Nr. 25^a, mit 12 bis 12½ Linien Entfernung der Drathstriche. Sie
sind ausserdem daran kenntlich, daß in der Ueberschrift statt
»Das sind die syben Tagezeyt«
»Darin Christus auff erden leyt«
zu lesen ist:
»Das sindt die sieben tage zeit«
»Darin Christus auf erdē leit.«
Auch in den Versen kommen ähnliche Abweichungen der Schreibart vor.
B. 56. Christus am Kreuz. 1516.
Die alten nicht häufigen Abdrücke dieses schönen Holzschnitts mit
reicher Randverzierung, von denen man auch einzelne auf Pergament
antrifft, haben auf der Rückseite gedruckt die Titel der Bücher des
alten Testaments von i. Hiob bis xij Malachia[38] und sind auf Papier
mit dem Wasserzeichen des Ankers im Kreise, Nr. 30, und 14 Linien
Entfernung der Drathstriche gedruckt. Die oft vorkommenden neueren
Drucke erkennt man an einem sehr dünnen Papier.
B. 57. Christus am Kreuz, zur Rechten Johannes, welcher die in Ohnmacht
sinkende Jungfrau unterstützt.
Dieses Blatt, von dem es nach Bartsch auch Abdrücke in clair obscur mit
2 Platten giebt, ist so ausserordentlich selten, daß ich über das
Papier, auf welchem solches vorkommt, Auskunft zu geben ausser Stande
bin.
B. 58. Christus am Kreuz, drei Engel fangen das Blut auf.
Die ersten Abdrücke dieses Blattes, ehe der Holzstock durch Ansatz
vergrößert wurde, sind von großer Schönheit und Schärfe, aber
ausserordentlich selten, sie haben ein stark geripptes Papier ohne
Wasserzeichen, mit 18 Linien Entfernung der Drathlinien.[39]
Die großen zweiten Drucke pflegen ein sehr starkes Papier zu haben, in
dem man das Wasserzeichen eines fünfstrahligen Sterns über einer
geschweiften Unterlage, oder einer Lilie in einem gekrönten
Wappenschilde, Nr. 54, letzteres mit einem Abstände der Drathstriche von
13 Linien wahrnimmt. Zuweilen kommt auch der Reichsadler als
Wasserzeichen vor.
B. 59. Der Calvarienberg.
Man erkennt die ersten Drucke dieser reichen Composition daran, daß die
Spitze des Nagels, welcher die rechte Hand des zur Rechten des Erlösers
gekreuzigten Schächers durchbohrt, um etwa zwei Linien durch das Kreuz
hindurchgeht. Diese kommen mit dem Wasserzeichen der Wage im Kreise auch
auf einem festen Papier mit ungleich theils 12 theils 14¼ Linien
abstehenden Drathstrichen vor, dessen Wasserzeichen zwei verbundene
Thürme darstellt.
B. 96. Die heilige Familie. 1511.
Häufig sind die Abdrücke dieses Holzschnittes besonders scharf und
schön, wie überhaupt die in den Jahren 1510 und 1511 geschnittenen
Holzstöcke unsers Meisters sich durch Klarheit und Schärfe auszeichnen.
Das Papier der besten Drucke hat das Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit
Kreuz und Blume, Nr. 20.
B. 97. Die heilige Familie mit dem Zitter spielenden Engel. 1511.
Dieses in alten Drucken schöne und klare Blatt, hat dann Papier mit dem
Wasserzeichen der großen hohen Krone, Nr. 21, des Ochsenkopfes mit
Doppelstrich, Nr. 20, des Reichsapfels mit Stern, Nr. 24, oder des
stehenden Hundes, Nr. 35. Die späteren Drucke sind oft in der Mitte
etwas unrein und an dem Wasserzeichen des doppelten Reichsadlers
kenntlich.
B. 98. Die Jungfrau auf der Rasenbank. 1526.
Als anerkannt von Albrecht Dürer selbst geschnitten und eine der letzten
seiner Arbeiten, hat dieser ausserordentlich seltene Holzschnitt ein
doppeltes Interesse. Das Papier hat eine Entfernung der Drathstriche von
15 Linien und zuweilen das Wasserzeichen eines fünfstrahligen Sterns
über einem Oval, Nr. 34.
Das Meisterliche und doch Milde, welches in Dürer’s, nach seiner
Niederländischen Reise, gearbeiteten Kupferstichen vorherrscht, ist auch
in diesem Holzschnitt unverkennbar.
B. 99. Die heilige Familie mit vier Engeln.
Bartsch führt irrthümlich nur 3 Engel an. Der Schnitt ist etwas roh, und
wahrscheinlich deswegen hat Heller dieses Blatt unter die Zweifelhaften
unsers Meisters gesetzt. Ich glaube, daß dasselbe entschieden von Dürer
herrührt, die Gleichzeitigkeit mit ihm beweisen die alten schönen
Abdrücke, welche Papier mit dem Wasserzeichen der hohen Krone und einen
Abstand der Drathstriche von 15½ Linien haben. Auch ist dieses Blatt von
Marc Anton mit dem Monogramm Dürer’s nachgestochen, woraus hervorgeht,
daß es zu den ältesten Holzschnitten unsres Meisters vor 1506 gehört.
B. 100. Die heilige Familie in einem gewölbten Zimmer.
Selten findet man von diesem Holzschnitt erste, ganz fehlerfreie
Abdrücke auf Papier mit dem Wasserzeichen der Wage im Kreise oder auf
festem Papier mit 14 Linien Entfernung der Drathstriche. Die späteren,
an einer weißen Fehlstelle kenntlich, welche sich an der linken Seite
oben neben der über dem Bogen liegenden Figur befindet, kommen
gewöhnlich mit dem Wasserzeichen des Reichsadlers und 11 Linien
Entfernung zwischen den Drathrippen vor.
B. 101. Die Jungfrau mit dem Apfel in der Hand, von vielen Engeln
verehrt. 1518.
Es ist dieses einer der verbreitetsten Holzschnitte unsers Meisters,
dessen Platte aber sehr bald Sprünge bekommen hat, daher die alten
vollkommen reinen Abdrücke selten sind. Bei diesen findet man das feste
Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit dem Caducaeus, Nr.
31, und einem Abstand der Drathrippen von 12½ Linien, welches früher
nicht vorkommt, später aber bei den Dürer’schen Holzschnitten mehrfache
Anwendung gefunden hat.
Die späteren Abdrücke haben das Wasserzeichen Nr. 44, andre diejenigen
des 3. und 4. Etats des Lebens der Jungfrau, Nr. 42 und 45, auch des
Reichsadlers, sind aber durch immer zahlreichere und größer werdende
Sprünge entstellt.
B. 102. Die Jungfrau mit den Caninchen.
Dieses Blatt ist an sich nicht selten, doch in alten Abdrücken nicht
häufig. Diese sind sehr schön und haben in dem Papier von feiner Masse
das Wasserzeichen des großen Reichsapfels mit Stern, Nr. 24.
B. 103. Der heilige Christoph. 1511.
Bei alten Abdrücken dieses schönen Holzschnittes trifft man das
Wasserzeichen des stehenden Hundes, Nr. 35, spätere Abdrücke, welche bis
auf kleine Aussprünge im Einfassungsrande oben, rein und fehlerfrei
sind, haben ein weißes Papier mit etwas unregelmäßig 11 Linien
entfernten Drathstrichen.
B. 104. Der heilige Christoph mit den Vögeln.
Die älteren Abdrücke dieses nie sehr scharfen Holzschnittes findet man
mit dem Wasserzeichen der Wage im Kreise, des Ochsenkopfes mit dem
Schlangenstabe, oder auf einem Papiere, welches fest, aber nicht von
feiner Masse ist und dessen Drathstriche eine Entfernung von 13 Linien
haben. Vasari erwähnt dieses auch von Marc Anton mit dem Monogramm
Dürer’s nachgestochenen Blattes.
B. 105. Der heilige Christoph. 1525.
Dieser Holzschnitt von sehr hoher und schmaler Form, einer der wenigen,
welche nach Dürer’s Reise in den Niederlanden gearbeitet sind, ist nicht
häufig, besonders selten aber findet man die ersten Abdrücke, bei denen
die Füße im Wasser noch nicht durch den Ansatz eines 2 Zoll hohen
Holzstocks von minder geschickter Hand hinzugefügt sind.
Die guten Abdrücke in ganzer Größe haben ein sehr starkes Papier mit
Entfernung von reichlich 12½ Linien zwischen den Drathstrichen, auch
wohl das Wappen der Stadt Nürnberg, Nr. 41, als Wasserzeichen. Bei
späteren Drucken findet man auch die Wasserzeichen einer Lilie mit Krone
oder des Augsburger Wappen im geschweiften Schilde, Nr. 50.
B. 106. Der heilige Colomann.
Die alten Abdrücke von diesem, bis auf unsre Zeiten wohlerhaltenen, in
Wien befindlichen Holzstock trifft man sehr selten, die neueren erkennt
man, wenn auch wie gewöhnlich die gedruckte Unterschrift weggeschnitten
ist, an den Aussprüngen in dem Einfassungsrande sowohl oben rechts als
unten, auch an einem rauhen übrigens festen Papier mit Drathrippen,
welche durchschnittlich 12 Linien von einander abstehen.
B. 107. Die Heiligen Paulus und Antonius.
Der Gegenstand dieses Blattes ist bisher irrthümlich als der heilige
Elias bezeichnet. Die alten Abdrücke davon zeichnen sich von den neueren
besonders durch Schärfe und Reinheit aus, man findet sie auf Papier mit
dem Wasserzeichen der Wage im Kreise und einem Stern darüber, Nr. 30.
Dürer hatte übrigens die Composition dieses Blattes ursprünglich anders
erdacht, wie ein erhaltener sehr geistreicher Entwurf desselben mit der
Feder von der Gegenseite beweist, welcher sich gegenwärtig in der
Sammlung des Verfassers befindet. --
Dieser Entwurf ist bei etwa gleicher Höhe des Holzschnitts, statt 5 Zoll
4 Linien 8 Zoll 3 Linien breit, und daher die ganze Darstellung nicht so
zusammen gedrängt.
Der heilige Antonius ist knieend mit gegen einander gelegten Händen und
gen Himmel gewandtem Gesicht inbrünstig betend gezeichnet, sein
Kreuzesstab mit der Glocke liegt neben ihm am Boden. Er hat nicht, wie
im Holzschnitt, die Kutte über den Hinterkopf gezogen, sein Mantel und
Hut liegen auf einem Steinsockel hinter ihm. Im Wesentlichen ist sonst
der Entwurf mit dem Holzschnitt übereinstimmend, nur zeigt ein Vergleich
mit diesem auf das schlagendste, wie viel von dem Leben und Geiste,
welches unser Meister in seine Federskizzen zu legen wußte, durch den
Formschnitt verloren gegangen ist, sobald derselbe, wie hier, nicht von
ihm selbst herrührt.
Unten am Rande steht von einer alten Hand, dem Anschein nach aus Dürer’s
Zeit geschrieben:
Dz ist die erste Fißirung
als saines gedanke gewest.
B. 108. Die Heiligen Stephanus, Gregorius und Laurentius.
Die schönen alten Abdrücke haben das Wasserzeichen der Wage oder des
Ankers im Kreise, auch wohl ein festes Papier ohne Wasserzeichen, dessen
Drathstriche 15 Linien von einander abstehen. Vasari bezeichnet den
Gegenstand »S. Sisto Papa, S. Stephano e S. Lorenzo.«
B. 109. Der heilige Stephanus in der Mitte zweier Bischöfe.
Dieser seltene Holzschnitt ist von Heller, pag. 830, Nr. 2233, gewiß mit
Recht unter die dem Dürer irrig zugeschriebenen Blätter gesetzt. Man hat
Abdrücke davon ohne die von Heller angeführten Monogramme, welche indeß
noch nicht -- wie dieser berichtet -- Spuren des Wurmfraßes zeigen.
Das Wasserzeichen des Wappens der Stadt Schrobenhausen, Nr. 15, in ihrem
Papiere deutet indeß auf den Abdruck derselben erst nach Dürer’s Tode.
--
B. 110. Der heilige Franciscus, welcher die Wundenmale empfängt.
Die alten Abdrücke haben ein festes Papier von feiner Masse, dessen
Drathstriche 14 Linien entfernt sind.
B. 111. Der heilige Georg, der den Drachen tödtet.
Von diesem nicht häufigen Blatte erkennt man die ältesten Abdrücke
daran, daß der Einfassungsrand ohne allen Aussprung ist, während man bei
spätern, jedoch noch schönen Abdrücken, kleine Fehlstellen desselben,
sowohl unten als oben wahrnimmt, auch sind kleine Spuren von
Beschädigungen zu beiden Seiten des auf dem Boden liegenden Schädels
sichtbar. Die Papiere der alten Drucke haben das Wasserzeichen der Wage
im Kreise, Nr. 22, auch des Reichsapfels mit Stern.
B. 112. Die Heiligen Johannes und Hieronymus.
Die alten Abdrücke dieses nach der auf dem Nachstiche des Marc Anton
befindlichen Bezeichnung, 1506. A. 1[40], vor der Reise nach Venedig
gearbeiteten Holzschnitts sind sehr scharf und rein, auf Papier mit dem
Wasserzeichen der Wage im Kreise, auch wohl auf einem sehr festen
Papiere, dessen Drathstriche aber nicht wohl zu erkennen sind.
B. 113. Der heilige Hieronymus in einer Felsengrotte. 1512.
Dieses Blatt findet man eben so häufig als verschieden in seinen
Zuständen.
Der gewiß jedem Kunstfreunde unvergeßliche Director des Königl.
Kupferstich-Cabinets in Berlin, Dr. Schorn, bezeichnete im Kunstblatt
vom Jahre 1830, pag. 100, als Merkmal des Original-Holzschnitts, ohne
Jahrszahl: daß zwischen dem längsten der vom Gebirge herabhängenden
Grashalme (richtiger Strauchwerk) und dem Umriß des Gebirges noch ein
ziemlicher Zwischenraum stattfinde, während sonst dieser Halm bis auf
das Gebirge herabreicht. --
Ausser dem Abdruck, mit dieser bezeichneten Verschiedenheit, in Berlin
habe ich ähnliche nur in der Königlichen Sammlung zu Copenhagen, der
Privatsammlung des Königs von Sachsen in Dresden, dem Dürer-Werke der
Ambraser-Sammlung in Wien und einmal im Kunsthandel angetroffen, während
bei den sehr zahlreichen übrigen Abdrücken des keinesweges seltenen
Blattes, der längste Zweig des herabhängenden Strauchwerks immer den
Umriß des Gebirges berührt. --
Das übrige der beiden Abdrucks-Gattungen ist einander sehr ähnlich, doch
zeigt eine Vergleichung: daß sie von zwei verschiedenen Holzstöcken
herrühren, welche indeß einander nicht so sehr in Güte nachstehen, daß
man den einen für eine Copie des anderen halten könnte. Ich zweifle
daher nicht, daß es -- wie bei Dürer mehrfach vorkommt -- ein
zweiter Schnitt nach derselben Zeichnung ist. Bei dem Abdruck der
Ambraser-Sammlung scheint das Monogramm erst später aufgedruckt.
Der erste Schnitt ist auch als fliegendes Blatt gebraucht, und bei dem
Abdruck in Dresden findet sich noch die Schrift rund umher vollständig
erhalten.
Die Ueberschrift in großen semi-gothischen Buchstaben lautet
»Sanctus Hieronymus Strydenensis Theologus.«
Am linken Rande des Blattes ist lateinischer Text; der deutsche am
rechten Rande fängt an: