Warum fällt denn nicht --

Warum fällt denn nicht die Sonne, Herr, aus deiner Hand?

Warum stürzen nicht im Strom der Falten

Weithin klirrend die Gestirne nieder?

Warum zittern nicht die fluchverwiesnen Erden,

Dunkeln blutbeströmt beschämte Monde nicht?

Warum welken nicht, vom Aschenatem angeweht,

Bäume, Gräser, wie vom Wurzelwurm zernagt?

Warum lodert nicht der Liebe Kuß verzehrend

Flammend auf?

Warum dorrt die Frucht im Kelch der Frauen nicht?

Warum stirbt denn nicht im Tröstermund dein Gotteswort?

Gott der Wüsten, du bist überlistet!

Hast du nicht die sieben Farben einst ans Firmament gesetzt,

Kündend, daß die Flut nie wiederkehre! --

Doch es war nicht ausgemacht, ob Wassers, ob des Bluts,

Und wir haben dich mit unserm Blut betrogen, Herr!

Sieh, aus Flüssen, aus Kanälen quillt's,

Aus den Ritzen des Planeten wie aus dorngekröntem Haupt!

Denn gespiegelt sieht, o Herr, dein Ebenbild

Lauernd Mensch im andern und sein Haß auf dich

Treibt verwirrten Triebes splitternd zu zerschlagen

Jenen Spiegel, fortzuscheuchen

Schreckendes Phantom.

O er trug ja welke Last des Daseins lang auf Schultern,

Tempelschüler war er aller abgelebten Alter,

Ward gelangweilt, ach, mit deiner Götzen

Pfauenäugig bunter, ungezählter Schar,

Ward von jedem grauen Wahn in Schlangenkreisen

Tausend Jahre lang umhergenarrt.

Hoch auf Wolken türme sich, o Gott, dein nah Gericht!

Wehe Völker recken tausend Arme

Brünstig deinem flammennahen Blitz entgegen,

Gieren Nacht und Tag um Gnade der Zerstörung,

Auszutilgen, was sich selbst mit Gram belud,

Auszurotten, was sich selbst sein Gift gebar,

Auszulöschen, was sein eignes Fleisch geschändet.

Schall des Endes, wenn erhobene Posaunen

Aus vier Winden letzten Gang verkünden:

Töne bald und breche berstend in den Chor

Dröhnenden Gemordes, ins Gebraus

Dunklen Blutes, das an Säulen brandet

Morschen Tempels

Totgeglaubten Gotts.

Gedichte(#52219) · 第 22 / 30 题