Erde -- o Erde

Erde, o Erde,

Wer hieß uns wandeln auf Blutäckern, auf Leichengefild,

Wer hat uns zum Dünger bestellt

Für Saatfrucht des Morgen, die eigenem Samen entsprießt?

Zackiger Flügelschlag des Drachen

Und sein Doppelstrahl aus goldenen Nüstern,

Purpurbeschlagener Rachen des Löwen und Tigersprung,

Schillernd herkriechende Schlangennähe und Ebers Zahn,

Brüllende Zorngiere gehörnter Ure, Auswurf verschmitzten Lamas

Und plattfüßig gewälzte Wucht der Bäre,

Und Stachel und Biß und Hieb und Hinterhalt,

Wurf, Stich, Überfall, Angriff -- Erde, o Erde:

So drohet die Geste, mit der du dich gegen uns Schollensöhne

erhobst,

So sengt, brennt, giftet das Kleid deiner Feindschaft,

So zündet der Glanz deines Harnischs, in Bilder der Angst zerträumt.

Heillosestes Bild, du bist es uns -- Mensch! -- --

Da schält uns Sonne aus Mitleidshüllen des Schlafs

Und zieht uns im Strahlglanz aufs Festland der üppigsten Schlacht.

Von Wunden löst sie das leichthin getrocknete Siegel

Und zahllos -- im Bogen gekreuzt --

Ergießt sich heiliger Springquell des Bluts.

Erde, o Erde,

Wo retten wir hin

Ärmliches Unsgehören des Schlafs?

O nähme Wipfel der Esche uns auf,

Daß Sterne fielen in heiter beruhigten Traum

O bettete See uns kühl, wo hoch die Glocken

Aus Türmen läuten im grünen und goldenen Strom,

O schliefen wir fort an Brüsten der seligsten Frau,

Von Kindheitsliedern unendlich gewiegt! --

Doch sollen wir träumens noch wissen,

Wie grimmig wir tags uns mähten

Zu Dünger -- zu Speise des Kots.

Aus Tiefen grellt auf

Funke gezückten Schwerts.

Schlachtlärm tost in der heulenden Schnecke des Ohrs

In Augen bricht nieder

Stützen von Leibern quer weg über Lanzen

Und Rücklingsbäumen von Pferden mit schmerzhaft geblecktem Gebiß.

Erde, o Erde!

Blut ist dein Trank,

Fleisch ist hehre Speise deinem Mund.

Dein Glanz, das Weltall durchdämmernd,

Ist Glanz der Schwerter, geschwungen von Menschenhand.

Dein Brausen auf blauer Sonnenbahn

Ist Donner der niebeendeten Schlacht.

Im Säulendrehn dein goldener Himmelsrauch

Ist Opfergruß des getränkten Altars.

Gedichte(#52219) · 第 21 / 30 题