Abends wissen wir, wenn jach das erste Viertel
Kalten Monds im Oberlichte reift,
Wenn um silberisch Gewand den Sternengürtel
Naher Abend zart mit Händen streift,
Daß der Adler nun sein Nest
Giererwacht, die Nacht auf Schwingen,
Nacht zu bringen,
Flügelgroß verläßt.
Leises Rollen wie bei düstern Nachtgewittern
Kündet, daß der fremde Vogel naht.
Diesen Kranken dann befällt ein heftig Zittern
Und er rüstet sich zur schwersten Tat,
Atmet hart; und fast erstickt
Ruft er Hilfe, wehrt mit Händen,
Abzuwenden
Unheil, blind geschickt.
Durch geschlossene Fenster, schmal durch Schloß und Riegel,
Sichtbar nur dem heißen Fiebertraum,
Schlägt's wie Schwefelflammen, bricht's wie Aschenflügel,
Spreitet sich wie Fächer, Krone, Baum,
Stürzt dem Kranken auf die Brust,
Krallt sich fest mit krummen Klauen,
Hell in blauen
Augen thront die Lust
Mit dem Schnabel dieses Kranken Fleisch zu spalten.
Eine Sichel bohrt sich tief hinein,
Wühlt hinab; das Herz in zuckenden Gewalten
Blutet Funken, sprüht wie Feuerstein.
Sieben Stunden währt die Not
Und den Kranken hört man stöhnen,
Gott verhöhnen
Und er liegt wie tot.
Heiße Tränen seh ich ihn aufs Kissen weinen,
Das ihn wie ein Felsgeklüft umfängt,
Und wir andern um sein Lager, Kinder, scheinen
Steinernes Gebirg, das ihn bedrängt
Und so wie Gebirge schweigt,
Da wir ganz in Schmerz erstarrten,
Zählen, warten,
Bis der Morgen steigt.
Unsre Blicke bohren sich ins Fensterdunkel,
Unsre Blicke suchen morgenwärts.
»Endigt, Venus, endigt nicht dein Lichtgefunkel?
Findet Ruhe endlich nicht dies Herz?«
Und ins Licht noch ganz versteckt,
Mündet Glanz der blassern Sterne.
Wolkenferne
Kühn der Tag sich reckt.
Ragt empor als Held mit goldenem Schild und Bogen,
Ist im Sonnenkahn herbeigeschifft.
Durch den Dämmer klirrend kommt ein Pfeil geflogen,
Der durchs Fenster kühn den Vogel trifft.
Lauter Jammer ist verweht,
Selbst der Kranke atmet Wonne
Bringt dir, Sonne,
Froh sein Dankgebet.