Lied

Sie sind im Licht der Tagessonne

Der Leiber zwei, der Seelen zwei,

Sie streben sonder Wort und Wonne

In weiten Kreisen sich vorbei.

Er zieht mit jedem roten Morgen

Die wachen Pfade streng hinauf;

Im Köcher ist der Pfeil geborgen,

Es ruht die Hand an Schwertes Knauf.

Des Weibes Tag ist stiller Wandel

Der Sonne um umlaubtes Haus,

Ein ferner, süßer Duft von Sandel,

An seinem Weg ein Blütenstrauß.

Doch mit der Sonne Lichtvergluten

Fällt beider Kreis aus ihrer Kraft

Und dunkel muß zusammenfluten,

Was tags sein Einzelsein erschafft.

Baum, Strauch und Turm zerfließt ins Schweigen,

Der Strom verebbt im weiten Tal;

Der Himmelszeichen goldner Reigen

Geht ein in diesen Sternensaal.

Nichts will nun beide mehr umragen,

Ein Grauen zwingt den Mann zum Weib.

Von eines Odems Maß getragen,

Durchblüht die Nacht ein Sein, ein Leib.

Gedichte(#52219) · 第 11 / 30 题