Aus „Altes und Neues“. 1873. (Zu Seite 94.)]

An freudigen und ernsten Ereignissen in der Familie nahm Richter

herzlichsten Anteil. 1880 und 1881 griff der Tod mit rauher Hand in ein

stilles, glückliches Familienleben ein: drei blühende Urenkel fielen

tückischen Krankheiten zum Opfer; er war auch hier in Tagen schwerster

Prüfung und Heimsuchung, die so plötzlich hereinbrachen, durch sein

unerschütterliches „Wie Gott will!“ eine rechte Stütze und wußte die

zerschlagenen Elternherzen aufzurichten. In solchen Zeiten schwerer

Sorgen schreibt er aus Boll am 18. Mai 1880: „Zunächst möchte ich gern

wissen, wie es Euch ergeht? Hoffentlich zieht die dunkle Wolke nun

vorüber, Ihr armen Schwergeprüften! -- Grüße zunächst Deine Frau Gretel

und die beiden Kinder; die Geschwister haben ihr Pfingsten in der

‚Oberen Gemeinde‘ gefeiert, gewiß recht selig und in Jubel. Die Tränen

sind nur hier zu Hause. Gott sei mit Euch.“

Schon in Rom hatte Richter eifrig den Gottesdienst in der

protestantischen Kapelle im preußischen Gesandtschaftspalast aufgesucht

und zu Richard Rothe, dem damaligen Gesandtschaftsprediger, sich

in nahe Verbindung gebracht; sein Intimus Maydell war ein eifriger

Protestant. Nach Deutschland zurückgekehrt, besuchte er fast regelmäßig

die protestantische Kirche und suchte sich an den Predigten zu erbauen,

soviel er konnte. Die in den dreißiger und vierziger Jahren herrschende

Strömung in unserer protestantischen Kirche befriedigte ihn aber

wenig. In Thäters Biographie finden wir vom Jahre 1844 aus Dresden

eine Aufzeichnung, die uns einigermaßen Einblick in die damaligen

kirchlichen Verhältnisse verschafft; sie lautet: „Mit Recht klagt man

über unsere arme Kirche. Hier steht’s schlimm damit. Wir möchten gern

Gottes Wort hören, wenn wir wüßten, wo es gepredigt würde. Doch wir

haben die Bibel und finden darin Trost und Erquickung. Aber in den

Schulen fehlt es ganz. Meine Freunde, Oehme und Richter, berieten sich

erst neulich mit mir, wohin wir unsere Kinder könnten in die Schule

schicken. Wir finden keine, wo der Religionsunterricht von der Art

wäre, wie wir ihn für unsere Kinder wünschen müssen.“

[Illustration: Abb. 181. +Sommer.+ Aus „Bilder und Vignetten“. 1874.

Ludwig Richter · 第 67 / 72 题