An freudigen und ernsten Ereignissen in der Familie nahm Richter
herzlichsten Anteil. 1880 und 1881 griff der Tod mit rauher Hand in ein
stilles, glückliches Familienleben ein: drei blühende Urenkel fielen
tückischen Krankheiten zum Opfer; er war auch hier in Tagen schwerster
Prüfung und Heimsuchung, die so plötzlich hereinbrachen, durch sein
unerschütterliches „Wie Gott will!“ eine rechte Stütze und wußte die
zerschlagenen Elternherzen aufzurichten. In solchen Zeiten schwerer
Sorgen schreibt er aus Boll am 18. Mai 1880: „Zunächst möchte ich gern
wissen, wie es Euch ergeht? Hoffentlich zieht die dunkle Wolke nun
vorüber, Ihr armen Schwergeprüften! -- Grüße zunächst Deine Frau Gretel
und die beiden Kinder; die Geschwister haben ihr Pfingsten in der
‚Oberen Gemeinde‘ gefeiert, gewiß recht selig und in Jubel. Die Tränen
sind nur hier zu Hause. Gott sei mit Euch.“
Schon in Rom hatte Richter eifrig den Gottesdienst in der
protestantischen Kapelle im preußischen Gesandtschaftspalast aufgesucht
und zu Richard Rothe, dem damaligen Gesandtschaftsprediger, sich
in nahe Verbindung gebracht; sein Intimus Maydell war ein eifriger
Protestant. Nach Deutschland zurückgekehrt, besuchte er fast regelmäßig
die protestantische Kirche und suchte sich an den Predigten zu erbauen,
soviel er konnte. Die in den dreißiger und vierziger Jahren herrschende
Strömung in unserer protestantischen Kirche befriedigte ihn aber
wenig. In Thäters Biographie finden wir vom Jahre 1844 aus Dresden
eine Aufzeichnung, die uns einigermaßen Einblick in die damaligen
kirchlichen Verhältnisse verschafft; sie lautet: „Mit Recht klagt man
über unsere arme Kirche. Hier steht’s schlimm damit. Wir möchten gern
Gottes Wort hören, wenn wir wüßten, wo es gepredigt würde. Doch wir
haben die Bibel und finden darin Trost und Erquickung. Aber in den
Schulen fehlt es ganz. Meine Freunde, Oehme und Richter, berieten sich
erst neulich mit mir, wohin wir unsere Kinder könnten in die Schule
schicken. Wir finden keine, wo der Religionsunterricht von der Art
wäre, wie wir ihn für unsere Kinder wünschen müssen.“
[Illustration: Abb. 181. +Sommer.+ Aus „Bilder und Vignetten“. 1874.