Verlag von Alphons Dürr in Leipzig. (Zu Seite 82.)]

Liebe Erinnerungen sind mir zwei Ausflüge, welche die Mitglieder des

Stammtisches unternahmen. Der erste, um die Mitte der siebziger Jahre,

führte über Aussig und Camayk bis Leitmeritz, in die Gegenden, in

welchem ihm, italienkrank, vor vierzig Jahren zum erstenmal wieder die

Augen für die Schönheiten der deutschen, vaterländischen Natur geöffnet

wurden. Wie war unser Meister trotz seiner siebzig und mehr Jahre

frisch und heiter, wie freute er sich, wie lachte ihm das Herz, als er

an der von Eichen umschlossenen „Eiskapelle“ oberhalb Camayk stand, wo

er vor vielen Jahren mit seinen Schülern geweilt, von wo der Blick in

glänzende, zitternde Fernen des schönen gesegneten Böhmerlandes sich

verliert und man den Lauf des silbernen Elbstromes weit, weit verfolgen

kann, wo draußen Burgen und Ruinen, Städte und Dörfer, Felder und

Wälder und schönlinige Bergzüge im Sonnenglanz verschwimmen! Er sah

das schöne Land zum letztenmal, sein Fuß hat es nicht wieder betreten.

Der zweite Ausflug führte nach einer romantisch im Wald liegenden

früheren Besitzung v. Quandts in Dittersbach bei Pirna, in der Peschel

in Lünetten einer Gartenhalle Bilder zum Erlkönig, König von Thule

usw. ~al fresco~ ausgeführt hatte. Diese Besitzung war auch deshalb

noch von besonderem Interesse, weil v. Quandt hier des öfteren die

bedeutendsten Künstler Dresdens, unter diesen auch den hochbedeutenden

Architekten Gottfried Semper, um sich versammelte. Semper teilte

Richard Wagners Schicksal, auch er war in die Dresdener Maiereignisse

von 1849 verwickelt und mußte flüchten. Weitere schöne Erinnerungen

sind mir die Weihnachtsfeste, welche die gesamte vielgliederige Familie

im Hause des Schwiegersohnes Theodor Kretzschmar feierte und denen

ich seit 1873, seitdem ein verwandtschaftliches Verhältnis mich noch

enger mit dem Meister verband, mit beiwohnen zu dürfen das Glück hatte.

Unter dem lichterglänzenden Tannenbaum scharten sich all die Kinder,

Schwiegerkinder und die fröhlichen Enkel und die weiteren Verwandten,

zu denen auch Peschel zählte, um den würdigen, auch in seiner äußeren

Erscheinung wirklich Ehrfurcht gebietenden Senior der Familie. Mit

wieviel Liebe und Güte und Freundlichkeit verkehrte er mit all den

Seinen! Und doch hatte er seinen Kindern und Enkeln gegenüber etwas

Zurückhaltendes, etwas Unnahbares, Reserviertes. In den Zeiten, in

denen er aufgewachsen, war das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern

sehr viel anders als heute gewesen; schon an sich charakteristisch

für diese Zeit war, daß in vielen Familien bis in die sechziger Jahre

Vater und Mutter mit „Sie“ angeredet wurden. In des Meisters Hause

herrschte freilich das „Du“, wenigstens solange ich mich entsinnen

kann. -- Am 9. September 1875 schreibt er aus Wildbad Gastein, das

er seines Nervenleidens wegen wieder sucht: „-- -- Wir haben hier

viel liebe und zum Teil sehr interessante Menschen kennen lernen und

ich bin diesmal fast gewaltsam aus meiner Stille in einen großen

Verkehr gezogen worden. Es fiel mir das oft recht schwer, weil das

Bad meine alten Übel, große Abspannung und Schlaflosigkeit, viel mehr

steigerte als verminderte. Ich hoffe bei alledem einen guten Erfolg.

-- -- -- Hoffentlich sehen wir uns in nächster Woche; denn trotz der

großen Schönheit hiesiger Natur, die ich so leicht nicht vergessen

werde, stellt sich doch die Sehnsucht nach dem lieben Daheim mit den

vertrauten Lieben recht heftig ein.“ --

[Illustration: Abb. 148. +Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich

besuchet.+ Aus dem „Sonntag“. 1861.

(Zu Seite 82.)]

[Illustration: Abb. 149. +Heimkehr vom Lande.+ Aus dem „Sonntag“. 1861.

(Zu Seite 83.)]

[Illustration: Abb. 150. +Heimkehr.+ Aus dem „Sonntag“. 1861. (Zu Seite

83.)]

[Illustration: Abb. 151. +Titelkopf des „Daheim“.+

Nach der Originalzeichnung im Besitz der Verlagshandlung. 1863. (Zu

Seite 84.)]

[Illustration: Abb. 152. +Kleinhandel.+ 1856. Aus „Neuer Strauß fürs

Haus“. 1864.

Ludwig Richter · 第 59 / 72 题