Aus dem Goethe-Album. 1853-1856. (Zu Seite 70.)]

Am 13. November 1870 starb des Meisters alter Freund, der Kupferstecher

Professor Julius Thäter in München, bekannt durch seine Stiche nach den

Camposantokompositionen von Cornelius, nach Schnorrs Freskomalereien

in München, nach Schwinds „Ritter Kurts Brautfahrt“ usw. Das denkbar

innigste Freundschaftsverhältnis, das zwischen beiden Künstlern seit

vielen Dezennien bestand, fand damit seinen Abschluß. Thäter, geboren

in Dresden 7. Januar 1804, wirkte in Dresden, Weimar und München.

Seine Tochter Anna hat seine Selbstbiographie und Briefe unter dem

Titel: „Julius Thäter, das Lebensbild eines deutschen Kupferstechers“

(Frankfurt a. M., Johannes Alt) herausgegeben. Wir finden hier auch

den Briefwechsel zwischen beiden Freunden, aus denen man ersieht, wie

beide Künstler sich verstanden, wie ihre beiderseitigen religiösen

Anschauungen sich deckten und sie durch diese innerlich verbunden waren.

Um 1870 beschäftigte sich Richter mit den ersten Entwürfen zur „Schönen

Melusine“; der Stoff war ihm vertraut von den Volksbüchern her, die er

in den vierziger Jahren illustriert hatte. Nur ein Blatt ist fertig

gezeichnet: die Begegnung Raimunds mit Melusine an der Waldquelle

(Abb. 172). Der Meister ließ dann aber den Plan, diesen romantischen

Stoff in einer Reihe von Bildern zu behandeln, wieder fallen. Möglich,

daß der 1871 in Dresden ausgestellte wundervolle Zyklus zur „Schönen

Melusine“ von Schwind ihn lahm legte, vor allem aber mag die abnehmende

Schaffenskraft und das fortschreitende Augenleiden ihn an der weiteren

Verfolgung des Planes gehindert haben.

[Illustration: Abb. 114. +Der rauhe Herbst kommt wieder.+

Aus „Christenfreude“. 1855.

Ludwig Richter · 第 47 / 72 题