Am 13. November 1870 starb des Meisters alter Freund, der Kupferstecher
Professor Julius Thäter in München, bekannt durch seine Stiche nach den
Camposantokompositionen von Cornelius, nach Schnorrs Freskomalereien
in München, nach Schwinds „Ritter Kurts Brautfahrt“ usw. Das denkbar
innigste Freundschaftsverhältnis, das zwischen beiden Künstlern seit
vielen Dezennien bestand, fand damit seinen Abschluß. Thäter, geboren
in Dresden 7. Januar 1804, wirkte in Dresden, Weimar und München.
Seine Tochter Anna hat seine Selbstbiographie und Briefe unter dem
Titel: „Julius Thäter, das Lebensbild eines deutschen Kupferstechers“
(Frankfurt a. M., Johannes Alt) herausgegeben. Wir finden hier auch
den Briefwechsel zwischen beiden Freunden, aus denen man ersieht, wie
beide Künstler sich verstanden, wie ihre beiderseitigen religiösen
Anschauungen sich deckten und sie durch diese innerlich verbunden waren.
Um 1870 beschäftigte sich Richter mit den ersten Entwürfen zur „Schönen
Melusine“; der Stoff war ihm vertraut von den Volksbüchern her, die er
in den vierziger Jahren illustriert hatte. Nur ein Blatt ist fertig
gezeichnet: die Begegnung Raimunds mit Melusine an der Waldquelle
(Abb. 172). Der Meister ließ dann aber den Plan, diesen romantischen
Stoff in einer Reihe von Bildern zu behandeln, wieder fallen. Möglich,
daß der 1871 in Dresden ausgestellte wundervolle Zyklus zur „Schönen
Melusine“ von Schwind ihn lahm legte, vor allem aber mag die abnehmende
Schaffenskraft und das fortschreitende Augenleiden ihn an der weiteren
Verfolgung des Planes gehindert haben.
[Illustration: Abb. 114. +Der rauhe Herbst kommt wieder.+
Aus „Christenfreude“. 1855.