Aus dem Goethe-Album. 1853-1856. (Zu Seite 69.)]

1867 starb des Meisters alter Freund, der Maler Wilhelm von Kügelgen,

der Verfasser des weit bekannten Buches: „Jugenderinnerungen eines

alten Mannes“, der in treuester, herzlichster Freundschaft seit den

römischen Jugendtagen ihm zugetan war.

1869 erscheint „Gesammeltes“ mit achtzehn Holzschnitten. Ein anmutiges

Schneewittchen eröffnet die Reihe der Bilder, dann folgt die

„Laurenburger Els“ mit dem Knäblein im Arm, aus der „Chronika eines

fahrenden Schülers“ von Clemens Brentano. „Auf dem Berge“ (Abb. 163),

eine Gruppe anmutiger lieblicher Mädchen auf einem Hügel gelagert,

draußen ein herrliches Landschaftsbild mit weiten Fernen über einem

See. Diese Komposition hat er mehreremal in Aquarellen wiederholt, die

sich durch einen besonders feinen Farbenton auszeichnen und zu seinen

vollendetsten Blättern zählen. Eine lustige Kinderszene (Abb. 165)

spielt in blumiger Wiese am Mühlbach. Die Abb. 166 schildert humorvoll

den noch bis zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts in Thüringen

und im übrigen Mitteldeutschland gepflogenen Brauch der Aufzüge der

heiligen drei Könige, zu dem bekannten Goetheschen Liede: „Die heil’gen

drei Könige mit ihrem Stern, sie essen, sie trinken und zahlen nicht

gern.“ Und weiter folgt „Feierabend“ (Abb. 167): Auf der Straße

belustigen sich Kinder mit „Ringel-Ringel-Reihe“, Mütter und Großmütter

erfreuen sich am munteren Spiel der Kleinen. Im Gärtchen ein Mädchen,

Rosen pflückend, im Gespräch mit einem jungen Mann, sicher einem

braven Handwerksmeister. Lange Schatten breiten sich über die tiefer

liegende Stadt; der alte, im Abendsonnenschein glänzende Turm wird

von Turmschwalben umkreist, die Abendglocke läutet. Auch hier tauchen

Erinnerungen an die Meißner Zeit im Meister auf. Es ist ein eigenes

Ding mit Erinnerungen aus der Jugendzeit; Leid und Weh, und seine

Meißner Zeit war für ihn vielfach eine Leidenszeit, verblassen mehr und

mehr, ein rosiger Schimmer verklärt die längst entschwundenen Zeiten.

1869 zeichnete er zu einem zweiten Band von Georg Scherers

„Illustriertem Deutschen Kinderbuch“ neunzehn Blätter für Holzschnitt

und ein Blatt, die „verirrten Kinder“, zu einer Radierung, von L.

Friedrich ausgeführt. Von den Holzschnitten geben wir nur Abb. 168,

eine Variante der bereits früher besprochenen „Herbststimmung“ (Abb.

142). Es existiert aus derselben Zeit von demselben Gegenstand eine

sehr schöne, leicht getönte Zeichnung.

[Illustration: Abb. 112. +Schreiben ist ein geschäftiger Müßiggang.+

Götz von Berlichingen. Aus dem Goethe-Album. 1853-1856.

(Zu Seite 67.)]

Vom 15. Dezember 1868 datiert ist eine auf der Vorder- und Rückseite

bezeichnete Visitenkarte (Abb. 169 und 170). Der Meister war durch

„Hexenschuß“ verhindert, am Stammtisch zu erscheinen; teilnehmend gibt

einer der Genossen an der Tür ein frisches Glas „Echtes“ ab. Gerührt ob

solcher Tat zeichnete er die Karte.

Der alte Freund Richters, der Münzgraveur Krüger, den Heinrich Richter

in den Nachträgen zur Biographie so trefflich charakterisiert, war

ein Feind der Photographie; die Freunde des Stammtisches wünschten

aber ein Bild von diesem originellen Mann zu besitzen. Da zeichnete

Richter das Blatt (Abb. 171), „Den Stammtischgenossen 1870“ gewidmet,

„Die Einsiedler von Loschwitz“ mit Luthers Lied an die Frau Musica. In

der Lünette oben links sitzt lesend der Meister selbst, rechts davon,

seinen Garten bestellend, und drunten, im Stübchen geigend, sehen wir

den Münzgraveur.

Beim Beginn des Wintersemesters 1869 ließ sich der Meister seines

zunehmenden Augenleidens wegen von dem Klassenunterricht an der

Akademie entheben und dieses Amt auf jüngere Schultern legen. Von da ab

leitete er nur noch das Atelier für Landschaftsmalerei.

[Illustration: Abb. 113. +Es war einmal.+ Götz von Berlichingen.

Ludwig Richter · 第 46 / 72 题