Hebels alemannische Gedichte. 1851. (Zu Seite 63.)]

Voller Innigkeit und edler Anmut sind auch die übrigen Bilder, von

denen wir zwei in Nachbildungen nach Handzeichnungen bringen: „Ich

und mein Haus wollen dem Herrn dienen“ (Abb. 115); hier zeichnet der

Meister sich wieder selbst im Kreise der Seinen bei der Hausandacht,

und zu Paul Flemmings herrlichem Liede: „Ein getreues Herz zu wissen,

hat des höchsten Schatzes Preis“; die Abb. 116 ist nach einer späten

Wiederholung aus „Altes und Neues“. Weiter folgen die Holzschnitte

zu Matthias Claudius’ Lied: „Der Mond ist aufgegangen“ (Abb. 117),

zu: „Jesu, komm doch selbst zu mir“ (Abb. 118), zu: „Es kostet viel,

ein Christ zu sein“ (Abb. 119) und zu: „Müde bin ich, geh zur Ruh’“

(Abb. 120). Zur „Christenfreude“ zeichnete auch Julius Schnorr die

schöne Komposition für das Lied: „Jerusalem, du hochgebaute Stadt!“

Unser Meister erzählte oft, wie Schnorr in Rom in der Kapelle der

preußischen Gesandtschaft im Palazzo Caffarelli auf dem Kapitol, damals

der einzigen protestantischen Kirche in der Tiberstadt, mit anderen

jungen Künstlern als Kirchensänger bei den Gottesdiensten mitgewirkt

und als Vorsänger gerade dieses Lied mit so ergreifender Innigkeit und

Gläubigkeit gesungen habe. Diese Komposition malte Schnorr in späten

Jahren noch als sein letztes Ölgemälde.

Auch aus dem Jahre 1855 datiert die Zeichnung: „Kunst bringt Gunst“

(Abb. 121). 1856 zeichnete Richter zu „Das rote Buch, neue Märchen

für mein Kind“, von Julius Stern (Leipzig, Breitkopf & Härtel), ein

Titelblatt, überschrieben „Der Spielengel“, ein überaus ergreifendes

Blatt. Auf den Untersatzbogen der Originalzeichnung hat er geschrieben:

„Der Kindheitsengel besucht den kindisch gewordenen Greis.“ -- Der Alte

lauscht mit ineinander gelegten Händen dem Englein, das ihm ins Ohr

flüstert und nach „oben“ zeigt (Abb. 122). In demselben Jahre erschien

das „Vaterunser“, eine köstliche Folge von neun Holzschnitten. Wir

geben davon drei Blätter: „Geheiliget werde dein Name“ (Abb. 123) --:

Bauersleute gehen am Sonntagmorgen durchs Gärtchen hinaus zur Kirche,

die runden Mädel pflücken sich Rosen, über wogende Kornfelder sieht man

in die lachende Landschaft, in der Höhe schwebt ein Engel mit Glöckchen

und Weihrauchgefäß -- ein liebliches Sonntagsbild, es ist, als hörte

man die Lerchen jubilieren. „Dein Reich komme“ (Abb. 124): Die Mutter

lehrt die Kinder beten, Englein lauschen dazu. Hochromantisch ist die

Komposition „Erlöse uns von dem Übel“ (Abb. 125): Durch das Fensterchen

des engen Stübchens fällt der letzte Strahl der untergehenden

Sonne, eine sterbende Mutter auf ihrem Krankenlager streckt die

Arme verlangend nach der Tür, in der eine lichte Engelsgestalt mit

Wanderstab steht und leise winkt. Die Kinder wehklagen und jammern:

das kleinste schaut den Engel erstaunt, aber auch wie vertraut an, im

dunklen Wald ein einsames Reh. Ein ergreifendes Bild! Das „Vaterunser“

erschien im Verlage des Schwiegersohnes August Gaber und des Sohnes

Heinrich Richter. Später führte Heinrich Richter den Verlag allein,

bis ums Jahr 1873 sein Freund Franz Meyer in diesen mit eintrat. Der

gesamte Verlag ging dann schließlich in den Besitz von Alphons Dürr

in Leipzig über. Heinrich Richter hat (er war ein geistvoller und

außerordentlich belesener Mann, auch von großer musikalischer Begabung)

dem Vater bei der Inszenesetzung neuer Folgen mit Rat und Tat zur Seite

gestanden. Er war es, der Richters Lieblingsidee, „Ein Werk fürs Haus“

zu zeichnen, in die Wege leitete und hat sich um dieses hervorragende

Werk wie um die späteren Veröffentlichungen große Verdienste erworben.

Dieser Kunstverlag wurde für Vater und Sohn die Quelle wechselseitiger

Anregung und befriedigenden Schaffens. Ebenso hat er sich auch um die

Herausgabe der Selbstbiographie seines Vaters sowie der Auszüge aus

den Tagebüchern sehr verdient gemacht. Er war in Meißen am 11. März

1830 geboren, litt seit frühester Jugend an Melancholie und hat daran

schwer zu tragen gehabt. „Durch sein ganzes Leben zieht sich ein Faden

menschlichen Mißlingens.“ Er stand mit vielen hervorragenden Männern

der Kunst und Wissenschaft in Verbindung und suchte sich auf allen

Gebieten der Wissenschaft Kenntnisse zu erwerben, doch sein Innerstes

blieb unbefriedigt, sein Suchen und Ringen dauerte fort, und seine

Seele litt oft sehr. Der wundervolle 47. Psalm „Wie der Hirsch schreiet

nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir. Meine

Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott“ usf. erklang oft in

ihm wieder. Er beschloß sein Erdendasein am 12. Juli 1890 in Bad Boll,

wo er oft und gern, Ruhe und Frieden suchend, verweilte.

1857 erschien „Aus Ludwig Richters Skizzenbuch“. Zwölf Blatt

landschaftliche Studien mit Staffagen, nach den Originalen

lithographiert von Woldemar +Rau+. Die Übertragung auf den Stein durch

fremde Hand hat von der reizvollen Zeichnung viel verloren gehen

lassen. Annähernd aus dieser Zeit stammt das Fragment zum Märchen

„Marienkind“ (Abb. 126).

[Illustration: Abb. 91. Titelbild zu „+Der arme Mann im Toggenburg+“.

1852.

(Zu Seite 63.)]

[Illustration: Abb. 92. +Dornröschen bei der Alten im Turmstübchen.+

Aus Bechsteins Märchenbuch. 1853.

Ludwig Richter · 第 37 / 72 题