[Illustration: Abb. 89. +Der Bettler.+ Hebels alemannische Gedichte.
1851. (Zu Seite 63.)]
1855 erscheint, von seinem Schwiegersohn A. Gaber herausgegeben,
„Die Christenfreude“, eine Sammlung von geistlichen Liedern mit
einundvierzig Bildern von Richter, die übrigen sind von Jul. Schnorr
und Carl Andreä. Der Tod seiner Frau -- sie starb 1854 -- lastete
schwer auf ihm, es weht uns ein schwermütiger Ton aus diesen Bildern
entgegen; innere Anfechtung wechselte in ihm mit gläubigster
Christenhoffnung. Die Liedertexte wählte er selbst, sie sind von
tiefer Glaubensfreudigkeit durchdrungen; dem Maler merkt man die
niedergedrückte Stimmung seiner Seele an: „Es fehlt mir immer etwas,
und ich sehe mich manchmal um, als müßte es von außen kommen, was die
schmerzhafte Lücke im Herzen gemacht hat, und sie wieder heilen; aber
dann besinne ich mich, und der Loschwitzer Friedhof und der noch kahle
Sandhügel steht mir vor Augen. Und da heißt es ‚Glauben‘. Sichtbar ist
der Tod, unsichtbar das Leben geworden,“ so schreibt er am 4. November,
an welchem Tage vor siebenundzwanzig Jahren er seine Auguste zum Altar
führte. Sich selbst zeichnet er in dem Bildchen (Abb. 114) zu dem
melancholischen Herbstlied von Heinrich Albert:
„Der rauhe Herbst kommt wieder:
Jetzt stimm’ ich meine Lieder
In ihren Trauerton,
Die Sommerlust vergehet,
Nichts in der Welt bestehet:
Der Mensch muß endlich selbst davon.“
Auf dem kleinen Friedhof sitzt der tief gebeugte Meister am Grabhügel
seiner Frau. Der Wind weht die letzten Blätter von den Bäumen, am
Himmel steht die feine Sichel des zunehmenden Mondes, ein langer Zug
von Wandervögeln strebt nach dem Süden, Herbstzeitlosen sprossen im
Grase. Das Bildchen ist mit so wenig Strichen, so schlicht und einfach
gezeichnet, und wie berührt es uns innerlichst, wie mitempfindet man
des Meisters wehmütige Stimmung. Es ist tiefpoetischer Volksliederton,
der uns auch hier wie so oft aus seinen Schöpfungen so wohltuend und
sympathisch entgegenklingt.
[Illustration: Abb. 90. +Der Sperling am Fenster.+