Hebels alemannische Gedichte. 1851. (Zu Seite 63.)]

1853-1856 zeichnet er vierzig Blatt zum Goethe-Album. Für Goethe hatte

er stets eine besondere Vorliebe, er hat ihn frühzeitig schätzen

und verstehen gelernt; er reiste selten, ohne einen Band Goethe

„mit im Täschel“ zu haben. Die Bilder zum Goethe-Album sind alle

unvergleichlich schön, und man weiß eigentlich nicht, wo anfangen, um

zu schildern. Wie poetisch ist das Plätzchen, wo’s Liebchen sitzt, in

dem Bilde „Ist sie das?“ Und weiter Schäfers Klagelied: „Da droben

auf jenem Berge“ und Jägers Abendlied: „Im Felde schleich’ ich still

und wild“, das Frühlingsorakel: „Du prophetischer Vogel du“ und der

Schatzgräber: „Holde Augen sah ich blinken“ (Abb. 110). Die Spinnerin:

„Als ich still und ruhig spann“ und Edelknabe und die Müllerin: „Wohin,

wohin? schöne Müllerin?“ und „Junggesell und der Mühlbach“: „Wo willst

du, klares Bächlein, hin so munter?“ Und weiter „Der Müllerin Verrat“,

„Da drang ein Dutzend Anverwandten

herein, ein wahrer Menschenstrom,

da kamen Vettern, guckten Tanten,

es kam ein Bruder und ein Ohm“,

und dann „Der Müllerin Reue“. Wie muten uns diese Bilder so wohltuend

an! Zu den hervorragendsten dieser Bilder gehören die Zeichnungen zu

„Hermann und Dorothea“, von denen wir Abb. 111 bringen: „Und so saß

das trauliche Paar, sich unter dem Torweg über das wandernde Volk mit

mancher Bemerkung ergötzend.“ Es atmet dieses Blatt die friedliche

Stille und Behaglichkeit der kleinen Stadt! Trefflich sind die Bilder

zu „Götz von Berlichingen“: „Schreiben ist ein geschäftiger Müßiggang“

(Abb. 112) und „Es war einmal“ (Abb. 113). Wie lauschig ist das

behagliche Turmstübchen, und von welcher Anmut das Figürchen der Maria!

Wie ist das alles deutsch gedacht und empfunden!

[Illustration: Abb. 88. +Erhalt Gott meinen Friedel.+

Ludwig Richter · 第 35 / 72 题