Aus „Aus der Jugendzeit“. (Zu Seite 54.)]

[Illustration: Abb. 53. +Gestern, Brüder, könnt ihr’s glauben.+

Aus „Alte und neue Studentenlieder“. 1844. Aus „Aus der Jugendzeit“.

(Zu Seite 55.)]

Durch eine sonderbare Fügung -- es bestanden zwischen den Buchhändlern

Arnold in Dresden und G. Wigand in Leipzig Differenzen wegen Nachdrucks

-- wurde Richter mit dem letzteren bekannt. Dieser unternehmungslustige

Verleger beschäftigte Richter sogleich und gab ihm den Auftrag,

zunächst Zeichnungen zum „Malerischen und romantischen Deutschland“

zu liefern. Zuerst mußten die noch fehlenden Blätter zur Sächsischen

Schweiz beschafft werden. Diese Zeichnungen wurden in Stahl gestochen.

Hieran anschließend lieferte Richter dann die trefflichen Zeichnungen

zum Harz 1838, Franken 1840 und zum Riesengebirge 1841. Diese Arbeiten

waren der Übergang zu der reichen Tätigkeit für den Holzschnitt, die er

im Auftrage Wigands entfalten konnte. 1838 bis 1849, in dreiundzwanzig

Bänden, mit einhundertfünfundvierzig Zeichnungen, erschienen auch bei

Otto Wigand, dem Bruder Georg Wigands, die deutschen Volksbücher,

herausgegeben von H. O. Marbach, Geschichte der Griseldis, der edlen

und schönen Melusina, der schönen Magelone, vom Kaiser Oktavian,

von den sieben Schwaben, der Genoveva, von den vier Haymonskindern,

vom gehörnten Siegfried usw. Von letzterem geben wir die Abb. 30

und 32 dazu, um zu zeigen, auf welch niederer Stufe die Technik des

Holzschneidens damals stand, den Holzschnitt von Ritschl (Abb. 31).

1839 radierte er zehn Ansichten merkwürdiger Gegenden in Sachsen für

Arnold; ein Blatt davon, die Lutherlinde im Ringetal, fügen wir bei

(Abb. 33). Auch diese Blätter waren zum Kolorieren bestimmt, deshalb

sind auch hier die Lüfte leer gelassen.

1840 erscheint die „Geschichte des deutschen Volkes“ von Eduard Duller

bei Georg Wigand. Richter zeichnete dazu vierundvierzig Blätter für

Holzschnitt. Wir geben eine Abbildung nach einer köstlichen Zeichnung:

„Luther auf der Wartburg“ (Abb. 34). Der große Reformator sitzt am

Tische in einer Fensternische; die Hände faltend, schaut er nach oben;

er beginnt sein Tagewerk, fleht um Segen und Erleuchtung zu seiner

großen Arbeit, der Übersetzung der Bibel. Ein Strauß Blumen steht

auf dem Tische. Durch das Butzenscheibenfenster scheint die helle

Morgensonne. Ein Fensterflügel ist geöffnet, man atmet die frische,

reine Morgenluft, die von den Bergen des Thüringer Waldes herüberweht,

und ahnt den erquickenden Blick auf die herrlichen Waldungen, welche

die stille Wartburg umgeben.

Dazwischen (1841) zeichnet unser Meister dreiundsechzig Zeichnungen

zur deutschen Ausgabe des „Landpredigers von Wakefield“ von Oliver

Goldsmith, im Auftrage von Georg Wigand. Wir geben davon drei

Zeichnungen, Abb. 35, 36 und 37, das letztere Blatt dazu von Nicholls

in Holz geschnitten (Abb. 38), um die Schnittart der englischen Schule

zu zeigen. Es ist hier wohl der Ort, auch der Holzschneidekunst in

ihren Beziehungen zu unserem Meister zu gedenken. Die Technik der

Holzschneidekunst war in Deutschland verloren gegangen; wie sich diese

nun in Leipzig und später in Dresden wieder anbahnt und entwickelt, das

erfahren wir aus den in Hoffs Katalog zum Abdruck gebrachten Berichten

von Ritschl, Georgy und Riewel, die wir hier im Auszug mitteilen.

[Illustration: Abb. 54. +Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht.+

Aus „Alte und neue Volkslieder“. 1846.

Aus „Dichtung und Sage“. Verlag von Alphons Dürr in Leipzig. (Zu Seite

55.)]

[Illustration: Abb. 55. +So hab’ ich nun die Stadt verlassen.+

Aus „Alte und neue Volkslieder“. 1846.

Aus „Deutsche Art und Sitte“. Verlag von Alphons Dürr in Leipzig.

(Zu Seite 55.)]

Jacob Ritschl von Hartenbach, geboren 1796 in Erfurt, hatte sich

als Autodidakt mit Holzschneiden beschäftigt und schreibt aus

Schneidemühl 22. Juli 1876: „Im allgemeinen kann ich mitteilen, daß

ich zur Ostermesse 1837 nach Leipzig berufen, nur kurze Zeit für B.

G. Teubner merkantile Gegenstände schnitt, von da ab bis 1840 einzig

und allein mit Richterschen Zeichnungen beschäftigt war, die mir

Otto und Georg Wigand lieferten. Sie begannen mit den Volksbüchern

von Marbach, in welche sich später Dullers ‚Deutsche Geschichte‘

einflocht. Es gingen damals die Zeichnungen auf dem Papier ein und

wurden von mir selbst auf die Holzplatten übertragen.“ Später zeichnete

Richter selbst auf den Holzstock auf, und Ritschl berichtet, die

erste dieser Platten sei die zu Dullers Geschichte „Hus im Gefängnis“

gewesen. Der Holzschneider Wilhelm Georgy, geboren 1819 in Magdeburg,

berichtet an derselben Stelle: „Einige Jahre lang war Ritschl der

einzige, dem Richtersche Zeichnungen zum Schnitt anvertraut wurden.

Er pauste dieselben auf ungrundierte Holzstöcke und schattierte mit

schwarzer Tusche mittels Pinsel ohne Andeutung von Strichlagen und

Kreuzschraffierungen; dieselben schnitt er gleich mit dem Stichel,

wie sie ihm bequem und stichelrecht zur Hand lagen, wobei er überall,

wo es nötig, seine primitiven Kreuzlagen anbrachte. So entstanden

jene in der Ausführungsweise sehr manierierten, der Richterschen

Zeichnungsweise mehr oder weniger unähnlichen Holzschnitte.“ (Siehe

Abb. 31.) Ludwig Richter erzählt in seiner Biographie, Georg Wigand

sei auf die in England von Thomas Berwick an sich entwickelte und

herangebildete Holzschneiderschule aufmerksam geworden und habe einige

tüchtige Holzschneider von London veranlaßt, nach Leipzig zu kommen.

Er nennt Nicholls Benworth, John Allanson, letzterer ein Schüler

von Berwick, die auch in der Folge Richtersche Zeichnungen in Holz

schnitten, und klagt sodann, daß ihm der Anblick der sonst sauber

gearbeiteten Holzschnitte den gelinden Angstschweiß auf die Stirne

getrieben, da den Engländern charakteristischer Ausdruck Nebensache

war. Sie setzten ihren Stolz in die höchste Eleganz der Strichlagen und

Tonwirkungen (siehe Abb. 38). Mit der Zeit bildet sich nun in Dresden

um den Meister eine Holzschneiderschule. In den die Biographie des

Meisters ergänzenden Nachträgen sagt der Sohn Heinrich Richter: „Ein

Hauptverdienst um die treue xylographische Wiedergabe vieler dieser

Bilder hat der Holzschneider August Gaber (geboren in Köppernig bei

Neiße 1823, gestorben in Berlin 1894). Anfänglich Schriftsetzer, hatte

er sich, aus Neigung auf eigene Faust zum Holzschneider herangebildet

und hatte in Dresden 1848 Gelegenheit, einige kleine Richtersche

Illustrationen für das letzte Heft der Volksbücher ‚Das Leben Jesu‘ zu

schneiden. Richter fand in diesen Blättern etwas besonders Frisches

und Treues in der Wiedergabe seiner Zeichnungen. Der Umstand, daß

Gaber als Autodidakt frei von irgend einer Schulmanier war, dazu sein

Talent, in Zeichnungen die Individualität des Künstlers herauszufühlen

und wiederzugeben, verliehen seinen Arbeiten den Reiz künstlerischer

Naivetät, und beides machte ihn in der Folge zu einem der tüchtigsten

Faksimileholzschneider. Viele seiner späteren Schnitte nach Richter,

Schnorr, Rethel, Führich gehören zu den hervorragendsten Leistungen der

neueren Holzschneidekunst.“ Von den Holzschnitten unseres Buches sind

No. 83, 84, 131, 139, 140, 154, 155 von Gabers Meisterhand geschnitten.

Aus Gabers Atelier sind viele tüchtige Holzschneider hervorgegangen.

1852 heiratete Gaber des Meisters zweite Tochter Aimée. Weiter schreibt

in Hoffs Katalog Edmund Riewel, geboren 1829 in Leipzig: „Ich habe in

den fünf Jahren (1850 bis 1855) meines xylographischen Wirkens in

Dresden eine Menge Richterscher Zeichnungen geschnitten. Die besten

Holzschneider, die damals mit mir in Dresden gearbeitet haben, waren

außer Gaber (der selbstverständlich obenan gehört, denn er war der

erste, der uns zeigte, wie Richtersche Zeichnungen geschnitten werden

müssen), Bäder, Geringswald (der leider bald starb), Hertel (ein ganz

vorzüglicher Holzschneider), Illner, Manger, W. Obermann, Reusche

und meine Wenigkeit. Ich darf sagen, das war eine Gesellschaft, wie

sie nicht früher und nicht später mehr zusammengekommen ist. Flegel

in Leipzig, der erste deutsche Holzschneider, der seinerzeit (in

den vierziger Jahren) Richtersche Zeichnungen noch am treuesten

wiedergegeben hat, und Professor H. Bürkner, der sich nicht als

Techniker, aber als Künstler um die deutsche Holzschneidekunst sehr

verdient gemacht hat. Gewöhnlich ging man mit der fertigen Arbeit zu

dem betreffenden Künstler und legte sie ihm vor, um seine Meinung zu

hören; war sie zu seiner Zufriedenheit gediehen, so lieferte man sie

an Gaber ab.“ -- „Welchen Nutzen, im Interesse der guten Sache, diese

Methode hatte, und wie bildend sie war, ist einleuchtend.“

[Illustration: Abb. 56. +Studie+ zur Illustration zu dem Volksliede

„Wenn ich ein Vöglein wär’“. 1846. (Zu Seite 55.)]

[Illustration: Abb. 57. +Ruhe im Walde.+ Zum Vaterunser von Ammon.

1845. (Zu Seite 55.)]

Bei all diesem Schaffen solcher figürlicher Darstellungen wird Richter

das ängstliche, die Kritik fürchtende Herz leichter, als er bald über

seine Arbeiten Worte freundlichster Teilnahme und großer Anerkennung

hört. Noch während er an den Zeichnungen für den „Landprediger von

Wakefield“ arbeitet, fordert ihn Julius Hübner auf, die Hälfte des

unteren Figurenfrieses am Vorhang des von Semper erbauten (1869

abgebrannten) Hoftheaters zu malen. Es galt die bedeutsamsten Gestalten

der tragischen Dramendichtung in ornamentaler Verbindung darzustellen

(Abb. 39 und 40). Anfangs will er den Auftrag nicht übernehmen, weil

er Figuren in so großem Maßstab noch nicht versucht hatte, allein

Hübner ließ ihn nicht los, und so zeichnete er denn Hamlet, Lear,

Romeo und Julia, Justina, den wundertätigen Magus, den standhaften

Prinzen, letztere drei von Calderon, Götz, Faust, Egmont, Wallenstein,

die Jungfrau von Orleans und Tell. Das gemeinsame Arbeiten mit Hübner,

Oehme, von Oer und Metz bereitete ihm viel Freude.

[Illustration: Abb. 58. +Brautzug im Frühling.+ Ölbild. 1847. Im Museum

zu Dresden.

Nach einer Originalphotographie von F. & O. Brockmanns Nachf. (R. Tamm)

in Dresden. (Zu Seite 36 und 55.)]

[Illustration: Abb. 59. +Genoveva+ nach einer Aquarelle von 1850.

Ludwig Richter · 第 23 / 72 题