Verlag von Georg Wigand in Leipzig. (Zu Seite 54.)]

Mit Begeisterung ging er an die Ausführung neuer Bilder nach

böhmischen Motiven. Gleich das erste Bild, „Aufsteigendes Gewitter am

Schreckenstein“, fiel auf der Ausstellung auf und wurde vom Kunstverein

angekauft; jetzt ist es durch Schenkung des Herrn E. Cichorius im

Museum zu Leipzig. Wir geben eine Abbildung nach einer gleichzeitigen

Aquarelle (Abb. 25). Seine „Überfahrt am Schreckenstein“ machte

1837 besonderes Aufsehen. Herr von Quandt erwarb das Bild für seine

Galerie; jetzt ist es im Museum zu Dresden (Abb. 26). Über den ruhig

dahingleitenden, den Abendhimmel widerspiegelnden Fluß fährt ein mit

allerhand Menschen besetzter Kahn; ein Greis singt zur Harfe; zu

seinen Füßen lehnt über den Bord des Kahns ein Knabe, einen Zweig ins

Wasser tauchend; zwei Wanderer folgen, der eine sitzt mit gesenktem

Kopf, in Nachdenken versunken; der andere steht auf den Stab gestützt,

das Ränzel auf dem Rücken, ein Zweiglein an der Mütze und schaut

zur einsamen Ruine hinauf, er trägt die Züge des jüngsten Bruders

Richters: Julius; inmitten des Nachens ein Liebespaar; das still vor

sich hinschauende, dem Gespräche ihres Schatzes lauschende Mädchen mit

dem Sträußchen in der Hand ist eine echte Richtersche Mädchengestalt,

sinnig und -- selbstverständlich blond. Ein Mädchen mit dem Rechen,

neben ihr ein Korb mit frisch gemähtem Grase und der alte Fährmann mit

seinem verwetterten Gesicht, das Pfeifchen im Munde, mit seinem Ruder

den Kahn langsam leitend, bilden den Schluß, und so schwimmt die liebe

Gesellschaft dem jenseitigen Ufer zu. Bewaldete Höhen und weit draußen

Berge im Abendsonnenschein, am gelben Abendhimmel schwimmende, in Rosa

getauchte, zarte, langgezogene Wölkchen, oben im Blau des Himmels die

Mondsichel. Es klingen beim Betrachten dieses Bildes traute Volkslieder

in der Seele des Beschauers an; wie leise Musik tönt es, und es bannt

uns in den Zauberkreis echter deutscher Romantik.

[Illustration: Abb. 48. +Wir gratulieren.+ Aus Nieritz’ Volkskalender.

1855. (Zu Seite 54.)]

Abb. 27 ist die Wiedergabe einer größeren Zeichnung zu den Figuren,

die jetzt im Kabinett der Handzeichnungen im Museum zu Dresden sich

befindet. Riesenschritte hat der Meister im Figürlichen vorwärts getan,

und was von der allergrößten Bedeutung ist, der deutschen Natur ist er

zurückgewonnen, die Schönheiten der deutschen Natur sind ihm wieder zum

klaren Bewußtsein gekommen! +Von nun ab hat er nur noch Sinn und Augen

für sein deutsches Vaterland und für sein Volk!+

Am 12. März 1835 zeichnete er sein zweites Töchterchen Aimée, wie es

vergnüglich in der Badewanne sitzt (Abb. 28).

[Illustration: Abb. 49. Zu +Jeremias Gotthelfs Besenbinder+. Aus

Nieritz’ Volkskalender. 1852. (Zu Seite 54.)]

Am 24. Dezember 1835 wurde die Meißner Zeichenschule aufgehoben,

und im Frühjahr 1836 zog Richter, der nun ein Wartegeld erhielt,

wieder nach Dresden. Hier war er nun wenigstens mit den Freunden und

Gesinnungsgenossen wieder vereinigt. Die Kunstakademie wurde endlich

unter Minister von Lindenau reorganisiert, Zopf und Manierismus mußten

die Lehrsäle verlassen, die neu erwachte deutsche Kunst zog siegreich

ein. Das Landschaftsfach wurde noch ganz in Zinggscher Weise geleitet,

auch Richters Vater lehrte hier noch. Letzterer wurde nun plötzlich

seiner Stellung enthoben und in den Ruhestand versetzt; der Sohn aber

sollte im Erzgebirge als Zeichenlehrer an einer neu zu errichtenden

Gewerbeschule angestellt werden; er war, wie man sich leicht denken

kann, über diese neue „Verbannung“ höchst unglücklich. Auf seine

Vorstellung hin beim Minister von Carlowitz wurde die Anstellung an der

Gewerbeschule zurückgezogen, und er rückte nun an die Stelle seines

Vaters als Lehrer an der Akademie in Dresden ein. Man kann sich denken,

wie peinlich für ihn wieder diese neue Lage seinem Vater gegenüber

war. Aber es half ihm nichts, daß er an Quandt sich wendete und ihm

seine Lage schilderte; er erfuhr von diesem nur, daß sich an der Sache

nichts ändern lasse; wenn er nicht annehmen wolle, müßte ein anderer

gesucht werden, sein Vater wäre und bliebe entlassen. Richter mußte

sich nun schweren Herzens fügen. So trat er denn sein Amt an, dem er

über vier Dezennien mit großer Gewissenhaftigkeit und Hingebung für

seine Schüler vorstand. Eine stattliche Reihe von Schülern ist aus

dieser Lehrtätigkeit hervorgegangen. Der weitaus bedeutendste war

unstreitig einer seiner ersten Schüler in Dresden, Heinrich Dreber gen.

Franz, an dessen köstlichen Federzeichnungen aus dieser Zeit er bis

an sein Lebensende sich erfreute. Weiter müssen wir noch den höchst

talentvollen Ernst Hasse nennen, dessen geistreiche Tierzeichnungen

ungemein geschätzt und gesucht waren und weit verbreitet sind.

[Illustration: Abb. 50. +Zu Lauterbach hab’ i mein’ Strumpf verloren.+

Aus „Alte und neue Volkslieder“. 1846.

Mit Genehmigung der Verlagshandlung von Alphons Dürr in Leipzig. (Zu

Seite 54.)]

[Illustration: Abb. 51. +Liebespaar.+ Gezeichnet zu „Alte und neue

Volkslieder“. 1846.

Aus „Aus der Jugendzeit“. Verlag von Alphons Dürr in Leipzig. (Zu Seite

54.)]

Im Auftrage des Baron von Schweizer malte Richter 1840 ein Bild nach

Motiven aus dem Wallfahrtsort Mariaschein bei Teplitz. Unter alten

schattigen Linden am Brunnen haben sich Pilger gelagert; draußen

sieht man sonnige Kornfelder. Wir geben hier eine Abbildung nach

einer Zeichnung zu den Figuren (Abb. 29). Im folgenden Jahre malte er

das Bild „Einsamer Bergsee im Riesengebirge“, ein Motiv vom „kleinen

Teich“. Hieran schließen sich: „Kirche auf dem Friedhof in Graupen“, am

Fuße des Erzgebirges, dann ein italienischer Nachzügler, „Brunnen bei

Arriccia“ für Quandt, 1839 „Genoveva in der Waldeinsamkeit“ für den

Sächsischen Kunstverein und 1845 „Dorfmusikanten“ für G. Wigand.

[Illustration: Abb. 52. +Nur fröhliche Leute.+ Aus „Alte und neue

Studentenlieder“. 1844.

Ludwig Richter · 第 22 / 72 题