Gemalt um 1816. (Zu Seite 10.)]

Solange deutscher Sinn und deutsches Gemüt bestehen werden, wird Ludwig

Richter im deutschen Volke fortleben und geliebt und geschätzt werden.

Der Strauß duftender Blüten, den er unserem deutschen Volke gepflückt

und hinterlassen hat, soll und wird nicht verwelken. Das deutsche Volk

wird festhalten an dem ihm Eigenen, und deutsche Art und Sitte wird nie

untergehen.

Ihm aber, dem verewigten Meister, dem 1898 in seiner Vaterstadt ein

ehernes Denkmal errichtet wurde, wollen wir Deutschen alle ein noch

unvergänglicheres Denkmal errichten, indem wir und unsere Kinder und

Kindeskinder bis in die fernsten Geschlechter den unvergänglichen und

unvergleichlichen Tönen seiner Muse lauschen und seine Werke allezeit

lieb und wert und hoch halten!

* *

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Richters Persönlichkeit war die eines schlichten sinnigen Mannes; er

war demütig und bescheiden, kindlich rein und tief religiös. W. H.

Riehl sagt in seinen „Kulturgeschichtlichen Charakterköpfen“ über ihn:

„Unserem volkstümlichen deutschen Meister eignete von jeher eine echt

deutsche Künstlertugend: die Bescheidenheit. Mit seinem Griffel gab

er ganz sich selbst und legte die innersten Falten seines Wesens dar,

weil er’s nicht anders konnte; mit seiner Person zog er sich still und

anspruchslos vor der Welt zurück, und die Welt lernte ihn fast nur so

weit kennen, als sie ihn in seinen Werken lieben gelernt hatte.“

Von großer Liebenswürdigkeit gegen jedermann, war er doch scheu, fast

unsicher und still Fremden gegenüber; zu denen aber, die ihm nahe oder

näher standen, war er von großer Herzlichkeit und Mitteilsamkeit.

[Illustration: Abb. 5. +Ludwig Richters Großmutter mütterlicherseits+,

geb. van der Berg. (Zu Seite 10.)]

Bei Gesprächen über das, was ihn am allerinnersten bewegte, über

Christentum und Kunst, erglänzten oft seine großen grauen Augen, wie

wenn die Sonne durch lichtes Gewölk hervorbricht. Oft schauten sie

wieder so träumerisch ins Weite; wie Verklärung lag es dann über

dem lieben Antlitz. Ein Zug von Wehmut war ihm eigen. In seiner

Unterhaltung war er immer anregend und geistig lebendig, sicher im

Urteil über Kunst und Literatur. Bei der Beurteilung von Kunstwerken

war ihm das eigentlich „Künstlerische“ maßgebend, gleichviel ob das

Kunstwerk dieser oder jener Richtung oder Stilweise angehörte; er

begeisterte sich ebenso an Rembrandts Darstellung der „Hirten an der

Krippe“, über die Goethe in seinen Briefen an Falkonet, ihm wie aus dem

Herzen gesprochen, sich ausläßt, wie an den Werken des kindlich frommen

Fiesole.

Er war von hoher, hagerer Gestalt, seine Haltung etwas nach vorn

übergebeugt; sein kluges Gesicht, freundlich und wohlwollend, war von

einer Fülle schneeweißen Haares umrahmt. So sehen wir ihn in dem von

Leon Pohle im Auftrage des bekannten Kunstfreundes Eduard Cichorius

für das Museum zu Leipzig gemalten Porträt (Titelbild). In diesem

Bildnis, zu dem unser Altmeister im Jahre 1879 saß, gerade in der Zeit,

als sein jahrelanges Augenleiden unaufhaltsam so weit vorgeschritten

war, daß er den Zeichenstift aus der Hand hatte legen müssen, ist eine

unverkennbare Trauer über das Antlitz gelagert; ihm, dem unermüdlich

Schaffenden, war eine Grenze gesetzt; er sollte nun seine fleißigen

Hände ruhen lassen. Seine Wirksamkeit als Künstler war abgeschlossen,

worüber er in seinem Innern sehr schmerzlich bewegt war. Aber er fügte

sich in Demut in das Unvermeidliche und trug es ohne Klage; war es

ihm doch wie wenigen Künstlern vergönnt gewesen, bis in sein hohes

Alter in seiner Kunst tätig sein zu dürfen, und wenn ihm auch in den

letzten Jahren die „Motive“ spärlicher kamen, so arbeitete er doch

unausgesetzt, frühere Darstellungen vielfach variierend, unfertige

frühere Zeichnungen vollendend oder landschaftliche Skizzen mit

Figurengruppen belebend, und zeichnete und malte noch eine ganze Reihe

prächtiger Blätter, wenn auch mit großer Mühe und Anstrengung. --

Inzwischen hatte er auf Anregung seines Freundes E. Cichorius und auf

Betreiben seines Sohnes Heinrich angefangen, auf Grund eigenhändiger

Tagebuchaufzeichnungen seine Selbstbiographie „Lebenserinnerungen

eines deutschen Malers“ (Frankfurt a. M., Johannes Alt) zu schreiben,

und vermochte diese auch noch 1879 so weit zu Ende zu führen, wie

es von Anfang an geplant war. Diese Biographie gehört mit zu dem

Hervorragendsten, was Deutschland auf diesem Gebiete der Literatur

besitzt.

[Illustration: Abb. 6. +Brandruinen des alten Schlosses in Pillnitz.+

1818. Kolorierter Stich. (Zu Seite 13.)]

Richter durfte noch seinen 80. Geburtstag feiern, geliebt und geehrt

vom deutschen Volke. Still und freundlich waren seine letzten Jahre,

wenn ihm auch Schweres zu tragen bis zuletzt nicht erspart wurde. Am

letzten Morgen seines Erdendaseins schrieb er in sein Tagebuch:

Groß denken, im Herzen rein,

Halte dich gering und klein,

Freue dich in Gott allein.

In gedrängter Kürze wollen wir den Entwickelungsgang des Meisters

darzustellen versuchen.

[Illustration: Abb. 7. +Dresden von der Bärbastei.+ 1820.

Aus „Dreißig malerische An- und Aussichten von Dresden und der nächsten

Umgebung“.

Ludwig Richter · 第 12 / 72 题