Unter dem Gewimmel der Sterne, die groß und glanzvoll am schwarzblauen
Himmel funkelten, erreichten die vier Männer einen steinigen Grat,
von dem die Frühlingssonne den Schnee schon fortgeschmolzen hatte.
Wie eine große Muschel wölbte sich die Felsmauer, auf deren Höhe sie
standen, um einen halbgerodeten Waldfleck, dessen wenige Bäume finster
emporstachen aus einer grauweißen, absonderlich gewellten Fläche. Man
hörte undeutlich den Klang einer greisen Stimme und sah einen matten
Glutschein, der übriggeblieben war von einem erloschenen Feuer. Leupolt
trat auf den jungen Oberst zu, der suchend in das Zwielicht spähte.
»Schauet, gnädiger Herr, da ist die heilige Fürsagung.«
»Ick sehe niemand. Wo seind die Leute?«
»Grad vor uns. Mehr als tausend müssen es sein.«
Vor dem Glutschein da drunten bewegte sich ein graublauer Schatten.
»Eenen seh ick,« sagte der junge Offizier, »nee, viele seind es,
viele!« Der Platz unter der Felswand, auf dem die Evangelischen
knieten, standen oder saßen, eng aneinander gedrängt, mit ihren weißen
Kitteln und Kapuzen, im Halbkreis um den Glutschein herum, glich einem
Gewirre mehlgrauer Maulwurfshügel, die mit schwachen Schimmerlinien
gesäumt waren und sich immer hoben und senkten. Es war ein Bild, das
ergreifend und geheimnisvoll berührte, aber auch befremdend war,
so sehr, daß es auf die mangelhaft entwickelte Evangelikanerseele
des Hiesel Schneck belustigend wirkte. Er buckelte sich zusammen,
hämmerte mit der Faust aufs Knie und ließ ein halbverschlucktes Lachen
vernehmen: »Ho ho hohohooo!« Das Gesicht des jungen Obersten fuhr nach
ihm herum, und die zornscharfe Stimme sagte: »Wat hat er? Ick finde an
diesen Menschen nichts Lächerlichs.«
»Gotts Not und Elend,« stotterte Hiesel erschrocken, »ich versteh's
halt nit, verstehst?«
Leupolt legte zuerst dem jungen Offizier, dann dem Geheimrat den
Mantel um die Schultern. »Es weht ein schneidiger Luft, wenn's auf
den Morgen zugeht. Die Herren müssen sich gut einwickeln. Ich steig
derweil zu den Alten hinunter und red mit ihnen.« Lautlos verschwand er
hinter den Schrofen in der Finsternis. Während er über das Felsgezack
hinunterstieg, hörte er immer deutlicher die Stimme des Fürsagers von
Unterstein: »Die Törigen nahmen ihre Lampen; aber sie nahmen nit Öl mit
sich. Die Klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen samt ihren Lampen. Da
nun der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig und entschliefen.
Zur Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam
kommt, gehet aus, ihm entgegen!« Die sanfte Stimme des Alten wurde
unterbrochen durch einen verzückten Knabenschrei: »Da steigt einer aus
dem Berg heraus! Ein Lichtschein ist um ihn her!«
Aus tausend Kehlen ein wunderlicher Laut. Alle weißen Gestalten
zuckten auf. Einer, der gegen die Felswand hingesprungen war, erkannte
den Jäger und rief: »Der Leupi!« Von Mund zu Mund ging es, wie ein
frohes Rauschen, wie ein Aufatmen der Hoffnung: »Der Leupi Raurisser
ist kommen!« Viele drängten ihm entgegen. Er stand wie eine graue
Säule im Schnee und rief über das Gewühl der ihm entgegendrängenden
Weißgestalten hin: »Ein jeder soll bleiben an seinem Platz. Jeder soll
Ruh halten. Ich bring den Morgen unserer Not. Nur einen Schnaufer
Geduld noch, ihr guten Leut! Erst muß ich reden mit den Alten.« Das
Gedräng der Weißgestalten wich auseinander. Wieder bildete sich der
Halbkreis, wie er zuvor gewesen. Ein erregtes Stimmengewirr. Man hörte
seltsames Aufkichern, hörte leise, fast krankhaft klingende Schreie,
hörte das Fiebergestammel einer Verzweiflung, die in Freude verwandelt
war, und hörte lallende Laute, wie Betrunkene sie ausstoßen, die lachen
möchten und näher dem Weinen sind.
Droben auf der schwarzen Felsmauer sagte einer, dem die Stimme kaum
gehorchen wollte: »Danckelmann, das ist erschütternd! Was müssen diese
Menschen gelitten haben!«
Auf der weißen Rodung, rings um den roten Glutschein, war Stille.
Von der alten Fichte, die sich schwarz neben der Kohlenglut erhob,
sprangen elf Weißverhüllte auf Leupolt zu, die Fürsager der neun
berchtesgadnischen Gnotschaften, bei ihnen der Mann der Hasenknopfin
von Unterstein und der Christoph Raschp von der Wies, die in der
Osterwoche heimgekehrt waren aus dem Preußischen. Alle streckten
die Hände nach dem Jäger, alle stammelten die gleiche Frage: »Ist
er kommen?« Leupolt deutete gegen die Höhe. Etwas wundersam Frohes
war in seiner Stimme: »Da droben steht er. Ihr sehet ihn nit in der
Finsternis. Und er ist doch unser Licht, ist unser Helfer in aller
Not!« Einer von den Alten schrie wie ein Entrückter: »Holz in die
Glut! Leut, es taget über unseren Seelen!« Viele sprangen gegen den
Glutschein hin. Die Scheite klapperten und klirrten. Ein Knistern
und Geprassel. Schwarze Rauchwolken umwirbelten die alte Fichte. Ein
Leuchten, ein wechselndes Lichtgezitter. Schön und lodernd stieg die
wachsende Flamme gegen die Sterne hinauf. Die knorrigen Wetterbäume
schienen funkelnde Blüten zu tragen, der Schneegrund war überwoben von
blitzendem Glanz und violettem Schatten, alle nahen Felswände begannen
zu glimmen, und die tausend Weißgestalten standen angestrahlt, als
wären ihre Leinwandkittel verwandelt in purpurne Gewänder. »Zündet die
Kienbränd!« rief der Alte von Unterstein. »Wir Fürsager, alle neun, wir
steigen hinauf und holen den Helfer zum Feuer!«
»Ihr müßt den Umweg machen über den Karrensteig!« sagte Leupolt. »Unser
Helfer tät auch herkommen über das Wändl. Der zwingt jeden Weg. Aber es
ist ein Müder bei ihm. Der muß ein linderes Sträßl haben. Und eh wir
den Helfer holen, müssen wir sicher sein, daß sich kein Unbeschaffener
nit eingeschlichen hat durch die Wächterzeil.« Er hob die Arme:
»Die Gnotschaftsmeister! Zu mir!« Neun Männer kamen gesprungen, von
verschiedenen Stellen her. Zu ihnen sagte Leupolt: »Das Feuer ist hell.
Jeder zu seiner Gnotschaft! Schauet jedem unter die Kapp, jedem in
die Augen! Wär einer dabei, dem ihr nit trauet auf Stein und Bein, so
müßt ihr ihn ausweisen aus der Wächterzeil.« Er ließ einen Kienbrand
aufflammen am Feuerstoß. »Kommet, Fürsager, ich führ euch.« Während im
Ring der rotbestrahlten Weißgestalten die Gnotschaften sich voneinander
sonderten, ging der Zug der Kienbrandträger gegen den dichteren Wald
hinüber. Hinter den Bäumen verschwanden die Lichter halb und gaukelten
mit rauchigem Schein. Bei den Gnotschaftsplätzen, wo einer um den
andern sich gegen das Feuer wenden und die Kapuze heben mußte, schrie
plötzlich eine Knabenstimme: »Wir Bischofswiesener sind hundertfünfe,
da sind zwei Überzählige.« Ein zorniges Hindrängen. Aus den Reihen der
Männer wühlten sich zwei Weißverhüllte mit schlagenden Armen heraus und
sprangen in wilden Sätzen hinunter gegen den tieferen Wald der Ramsauer
Talseite. Die Verfolger jagten sie über die Wächterzeile hinaus. Ein
flinker Bub vermochte den einen noch zu haschen, riß ihm die Kapuze
herunter, bekam einen Faustschlag ins Gesicht, taumelte über den Schnee
und behielt zwischen seinen Fingern die schwarzen Zotten eines falschen
Bartes.
»Ich bin nit schuld, Leut!« sagte der Gnotschaftsmeister. »Jeder von
den Meinen hat mir die heilige Losung sagen müssen. Daß bei uns die
Polizeischnufler umschliefen wie die Mäus in der Mehlkammer, das spüren
wir lang.« Aus der Unruh der anderen rief der Hasenknopf heraus: »Wie
härter die Prüfung, so fester unsere Seelen. Bloß um den Leupi muß ich
mich sorgen. Der ist sichtbar gewesen. Da blüht es ihm morgen, daß er
Sonn und Mond nimmer sieht.«
»Dem Leupi wird einer beistehen, der stark in ihm gewesen ist am
Bekennertag. Sell droben -- schauet, Leut! -- da bringen die Fürsager
den Morgen unserer Not vom sternscheinigen Himmel her! Machet die Augen
sichtbar! Alle! Vor dem Helfer dürfen wir uns nit verstecken.« Der
Gnotschaftsmeister streifte die weiße Kapuze in den Nacken zurück. Bei
der Feuerhelle sah man ein hageres Gesicht, in dem zwei sehnsüchtige
Augen brannten. Wie dieser eine, so taten alle. Tausend Gesichter
enthüllten sich, junge und graubärtige, und alle waren einander
ähnlich, hatten den gleichen dürstenden Hoffnungsglanz in den Augen,
das gleiche stumme Leiden, das sie standhaft ertragen hatten um ihres
Glaubens willen. Alle diese heißfunkelnden deutschen Bauernaugen
waren emporgerichtet zur Höhe der Felsmauer, über deren Saum die von
rotem Licht umzitterten Kienbrandträger mit den zwei fremden Herren
herunterkamen.
Der Hallturmer Grenzjäger war nicht bei ihnen. Der war in der
Finsternis zurückgeblieben. Was er sah, dieses Wunderliche, zum
Lachen Reizende und doch Ergreifende, bedrängte ihm hart das langsame
Kindergehirn und machte ihn völlig hilflos. Mit dem Kopf zwischen
den Fäusten, stand er wie ein Holzklotz, guckte dem Gaukelzug der
Kienbrände nach, getraute sich nimmer zu lachen und klagte in das
Nachtschweigen: »Herr Jesu mein, ich versteh's nit! Und ich versteh's
halt nit!«
Die Kienbrände qualmten im schwarzen Wald. Nun kamen sie auf die
Rodung. Deutlich sahen die Tausend beim Feuerschein den alten würdigen
Herrn im braunen Mantelkragen; er ging entblößten Hauptes, und seine
weiße Perücke war im Flammenschein wie ein aus Kupfer gebuckelter Helm.
An seiner Seite schritt ein anderer, klein, mager, gebeugt; das eckig
vorgeschobene Jünglingsgesicht zwischen den losen Haarwischen ging
immer hin und her; immer spähten seine Augen; der dunkle Soldatenmantel
war von roten Feuerlinien umzeichnet, und die Tressen glitzerten an
seinem Dreispitz wie die Juwelen eines Diadems. Das stumme Schauen
der Tausend verwandelte sich in unruhiges Stimmengesumm: »Ein Soldat!
Da kommt ein Soldat!« Schreck und Sorge klangen aus diesen Lauten.
Die Leiden der vergangenen Wochen wirkten nach in den Seelen der
Evangelischen. Manchen durchfieberte noch das zornvolle Grauen,
das er davongetragen hatte vom Versöhnungsschießen, und alle waren
sie eingedenk der Mißhandlungen, die sie erlitten hatten von den
Musketieren und Dragonern. »Ein Soldat! Da kommt nichts Gutes. Ein
Soldat hat allweil den Teufel am Bändel.«
Der Hasenknopf versuchte die Aufgeregten zu beschwichtigen. »Ohne Sorg,
Leut! Bei den Preußen ist's allweil so: ob was Irdisches oder Heiliges,
überall ist ein Soldat dabei. Das sind nit solche Landschäden wie die
unseren. Ein Soldat des Königs von Preußen ist voll rechtschaffener
Zucht, ist allweil eine Landshilf und ein Leutfreund.« Das klang
so unwahrscheinlich, daß es nicht beruhigend wirkte. Die Hände
erhebend, mahnte der Hasenknopf: »Aber Brüder! Ich bin doch gewesen im
Preußischen, hab's doch selber gesehen, wie da auf jedem Bodenfleck
der Menschenfleiß und das Recht hausen. Was ich euch erzählt hab von
des Königs Güt und vom Hilfswillen der evangelischen Leut? Ist das
alles gählings verschwitzt? Bloß weil an einem Soldatenhütl die Litzen
glanzen? Was geht der Soldat euch an? Der ist halt mitgeritten zur
Sicherheit für den Herrn. Für uns ist *der* die Hauptsach. Als Fürstand
des evangelischen Korpus von Regensburg ist er für die Salzburger
Exulanten ein Baum und Schild gewesen.« Das Mißtrauen der Leute schien
nicht völlig zu schwinden, aber sie wurden ruhiger und sahen dem Zug
der Kienbrandträger mit schweratmender Erwartung entgegen.
Eine Stille, in der nur das Rauschen der großen Flamme noch zu hören
war, das Fauchen des Morgenwindes, der immer schärfer blies, und das
hurtige Summen der fernen Talbäche. Die Fürsager kamen mit den beiden
Herren zum Feuerstoß und warfen auf eine schweigsame, festliche Art
die Kienbrände in die Flamme. Danckelmann trat gegen den Halbkreis
hin und schwenkte freundlich und dennoch würdevoll die Reisemütze
gegen die tausend Männer: »Grüß Gott, ihr lieben Leute! Ihr habt um
Hilfe nachgesucht, ich bringe sie im Namen meines allergnädigsten
Herrn, des Königs von Preußen, des Treuesten und Väterlichsten aller
Evangelischen.« Schüchtern antworteten viele Stimmen: »Grüß Gott! Grüß
Gott!« Und alle Augen hingen an dem würdigen alten Herrn, zu dem man
Vertrauen haben konnte. Nur ein einziger, Leupolt Raurisser, sah in
erregter Erwartung immer den anderen an. Der war bescheiden hinter
dem Geheimrat zurückgeblieben, hatte ein bißchen geschmunzelt, als
Danckelmann vom Väterlichsten aller Evangelischen sprach, war auf das
Feuer zugeschritten und hielt nun, während seine Augen neugierig über
die vielen Gesichter huschten, die kleinen Hände wie ein Frierender nah
an die Flamme. Im Schatten der Helle war seine zierliche Gestalt eine
schwarze Fläche, in der sich nichts unterscheiden ließ, und war nicht
wie der Umriß eines Jünglings, sondern wie die Silhouette eines müden
Greises. Rote Glutlinien umschimmerten den schwarzen Riß und drängten
ihn noch dünner zusammen.
»Ist der Mann anwesend,« fragte Danckelmann, »der zu Regensburg im
Auftrag der Evangelischen von Berchtesgaden bei mir war?«
»Wohl, Herr!« Der Hasenknopf trat vor und machte, obwohl er keinen Hut
hatte, eine Handbewegung, als müßte er den Kopf entblößen.
»Hat er den Leuten alles aufrichtig erzählt, was er auf seiner Reise
durchs Preußische wahrgenommen?«
»Wohl, Herr! Von allem Guten hab ich verzählt, vom evangelischen
Hilfswillen und von der festen Ordnung im Land. Von der Sicherheit,
in der jeder Bürger und Bauer lebt. Und von der Glaubensfreiheit, von
den unbedrückten Seelen, von den evangelischen Gotteshäusern, von den
Kanzelherren, die so gottfest predigen, und von den Pfarrhöfen, in
denen gütige Frauen hausen, mit einem Häufl von lieben Kindern.« Bei
dieser Feststellung fiel dem Hasenknopf eine wichtige Sache ein, die er
den Leuten noch nicht erzählt hatte. Er wandte sich gegen den Halbkreis
der Gnotschaften. »Wahr ist's, Leut, in der Gegend von Jüterbog« --
man kicherte ein bißchen bei diesem wunderlichen Namen -- »da bin ich
in einem winzigen Pfarrhöfl gewesen. Leut, da hat's gewummelt als wie
im Immenkorb. Sind erst fufzehn Jährlen verheuert gewesen, das Pfarrle
und die Pfarrfrau, und haben siebzehn Kinderlen gehabt, das achtzehnte
schon unterwegs.« Im Ring der Leute prasselte ein heiteres Lachen
auf, und man hörte eine Bubenstimme: »Sakrawolt, wie gottfest muß das
preußische Pfarrmänndle gepredigt haben!« Wieder ein hundertstimmiges
Lachen. Das klang so froh, als wär' es für diese bedrückten Herzen
ein wohltuende Erlösungswunder: daß sie nach Monaten des Leidens
das ausgehungerte Zwerchfell ein bißchen bewegen durften. Während
das Gelächter hinknatterte über die vielen Köpfe, rief das magere
Schwarzfigürchen vom Feuerstoß französisch zu Danckelmann hinüber: »Das
ist die wirksamste Pastorenpredigt, von der ich noch je vernommen habe.
Sie hat tausend betrübte Christen im Handumdrehen fröhlich gemacht. Der
fähige Gottesmann muß Konsistorialrat werden.«
Es blieb auch in der Stimme des Hasenknopf ein munterer Klang zurück.
»Wie von allem Guten, Herr, so hab ich den Leuten auch redlich verzählt
von allem Harten. Daß die Steuern nit linder sind, als bei uns.
Freilich, die schlupfen wieder fürs Leutwohl ins Land hinein und gehen
nit für Schuldzinsen und parisische Kebsföhlen drauf. Muß der Bauer im
Preußischen zahlen, so kriegt er auch was. Arg plagen muß er sich. Der
Boden ist mühsam. Da muß man tief hinunterackern, muß driefach misten,
und schwitzen muß man um Halm und Frucht. Aber die Leut sind riegelsam,
und der Wuchs ist überall gut. Die Küh haben Euter wie Metzenkörb,
und die Ross' haben Flachsen wie Eisen. Die Arbeit muß einer gern
haben im Preußischen. Sonst wär die Freud am Leben ein bißl mager.
Die Gegnet schaut aus, als hätt sie der Höllische eben geklopft mit
seiner Ofenschaufel. Kein Berg und kein Bergl nit. Alles Wasser lauft
sandig und langsam. Nirgends ein lustiger Bach. Der Wind muß die Mühlen
treiben, sonst tät die Halbscheid der Preußen kein Mehl nit haben.
Aber lebfreudig sind sie doch allweil und lachen gern. Sind standhafte
Leut. Wie man sagt bei uns: >Herr Jesu, dir leb ich, dir sterb ich!< --
so sagen's die Preußen bei aller Gottslieb von ihrem Land und König.
Aber wie die Leut da drunten reden! Man lust und lust und versteht's
nit recht. Da müssen wir im Deutschen ein bißl umlernen, wenn wir ins
Preußische kommen. Bei uns im Wirtshäusl schafft einer an: >Gelt,
Marianndl, bist so gut und bringst mir ein paar Schweinshaxln!< Im
Preußischen muß einer kommandieren: >He! 'n Eisbein! Wuppdich!<« Wieder
prasselte ein Lachen über die tausend Köpfe hin. »Wahr ist's, Leut, die
Preußischen reden kurzzipflet und flink. Oft tut's unsereinem weh in
den Ohrwascheln, ich weiß nit warum. Im Anfang hat's mich schier aus
dem Häusl gebracht. Da kommt so ein Preuß und sagt was. Du meinst, daß
er beißen möcht. Hörst du aber ein bißl gutwillig hin, so kommt's dir
für, als möcht er ganz freundlich Grüßgott sagen. Er kann's halt nit
anders. Sein Maulofen hat nit die richtig Wärm. Ist schad drum. Täten
die Preußischen mit unsereinem reden, wie sie schaffen und einwendig
sind -- wahr ist's, Leut, die müßt man gern haben.«
»Jedes Land hat seinen Boden, jedes Volk seine Art,« fiel Danckelmann
ein, »man muß das nehmen, wie es ist. Bei euch im Süden ist auch
nicht alles, wie es den Preußen zusagt.« Er schien gegenüber den
Weisheiten der Hasenknopfischen Preußenforschung die Geduld ein bißchen
verloren zu haben. Hinter ihm, beim Feuerstoß, klang ein herzliches
Knabenlachen. Dann halblaut das französische Wort: »Dieser ehrliche
Mann hat recht, mein lieber Geheimrat! Wir sollten versuchen, etwas
Wärme hinter das Klappergebiß zu bringen.« Wieder lachend, drehte der
junge Oberst die Brust gegen die Flamme, breitete die mageren Ärmchen
und sperrte, ein bißchen in parodistischer Art, die Zähne auseinander,
um den heißen Hauch des Feuerstoßes reichlich in seine Brust zu saugen.
Da fand auch Danckelmann seine freundliche Ruhe wieder. Er sagte: die
Evangelischen dürften aller zureichenden Hilfe gewärtig sein; doch
läge es dem König von Preußen fern, dem Lande Berchtesgaden einen
Untertan abwendig zu machen; Hilfe hätten nur jene zu erwarten, die
als Exulanten eingeschrieben, also von ihrem Fürsten innerlich schon
gelöst wären und sich einwandfrei als Protestanten erkennen ließen;
deshalb wäre, ehe man von der Hilfe sprechen dürfte, eine Prüfung ihrer
Glaubenssätze unerläßlich; man könnte nicht tausend Menschen auf ihren
Glauben befragen; so möchten die Evangelischen einen aus ihrer Mitte
wählen, der die notwendigen Fragen für sie alle zu beantworten hätte.
Gleich riefen Hunderte von Stimmen: »Der Leupi Raurisser.« Danckelmann
sagte: »Das scheint die Majorität zu sein. Wer dagegen wäre, daß dieser
Mann für eure Seelen Zeugnis gibt, soll die Hand ausstrecken.« Keine
Hand erhob sich.
Dem Jäger war eine heiße Verlegenheitsglut über das Gesicht
geflogen. Jetzt nahm er im Feuerschein den grünen Hut vor die Brust.
»Vergeltsgott, meine Brüder! Das ist mir Ehr, die ich als heilig spür.«
Er ging auf den jungen Oberst zu: »Fraget, gütiger Herr! Ich will alles
ehrlich sagen, was mir in Herz und Seel ist.« Das feurig angestrahlte
Soldätl machte verdutzte Augen und sagte, fast erschrocken: »Vor mich?
Nee!« Höflich komplimentierend deutete er auf Danckelmann. Der fragte
schon mit würdevollem Ernst: »Was glaubt er von Gott, vom Geiste, von
Gottes Sohn und vom Werke der Erlösung?« Ein praktisch erfahrener
Katechet schien Danckelmann nicht zu sein; was er fragte, war für den
ersten Anhieb reichlich viel. Der junge Oberst, ohne eine Miene zu
verziehen, flüsterte dem Geheimrat französisch zu: »Milder! Milder!
Ich wäre schon in Verlegenheit!« Auch Leupolt mußte sich eine Weile
besinnen, um die vier Antworten verständig zusammenzubinden. Dann
sprach er mit der Ruhe eines reifen Menschen, mit der Inbrunst eines
gläubigen Herzens und doch mit der Einfalt eines Kindes. Alles sagte
er, daß jedes Wort zu erweisen war durch eine Stelle der Bibel. Und
als der Geheimrat mit lauter Stimme fragte: »Glaubt ihr das alle so?«
-- da fuhren die paar tausend weißen Arme in die Höhe, und die tausend
Stimmen riefen wie aus einer einzigen, andachtsvollen Seele heraus:
»Wir glauben!« Das war im sternfunkelnden Nachtschweigen, beim Rauschen
des Feuers und in der Traumstille des zwischen Winter und Frühling
kämpfenden Waldes ein so wundervoller Laut, daß der junge Oberst vor
tiefer Erschütterung bleich wurde bis in die schmalen, hart aufeinander
gepreßten Lippen. Vorgebeugt, das spitz herausgeschobene Gesicht
scharf abgehoben von der Feuerhelle, die übereinander gepreßten Hände
auf den Degenknauf gestützt wie auf einen Krückstock, sah er mit groß
erweiterten Augen den Jäger an und spähte über alle Gesichter hin, über
das rötliche Glimmbild der wunderlich gestalteten Felsen und über das
Funkelgewölbe des schwarzblauen Himmels, den fern im Osten schon eine
matte Lichtahnung des kommenden Morgens überschlich.
Auch Danckelmann schien unter dem Eindruck dieses Augenblicks zu
stehen. Seine Stimme klang unsicher, als er fragte: »Was glaubt er
von der Taufe, von der Sündenvergebung und vom heiligen Abendmahl?«
Da brauchte Leupolt sich nicht zu besinnen. Was er sagte, riß die
Tausend wieder zu dem frohen Schrei empor: »Wir glauben!« Dennoch
schien der Geheimrat nicht völlig zufriedengestellt. Diese fromme
evangelische Seelenmusik erschien ihm nicht völlig frei von Klängen,
die ein strenger Protestant als halb katholisch empfinden konnte. Eine
Einwendung erhob er nicht, sondern fragte weiter: »Was glaubt er von
Himmel und Hölle?«
»Himmel ist überall, wo der Herrgott ist. Und allweil bei Gott und in
ewiger Freud ist die Wohnstatt der Guten, wenn sie verschnauft haben
als redliche Christen. Zu jeder sauberen Seel in ihrer Todesstund
sagt Jesuchrist: Noch heute wirst du bei mir im Paradiese sein! --
Überall, wo Gott nit weilen mag, ist Höll und ewige Pein. Da hausen die
Unverbesserlichen im Bösen.«
»Glaubt ihr das alle so?«
»Wir glauben!«
»So sag er mir --«
Der junge Oberst legte wehrend die Hand auf den Arm des Geheimrats. Der
merkte das in seinem Eifer nicht und fragte: »Sag er mir, was glaubt er
vom sogenannten Fegefeuer?«
»Ans Fegfeuer glaub ich nit.«
»Warum nicht?«
»Weil Gottes Weisheit das Nutzlose nit erschafft und ein zweckloses
Ding zwischen Himmel und Höll nit dulden kann. Die im unsauberen
Laster und in der Sünd Verstockten kommen aus dem Feuer nimmer heraus.
Da reicht die Höll. Die redlichen Willens sind, die sündigen nit
unverzeihlich und kommen nit hinein ins Feuer. Da reicht der Himmel.
Ohne Schuld auf Erden ist bloß ein einziger gewesen. Der Menschensohn.
Was sonst noch lebt, und tät es der Beste sein, ist alles wie ein
Hälml, das sich biegt unter hartem Wind und sich wieder aufrichtet in
guter Stund. Wozu ein Fegfeuer? Redliche Reu hebt jede schwachgewordene
Seel dem Herrgott entgegen. Da ist siebenfache Freud in der Höh. So
steht's geschrieben. So ist es.«
Noch ehe Danckelmann eine Frage an die Tausend richtete, riefen schon
alle Stimmen: »Ans Fegfeuer glauben wir nit.«
»Was hält er von jenen, die anderen Glaubens sind als er?«
Leupolt schwieg, seine Brauen zogen sich zusammen.
»Warum unterläßt er es, zu antworten?«
Da wandte der Jäger die trauernden Augen von dem würdigen Manne ab, sah
den jungen Oberst an und sagte ruhig: »Herr! Meine Mutter, von allen
Müttern die beste, ist eine gutkatholische Frau.«
»Will er damit sagen --« fiel Danckelmann ein. Weiter kam er nicht.
Neben ihm klang eine leise, scharfe Stimme: »_Assez!_« Wieder legte
sich die schlanke weiße Jünglingshand auf seinen Arm. Dann ein flinkes
Gewirbel französischer Worte, halb ernst, halb mit spöttischem Klang:
»Wir wollen da Schluß machen. Wer katechisieren will, soll's besser
verstehen als der andere. Jeder von diesen Christen, mein lieber
Danckelmann, glaubt hundertmal mehr als Sie. Von mir nicht zu reden.
Ich stehe nackt und frierend vor diesen warm umwickelten Seelen.« Er
trat erregt auf Leupolt zu, betrachtete ihn mit einem freundlich
forschenden Blick und fragte mit leiser Zärtlichkeit, die seine Stimme
völlig veränderte: »Hat er ooch 'ne Schwester?«
Der Jäger schüttelte stumm den Kopf.
»Schade!« Und langsam, fast schleppend -- als wär' es für ihn eine
Gedankenarbeit, die reindeutschen Worte zu finden -- sprach der kleine,
zierliche Offizier zu dem glühenden Gesicht des Jägers hinauf: »Mutter
is der Name alles Gütigen uff Erden. Det Treueste und Wärmste heißt
Schwester. Er hätte verdient, 'ne Schwester zu haben.« Seine weiße
schlanke Hand faßte eine Falte an Leupolts Kittel. Der zärtliche Klang
war erloschen, die Stimme verwandelt zu harter Strenge. »Er is so 'n
reinlicher Christ, wie 'n wohljeschaffener Mensch. Wird er ooch 'n
ebenso beschaffener Bürger werden?« Ein huschendes Lächeln. »Wat hält
er von der weltlichen Obrigkeit?«
»Daß sie so nötig ist, wie die hilfreiche Sonn über dem Boden und wie
die Feuchtigkeit im Acker. Wenn's die richtige ist, die allweil im Land
das Gute und Rechte will, das Leben nit nötet, die Seelen nit zwängt,
so muß man ihr gehorsamen auf Schnaufer und Sterben.«
»So? Meint er?« Wieder dieses flinkverschwindende Lächeln. »Und welche
is unter solcher Obrigkeit die notwendigste Tugend eines guten Bürgers?«
»Die Treu.«
»Ooch. Es gibt 'ne bessere.«
»Mutige Tapferkeit wider jeden Landsfeind.«
»Ooch. Es gibt 'ne bessere.«
Leupolt schwieg, verwirrt durch den funkelnden Stahlglanz dieser
strengen Jünglingsaugen.
»Ick will 's ihm sagen: *die Pflicht*. Det is der Hammer for alle
steinernen Nüsse des Lebens. Un weeß er ooch, wat for'n Unterschied is
zwischen Fürst und Bürger? Ick will's ihm sagen. Ein guter Fürst und
'n pflichtvergessener Bürger, da is der Fürst der höhere. Ein guter
Bürger und 'n pflichtvergessener Fürst, da is der Bürger der bessere.
Ein pflichtgetreuer Fürst und ein pflichtgetreuer Bürger, da is keen
Unterschied nich. Jeder ein Diener seines Volkes.« Nun das leise,
feinspielende Lächeln wieder. »Nna? Kann er det ooch glauben?«
»Wohl, Herr!« Mit zitternden Fäusten preßte Leupolt den Hut an die
Brust. »Jetzt steht das für mich geschrieben. So ist es. Da glaub ich
dran.«
»Denn soll 'r seinen Glauben den anderen predigen. So fleißig und
gottfest, wie der Paster von Jüterbog das Predigen verstund. Und
Preußen wird Wachstum haben. Jeb er mich seine Hand! Will er _dans cet
esprit_ der Unsere werden, denn bin ick der Seine. Und nu ruf er die
anderen her. Denen will ick sagen, wie der König von Preußen ihnen
helfen wird. Besser sollen sie's _naturellement_ nich haben als unsere
Preußen. Aber ooch nich schlechter.«
In einem Sturm von Glück und Freude schrie Leupolts klingende Stimme
in das schöne kalte Nachtschweigen: »Her zu unserem Herrn, ihr
Brüder in Christ! Der Helfer will reden zu euch!« Wie eine große,
rauschende, weißgraue Woge strömte neben dem Feuerstoß der Halbkreis
der Gnotschaften gegen den Jäger hin und schloß sich um die beiden
Herren und die Fürsager zu einem engen Ring. Die Vordersten warfen sich
auf die Knie und kauerten sich auf den Boden, damit die hinter ihnen
Stehenden sehen und hören könnten. In diesem Ring von vorgestreckten
Köpfen, von glanzäugigen, zwischen grellem Feuerschein und schwarzem
Schatten wechselnden Gesichtern klang die langsame, nach deutschem
Ausdruck ringende, scharfgepreßte und dennoch wohllautende Stimme des
Sprechenden. Bei der atemlosen Stille, mit der sie lauschten, vernahmen
die Tausend jedes Wort.
Nur ein einziger verstand nicht; der einsame Hiesel Schneck auf der
rotglimmenden Felswand droben. Über die Wand hinunterzusteigen und
hinüberzuspringen zum Ring der Lauschenden -- auf diesen Einfall
konnte er nicht kommen. So erfindungsreich und beweglich war sein
sechzigjähriges Kindergehirnchen nicht. Gewissenhaft blieb der
Hiesel, wo man ihn hatte stehen lassen. Obwohl er sich mit dem halben
Leib hinaushängte über den Steinrand und die braunen Tatzen wie
Suppenschüsseln um die Ohrmuscheln wölbte, konnte er nur manchmal
ein Wort erschnappen. Da drunten wurde alles beredet: die Lösung von
der Leibeigenschaft auf Kosten des Königs von Preußen; das Reisegeld
für die völlig Unbemittelten, die alles verloren hatten; Führung und
Fürsorge, Verpflegung und Unterkunft für die Dauer der weiten Wanderung
bis ins Brandenburgische und nach Ostpreußen; die Zuteilung von
gutem Ackerboden in fruchtbarer Gegend; zwanzig Morgen Feld für den
einzelnen Mann, zwanzig bis dreißig Morgen für kinderreiche Familien;
Bauholz, Steine, Kalk und Arbeitshilfe für Errichtung von Wohnstätten;
Begabung mit Rindern, Pferden und Ackergerät; unbedrückende, auf
viele Jahre verteilte Rückzahlung der empfangenen Werte; zehnjährige
Steuerfreiheit für das neue Dach; Einteilung in die Seelsorge; freier
Gottesdienst und Freiheit der Seelen.
Daß da drunten beim Feuerstoß der Schnapsgutter oder ein Weinkrug
reichlich herumgereicht worden wäre, davon hatte der Hiesel Schneck
trotz seiner ruhelos spähenden Luchsaugen nicht das Geringste gewahren
können. Drum blieb es ihm auch völlig unverständlich, daß die Tausend
beim lodernden Feuerstoß und in ihren grellbeleuchteten Schneekitteln
sich zu gebärden begannen wie froh und selig Betrunkene. Alle
drängten sie jubelnd gegen die fremden Herren hin, jeder wollte einen
Händedruck des Helfers erhaschen, und die freudigen Jauchzer schrillten
durcheinander, als würde da drunten nicht eine polizeilich verbotene
Trutzversammlung abgehalten, sondern eine heilige, das Blut und die
Seelen durchleuchtende Sonnwendfeier. Aus dem freudetrunkenen Gewirbel
der tausend Seligkeitslaute hörte der verdutzte Hiesel Schneck eine
verzückte Bubenstimme herausschrillen: »Du Kaiser im Untersberg! Schlaf
weiter, so lang wie du magst! Da ist ein Lebendiger, der uns auflupft
aus aller deutschen Not!« Dann eine Greisenstimme mit trunkenem Schrei
und voll junggewordener Kraft: »Du Schneekittel, du mutloser und
trauriger! Ich brauch dich nimmer. Gucket, Brüder, wie lustig mein
Lugenröckl brennt!« Wie dieser eine tat, so taten hundert, so taten
alle. Gleich großen weißen Vögeln flogen die Kittel und Kapuzen der
Sichtbargewordenen ins Feuer. Die lodernde Flamme wuchs und schlug noch
höher empor, als die Wipfel der höchsten Bäume standen.
Mit großen Augen guckte der Hiesel Schneck hinunter auf diese
märchenhafte Sache, die er nicht begriff. Das verrückte
Durcheinandergewirr und das jubelnde Geschrei erschien ihm als etwas
Lächerliches und stimmte ihn doch so sonderbar traurig, daß er am
liebsten wieder heulen hätte mögen wie damals in jener Schneenacht,
die ihm die evangelikanischen Heimlichkeiten seines Schneckenweibls
verraten hatte. Um sich dieser unbehaglichen Gefühlsbedrückung zu
entreißen, rührte er mit den Fäusten in der Luft herum und knurrte
gallig hinauf zum sternschönen Himmel: »Mar' und Josef, ich versteh's
nit, kreuzikruzisaxundfixige Weltsnoterei und Höllementshund du
verteufelter, und ich versteh's halt nit!«
Wie der heilige Georg mit seiner Lanze losgestochen hatte auf den
menschenfressenden Giftdrachen, so stieß der Hiesel den Eisenspitz
seines Bergsteckens zwischen die Steinrippen der unbegreiflichen Welt
und sauste mit wütenden Sprüngen über den steilen Hang hinunter zur
Holzerhütte, um in der Herdgrube ein Feuer anzuschüren, wie es Leupolt
ihm aufgetragen hatte. Seine Pflicht und Schuldigkeit tat der Hiesel
unter allen Umständen, auch wenn er nicht verstand, wozu es nötig war.
In dieser Hinsicht konnte man den Schneck mit einem guten Preußen
vergleichen, freilich unter dem Risiko, daß der sonst so gutmütige
Hiesel mit seinem Bergstecken unbarmherzig auf jeden losdreschen würde,
der so was Schauderhaftes über ihn aussprach.