Sie schüttelte den Kopf. »Ich hab Verlaub.«

Zögernd wiederholte er dieses Wort. »Verlaub?« Sein Blick wurde

schärfer. »Von wem?«

»Vom gnädigen Herrn.« Sie sah, wie sein Körper sich streckte. Angstvoll

umklammerte sie seine Hand und brachte kaum einen klaren Laut heraus.

»Gestern -- da hat er mich rufen lassen -- und hat mich in aller Güt

gefragt, ob mich nit bangen tät nach dir --«

»Güt?« Er machte mit der Hand eine Bewegung. »Nein, Mutter! Güt ist

ein ander Ding. Rechtschaffene Güt vergönnt jeder Menschenseel, was

ihr heilig ist, will nit ausbrennen, was tief im Leben sitzt. Du

sollst mir die Botschaft des Fürsten nit ausrichten. Da bist du mir

zu gut dafür. Verstanden hab ich schon.« Eine Sekunde schwieg er. »Am

Osterdienstag hat mir der Wildmeister einen Deuter geschickt. Heut

schicken sie mir die Mutter. Weil sie meinen, was meinem Herzen das

Wärmste ist, das tät mich umschmeißen! -- Mutter? Hast du dir nit

gesagt: das ist mein Leupi?«

»Allweil und allweil hab ich mir's fürgesagt. Und bin halt doch

gesprungen in Freud und Zutrauen. Tust du mir das verdenken, Bub?«

Er zog sie an sich, streichelte mit schwerer Hand ihr erloschenes Haar

und sagte ruhig: »Ich soll mich bußfertig erweisen? Gelt? Soll den

Glauben niederdrucken, soll lügen wider Gott und gegen mich selber? Und

alles, was sie Untreu heißen, tät mir verziehen sein? Weil sie meinen:

die Dritthalbtausend, die noch standhalten, die sich nit haben umwerfen

lassen von Kapuziner und Musketier, von Geldbuß und Hausbrand, von Not

und Elend, von Kinderaugen und Landslieb -- die soll mein Beispiel

wacklig machen und umreißen? Gelt?«

Das große Jagen · 第 72 / 98 题