Mühsam antwortete der Meister. »Ich wüßt nit, was ich schreien tät.«

»In Unterstein hat eine Mutter ihres toten Mädels Kopf zwischen die

Händ genommen und in freudiger Ruh gesagt: Mein Kindl, dich muß

der Heiland lieb haben, uns anderen ist er feind, drum müssen wir

weiterschnaufen in der irdischen Not!« Mit beiden Händen rüttelte der

Pfarrer die Schultern des Meisters. »Mensch! Kann's einer besser sagen,

wie die Zeit ist?« Dann wandte er sich an die Sus: »Tätst du dich

trauen, daß du zum Simmi hinüberspringst?«

»Ich trau mich alles, wenn's für den Meister ist.«

»Für den ist's auch. Heut möcht' ich, daß wir beisammen sind. Traut

der Lewitter sich nit aus dem Haus, so sag ihm, daß ich krank wär. Da

kommt er. Gelogen ist's nit. Alles leidet in mir, was Leben heißt. Aber

fürsichtig mußt du sein. Sonst packen dich die Soldaten Gottes mit

Gelobt sei Jesuchrist!«

»Soll mich nur einer anrühren!« Das weißblonde Mädel sprang zur

Haustür. Der Meister ging mit ihr, und als er im dunklen Flur den

Riegel aufstieß, sagte er leis: »Vergeltsgott, du Treue!«

In der Küche legte Pfarrer Ludwig die Hand auf Luisas Scheitel. »Also?

Hast du die fromme Deutung für den heutigen Versöhnungstag schon

gefunden?«

Sie sah verstört zu ihm auf. »Hochwürden! Ich weiß nimmer, wo die

Christen sind.«

»Christen sind überall. Nur finden muß man sie können. Und selber muß

man einer sein.«

Die Tränen fielen über ihr blasses Gesicht. »Ich seh keinen Weg nimmer.

Überall ist Wirrnis und Sünd. Dürft ich nit morgen kommen um einen

Seelentrost?«

»Ja, komm nur!« Er streichelte ihr schönes Haar. »Ich will dich

trösten.« Die Stimme dämpfend, beugte er sich zu ihrem Ohr. »Seit dem

Morgen weiß Mutter Agnes, wo der Leupolt ist. Beim Hiesel Schneck.«

Das große Jagen · 第 63 / 98 题