Rasch wandte Luisa die Augen. »Was, Hochwürden?«

»Daß einem das unsinnigste Ding um so glaubhafter fürkommt, je länger

man drüber studiert. Es könnt wohl sein, Kindl, daß dein gescheiter

Vater recht hat. Einem sonst so redlichen Buben gut werden? Ja, ja!

Aber -- *nur* aus Barmherzigkeit? Das begreif ich nit. Allweil bin ich

des Glaubens gewesen: man liebt aus Herz und Seel, aus Blut und Jugend.

Freilich, was versteh ich altes Pfarrle von solchen Sachen! Ich weiß

nur, du hast zu barmherziger Sorg um den armen Buben einen Grund. Und

weil du deine heilige Barmherzigkeit nit vereinen kannst mit deiner

Treu im Glauben? Und dem Buben doch gutsein *mußt*? Deswegen bist du

zu mir gekommen? Um Hilf und Rat?«

Sie schüttelte den Kopf. »Nein, Hochwürden!« In ihrer Stimme war wieder

die alte Strenge. »Zwischen mir und dem anderen ist kein Weg. Da darf

ich mir einen Rat nit geben lassen.«

»Gut also! Soll der Bub in sein Elend rennen. Dein unverdächtiger

Vater darf sich nur warnen lassen von einem Gutgläubigen. Tut's ein

anderer, der muß ins Eisen, darf Sonn und Mond nimmer schauen. So ist

es christlich. Aber gekommen *bist* du doch zu mir? Da muß ich fragen:

warum?«

»Schier weiß ich es selber nit.« Luisas Gesicht, aus dem jede Spur

von Farbe verschwunden war, bekam den Ausdruck einer qualvollen

Verzweiflung. »Es hat mich halt hergetrieben in meiner Not. Mir ist so

weh ums Herz, ich weiß nit, wie. Alles verdreht sich in mir.«

»Sooo? *Des*wegen willst du einen Trost von mir? Für dich allein?«

Sie stand wie betäubt. Dann nickte sie müde.

»Kind! Bevor ich dich trösten kann, muß ich wissen, ob du Vertrauen

hast zu mir? Es ist mir so fürgekommen, daß du nit nur ein

unbegründetes Mißtrauen gegen deinen redlichen Vater hast, sondern daß

deine frommgläubige Seel auch mich für einen Verdächtigen nimmt?«

Sie senkte das erglühende Gesicht.

»Kindl? Ist das so oder nit?« Da nickte sie ehrlich und war in diesem

schamvollen Bekennen so hold und liebenswert, daß der alte Pfarrer die

Arme streckte, als möchte er das brennende Mädchengesicht zwischen

seine Hände nehmen und zärtlich diese flehenden Augen küssen. Doch er

wurde ernst und fragte: »Kind? Wer ist nach deinem Glauben unter allen,

die gelebt und gelitten haben, der Wahrhafteste und der Gerechteste

gewesen?«

Das große Jagen · 第 40 / 98 题