Seine Augen wurden groß. »*Wer*, Mutter?«

»Ihr Vater. Der Meister Niklaus.«

Heiß schoß ihm das Blut in die Stirn. Die Hand zitterte ihm ein

bißchen, während er die Lampe von der Mauer herunternahm, um besseres

Licht beim Lesen zu haben. In Sorge betrachtete ihn die Mutter und

begriff nicht, daß er so ruhig bleiben konnte. Als er gelesen hatte,

ging ein Lächeln um seinen Mund. Eine Weile sah er stumm vor sich

hin. Dann sagte er: »Mutter, jetzt muß ich was Ungutes verlangen von

dir. Gibt's morgen einen föhnigen Tag, so wüßt man auf Wochen nimmer,

wie man hinauskäm. Ich muß dich, eh der Nachtfrost auslaßt, auf den

Schlitten setzen. Sorg mußt du nit haben. Ich weiß den trockenen Weg

und bring dich gut wieder heim. Am Morgen muß ich draußen sein. Ich mag

mich nit suchen lassen. Ich will mich stellen.«

Frau Agnes entfärbte sich, versuchte aber doch, ein heiteres Wort zu

finden. »So! Jetzt bin ich umsonst ins Wasser gekugelt. Freilich,

tiefer als bis aufs Häutl ist's nit geronnen. Altes Leder ist

wasserdicht.« Sie wollte lachen, streckte aber plötzlich die Hand und

flüsterte: »Leupi? Muß das sein?«

»Was anderes weiß ich nimmer.«

Sie wollte fragen: Weißt du, was dir bevorsteht? Aber das verschwieg

sie. »Bub? Alles Grobe wird linder, wenn man ihm Zeit laßt. Wer weiß,

wie die Herren denken über drei Wochen? Wenn du vor Tag hinaufsteigen

tätst zum Hegerhäusl am Fundensee? Und tätst dich bis über Ostern

einwehen lassen im sicheren Hüttl?«

Er kam zum Bett und nahm ihre Hand. »Da tät der Wildmeister sagen:

ich wär ein schlechter Jäger, der nit weiß, daß vor der Osterzeit da

droben kein Wild nit steht. Die Steinböck, die das Tal nit mögen, sind

ausgestorben.« Er winkte gegen den Zettel hinüber. »Weißt du alles?«

»Von ihrem Vater.«

»Tust du mir's verdenken?«

»Was?«

Er wußte nicht, wie er es sagen sollte. Da fiel ihm das Wort ein, das

Pfarrer Ludwig zu ihm gesprochen hatte: »Daß ich wegspringen hab müssen

über dich und den Vater?«

»Geh, du Närrle! Das zählt doch nit. Jetzt geht's um *dich*!« Sie zog

ihn näher zu sich heran. »Den guten Rat, den der Meister gegeben hat?

Magst du den nit ein bißl nutzen?«

»Lügen?« Er schüttelte den Kopf. »Tätst du das christlich heißen?«

Seine Stimme wurde leis. »Und an das Mädel mich anhängen mit einer

Falschheit? Mutter, das geht nit. Da ist sie mir viel zu gut dazu!«

»Die?« Frau Agnes verlor die Ruhe. »Die dich hineinstoßt in Eisen und

Not!«

»So ist das nit. Einer geht über den Berg und muß hintreten auf einen

Stein, der ins Laufen kommt. Da kann man nit wissen, daß der Stein

einem Bäuml ins Leben schlagt. Wie fromm sie ist, das weißt du doch.

Schau, da hat ihr halt eine Stimm in der Seel geboten: Red!« Er

lächelte, fast wie ein Glücklicher. »Jetzt weiß ich doch, daß sie an

mich hat denken müssen.«

Das große Jagen · 第 36 / 98 题