»Ja, Mutter!« Zur Fischmeisterin sagte er hart: »Ich will's überlegen.«
Es verdroß ihn, daß es Menschen gab, denen seine Mutter nicht
willkommen war. Er trat in die Stube. Frau Agnes, angetan mit einem
weißen Kittelchen, das zu eng war, saß in dem klobigen Jägerbett wie
ein Hühnchen im Metzenkorb. Lächelnd streckte sie ihrem Sohn die Hände
entgegen: »Bub! Jetzt wird's aber gleich einen Streit geben!«
»Zwischen dir und mir?« Er setzte sich auf den Bettrand. »Wär das
erstmal im Leben!«
»Doch, Bub! Wenn ich dir sag, warum ich gekommen bin, so glaubst du's
nit.«
»Dir glaub ich alles.«
Sie nahm dieses Wort wie eine Hoffnung. »Bub, ich bin übers Eis
gefahren, bloß daß ich dir einen süßen Krapfen bring.« Das glaubte er
nun wirklich nicht. Frau Agnes nickte. »Wohl! Greif nur hinein in den
Mantel! Da steckt er. Hoffentlich ist er nit auch getauft worden.«
Leupolt ging zum Ofen. Richtig! Aus dem Mantel kam ein
zusammengeknüpftes Tüchelchen zum Vorschein. Der Inhalt duftete so
fein, daß man seine Wesensart auch ohne Jägernase gewittert hätte.
»Aber Mutter!« Leupolt lachte, und Frau Agnes bekam zwischen den
Brauen eine Falte, als hätte sein sorgloses Lachen ihr wehgetan. Er
ging zum Tisch, knüpfte das Tüchelchen auseinander und wickelte den
goldgelben Krapfen heraus. Schon wollte er hineinbeißen. Da sah er
das Zwibebenkränzl, wurde ernst und drehte rasch das Gesicht über die
Schulter. »Mutter?«
»Ja, Bub! Den hab ich keinem anderen nit anvertraut.«
Er brach das Backwerk ruhig entzwei, fand das kleine Schilfröhrchen und
nahm den dünn zusammengerollten Zettel heraus. Als er die Schrift sah,
fragte er verwundert: »Das ist doch Vaters Hand nit?«
»Derweil ich den Teig gerührt hab, hat der Meister den Zettel
geschrieben.«