Der Held dieses Buches lebt und befindet sich zur Zeit in einem der
zahlreichen Gefängnisse des Königreichs Italiens. Mit Rücksicht auf
seine Familie und seine Kinder habe ich seinen Namen nicht vollständig
gegeben und die Namen vieler Persönlichkeiten verschwiegen. Wenn er von
dieser Veröffentlichung wüßte, würde er wahrscheinlich gegen diese
Unterdrückung protestieren, die doch nichts weiter ist als ein Akt der
Rücksicht gegen sein Unglück. Es ist unzweifelhaft, daß er von der
Publikation seines Buches seine Rehabilitation erwarten würde, denn er
nennt sich stets einen Unglücklichen, nie einen Schuldigen, und widmet
seine Denkwürdigkeiten, die so voll Schmutzigkeiten sind, dem Liebling
unter seinen Söhnen.
Indessen sein Name existiert heute nicht mehr, statt dessen trägt er
eine Nummer, denn das Gesetz hat ihn jeder Persönlichkeit entkleidet,
und sein Name gehört nur seinen armen Kindern. Die elementarste
Menschlichkeit mußte mich veranlassen, den Namen eines Mannes zu
verschweigen, den das Gesetz der bürgerlichen Rechte beraubt und die
Wissenschaft der moralischen Verantwortlichkeit bar erklärt hat.
Besser als sein Name wird seine Erzählung und die im vorigen Jahre
aufgenommene Photographie wirken,[1] und das Zeugnis des Prof. Venturi
dürfte jeden Zweifel über die Authentizität zerstreuen.
[1] Dem Original ist das Bild des M... beigefügt.
Ich habe M... nicht gesehen und kann mir ein Urteil über ihn nur aus dem
Kontrast bilden, welcher zwischen seiner Selbstbiographie und seinem
wirklichen Lebenslauf besteht.
Venturi, der berühmte Verfasser der _Degenerazioni psicosessuali_, der
bei dem letzten Prozeß gegen M... als Sachverständiger hinzugezogen
wurde, hat sich lebhaft zum Studium des Helden hingezogen gefühlt; ihm
übergab M... das Manuskript seiner Denkwürdigkeiten, und auf diesem Wege
ist es an mich gelangt. Ich würde es nicht veröffentlicht haben, wenn
mir der wissenschaftliche Beistand des Psychiaters gefehlt hätte, und
wenn dieser mich nicht in den Stand gesetzt hätte, die objektive
Wahrheit gegenüber der subjektiven Darstellung des M... festzustellen.
Nach den Ermittelungen Venturi's gebe ich im Folgenden eine Biographie
des M..., welche in vielen Fällen den Schlüssel zum Verständnis der
Selbstbiographie abgeben, deren Lücken ausfüllen und die Fälschungen
aufdecken wird, die entweder von einer ihm oft selbst unbewußten
irrtümlichen Auslegung der Dinge oder von der Verbrechereitelkeit
diktiert sind.