Ein Mann hatte zwei Frauen, die eine war alt, die andere zart wie ein
Rosenblatt. Er selbst war über die Zeit der Jugend hinaus, und sein
Haar und Bart fingen an grau zu werden. Er liebte beide Frauen und
behandelte die eine wie die andere derart, daß er die eine Nacht bei
der einen und die andere Nacht bei der andern zubrachte. Er hatte die
Gewohnheit, des Morgens, bevor er aufstand, seinen Kopf seiner Frau auf
den Schoß zu legen und noch etwas zu schlafen. Als er eines Tages so im
Schoße der alten Frau schlief, sah diese, daß in seinem Bart einzelne
weiße Haare waren. Sie sagte zu sich: „Ich werde ihm die schwarzen
Haare herausschneiden und ihn des Schmuckes der Jugend berauben, damit
die andere Frau, die ihn für jung hält, seiner überdrüssig wird, wenn
sie das weiße Haar sieht, und damit er sich dann aus Ärger über diese
Zurücksetzung ganz mir anschließt.“ In diesem Gedanken beseitigte sie,
soweit als möglich die schwarzen Haare.
Am nächsten Morgen schlief er im Schoße der jungen Frau. Als diese
unter den weißen Haaren einige schwarze sah, die der Schere der alten
Frau entgangen waren, sagte sie: „Ich werde die weißen Haare entfernen,
so daß er sich noch für jung hält, des Verkehrs mit der alten Frau
überdrüssig wird und nur Verlangen nach mir hat.“ Sie schnitt also,
soweit sie konnte, die weißen Haare ab. So verging einige Zeit. Eines
Tages hörte er, daß einige Leute zueinander sprachen und sich über
seinen Bart lustig machten. Er faßte nach seinem Barte und sah, daß
überhaupt kein Haar mehr geblieben war.