49. DER JÄGER, DER FUCHS UND DER LEOPARD

Eines Tages streifte ein Jäger durch die Steppe und sah einen flinken

Fuchs in schnellem Lauf die Ebene durcheilen. Da er in seinen Pelz

verliebt war, so trieb ihn seine Leidenschaft an, den Fuchs zu

verfolgen. Er kannte das Fuchsloch, grub darum einen Graben, deckte ihn

mit Reisig zu, legte darauf ein Aas und verbarg sich im Hinterhalt, um

abzuwarten, bis der Fuchs sich fangen würde. Zufällig kam der Fuchs aus

dem Loch und wurde durch den Geruch des Aases, er mochte wollen oder

nicht, an den Rand des Grabens gelockt. Als er das Aas auf dem Reisig

liegen sah, da erkannte er die List und sagte zu sich: „Der Duft dieses

Aases ist zwar sehr lieblich, aber das Leben ist auch etwas Schönes.

Ein Weiser mischt sich nicht in eine Sache, die Gefahr in sich

schließt, und ein Kluger läßt sich nicht in eine Angelegenheit ein, die

die Möglichkeit des Schadens in sich birgt. Wenn es auch möglich ist,

daß auf diesem Reisig ein Tier liegt, so ist es auch möglich, daß

darunter eine Falle oder ein Mensch verborgen ist. Jedenfalls ist

Vorsicht angebracht.“

Der Fuchs verzichtete in diesem Gedanken auf das Aas und wählte den

sicheren Weg. Währenddessen kam ein hungriger Panther, getrieben von

seiner Freßbegier, von einem hohen Berge herab. Der Geruch des Aases

lockte ihn in diese Grube.

Als der Jäger das Geräusch der Falle hörte und die Bewegung eines

Tieres merkte, glaubte er, es sei der Fuchs, und sprang gierig und ohne

Überlegung in die Grube. Der Leopard, der dachte, daß er ihn an dem

Genuß des Aases hindern wollte, sprang auf ihn zu und zerriß ihn in

lauter Stücke.

Der gierige Jäger wurde in der Schlinge des Todes gefangen, der

genügsame Fuchs entrann seinem Unheil dank seiner Genügsamkeit.

Türkische Märchen · 第 71 / 91 题