35. DER ESEL IN DER LÖWENHAUT

In alten Zeiten lebte ein Kaufmann, der sehr reich war. Nach Gottes

Ratschluß ging aber sein Reichtum von Tag zu Tag zurück, so daß ihm das

Notwendigste fehlte. Nur einen Esel besaß er noch, der vor Hunger so

schwach und elend geworden war, daß er sich nicht mehr bewegen konnte.

Da sagte er aus Mitleid mit seinem Esel zu sich: „Anstatt ihn

verhungern zu lassen, will ich ihn ins freie Feld lassen zum Grasen.

Vielleicht hilft das ihm.“ Aber aus Furcht, daß die wilden Tiere wegen

seiner Schwäche ihm leicht ein Leid zufügen konnten, legte er ihm ein

Löwenfell auf den Rücken und ließ ihn so frei laufen.

Die wilden Tiere hielten den Esel für einen Löwen und flohen vor ihm.

Nach einiger Zeit war der Esel ganz fett geworden. Als er einmal wieder

herumstreifte, traf er einen Garten, in den er hineinging. Als die

Gärtner den Esel sahen, hielten sie ihn für einen Löwen und kletterten

auf einen Baum, während der Esel rechts und links alles fraß, was er im

Garten fand. Währenddessen gingen draußen vor dem Garten einige Esel

vorüber und schrieen; als der Esel im Löwenkleid die Stimmen seiner

Genossen hörte, ließ er sein widerwärtiges Geschrei erschallen.

Als die Gärtner seine Stimme hörten, sahen sie, daß es ein Esel war und

erkannten, daß ein Mensch in seiner List so gehandelt habe. Sie stiegen

sofort von dem Baume, nahmen dem Esel das Löwenfell ab, verprügelten

ihn ordentlich, legten ihm einen Tragsattel auf und beluden ihn.

Türkische Märchen · 第 57 / 91 题