15. DER DANKBARE FUCHS

Einst lebte ein Müller, der eine große Liebhaberei für Hühner hatte. Er

hielt sich drei bis fünf Hühner. Ein Fuchs kommt und frißt sie auf. Ein

paar Tage sah er sich das an, dann grub er eine Grube und setzte die

Hühner dort hinein. Der Fuchs kommt, sieht, daß die Hühner in der Grube

sind, springt hinein, sieht sich um, kann aber die Hühner nicht

fressen. — Wenn er sie gefressen hätte, würde er von dem Müller Prügel

bekommen haben.

Am Morgen kommt der Müller und sieht die Geschichte. Der Fuchs sagt in

der Grube: „Ach, schlage mich nicht. Ich werde dir eine Wohltat tun,

fasse mich an der Hand.“ Der sagt: „Du Verfluchter, du hast mir meine

Hühner aufgefressen. Was für eine Wohltat solltest du mir wohl

erweisen?“ Er sagt: „Ach, fasse mich nur an. Ich werde dir wirklich

eine große Wohltat erweisen.“ Da faßt er den Fuchs an der Hand und

zieht ihn heraus. Sie gehen beide zur Mühle. Der Fuchs sagte zum

Müller: „Du, setze dich hier hin und gib mir fünf bis zehn

Medschidije.“ [23] Der gab ihm die fünf bis zehn Medschidije. Der Fuchs

nahm sie und ging zum Schloß des Padischahs von Indien. Als er

angekommen ist, klopft er an die Tür. Der Diener kommt heraus.

Der Fuchs sagt: „Der Staubpadischah läßt grüßen. Wollt Ihr Euer Maß zum

Medschidijemessen ihm geben? Unser Staubpadischah wird die Medschidije

messen und ich werde es wieder bringen.“ Dann nimmt er das

Medschidijemaß und macht sich auf den Weg. Drei bis fünf Tage verweilt

er irgendwo, dann geht er wieder zum Schloß des Padischahs von Indien,

legt die Medschidije in das Maß und übergibt es mit den Worten: „Da

habt ihr euer Maß!“ Man fragt: „Was sollen diese Medschidije?“ Er

antwortet: „Davon hat er bergeweise. Komm nur und sieh sie dir an. Es

macht nichts.“ Er gab das Maß mit den Medschidije dem Padischah von

Indien, kehrte um, und kam wieder zum Müller.

Einen Tag verweilte er, am zweiten Tage sagte er: „Gib mir fünf bis

zehn Goldpfunde!“ Der Müller sagte: „Du willst mich wohl bankrott

machen? Mach, daß du weg kommst. Ich gebe dir nicht die Pfunde.“ Der

Fuchs sagte: „Aber, Staubpadischah, überlege dir doch, was ich dir für

eine Wohltat erweisen werde. Geh, sei nicht so, gib mir die fünf bis

zehn Pfunde.“ Der gab unwillig die fünf bis zehn Pfunde. Der Fuchs nahm

sie und ging wieder zum Schloß des Padischahs von Indien und klopfte

an. Die Diener kamen heraus. Er sagte: „Gebt mir euer Maß zum

Pfundemessen. Unser Herr Staubpadischah will Pfunde messen. Gebt das

Maß; ich bringe es gleich wieder.“ Er nahm das Pfundmaß und ging weg.

Unterwegs verweilte er irgendwo drei bis fünf Tage, dann lief er wieder

zu dem Schloß des Padischahs von Indien und klopfte an die Tür. Der

Diener kam heraus. Der Fuchs hatte die Pfunde hineingelegt und übergab

es so. Die Diener sagten: „Was sollen diese Pfunde?“ Er antwortete:

„Davon hat er haufenweise wie auf einer Tenne.“ Dann kehrt er wieder

zum Müller zurück. Der fragt: „Wo sind meine Medschidije und Pfunde,

die ich dir gegeben habe?“ Der Fuchs antwortet: „Warte nur! Die Schärfe

des Rettigs kommt erst nachher zum Vorschein.“ Dann erbittet er sich

zehn Tage Urlaub und geht in die Stadt. Der Fuchs läßt die Ausrufer

ausrufen: „Jeder soll sich bereit halten! Wir wollen zur Tochter des

Padischahs von Indien gehen, um Scherbet zu trinken.“ Der Ausrufer ruft

aus: „Am dritten Tage soll jeder da und da hin gehen!“ Am dritten Tage

machen sie sich zu Fuß auf den Weg und tun so, als ob

Fünfhunderttausend auf Pferden und Maultieren hinter ihnen wären. Der

Fuchs vor ihnen als Oberherold — der Fuchs ist natürlich nun schon

Herold geworden. — Der Fuchs führt sie drei bis fünf Tage. Er kommt in

einen großen Morast. Ein Regenguß kam und ertränkte viele Menschen in

dem Sumpf. Er selbst eilt vor und kommt zum Padischah von Indien und

sagt: „Gott sei Dank! Es ist niemand gestorben. Aber soviel Sachen und

Schmuckgegenstände sind verloren gegangen.“ Da sagt der Padischah von

Indien: „Geht zu den Schneidern, nehmt alles zusammen, was an Kleidern

vorhanden ist. Für soviel Menschen sollen neue Kleider kommen.“

Besonders für den Staubpadischah kommt ein Kleid, das sich nicht

beschreiben läßt. Der Padischah befiehlt: „Der Schneider soll es

nähen!“ Es wird genäht. Alles wird auf Wagen und Landauern verladen und

dorthin gebracht. Der Herold Fuchs eilt voraus und kommt dort schnell

an und sagt: „Ich habe eine feine Geschichte eingefädelt.“ Dann eilt er

wieder zu den Wagen zurück und sagt: „Macht schnell, soviel Leute

liegen im Freien.“ Sie nehmen die Wagen und Landauer und kommen zu

jenen Leuten. Die steigen ein und kommen zum Schloß des Padischahs von

Indien. Draußen werden Zelte aufgeschlagen. Fünfzehn bis Zwanzig treten

ein, für einen jeden werden die Zelte verteilt. Der Padischah von

Indien fragt: „Was ist das für eine Menge?“ Der Herold Fuchs kommt

sofort und sagt: „Das ist das Gefolge des Staubpadischahs.“ Dann geht

er wieder zu ihnen und sagt: „Vorwärts, sie sollen gehen und um die

Tochter des Padischahs von Indien werben!“ Da gehen fünf bis zehn

Hodschas für den Staubpadischah zum Schlosse des Padischahs von Indien

und sagen: „Auf Allahs Befehl wünschen wir von dir deine Tochter für

den Herrn Staubpadischah. Was wirst du sagen?“ Der antwortet: „Wenn es

das Schicksal so will, was soll ich sagen?“ Dann trinken sie Scherbet,

erheben sich und gehen wieder zurück. Der Fuchs sagt: „Geben Sie mir

drei Tage Urlaub.“ Sein Herr gibt ihm Urlaub. Am Vierten kommt der

Herold Fuchs zurück, geht zum Padischah von Indien und sagt: „Mein

Herr, wir wollten die Hochzeit zurichten, haben aber, als wir

hierherkamen, soviel Waren und Sachen und so viele Pfunde durch den

Regenguß verloren.“ Da sagt der Padischah von Indien: „Das macht

nichts, wenn wir auch nicht viel Geld haben, so wollen wir doch die

Hochzeit hier machen.“ Sie fingen an, die Hochzeit zuzubereiten.

Vierzig Tage und vierzig Nächte dauert die Hochzeit. Alle Kosten

bezahlt der Padischah von Indien. Er läßt für fünfhunderttausend Leute

echte silbergestickte Kleider nähen.

Nachdem die Hochzeitsfeste vierzig Tage und vierzig Nächte gedauert

haben, bringt man den Staubpadischah dorthin. Der Herold Fuchs geht hin

und fragt leise den Staubpadischah: „Wie geht es dir?“ Der sagt: „Gut.“

Dann brechen sie auf und machen sich mit den fünfhunderttausend Leuten

auf den Weg. Der Padischah von Indien füllt ihnen die Kisten mit

Pfunden. Fünf bis zehn Leute vom Padischah von Indien gehen zur

Begleitung seiner Tochter mit ihnen. Der Herold Fuchs hatte sich eine

Stunde vor ihnen auf den Weg gemacht. Unterwegs sieht er auf einer

Ebene, daß Hirten Kamele und Stuten weiden. Der Herold Fuchs geht zu

den Hirten und sagt: „Seht ihr die dort Ankommenden?“ Die Hirten sagen:

„Wer ist das?“ Er antwortet: „Die kommen, um euch zu überfallen. Wenn

sie fragen: ‚Wem gehören diese Stuten und Kamele?‘ so sagt: ‚Unserm

Herrn Staubpadischah.‘“ Die kommen und fragen die Hirten: „Wem gehören

diese Stuten und Kamele?“ Die Hirten antworten: „Diese Kamele und

Stuten gehören unserem Herrn Staubpadischah.“ Die ziehen weiter.

Der Herold Fuchs ist wieder eine Stunde voraus. Auf einer Ebene sind

soviel Schafhirten und Rinderhirten. Der Herold Fuchs eilt zu ihnen und

sagt: „Seht ihr die dort Ankommenden? Die kommen, um euch zu

überfallen. Wenn sie fragen, wem gehört dies alles, so antwortet:

‚Unserm Herrn Staubpadischah‘. Dann werdet ihr gerettet sein.“ Die

ziehen vorüber. Der Herold Fuchs ist wieder eine Stunde voraus. Er

kommt an eine Dev-Wohnung. Die Deve sind im Hause. Er sagt zu den

Deven: „Kommt, verbergt euch. Die da ankommen, wollen euch überfallen.“

Die Deve sagen: „Um Himmelswillen, verbirg uns!“ Da nimmt der Herold

Fuchs die Deve, legt Heu in die Wohnung und zündet es an. Die Deve

fliegen alle in die Luft und verbrennen vollständig.

Dann geht der Herold Fuchs schnell den Ankommenden entgegen und sagt zu

den fünfhunderttausend Leuten: „Fürchtet nichts! Es ist nichts! Was uns

zustoßen wird, soll nur unserm Besitz zustoßen!“ Als die von dem

Padischah von Indien geschickten Leute kommen, sehen sie: Ein großes

Schloß ist verbrannt und verschwunden. Da sagen die Leute, die mit der

Tochter des Padischahs von Indien gekommen waren: „Was machts? Was

brennt, mag brennen. Wir bauen es wieder. Wir wollen schnell einen

Palast mieten.“ Dann mieten sie schnell einen großen Palast und sagen:

„Bitte, Staubpadischah!“ Sie ziehen ein und holen das Fehlende von den

Kaufleuten. Alles Geld bezahlen die Leute, die von dem Padischah von

Indien gekommen sind. Vierzehn Tage leben sie vergnügt. Dann bitten sie

um Urlaub. Man verabschiedet sich. Sie machen sich auf den Heimweg, die

andern bleiben allein zurück.

Eines Tages sagt der Herold Fuchs aufrichtig: „Halt, ich werde krank.“

Der Herold Fuchs wird krank. Die Diener sagen: „Herr, unser Herold

Fuchs ist krank geworden.“ Der Staubpadischah sagt: „Halt, wollen doch

einmal sehen!“ Sie gehen hin. Der Herold Fuchs ist tot. Sie kommen

wieder und bringen die Kunde: „Der Herold Fuchs ist tot.“ Der

Staubpadischah sagt: „Zieht ihn an seinem Bein herunter.“ Da steht der

Herold Fuchs auf und sagt: „Ich habe dir soviel Gutes getan, wie kannst

du mich an meinem Bein ziehen.“ Da sagt der Staubpadischah: „Ich wußte,

daß du nicht gestorben warst und habe einen Scherz gemacht.“

Nach einigen Tagen stirbt der Herold Fuchs wirklich. Die Diener kommen

schnell und bringen dem Staubpadischah die Kunde: „Unser Herold Fuchs

ist gestorben.“ Der denkt, er verstellt sich wieder. Der Staubpadischah

geht zum Herold Fuchs und ruft leise: „Herold Fuchs!“ Vom Herold Fuchs

war nichts zu vernehmen. Er war wirklich tot. Sie sagen zum

Staubpadischah: „Unser Herold Fuchs ist tot.“ Der sagt: „Ein Imam soll

schnell kommen.“ Der Imam kommt, wäscht den Herold Fuchs und wickelt

ihn ordentlich ein. Dann begräbt man ihn. Der Staubpadischah und die

Tochter des Padischahs von Indien lebten vergnügt in dem großen

Schlosse. Das ist die Wohltat, die der Herold Fuchs getan hat.

Türkische Märchen · 第 32 / 91 题