Einst lebte ein Müller, der eine große Liebhaberei für Hühner hatte. Er
hielt sich drei bis fünf Hühner. Ein Fuchs kommt und frißt sie auf. Ein
paar Tage sah er sich das an, dann grub er eine Grube und setzte die
Hühner dort hinein. Der Fuchs kommt, sieht, daß die Hühner in der Grube
sind, springt hinein, sieht sich um, kann aber die Hühner nicht
fressen. — Wenn er sie gefressen hätte, würde er von dem Müller Prügel
bekommen haben.
Am Morgen kommt der Müller und sieht die Geschichte. Der Fuchs sagt in
der Grube: „Ach, schlage mich nicht. Ich werde dir eine Wohltat tun,
fasse mich an der Hand.“ Der sagt: „Du Verfluchter, du hast mir meine
Hühner aufgefressen. Was für eine Wohltat solltest du mir wohl
erweisen?“ Er sagt: „Ach, fasse mich nur an. Ich werde dir wirklich
eine große Wohltat erweisen.“ Da faßt er den Fuchs an der Hand und
zieht ihn heraus. Sie gehen beide zur Mühle. Der Fuchs sagte zum
Müller: „Du, setze dich hier hin und gib mir fünf bis zehn
Medschidije.“ [23] Der gab ihm die fünf bis zehn Medschidije. Der Fuchs
nahm sie und ging zum Schloß des Padischahs von Indien. Als er
angekommen ist, klopft er an die Tür. Der Diener kommt heraus.
Der Fuchs sagt: „Der Staubpadischah läßt grüßen. Wollt Ihr Euer Maß zum
Medschidijemessen ihm geben? Unser Staubpadischah wird die Medschidije
messen und ich werde es wieder bringen.“ Dann nimmt er das
Medschidijemaß und macht sich auf den Weg. Drei bis fünf Tage verweilt
er irgendwo, dann geht er wieder zum Schloß des Padischahs von Indien,
legt die Medschidije in das Maß und übergibt es mit den Worten: „Da
habt ihr euer Maß!“ Man fragt: „Was sollen diese Medschidije?“ Er
antwortet: „Davon hat er bergeweise. Komm nur und sieh sie dir an. Es
macht nichts.“ Er gab das Maß mit den Medschidije dem Padischah von
Indien, kehrte um, und kam wieder zum Müller.
Einen Tag verweilte er, am zweiten Tage sagte er: „Gib mir fünf bis
zehn Goldpfunde!“ Der Müller sagte: „Du willst mich wohl bankrott
machen? Mach, daß du weg kommst. Ich gebe dir nicht die Pfunde.“ Der
Fuchs sagte: „Aber, Staubpadischah, überlege dir doch, was ich dir für
eine Wohltat erweisen werde. Geh, sei nicht so, gib mir die fünf bis
zehn Pfunde.“ Der gab unwillig die fünf bis zehn Pfunde. Der Fuchs nahm
sie und ging wieder zum Schloß des Padischahs von Indien und klopfte
an. Die Diener kamen heraus. Er sagte: „Gebt mir euer Maß zum
Pfundemessen. Unser Herr Staubpadischah will Pfunde messen. Gebt das
Maß; ich bringe es gleich wieder.“ Er nahm das Pfundmaß und ging weg.
Unterwegs verweilte er irgendwo drei bis fünf Tage, dann lief er wieder
zu dem Schloß des Padischahs von Indien und klopfte an die Tür. Der
Diener kam heraus. Der Fuchs hatte die Pfunde hineingelegt und übergab
es so. Die Diener sagten: „Was sollen diese Pfunde?“ Er antwortete:
„Davon hat er haufenweise wie auf einer Tenne.“ Dann kehrt er wieder
zum Müller zurück. Der fragt: „Wo sind meine Medschidije und Pfunde,
die ich dir gegeben habe?“ Der Fuchs antwortet: „Warte nur! Die Schärfe
des Rettigs kommt erst nachher zum Vorschein.“ Dann erbittet er sich
zehn Tage Urlaub und geht in die Stadt. Der Fuchs läßt die Ausrufer
ausrufen: „Jeder soll sich bereit halten! Wir wollen zur Tochter des
Padischahs von Indien gehen, um Scherbet zu trinken.“ Der Ausrufer ruft
aus: „Am dritten Tage soll jeder da und da hin gehen!“ Am dritten Tage
machen sie sich zu Fuß auf den Weg und tun so, als ob
Fünfhunderttausend auf Pferden und Maultieren hinter ihnen wären. Der
Fuchs vor ihnen als Oberherold — der Fuchs ist natürlich nun schon
Herold geworden. — Der Fuchs führt sie drei bis fünf Tage. Er kommt in
einen großen Morast. Ein Regenguß kam und ertränkte viele Menschen in
dem Sumpf. Er selbst eilt vor und kommt zum Padischah von Indien und
sagt: „Gott sei Dank! Es ist niemand gestorben. Aber soviel Sachen und
Schmuckgegenstände sind verloren gegangen.“ Da sagt der Padischah von
Indien: „Geht zu den Schneidern, nehmt alles zusammen, was an Kleidern
vorhanden ist. Für soviel Menschen sollen neue Kleider kommen.“
Besonders für den Staubpadischah kommt ein Kleid, das sich nicht
beschreiben läßt. Der Padischah befiehlt: „Der Schneider soll es
nähen!“ Es wird genäht. Alles wird auf Wagen und Landauern verladen und
dorthin gebracht. Der Herold Fuchs eilt voraus und kommt dort schnell
an und sagt: „Ich habe eine feine Geschichte eingefädelt.“ Dann eilt er
wieder zu den Wagen zurück und sagt: „Macht schnell, soviel Leute
liegen im Freien.“ Sie nehmen die Wagen und Landauer und kommen zu
jenen Leuten. Die steigen ein und kommen zum Schloß des Padischahs von
Indien. Draußen werden Zelte aufgeschlagen. Fünfzehn bis Zwanzig treten
ein, für einen jeden werden die Zelte verteilt. Der Padischah von
Indien fragt: „Was ist das für eine Menge?“ Der Herold Fuchs kommt
sofort und sagt: „Das ist das Gefolge des Staubpadischahs.“ Dann geht
er wieder zu ihnen und sagt: „Vorwärts, sie sollen gehen und um die
Tochter des Padischahs von Indien werben!“ Da gehen fünf bis zehn
Hodschas für den Staubpadischah zum Schlosse des Padischahs von Indien
und sagen: „Auf Allahs Befehl wünschen wir von dir deine Tochter für
den Herrn Staubpadischah. Was wirst du sagen?“ Der antwortet: „Wenn es
das Schicksal so will, was soll ich sagen?“ Dann trinken sie Scherbet,
erheben sich und gehen wieder zurück. Der Fuchs sagt: „Geben Sie mir
drei Tage Urlaub.“ Sein Herr gibt ihm Urlaub. Am Vierten kommt der
Herold Fuchs zurück, geht zum Padischah von Indien und sagt: „Mein
Herr, wir wollten die Hochzeit zurichten, haben aber, als wir
hierherkamen, soviel Waren und Sachen und so viele Pfunde durch den
Regenguß verloren.“ Da sagt der Padischah von Indien: „Das macht
nichts, wenn wir auch nicht viel Geld haben, so wollen wir doch die
Hochzeit hier machen.“ Sie fingen an, die Hochzeit zuzubereiten.
Vierzig Tage und vierzig Nächte dauert die Hochzeit. Alle Kosten
bezahlt der Padischah von Indien. Er läßt für fünfhunderttausend Leute
echte silbergestickte Kleider nähen.
Nachdem die Hochzeitsfeste vierzig Tage und vierzig Nächte gedauert
haben, bringt man den Staubpadischah dorthin. Der Herold Fuchs geht hin
und fragt leise den Staubpadischah: „Wie geht es dir?“ Der sagt: „Gut.“
Dann brechen sie auf und machen sich mit den fünfhunderttausend Leuten
auf den Weg. Der Padischah von Indien füllt ihnen die Kisten mit
Pfunden. Fünf bis zehn Leute vom Padischah von Indien gehen zur
Begleitung seiner Tochter mit ihnen. Der Herold Fuchs hatte sich eine
Stunde vor ihnen auf den Weg gemacht. Unterwegs sieht er auf einer
Ebene, daß Hirten Kamele und Stuten weiden. Der Herold Fuchs geht zu
den Hirten und sagt: „Seht ihr die dort Ankommenden?“ Die Hirten sagen:
„Wer ist das?“ Er antwortet: „Die kommen, um euch zu überfallen. Wenn
sie fragen: ‚Wem gehören diese Stuten und Kamele?‘ so sagt: ‚Unserm
Herrn Staubpadischah.‘“ Die kommen und fragen die Hirten: „Wem gehören
diese Stuten und Kamele?“ Die Hirten antworten: „Diese Kamele und
Stuten gehören unserem Herrn Staubpadischah.“ Die ziehen weiter.
Der Herold Fuchs ist wieder eine Stunde voraus. Auf einer Ebene sind
soviel Schafhirten und Rinderhirten. Der Herold Fuchs eilt zu ihnen und
sagt: „Seht ihr die dort Ankommenden? Die kommen, um euch zu
überfallen. Wenn sie fragen, wem gehört dies alles, so antwortet:
‚Unserm Herrn Staubpadischah‘. Dann werdet ihr gerettet sein.“ Die
ziehen vorüber. Der Herold Fuchs ist wieder eine Stunde voraus. Er
kommt an eine Dev-Wohnung. Die Deve sind im Hause. Er sagt zu den
Deven: „Kommt, verbergt euch. Die da ankommen, wollen euch überfallen.“
Die Deve sagen: „Um Himmelswillen, verbirg uns!“ Da nimmt der Herold
Fuchs die Deve, legt Heu in die Wohnung und zündet es an. Die Deve
fliegen alle in die Luft und verbrennen vollständig.
Dann geht der Herold Fuchs schnell den Ankommenden entgegen und sagt zu
den fünfhunderttausend Leuten: „Fürchtet nichts! Es ist nichts! Was uns
zustoßen wird, soll nur unserm Besitz zustoßen!“ Als die von dem
Padischah von Indien geschickten Leute kommen, sehen sie: Ein großes
Schloß ist verbrannt und verschwunden. Da sagen die Leute, die mit der
Tochter des Padischahs von Indien gekommen waren: „Was machts? Was
brennt, mag brennen. Wir bauen es wieder. Wir wollen schnell einen
Palast mieten.“ Dann mieten sie schnell einen großen Palast und sagen:
„Bitte, Staubpadischah!“ Sie ziehen ein und holen das Fehlende von den
Kaufleuten. Alles Geld bezahlen die Leute, die von dem Padischah von
Indien gekommen sind. Vierzehn Tage leben sie vergnügt. Dann bitten sie
um Urlaub. Man verabschiedet sich. Sie machen sich auf den Heimweg, die
andern bleiben allein zurück.
Eines Tages sagt der Herold Fuchs aufrichtig: „Halt, ich werde krank.“
Der Herold Fuchs wird krank. Die Diener sagen: „Herr, unser Herold
Fuchs ist krank geworden.“ Der Staubpadischah sagt: „Halt, wollen doch
einmal sehen!“ Sie gehen hin. Der Herold Fuchs ist tot. Sie kommen
wieder und bringen die Kunde: „Der Herold Fuchs ist tot.“ Der
Staubpadischah sagt: „Zieht ihn an seinem Bein herunter.“ Da steht der
Herold Fuchs auf und sagt: „Ich habe dir soviel Gutes getan, wie kannst
du mich an meinem Bein ziehen.“ Da sagt der Staubpadischah: „Ich wußte,
daß du nicht gestorben warst und habe einen Scherz gemacht.“
Nach einigen Tagen stirbt der Herold Fuchs wirklich. Die Diener kommen
schnell und bringen dem Staubpadischah die Kunde: „Unser Herold Fuchs
ist gestorben.“ Der denkt, er verstellt sich wieder. Der Staubpadischah
geht zum Herold Fuchs und ruft leise: „Herold Fuchs!“ Vom Herold Fuchs
war nichts zu vernehmen. Er war wirklich tot. Sie sagen zum
Staubpadischah: „Unser Herold Fuchs ist tot.“ Der sagt: „Ein Imam soll
schnell kommen.“ Der Imam kommt, wäscht den Herold Fuchs und wickelt
ihn ordentlich ein. Dann begräbt man ihn. Der Staubpadischah und die
Tochter des Padischahs von Indien lebten vergnügt in dem großen
Schlosse. Das ist die Wohltat, die der Herold Fuchs getan hat.