13. DIE GESCHICHTE VON DEM SCHÖNEN WASSERTRÄGER

Die Geschichtenüberlieferer und die Märchenerzähler berichten

folgendes. In alten Zeiten hatten ein Padischah und ein Vezir jeder

eine Tochter. Als sie eines Tages vom Fenster einander sehen und sich

unterhalten, kommt auf der Straße ein schöner Wasserträger vorbei. Die

Tochter des Padischahs sagt: „Schöner Wasserträger, schöner

Wasserträger, ist die Tochter des Vezirs schön oder bin ich es?“ Der

schöne Wasserträger sagt: „Meine Prinzessin, ihr seid beide schön, aber

die Tochter des Vezirs ist noch schöner.“ Dann geht er weiter. Darüber

wurde die Tochter des Padischahs böse auf die Tochter des Vezirs. Nach

einiger Zeit wird sie krank und legt sich hin. Der Padischah ruft Ärzte

und Hodschas, die das Mädchen untersuchen. Sie gibt den Ärzten eine

Handvoll Goldstücke und sagt zu einem: „Sage meinem Vater: ‚Wenn sie

nicht das Blut der Tochter des Vezirs trinkt, ist keine Rettung.‘“

Dieser Arzt geht sofort zum Padischah und sagt: „Mein Padischah, wenn

sie nicht das Blut der Tochter des Vezirs trinkt, wird sie nicht

gesund.“ Der Padischah läßt dem Vezir die Nachricht zukommen. Der Vezir

hatte Mitleid mit seiner Tochter, tötete eine junge Katze und schickte

ihr Blut hin. Dann ließ er einen Kasten aus Nußbaum machen der von

innen verschließbar war, legte das Mädchen hinein, brachte ihn auf den

Bitbazar und ließ ihn verauktionieren. Der schöne Wasserträger geht

gerade vorbei, sieht den Kasten, geht zum Auktionator, gibt das Geld

und nimmt den Kasten. Dann gibt er den Kasten einem Lastträger, geht

nach Hause und stellt den Kasten in sein Schlafzimmer. Am Morgen geht

der schöne Wasserträger weg. Das Mädchen steigt aus dem Kasten, fegt

ordentlich das Zimmer, macht das Bett und legt sich wieder in den

Kasten. Am Abend kommt der schöne Wasserträger und sieht, daß sein

Zimmer gefegt und sein Bett gemacht ist und überlegt: „Wer ist wohl

heute hierher gekommen?“ Schließlich legt er sich schlafen. Am Morgen

geht er wieder weg. Wie das vorige Mal fegt das Mädchen das Zimmer und

macht das Bett. Am Abend legt es sich wieder in den Kasten. Darauf

kommt der schöne Wasserträger wieder und sieht, — was siehst du? —

wieder ist sein Bett gemacht. Er dachte etwas nach und geht dann zu dem

Kasten und sagt: „Heh, Taugenichts, komm heraus, wer du auch seiest.“

Nichts rührt sich. Er legt sich wieder schlafen. Am Morgen holt er

Fleisch vom Schlächter, bringt es in sein Zimmer, legt es hin und sagt

zu sich: „Wenn Gott will, werde ich es mir kochen.“ Dann steht er auf

und geht weg.

Das Mädchen steigt aus dem Kasten, fegt das Zimmer, kocht das Fleisch,

legt es auf die Platte und beschäftigte sich damit, die Wäsche zu

waschen. Da kommt plötzlich der schöne Wasserträger, tritt ein und

sieht, daß das Mädchen Wäsche wäscht. Als das Mädchen ihn sieht, sagt

sie: „Ach“ und bedeckt ihr Gesicht mit ihrem Rocksaum. Der schöne

Wasserträger sagt: „Meine Prinzessin, jetzt bist du mein und ich dein,

ein Entrinnen gibt es nicht, du bist nun mir zugefallen.“ Sogleich holt

er einige Leute, verheiratet sich mit dem Mädchen und sie pflegten der

Liebe.

Eines Tages beladet der schöne Wasserträger vierzig Maultiere mit Geld

und schickt das Mädchen mit den Tieren zu seiner Mutter. Das Mädchen

geht dorthin und wohnte dort. Eines Tages schreiben die Leute des

Stadtviertels an den schönen Wasserträger: „Deine Frau ist eine Hure

geworden.“ Der schöne Wasserträger nimmt ein großes Messer in die Hand

und geht zum Hause seiner Frau. Als er in die Tür eintritt, geht das

Mädchen mit einem silbernen Leuchter in ihren Händen, ihm entgegen. Als

er sie töten will, wirft sich das Mädchen in einen Bach, der vor dem

Hause war. Der Bach führt sie ins Meer. Dort fischten drei Fischer. Sie

geht in das Netz und die Fischer ziehen sie heraus. Da sehen sie, — was

siehst du? — in dem Netz ist ein Mädchen. Sie fangen an sich zu

streiten, wer das Mädchen bekommen soll. Da sagt einer von ihnen: „Wir

wollen diesen Pfeil abschießen. Wer von uns ihn holt, dem soll das

Mädchen gehören.“ Dann schießen sie den Pfeil ab und die drei laufen

hinter dem Pfeil her. Da entflieht das Mädchen. Allmählich trifft sie

einen Juden. Der sagte: „Ei, mein Mädchen, mein Mädchen, nun werde ich

dich nehmen und nicht loslassen. Was sagst du nun?“ Das Mädchen gibt

dem Juden den Leuchter in seine Hände und entflieht. Allmählich kommt

sie an eine Quelle und setzt sich dort hin. Da erblickt sie der Sohn

des Padischahs, nimmt sie mit sich, und heiratet sie.

Jetzt sagt das Mädchen: „Prinz, diese Quelle laß schön herrichten, daß

derjenige, der daraus trinkt, mein Bild sieht.“ Der Prinz läßt die

Quelle, so wie das Mädchen es beschrieben hatte, herrichten. Nach

einigen Tagen kommen diese drei Fischer, um aus dieser Quelle Wasser zu

trinken. Als sie die Schönheit des Mädchens sehen, werden sie

ohnmächtig. Später kam dieser Jude. Auch der wird ohnmächtig, als er

Wasser trinkt.

Eines Tages kommt der schöne Wasserträger. Auch der wird ohnmächtig,

während er trinkt. Das Mädchen hat aus dem Fenster auf diese aufgepaßt,

es dem Prinzen gesagt. Der läßt sie hereinholen und einsperren.

Eines Tages geht das Mädchen mit dem Prinzen zu ihnen und sagte: „Mein

Prinz, diese Fischer haben mich aus dem Wasser gezogen, dieser Jude hat

mich beleidigt und dieser schöne Wasserträger war früher mein Mann.“ Da

sagte er: „Meine Prinzessin, ist es so?“ Dann gab er die Fischer frei,

ließ dann den Juden hinrichten und gab dann dies Mädchen dem schönen

Wasserträger wieder zurück und sagte: „Gehe und lebe vergnügt.“ Der

schöne Wasserträger brachte das Mädchen mit sich in sein Haus. Das

Mädchen erzählte ihm alles das, was ihm geschehen war. Der schöne

Wasserträger heiratete sie von neuem. Vierzig Tage und vierzig Nächte

dauerten die Hochzeitsfeste. In der einundvierzigsten Nacht ging er ins

Hochzeitsgemach. Sie erreichten ihr Verlangen.

Diese Geschichte ist auch zu Ende und damit Schluß.

Türkische Märchen · 第 30 / 91 题