Die Geschichtenüberlieferer und die Märchenerzähler berichten
folgendes. In alten Zeiten hatten ein Padischah und ein Vezir jeder
eine Tochter. Als sie eines Tages vom Fenster einander sehen und sich
unterhalten, kommt auf der Straße ein schöner Wasserträger vorbei. Die
Tochter des Padischahs sagt: „Schöner Wasserträger, schöner
Wasserträger, ist die Tochter des Vezirs schön oder bin ich es?“ Der
schöne Wasserträger sagt: „Meine Prinzessin, ihr seid beide schön, aber
die Tochter des Vezirs ist noch schöner.“ Dann geht er weiter. Darüber
wurde die Tochter des Padischahs böse auf die Tochter des Vezirs. Nach
einiger Zeit wird sie krank und legt sich hin. Der Padischah ruft Ärzte
und Hodschas, die das Mädchen untersuchen. Sie gibt den Ärzten eine
Handvoll Goldstücke und sagt zu einem: „Sage meinem Vater: ‚Wenn sie
nicht das Blut der Tochter des Vezirs trinkt, ist keine Rettung.‘“
Dieser Arzt geht sofort zum Padischah und sagt: „Mein Padischah, wenn
sie nicht das Blut der Tochter des Vezirs trinkt, wird sie nicht
gesund.“ Der Padischah läßt dem Vezir die Nachricht zukommen. Der Vezir
hatte Mitleid mit seiner Tochter, tötete eine junge Katze und schickte
ihr Blut hin. Dann ließ er einen Kasten aus Nußbaum machen der von
innen verschließbar war, legte das Mädchen hinein, brachte ihn auf den
Bitbazar und ließ ihn verauktionieren. Der schöne Wasserträger geht
gerade vorbei, sieht den Kasten, geht zum Auktionator, gibt das Geld
und nimmt den Kasten. Dann gibt er den Kasten einem Lastträger, geht
nach Hause und stellt den Kasten in sein Schlafzimmer. Am Morgen geht
der schöne Wasserträger weg. Das Mädchen steigt aus dem Kasten, fegt
ordentlich das Zimmer, macht das Bett und legt sich wieder in den
Kasten. Am Abend kommt der schöne Wasserträger und sieht, daß sein
Zimmer gefegt und sein Bett gemacht ist und überlegt: „Wer ist wohl
heute hierher gekommen?“ Schließlich legt er sich schlafen. Am Morgen
geht er wieder weg. Wie das vorige Mal fegt das Mädchen das Zimmer und
macht das Bett. Am Abend legt es sich wieder in den Kasten. Darauf
kommt der schöne Wasserträger wieder und sieht, — was siehst du? —
wieder ist sein Bett gemacht. Er dachte etwas nach und geht dann zu dem
Kasten und sagt: „Heh, Taugenichts, komm heraus, wer du auch seiest.“
Nichts rührt sich. Er legt sich wieder schlafen. Am Morgen holt er
Fleisch vom Schlächter, bringt es in sein Zimmer, legt es hin und sagt
zu sich: „Wenn Gott will, werde ich es mir kochen.“ Dann steht er auf
und geht weg.
Das Mädchen steigt aus dem Kasten, fegt das Zimmer, kocht das Fleisch,
legt es auf die Platte und beschäftigte sich damit, die Wäsche zu
waschen. Da kommt plötzlich der schöne Wasserträger, tritt ein und
sieht, daß das Mädchen Wäsche wäscht. Als das Mädchen ihn sieht, sagt
sie: „Ach“ und bedeckt ihr Gesicht mit ihrem Rocksaum. Der schöne
Wasserträger sagt: „Meine Prinzessin, jetzt bist du mein und ich dein,
ein Entrinnen gibt es nicht, du bist nun mir zugefallen.“ Sogleich holt
er einige Leute, verheiratet sich mit dem Mädchen und sie pflegten der
Liebe.
Eines Tages beladet der schöne Wasserträger vierzig Maultiere mit Geld
und schickt das Mädchen mit den Tieren zu seiner Mutter. Das Mädchen
geht dorthin und wohnte dort. Eines Tages schreiben die Leute des
Stadtviertels an den schönen Wasserträger: „Deine Frau ist eine Hure
geworden.“ Der schöne Wasserträger nimmt ein großes Messer in die Hand
und geht zum Hause seiner Frau. Als er in die Tür eintritt, geht das
Mädchen mit einem silbernen Leuchter in ihren Händen, ihm entgegen. Als
er sie töten will, wirft sich das Mädchen in einen Bach, der vor dem
Hause war. Der Bach führt sie ins Meer. Dort fischten drei Fischer. Sie
geht in das Netz und die Fischer ziehen sie heraus. Da sehen sie, — was
siehst du? — in dem Netz ist ein Mädchen. Sie fangen an sich zu
streiten, wer das Mädchen bekommen soll. Da sagt einer von ihnen: „Wir
wollen diesen Pfeil abschießen. Wer von uns ihn holt, dem soll das
Mädchen gehören.“ Dann schießen sie den Pfeil ab und die drei laufen
hinter dem Pfeil her. Da entflieht das Mädchen. Allmählich trifft sie
einen Juden. Der sagte: „Ei, mein Mädchen, mein Mädchen, nun werde ich
dich nehmen und nicht loslassen. Was sagst du nun?“ Das Mädchen gibt
dem Juden den Leuchter in seine Hände und entflieht. Allmählich kommt
sie an eine Quelle und setzt sich dort hin. Da erblickt sie der Sohn
des Padischahs, nimmt sie mit sich, und heiratet sie.
Jetzt sagt das Mädchen: „Prinz, diese Quelle laß schön herrichten, daß
derjenige, der daraus trinkt, mein Bild sieht.“ Der Prinz läßt die
Quelle, so wie das Mädchen es beschrieben hatte, herrichten. Nach
einigen Tagen kommen diese drei Fischer, um aus dieser Quelle Wasser zu
trinken. Als sie die Schönheit des Mädchens sehen, werden sie
ohnmächtig. Später kam dieser Jude. Auch der wird ohnmächtig, als er
Wasser trinkt.
Eines Tages kommt der schöne Wasserträger. Auch der wird ohnmächtig,
während er trinkt. Das Mädchen hat aus dem Fenster auf diese aufgepaßt,
es dem Prinzen gesagt. Der läßt sie hereinholen und einsperren.
Eines Tages geht das Mädchen mit dem Prinzen zu ihnen und sagte: „Mein
Prinz, diese Fischer haben mich aus dem Wasser gezogen, dieser Jude hat
mich beleidigt und dieser schöne Wasserträger war früher mein Mann.“ Da
sagte er: „Meine Prinzessin, ist es so?“ Dann gab er die Fischer frei,
ließ dann den Juden hinrichten und gab dann dies Mädchen dem schönen
Wasserträger wieder zurück und sagte: „Gehe und lebe vergnügt.“ Der
schöne Wasserträger brachte das Mädchen mit sich in sein Haus. Das
Mädchen erzählte ihm alles das, was ihm geschehen war. Der schöne
Wasserträger heiratete sie von neuem. Vierzig Tage und vierzig Nächte
dauerten die Hochzeitsfeste. In der einundvierzigsten Nacht ging er ins
Hochzeitsgemach. Sie erreichten ihr Verlangen.
Diese Geschichte ist auch zu Ende und damit Schluß.